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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Der Wirtschaft letzte Werte

Der Wirtschaft letzte Werte

Die Comic-Figuren Fritz und Otto waren die wahre “Brigade Erhard”

Wer kennt sie nicht? Dick und Doof, Haeberle und Pfleiderer, Tünnes und Schäl. Volkstümlich gewordene Figurenpaare, die, witzig und treffend in Rede und Gegenrede, Zustände und menschliche Schwächen auf den Punkt bringen und zudem durch ihre skurrilen Charaktere illustrieren, karikieren und mitunter auch beglaubigen. Kein literarisches Verfahren erscheint derart prädestiniert, den Diskurs über brennende Themen der Zeit überzeugender zu führen als der dramatische Dialog, der in einer Pointe auslaufende Sketch.

Gleichwohl ist sich heute kaum jemand bewußt, daß sogar eine der Säulen unseres Selbstverständnisses von einem solchen Figurenpaar vorgestellt und über Jahre hin beworben wurde. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, kollektiv wie privat erlebt, stellen sich in der Retrospektive ja eher dar wie ein Naturgesetz. Doch es hat in diesem Aufstiegsszenario sehr bewußt eingesetzte Medienhelden gegeben, welche die Nachkriegsrealität mit jener Ideologie zu unterfüttern verstanden, die uns noch heute als ein Stück unserer Identität erscheint: die soziale Marktwirtschaft.

Im Herbst 1951 fanden sich, unter Führung der in Westdeutschland damals zukunftsträchtigsten Branche, der Chemieindustrie, Unternehmer zusammen, die sich ihre eigenen Gedanken um die weitere Entwicklung des noch längst nicht souveränen staatlichen Gebildes machten. Natürlich stand die Sicherstellung der bürgerlichen Mehrheit bei der Bundestagswahl 1953 und damit die Erhaltung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingung, Sicherung des Privateigentums an Produktionsmitteln, im Zentrum ihrer Überlegungen. Man entschied sich, zu diesem Zweck einen gemeinnützigen Verein zu gründen; “Die Waage. Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs”. Aufgabe dieser PR-Zentrale sollte es sein, die öffentliche Meinung im Sinne des Unternehmerstandpunkts durch Anzeigen, Broschüren und Kinofilme zu beeinflussen und den kleinen Mann auf der Straße von den Segnungen jener Wirtschaftsform, “die wir seit 1948 haben”, zu überzeugen.

Grund zu entsprechender Aktivität bestand in der Tat. So hatte das Institut für Demoskopie Allensbach nicht nur eine untergründige “soziale Spannung” in breiten Bevölkerungskreisen festgestellt, sondern auch, daß trotz beeindruckender Wiederaufbauleistung der Hang zu planwirtschaftlichen Vorstellungen weiterhin groß sei. Die Rückkehr zu festen, vom Staat garantierten Preisen wie in der Zeit der Bewirtschaftung wünschten sich viele, zumal manche Lebensmittel, wie etwa Butter oder Kaffee, immer noch weit außerhalb der Budgets vieler Arbeiterhaushalte lagen.

Mithin sah sich der Waage-Verein vor die Aufgabe gestellt, die Begriffe “sozial” und “Marktwirtschaft” zu einer in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit glaubwürdigen und attraktiven Verbindung zusammenzuschmieden. Denn die theoretische Fundierung dieses Konzepts durch Alfred Müller-Armack war ja noch keineswegs gleichbedeutend mit seiner Akzeptanz bei den Adressaten. Dazu wählte man sich eine der ersten deutschen, bereits nach US-amerikanischen Methoden arbeitenden Werbeagenturen, die Gesellschaft für Gemeinschaftswerbung im Hause Hanns W. Brose in Frankfurt, welche die Anzeigen professionell erarbeiten, umsetzen und schalten sollte.

Anfang Oktober 1952 erschienen die ersten Inserate in mehr als 90 Prozent der westdeutschen Tagespresse: Sie ließen Wiederaufstieg und beginnendes Wirtschaftswunder bereits Bild und Botschaft werden, wenngleich diese erste Serie noch nicht dialogisch strukturiert war und die Sujets ein wenig wie Ansprachen vor der angetretenen Belegschaft wirkten. Das sollte sich im Frühjahr 1953 ändern, als erstmals die Musterarbeiter Fritz und Otto das Licht der bundesdeutschen Medienlandschaft erblickten; fortan vertraten die beiden über mehr als ein Jahrzehnt die Anliegen der westdeutschen Unternehmerschaft und projizierten diese geradezu in die Arbeitnehmerschaft hinein. Zugleich kam “Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft” zu einer ganz speziellen und unverwechselbaren Präsentationsform, einem Illusionstheater des Alltags, das den Wiederaufstieg Stufe für Stufe abbildete, erläuterte und wertete.

Im ersten Auftritt im Juni 1953 in einer Kneipe mutmaßt Otto, Waage-intern “Querkopf” genannt, daß die Planwirtschaft mit ihren festen Preisgarantien eigentlich kein so schlechtes Wirtschaftssystem sei. Nach ein, zwei Bierchen ist er dann bei seiner vorgefaßten Meinung angekommen: “Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.” Der kluge Fritz (intern “Klarkopf”) jedoch hat seinen Freund sehr scharf beobachtet, schon als dieser die Kneipe betrat. Nun kontert er ihn aus, verweist auf dessen “neue Schuhe”, die “prima Kluft”. An solch kleinem Besitzstand zeigt er ihm auf, daß es doch auch mit ihm aufwärtsgeht. Am Ende stimmen beide ein in den Lobpreis auf Erhards soziale Marktwirtschaft, jenes Metamarkenprodukt, das sich wie eine zauberhafte Regieanweisung über der schönen, neuen Warenlandschaft zu wölben beginnt.

Nach diesem dramaturgischen Muster sollten fast alle Anzeigen des Fritz-und-Otto-Typs ablaufen, beispielsweise im Herbst 1954 in Zeichen von heraufziehender Hochkonjunktur und Rationalisierungszwängen. Da sind die beiden vor ihren Arbeitgeber hingetreten und bitten um eine Lohnerhöhung. Doch der “gute Chef” weiß ihr Ansinnen durch Hinweis auf die sozial Schwachen (”Oder meint ihr: höhere Löhne durch höhere Preise? Denkt an die Frauen, die Rentner, das Volk!”) abzubügeln.

Freilich gab es intern auch so manche Kritik an den Figuren, ihren Argumenten oder Gesprächssituationen. So mahnte Ludwig Erhard bei einem Waage-Förderer-Treffen kurz vor Weihnachten 1954 an: “Fritz und Otto sollen sich energiegeladener unterhalten; jeder soll sich bewußt sein, daß es um letzte Werte geht.” Was konnte damit gemeint sein? Ein Kühlschrank, ein Kleinwagen, ein Häuschen, eine Italien-Reise? Selbstverständlich ließ die Waage jede einzelne Stufe im Wohlstand-für-alle-Szenario Bild und Wort werden. 1957 etwa, im Vorfeld der Bundestagswahl, hat sich in einer Comicserie Fritz soeben einen Kleinwagen Marke BMW Isetta zugelegt, während Otto schon ein Einfamilienhäuschen sein eigen nennt.

Doch im gleichen Maße, wie der musterhafte Aufstieg der beiden kommentierend begleitet wurde, verwandelten sich die Protagonisten: Aus dem ehemals noch klassenkämpferisch gesinnten Arbeitertyp Otto der fünfziger Jahre erwuchs nach und nach der Typ des angepaßten wie aufstrebenden Angestellten der entwickelten Dienstleistungsgesellschaft der sechziger Jahre.

Freilich gab es neben den dialogisch aufgebauten Inseraten auch andere Serien, die etwa der nachwachsenden “skeptischen Generation” (Helmut Schelsky) die Vorteile des Wirtschaftssystems - im Kontrast zu den Verhältnissen in der DDR - aufzeigen sollten. Oder Vicco von Bülow alias Loriot stellte seinen bekannten Knollennasenmann für einen Waage-Zeichentrickfilm zur Verfügung und ließ ihn durch Weiterbildung und Abendstudium zum konsumfrohen Facharbeiter aufsteigen, dem am Ende wohlverdient ein Auto, ein Haus und sogar die passende Frau in den Arm fallen.

Die “Brigade Erhard” hatte also ihre Schauspieltruppe. Doch da die Nachwelt den Mimen bekanntlich keine Kränze windet, blieb am Ende nur das Produkt, das Wirtschaftswunder und der dazu gehörige Wirtschaftswundermann, in unser aller Gedächtnis haften; seine Helfershelfer aber sollten schon sehr bald der Vergessenheit anheimgefallen sein.

Dirk Schindelbeck ist Mitarbeiter des DFG-Projekts Propaganda-Geschichte in Freiburg. Zusammen mit dem Historiker Volker Ilgen hat Schindelbeck gerade sein Buch “Haste was, biste was” (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999. 287 S., 58 Mark) über die Werbung für die soziale Marktwirtschaft herausgebracht.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 22. März 1999 9:49
Themengebiet: Soziale Marktwirtschaft