herbstmittag im rheinland

© 1996 Dirk Schindelbeck

im rauch die felder    schollen
von rüben ausgebeint
am wegrand stehn die vollen
anhänger wie versteint
krähen in nebelspiralen
- wie groß die vögel sind -
mit harten schnäbeln malen
figuren in den wind

vom tagebau der ketten
der bänder schriller ton
in riesenstahlskeletten
die baggerkreuze drohn
und fernher drähte knallen
die aus dem e-werk gehen
zu blättern blätter fallen
verwirbeln und verwehn

das dorf schrumpft schwer und düster
in klinkernetzen ein
wie irre hackt der küster
im gärtchen brennholz klein
am laden LEBENSMITTEL
die neonröhre zuckt
darinnen bleich im kittel
ein mädchen liest geduckt

ein mann auf schwarzem rade
bewegt sich über land
die straße naß die grade
sie hatte so gebrannt
wie sich die bäume biegen
es ist so still im dorf
und vor den zäunen liegen
schon ballen braun von torf

Schlagworte: »

Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 18. Mai 2009 12:39
Themengebiet: Deutschlandgedichte