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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Die Kinder und Landstreicher Silenus

Die Kinder und Landstreicher Silenus

Idyllisches Lehrgedicht

© 1989 Dirk Schindelbeck

Neulich streiften die Kinder durch Schrebergärten am Stadtrand,
welche die Pächter verlassen hatten und nicht mehr benutzten.
Üppig wucherten dornige Ranken und handgroße Blätter
an den Stellagen und Zäunen und bogen sich über die Beete.
Lange Bohnenstangen ragten und knackten im Winde.
Gartenstühle standen verrostet herum, und das Wasser
stand in den Regentonnen, drauf schwammen vermoderte Blüten.
Efeu kroch auf dem Boden und hangelte sich an den Lauben
hoch wie grüne Hände, die alles befingernd verdecken.
Aber unter dem Unkraut reiften die saftigen Erdbeern,
und sie aßen davon und sahen den tragenden Kirschbaum,
schüttelten ihn, und die Früchte sprangen ins Wildgras herunter.
O wie waren die sauer! Jetzt näherten sie sich der Hütte,
fanden lose den Riegel und schlichen gespannt in das Innre -
und erstaunten: Dort schlief ein Mann, auf dem Bänkchen gelagert,
struppig und weiß war sein Bart und die Kleider grau und vertragen.
Unter dem Bänkchen stand eine Flasche, halb ausgetrunken,
in den Händen hielt er ein angefangenes Schnitzwerk,
eine Ente aus Holz. Und wie er erwachte, die Kinder
ansah, so grüßt’ er sie freundlich und nahm sein Schnitzmesser wieder:
“Gott zum Gruße, ihr beiden. Was macht ihr denn hier in den Lauben?
Hier kommt sonst niemand mehr her, die Gärten sind lange verlassen.
Wollt ihr nicht sagen, wie ihr heißt?” - “Martina und Walter,
wohnst du hier? Ist das dein Haus?” - “Ich bin nur zu Gast hier
in dieser Laube und auf dieser Erde, wie alle die andern
Menschen auch nur Gäste und Wanderer sind auf der Erde.”
Und er setzte sich aufrecht und nahm einen Schluck aus der Flasche.
“Bist Du ein Säufer? Mein Vater sagt immer: Säufer sind nichtsnutz,
immer lungern sie auf dem Marktplatz, sie stinken und betteln,
statt zu arbeiten, regelmäßig, wie ehrliche Menschen:
Sie verschandeln die Stadt, man sollte sie alle entfernen.”
“Das sagt Dein Vater? Dann muss Dein Vater ein sicherer Mann sein.”
” Ja, und man soll sie meiden. Ansteckende Krankheiten tragen
oft sie mit sich herum, und sie haben Läuse und Flöhe.”
“Darin haben sie recht, die sicheren Leute. Ich selbst kann
ihrem Vorwurf schwerlich ausweichen, hab ich doch Läuse,
und ich pfleg sie sogar, wenngleich ich sie nicht grad verwöhne.
Nun, wir wandern zusammen, solang ich sie spür, spür ich mich noch.”
“Grölst du auch nachts in den Straßen und störst anständige Leute?”
” Nein, ich meide die Städte, ich bin ein Einzelgänger,
und ich gehe über das Land, mal schlaf ich in Scheunen
auf dem Stroh, mal in Lauben wie jetzt, doch kaum in den Städten.”
“Und was machst du jetzt mit dem Messer?” - “Ich schnitz eine Ente.”
“Ich hab auch eine Ente. Die ist größer und gelb und aus Plastik;
Weich sind Beine und Hals; so oft man sie biegt auch, es kann nichts
brechen. Plastikspielzeug ist eben unverwüstlich.”
“Diese Ente ist nicht so robust wie die deine. Die Beinchen
und der Hals sind zerbrechliche Stellen. Doch Kinder, ich sag euch:
Vieles, was stark und unzerbrechlich erscheint, ist’s nur deshalb,
weil dafür anderes umkam, und oft auf grausame Weise.
Pfleglich sollten die Menschen nicht nur einander behandeln,
sondern auch die zerbrechlichen Dinge, die sie umgeben.
Daran sollten wir denken und oft nach den Ursachen fragen,
dass wir den Wert jedes einzelnen Dings dann besser begreifen.
Dazu werde ich euch eine wahre Geschichte erzählen:
Einst, vor vielen Millionen Jahren, da waren die Fische
auf dem Grunde der See in riesigen Schwärmen versammelt;
alle, der kleinste und größte, der Hering, der Hai und der Rochen,
auch die weichen Wasserwürmer und winzige Schnecken,
kleinste Lebewesen mit tastenden Sauge-Füßen,
und das Meer war groß, viel größer als heute, und keiner
hatte jemals gesehen das Land. In endlosen Tiefen
schwammen sie endlose Strecken und kannten keine Begrenzung.
So vergingen ihnen die Tage gemeinsam und friedlich:
Abends fraßen sie süßen Tang aus Muschelgeschirren,
lagerten sich bequem in die Senken des Meergrunds zum Schlafen,
tagsüber schwammen sie wieder hinaus in die endlosen Weiten,
spielten mit schäumenden Wellen, die schäumenden Wellen mit ihnen,
tauchten dann wieder hinab in ihre heimische Tiefsee,
auch in die Wasser des Golfstroms, auch ins Polarmeer.
Aber eines Tages stießen sie an mit den Köpfen:
Wände, die sie nicht kannten - es waren die Sockel der Länder -
Gänge, niemals gesehen und dunkle Gewölbe und Grotten,
wassergefüllt, erstaunten sie sehr und verwirrten die Sinne,
aber die Neugier trieb sie, den seltsamen Ort zu erkunden.
In die Labyrinthe drangen sie ein und versteckten
sich in den Nischen der stillen Grotten, durchquerten die Räume,
jagten einander nach durch gewundene Röhren und Spalten.
Plötzlich bebten die Wände, und Felsen stürzten hernieder.
Umkehren wollten sie rasch und suchten verzweifelt den Ausgang,
aber zu spät. Die Felsen erdrückten die Fische alle.”
“Aber wie kam denn das Unglück? Woher ist das Unglück gekommen?”
“Dazu wollen wir kurz ins Innre der Erde hineinschaun.
Darin wütet ein Feuer nämlich, viel älter als alles,
was wir kennen, und es erschüttert zu Zeiten die Erde.
Dann, vom Feuer bewegt, verschieben sich riesige Länder-
schollen übereinander, es krachen die Fugen der Erde.
Schöne Brücken brechen, und Häuser stürzen zusammen,
Flüsse verschwinden im Boden, und Berge rutschen ins Meer ab,
Tausende Lebewesen werden erdrückt und verschüttet.
Heute noch könnt ihr sehen Abdrücke von Tieren in Steinen,
die man Fossilien genannt hat oder auch Petrefakten.
So auch wurden die Fische von fließenden Massen getötet.
Dann wurd das Feuer ruhig, die Winde atmeten langsam
über dem Meer, und Frühling brachte schon Blüten den Ländern,
Pflanzen und Tiere gewöhnten ans friedliche Leben sich wieder.
Und dann gingen Millionen Jahre vorüber und noch mehr,
aus den Fischen wurde schon Brei und später ein Schlamm gar;
dickflüssig war er und schwarz und stank entsetzlich, doch niemand
von den Menschen, die über der Erde die Städte bewohnten,
kümmerte sich darum, weil niemand ihn brauchte. Da gab es,
hundert Jahre ist das nun her, einen Mann, der sehr dick war,
dem fiel das Laufen schwer, da baute er sich einen Wagen,
und um den zu bewegen, erfand er sich eine Maschine
ganz aus Metall, ein Meisterwerk aus Rädern und Achsen,
den Motor, den Verbrennungsmotor. Und damit nun fuhr er,
und der Motor verbrannte Benzin, und dieses Benzin ist
aus der Tiefe der Erde geholter öliger Fischschlamm:
Dieser wird gereinigt in riesigen Raffinerien
und an die Tankstellen weitergegeben, die ihn verkaufen
als Benzin und als Öl zum Schmieren der Wellen und Lager.
Aber nicht nur Benzin und Öl, auch andere Dinge
werden aus ihm gemacht, auch Haushaltsgeräte und Spielzeug;
und deine Ente, die Plastik-Ente, auch sie ist aus Erdöl
oder Fischschlamm, ganz wie ihr wollt, s’ist beides dasselbe.
Aber nicht diese hier, die ich jetzt hier schnitze, die Ente
ist aus dem Holz der Linde, es gibt keinen schöneren Werkstoff.”

Und er arbeitete schneller, und wildum flogen die Späne,
langsam wuchsen die Beine heraus aus der Masse des Holzes,
nur die Füße, die platten, noch nicht, sie waren noch Klumpen.
“Hast du früher auch schon geschnitzt? War das dein Beruf mal?”
“Ja, des öfteren hab ich geschnitzt, doch nur zum Vergnügen.
Meistens war ich ein fahrender Sänger und sang meine Lieder,
und die Leute nannten mich bald den alten Silenus.
Das war mein Name, der alte Silenus, sie bettelten immer:
„Sing uns ein Lied, Silenus, voll spannender Sagen der Vorzeit
oder erzähl uns Geschichten von schönen Frauen und Helden!
Schlecht sind die Zeiten jetzt, doch du vertreibst uns die Sorgen!”
Und sie luden mich ein und gaben mir reichlich zu trinken
und gewaltig zu essen und manchmal ein wärmendes Bad noch.
Das war der Lohn, doch vom trinkenden Sänger blieb nur der Trinker,
dabei sind die Zeiten jetzt gut, doch das ist das Elend;
denn seitdem die Leute Fernsehgeräte besitzen,
Plattenabspieler, Tonbandgeräte, Kassettenrekorder,
wollen sie nichts mehr hören von mir: Sie sitzen vorm Bildschirm,
sehen die zuckenden Sänger und hören die zuckenden Lieder.
Mich hört niemand mehr an: So lauf ich allein durch die Landschaft.
“Wir zu Hause, wir haben drei Fernseher, einen im Wohnraum,
der ist in Farbe, im Schlafzimmer einen, einen im Keller.”
“Seht ihr, drum sing ich schon lange nicht mehr und hab sie vergessen,
alle die schönen Balladenverse, unzählige Strophen
von den berühmten Nibelungen, von Brunhild und Siegfried.
Alles ist fort aus meinem Kopf, ein einzelnes Lied nur
ist mir haften geblieben, ich sing es für mich, wenn ich wandre.”
“Sing uns doch dieses Lied, Silenus, wir wollen es hören.
Ja, Silenus, sing uns das Lied, das du singst, wenn du wanderst!”
“Das klingt ja fast wie früher, doch leider, ich muss euch gestehen:
Singen, das kann ich nicht mehr, ich krächz wie ein Rabe, so rau ist
meine Stimme geworden, ich trage es euch als Gedicht vor:

Vorgemachte Betten lieb ich nicht,
such mir nachts ein Moos,
steht am Himmel Abends Angesicht,
rotes Wolkenfloß,

sind die Schatten schon mein Dach und Haus,
deckt mich Reisiggrün;
und ich trink die letzte Flasche aus
und die Lichter fliehn.

O dämmert’s da, wie rauscht der Wald
über mir und fern
funkeln aus dem Dorf noch Lichter kalt,
aber sieh, mein Stern

wiegt sich noch vor dichtem Wolkenflor,
bricht durch Kronen ein,
lange schau ich, lausch dem Waldeschor,
und dann schlaf ich ein.

Schlägt der Morgen dann mit Finkenlaut
hell auf hell durchs Laub,
spür ich erdnah, wie die Nacht getaut,
heb mich aus dem Staub.

Wieder lange Straßen wird ich ziehn,
kehrn bei Höfen ein.
„Sagt mir nicht, wohin die Wolken fliehn,
ach, lasst mich allein!

Vorgemachte Betten lieb ich nicht,
lehn am Weidenhang,
leuchtet mir das große Himmelslicht
Tal und Weg entlang.”

Hierauf gähnte Silenus, es schwiegen die Kinder, dann sprach er:
“Müde bin ich geworden. Geschieht mir so häufig in letzter
Zeit, dass ich müde werde an Leib und Seele, so müde.
Das sind die Zeichen, und die sind deutlich. Ich muss wohl bald sterben.”
“Sterben? Nein, Silenus! Du darfst doch nicht sterben!” - “O Kinder!
Nicht das schrecklichste Ding ist der Tod, viel schlimmeres gibt es:
Hängt ein Mensch an sich selbst, nur dann kann schrecklich der Tod sein,
denn der nimmt nur den einzelne Körper. Das Leben im Ganzen
wird er nicht töten können. Wer weiß, in ferneren Tagen
geht es mir wie den Fischen, dann werd ich den Lebenden nützen
als ein Rohstoff, den sie grad brauchen. Ihr seht schon, so schnell kommt
keiner aus der Welt, auch wenn er so brennend es wünschte.
Aber diese Gedanken sind letztlich alle nicht wichtig,
wichtig zuletzt sind Freundschaft und Liebe, die einzige Währung
zwischen allem was Mensch ist und je sich menschlich genannt hat.
“Aber mein Vater sagt immer: Einfluss behalten ist wichtig,
dann kann kommen, wer will, dann wird dich niemand verdrängen.”
“Kinder, nun möchte ich schlafen. Wollt ihr die Ente, dann nehmt sie.
Wenn ihr den Bauch mit Wachs einreibt, dann schwimmt sie noch besser,
aber streitet euch nicht um sie, das müsst ihr versprechen.”
Solches versprachen die Kinder im Schrebergarten Silenus.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Sonntag, 17. Mai 2009 7:14
Themengebiet: Balladen/Eklogen