Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w00af2a0/wp-settings.php on line 520

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w00af2a0/wp-settings.php on line 535

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w00af2a0/wp-settings.php on line 542

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w00af2a0/wp-settings.php on line 578

Deprecated: Function set_magic_quotes_runtime() is deprecated in /www/htdocs/w00af2a0/wp-settings.php on line 18

Strict Standards: Declaration of Walker_Page::start_lvl() should be compatible with Walker::start_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1199

Strict Standards: Declaration of Walker_Page::end_lvl() should be compatible with Walker::end_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1199

Strict Standards: Declaration of Walker_Page::start_el() should be compatible with Walker::start_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1199

Strict Standards: Declaration of Walker_Page::end_el() should be compatible with Walker::end_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1199

Strict Standards: Declaration of Walker_PageDropdown::start_el() should be compatible with Walker::start_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1244

Strict Standards: Declaration of Walker_Category::start_lvl() should be compatible with Walker::start_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1391

Strict Standards: Declaration of Walker_Category::end_lvl() should be compatible with Walker::end_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1391

Strict Standards: Declaration of Walker_Category::start_el() should be compatible with Walker::start_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1391

Strict Standards: Declaration of Walker_Category::end_el() should be compatible with Walker::end_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1391

Strict Standards: Declaration of Walker_CategoryDropdown::start_el() should be compatible with Walker::start_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/classes.php on line 1442

Strict Standards: Redefining already defined constructor for class wpdb in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/wp-db.php on line 306

Strict Standards: Redefining already defined constructor for class WP_Object_Cache in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/cache.php on line 431

Strict Standards: Declaration of Walker_Comment::start_lvl() should be compatible with Walker::start_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/comment-template.php on line 1266

Strict Standards: Declaration of Walker_Comment::end_lvl() should be compatible with Walker::end_lvl(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/comment-template.php on line 1266

Strict Standards: Declaration of Walker_Comment::start_el() should be compatible with Walker::start_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/comment-template.php on line 1266

Strict Standards: Declaration of Walker_Comment::end_el() should be compatible with Walker::end_el(&$output) in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/comment-template.php on line 1266

Strict Standards: Redefining already defined constructor for class WP_Dependencies in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/class.wp-dependencies.php on line 31

Strict Standards: Redefining already defined constructor for class WP_Http in /www/htdocs/w00af2a0/wp-includes/http.php on line 61
Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » „Lieber Herr Flieger! Schreiben Sie doch einmal Ursel… So heiße ich..“

„Lieber Herr Flieger! Schreiben Sie doch einmal Ursel… So heiße ich..“

Aufstieg und Fall der Himmelsschreiber von Henkel

© 2008 Dirk Schindelbeck

„Der Potsdamer Platz bot für einige Minuten ein Bild absoluter Ruhe, und straßauf und straßab hielten Autos und Straßenbahnen, gestikulierten aufgeregte Menschen. (…)  Dolle Gerüchte entstanden: Weltuntergang, Kriegsgefahr, Pestankündigung…“ Der Werbeleiter der Firma Henkel, Paul Mundhenke, war begeistert. Wie von Geisterhand geschrieben standen die Worte „Hallo Berlin!“, von zwei Flugzeugen produziert, deutlich lesbar im stahlblauen Himmel über der Hauptstadt: „Kurz nach ½ 7 Uhr endlich erreichte die Spannung die höchste Steigerung, als wiederum hoch droben ein silberner Vogel seine Kreise zog und des Rätsels Lösung brachte. Mit dem Erscheinen des Wortes Persil war der Bann gebrochen, und der Strom fröhlicher Spaziergänger zog weiter – sprach von Persil und zerbrach sich den Kopf über das Wesen dieses Wunders…“

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

Mit dem zirkusreifen Spektakel schien eine neue Reklame-Epoche angebrochen: Von diesem 2. Mai 1927 an war sogar der Himmel zur Plakatfläche geworden. Schon im Vorfeld der Kampagne hatte Henkel Medien, Handel und Privathaushalte strategisch bearbeitet, durch Pressemeldungen, Wurfsendungen oder Vertreter: „In Hamburg, Köln, Frankfurt und Leipzig standen Maschinen startbereit, um nach erhaltener telegraphischer Mitteilung über die erfolgreiche Abwicklung des ersten Berliner Fluges gleichfalls mit den Operationen zu beginnen.“

Der fliegende Major und seine Geschäftsidee

Es war die Mannschaft von Jack Clifford Savage, einem nach dem Ersten Weltkrieg arbeitslosen Major der Royal Air Force, die fortan den Himmel über Deutschland mit Waschmittel-Botschaften aus dem Hause Henkel beschrieb. Schon 1909 hatte Savage Versuche mit Rauchspuren aus Flugzeugen gemacht; nach dem Ersten Weltkrieg war es ihm erstmals gelungen, Worte an den Himmel zu malen, in einer Höhe von 3000-5000 m und bei etwa 150 km/h Geschwindigkeit: Paraffin-Öl wurde dabei unter Druck in die Atmosphäre und unter Ausnutzung der Motorwärme geblasen. Die Schriftzeichen hatten eine Ausdehnung von 1,5 Kilometern, wurden spiegelbildlich in den Himmel gesetzt, sodass sich für die Beobachter am Boden orthographisch korrekte Wörter bildeten. Bereits 1922 hatte Savage den Namen der englischen Tageszeitung „Daily Mail“ während eines Pferderennens, bei dem Hunderttausende von Zuschauern anwesend waren, schlagartig bekannt gemacht. Ein Jahr später war schon der Himmel über New York zu seiner Schreibtafel geworden: „Hello USA. Call Vanderbilt 7200“. In kluger Voraussicht hatte Savage in dem gleichnamigen Hotel dem Tabakzaren George W. Hill eine Suite reservieren lassen. Ergebnis: innerhalb von drei Stunden 47.000 Anrufe. Hill war von der Wirkung der neuen Reklamemethode überwältigt – und Savage erhielt einen Auftrag über eine Million Dollar, gründete die „American Skywriting Corporation“, heuerte Piloten an, kaufte 25 Flugzeuge. Noch 1923 stand über 300 amerikanischen Städten der „Geheimcode“ der Zigarettenmarke „Lucky Strike“: LSMFT (= „Lucky Strike means fine tobacco“) zu lesen. Über seine Erfindung, die er sich durch 72 Patente hatte absichern lassen, berichtete Savage nicht ohne Stolz und nicht ohne sich selbst dabei gehörig in Szene zu setzen: „Die Vervollkommnung dieser Idee hat lange auf sich warten lassen; manchen Schweißtropfen und manche vergebliche Arbeit, auch manches zunächst uneinbringliche Stück Geld gekostet. Meine Freunde, die es als Kriegslieferanten zu großem Wohlstand brachten, lachten über mich, den ‚Phantasten’, der die gewaltigen Fortschritte der Flugtechnik den hohen Zielen friedlichen Wettkampfes der Nationen dienstbar machen wollte. Flugzeugkonstrukteure, die Millionen-Vermögen besaßen, weigerten sich, mir, dem Idealisten, als ich nach dem Kriege meine Versuchsarbeiten mit recht geringem Betriebskapital wieder aufnahm, auch nur die bescheidensten Summen für meine ‚unsinnigen’ Pläne zu leihen.“  Natürlich sollte auch der selbsternannte ‚Idealist’ am Ende materiell nicht zu kurz kommen.

Major Savage, Erfinder der Himmelsschrift

Major Savage, Erfinder der Himmelsschrift

Persil über Deutschland

Deutschland war das erste Land auf dem europäischen Kontinent, in dessen Himmel die Werbe-Kunstpiloten kreisten, und zwar ausschließlich für Produkte der Firma Henkel. Diese ließ nichts unversucht, das Interesse an dieser Sensation strategisch auszuschlachten, in Handzetteln etwa: „Lange Monate beständiger Übung sind nötig, um einen Himmelsschreiber auszubilden. Bei dieser Ausbildung wird der Pilot zuerst auf Fahrrädern trainiert, damit er sich an das Gefühl, Worte in Spiegelschrift zu schreiben, gewöhnt.“ In der Tat sprengte der hinter diesen Aktionen stehende Aufwand alles, was es in Deutschland bis dahin auf dem Reklamesektor gegeben hatte. So schickte Henkel seine Piloten eigens nach Hendon bei London in eine Schule zu Kursen und Seminaren für Himmelsschrift, wo sie, von einfachen Rückwärtsschreibübungen am Boden angefangen, später in der „Fortgeschrittenen-Klasse“ lernten, sich beim fliegenden Schreiben imaginärer Linien unter Zuhilfenahme hoher Gebäude oder Türme zu bedienen, um die Buchstaben korrekt und gerade in die Luft zu setzen.  Zu ihren besten Zeiten verfügte die Henkel-Luftflotte über sieben einsatzbereite Piloten samt Maschinen. Am 17. April 1929 wurde unter Savages Ägide sogar eine Tochterfirma „Gesellschaft für Himmelsschriften und Wolkenprojektionen mbH“ gegründet: Neben den nur tagsüber aktiven Himmelsschreibern verfügte Henkel  inzwischen nämlich auch über LKWs und Schiffe, die mittels Projektionsapparaten nachts in der Lage waren, die Persil-Botschaft an den Himmel zu werfen.  Freilich fehlte es auch nicht an Bedenkenträgern: die Henkel-Hausjuristen warnten vor möglichen Unfällen und Regressansprüchen infolge der durch das Spektakel verursachten Verkehrsstörungen und Unfälle. Und in der deutschen Juristenzeitung wurde noch Jahre später über die Nutzung von Himmelsparzellen zu werblichen Zwecken debattiert.

Publikum-Resonanz in allen Schattierungen

Bis heute dürfte es keine Werbeaktion gegeben haben, die eine so emotional aufgeladene Reaktion bei großen Teilen des Publikums hervorgerufen hätte. Schon in der Juli-Nummer der Werkzeitschrift „Blätter vom Hause Henkel“ des Jahres 1927 wurde auf 26 Seiten (!) eine kleine Auswahl an Zeitungsberichten, Leserzuschriften, Versen usw. wiedergegeben. Ein Vielfaches davon war eingegangen.

Vor allem in ländlichen Gebieten dominierte das ehrfürchtige Staunen, wie beim Redakteur der Lokalzeitung im eichsfeldischen Helmsdorf, der über die ‚weißen Wolkengebilde’ ausführte: „Augenzeugen berichten, daß das Flugzeug über der Marienkirche in Mühlhausen in einer Höhe von ca. 2000 m hinschwebte und das Wort Persil in rasendem Fluge in den Aether schrieb. Manche Leute haben in weiter Entfernung das Wort ‚Pest’ am Himmel gelesen ohne den Flieger zu sehen und sind von einem panischen Schrecken befallen worden.   Nun ist alles wieder gut!“

Eine unverhoffte Aufwertung ihres Berufsstandes durch die Himmelsschreiber empfand das Alleinmädchen (d.i. Haushaltshilfe) Pauline Puttfarken aus Hamburg. Sie schrieb: „‚Pauline’, schrein sie alle, ‚das mußt du sehn.’ Ich denke, es brennt und renne raus und da seh ich das Wunder. Es schreibt sich mit weißen Wolken das Wort ‚Persil’ auf den blauen Himmel. Und alle reden nur von Persil, auch die eleganten Herren und Damen, die nichts vom Waschen wissen. Ich krieg Tränen in die Augen, daß mit einmal das Waschen so wichtig ist, wo es doch mit meine niedrige Arbeit zu tun hat. Es freut mich aber so. Denn ist das Waschen wohl ebenso wichtig wie das Studieren, denn wo kommen sonst die saubern Hemden her und darum bedank ich mich bei die Persilfabrik und bleibe Ihre Pauline P…“

So viel Ehrfurcht mochten sich die Betrachter der Himmelsschrift in Bottrop nicht abringen: „An der Grenze Bottrop Horst hörte ich aus einer Gruppe die Himmelsschrift bewundernder Polen folgenden offenherzigen Stoßseufzer: Mensch, Persill, alles Persill. Man wird noch Persill fressen, Mensch, warum schreiben die noch an Himmel, man kriegt doch nichts anders wie Persill.“

Immer wieder entstanden, insbesondere noch während sich die Buchstaben aufbauten, komische, ja absurde Dialoge, je nach Herkunft oder sozialem Status der Diskutierenden, so zum Beispiel in der Nähe von Leipzig: „’Per … malt das glänzende himmelsschreibende Vögelchen.’ – ‚Au, ein Druckfehler,’ frohlockt einer. ‚Nee, aber ein Sachse’, bekommt er zur Antwort. ‚Sicher aus Laibzch, wenn er ‚Perlin’ schreiben will’“.

Und in Berlin: „‚Jorge!’ sagte ich mir, da stand ein P am Himmel. - ‚Polizei!’ meinte ein Schlauer, ‚vaduften wa!’ - Nun kam ein E. - Pe? - ‚Petrus!’ jauchzte die Menge, ‚der will sich verabschieden, jetzt gibt’s endlich gutes Wetter!’ - Nun kam ein R. - Per? - ‚Gar kein Zweifel!’ meinte ein gebobbtes Neutrum und stellte das linke Bein lasterhaft frei in die Gegend, wobei es die Mundwinkel verächtlich nach unten zog: ‚Pervers soll das heißen! Es lebe die junge Kunst!’“

Schema des Flugwegs

Schema des Flugwegs

Selbst der päpstliche Nuntius und spätere Papst Pius XII Paccelli kam um einen Kommentar zu den Himmelsschreibern nicht herum, als ihn die örtlichen Honoratioren bei seinem Besuch in Heidelberg vom Bahnhof abholten: „‚Ein herrlicher Tag’, offenbarte der Gast. Plötzlich aber erschien am Himmel ein Zeichen. Klar und deutlich strahlte vom blauen Himmel ein ‚P’. Die Heidelberger erschraken und stammelten ehrfurchtsvoll: ‚Eminenz, ein Wunder! P wie Paccelli! Wie Pius!’- ‚P – wie Persil’, sprach Paccelli, denn er kam aus Berlin.“

Ein ebenso wortreiches wie scharfsinniges Szenario entwickelten die Redakteure der „Kölnischen Zeitung“: „Zunächst: schnellstens Kontingentierung des Himmels. Da könnte ja jeder kommen und seine Krähenfüße ans Firmament malen! Binnen kurzem ist die Zeitungsanzeige des großen Spekulanten zu erwarten: ‚Vorteilhafte Himmelsecke für Reklamezwecke hat noch abzugeben…’ Dann aber vor allem vollkommen paritätische Aufteilung des Himmels unter alle Parteien für den Fall von Neuwahlen. An die Besteuerung der Himmelsfläche zu erinnern ist wohl überflüssig; ein neues Ressort hierfür dürfte fieberhaft tätig sein. Den Radierflieger bereithalten, der beim Verschreiben das Gas aufsaugt. Ein nettes Himmelsviertel wäre unbedingt für den Privatgebrauch zu reservieren. Der wirklich moderne Schwerenöter wird sein Rendezvous nur noch mit Himmelsschrift verabreden, womit der bei der Angebeteten obligate Ausruf ‚Himmlisch!’ von seinem Überschwang verliert und die nötige Grundlage bekommt. Und: ‚X, kehre zurück, alles vergeben?’ in Himmelsschrift   da lohnt es sich schon einmal durchzubrennen. Ein hübsches Monogramm in Himmelsschrift über dem ländlichen Besitztum wird sich schnell einbürgern,   nach seinem Auflösen in die Form einer Wolke noch als Schattenspender zu verwenden. Dafür werden wieder andere, sogenannte rückständige Orte in ihren Reiseprospekten besonders anpreisen: ‚Sonnige Lage, Himmel unbeschrieben’”

Natürlich fehlten auch dreiste Trittbrettfahrer nicht wie jener Berliner Diplom Ingenieur, der per „Einschreibebrief. Vertraulich“ an die Firma Henkel auf das in der Bevölkerung längst zum geflügelten Wort avancierte „Persil-Wetter“ Urheberrechte meinte anmelden zu können – mit deutlichem Hinweis auf das ihm nun zustehende Honorar.

Es menetekelt – und der Pegasus schnaubt

Von privater Hand wurden Henkel Unmengen lyrischer Produkte zugesandt. Ihre Spannweite reichte von Umdichtungen bekannter Kinderlieder wie:

„Wenig Zeit wird noch vergehen
Bis aus Kinderkehlen gellt:
Weißt Du, wieviel Lettern stehen,
An dem blauen Himmelszelt?“…

über Adaption klassischer Texte wie Friedrich Schillers meistrezipierten:

„Festgemauert auf der Erden
Steh’n die Menschen dicht gedrängt.
Was gibt’s, daß man mit Gebärden
Sich die Hälse fast verrenkt?
An des Himmels Blau,
Sehet dort genau,
In dem lichten Aether droben
Wort an Wort zur Schrift verwoben.

Zur Wäsche, die wir oft verfluchen,
Geziemt sich wohl ein ernster Rat.
Wenn gute Mittel wir versuchen,
Ist’s halbe Arbeit in der Tat.
So laßt das Mittel uns betrachten,
Das reinigt Wäsche, die beschmutzt,
Die Wäscherin wird man verachten,
Die nicht ‚Persil’ dazu benutzt.
Das ist’s ja, was die Hausfrau zieret,
Und dazu ward ihr das ‚Persil’,
Daß man an ihrer Wäsche spüret:
Ihr ward das Waschen fast zum Spiel.
Nehmt ‚Persil’ zur großen Wäsche,
Doch: ‚Persil’, merkt, muß es sein,
Daß die Wäsche, eure fesche,
Strahle blendend weiß und rein…“

bis hin zu eigenständigen Kreationen, die allerdings nicht immer ohne unfreiwillige Komik daherkamen:

„Ach Gott, ach Gott, jetzt kommt’s“,
ruft schmerzlich Lieselotte,
„seht dort die Zeichen hoch
vom guten Christengotte!“

Sie sinkt verzückt in’s Knie,
sie faltet stumm die Hände:
„Fahr wohl, du schnöde Welt,
mit Dir geht’s nun zu Ende.“

Doch als die Zeichen formten
sich zum Reklamespiel,
sang gleich zu Lob und Preise
das Lied sie vom ‚Persil’.

Gern und oft wurde die Menetekel-Situation aus Heinrich Heines berühmter Ballade „Belsazar“ gedanklich bemüht -  und trieb mitunter Werke von abenteuerlich-metaphysischer Dimension hervor:

Himmelsschrift! In hohe Träume
Führt’s mich fort:
Was enthüllt der ewgen Räume
Rätselwort?

Himmelsschrift! In Flammenzeichen
Wird die Welt
Worte lesen ohnegleichen,
Sternerhellt!

Himmelsschrift als Friedenskünder!
„Waffen, ruht!“
„Wenn ihr würdet wie die Kinder…“
„Gott ist gut!“…

Himmelsschrift! Aus allen Himmeln
Niederfiel
Meine Seele: in den Himmeln
Stand: Persil…

Wirklich witzige Verskreationen blieben allerdings rar, am gelungensten wohl noch im Epigramm eines unbekannten Meisters:

„Hoch im blauen Himmelsäther
Steht das Riesenwort Persil,
hingeschmissen mit der Feder
eines fliegenden Vergil…“

The times, they are changing

Natürlich schliff sich der Sensations-Effekt der Himmelsreklame schon im darauf folgenden Jahr merklich ab. Und je häufiger die Henkel-Kunstflieger ihre Botschaften an den Himmel malten, desto seltener brachen fromme Landwirte noch betend ins Knie (was angesichts einer IMI-Himmelsschrift, die, als Jesus/Maria/Joseph fehlinterpretiert, in der Tat vorgekommen war ) oder wurden Schulklassen zu Bildern und Gedichten auf Persil inspiriert. Spätestens 1932 begannen sich auch die politischen Verhältnisse zu Ungunsten der Firma Henkel zu verschieben, als die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten in der Kampagne „Hitler über Deutschland“ ihren Führer zum Herrn des Himmels und der Lüfte stilisierte. Nun war die Konkurrenz der kommerziellen Himmelsschreiber endgültig unerwünscht. Nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 wurden der Firma Henkel denn auch immer häufiger von Amts wegen keine Genehmigungen für ihre Propagandaflüge mehr erteilt. Als im Zuge des Aufbaus der Luftwaffe immer mehr Henkel-Piloten zum Militärdienst wechselten, kam ein massives Personalproblem hinzu. Am 29. Februar 1936 schied der letzte von ihnen aus der Firma aus. Die Bilanz freilich konnte sich gleichwohl sehen lassen: 4919 mal hatten sie bis dahin das Wort „Persil“ mit Rauchbuchstaben in den Himmel geschrieben. Und außergewöhnliche Resonanz selbst in Grundschulklassen erzielt: „Lieber Herr Flieger. Wir mögen so gerne sehen, wenn Sie am Himmel schreiben. Bitte schreiben Sie doch mal Ursel, aber in einem Zug. So heiße ich. Viele Grüße, U.“

Abgesang der Himmelsschreiber nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Henkel-Luftflotte 1927

Die Henkel-Luftflotte 1927

Als nach der Beendigung des Zweiten Weltkriegs die militärische Okkupation des Luftraums in Deutschland ihr Ende gefunden hatte, versuchte man bei Henkel an die hauseigene Tradition der Himmelsschreiberei anzuknüpfen, auf bescheidenem Niveau, mit nur zwei Flugzeugen und trotz der von den Alliierten angeordneten Flugbeschränkungen (die man durch die Einstellung englischer Piloten wie Thommy Thompson unterlief). Doch im Gegensatz zu den USA, wo sich seit den zwanziger Jahren eine kontinuierliche Himmelsschreiber-Tradition entwickelt hatte (vor allem Pepsi hatte seit den frühen dreißiger Jahren immer wieder Himmelsschreiber unter Vertrag), blieben die Aktionen in der Bundesrepublik letztlich eine Randerscheinung in einem auf zunehmend auf elektronische Medien ausweichenden Werbemarkt.

Heute gehört die Himmelsschrift längst zu den kuriosen, aber abgeschlossenen Kapiteln der Werbegeschichte. Ihr letzter Nachfahre im deutschen Luftraum war Jörg Steber, dem es noch in den frühen achtziger Jahren gelang, mit seinen akrobatischen Werbe-Luftnummern ein Auskommen zu finden, etwa indem er die vier Buchstaben eines schwedischen Möbelhauses an den Himmel malte. Doch als immer weniger Aufträge hereinkamen, verlegte sich Steber schließlich auf Touristen-Rundflüge über den Hamburger Hafen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass er bei diesen im Verhältnis zur waghalsigen Himmelsschreiberei harmlosen Flügen im Juli 2006 abstürzte und, erst 51-jährig, tödlich verunglückte. Im Gegensatz zu Savage war Steber ein echter Idealist, der immer auch mal eine Liebesbotschaft oder einen Smiley an den Himmel malte oder per Himmelsschrift sehr deutlich politisch Stellung auch gegen Neonazis bezog – aus eigenem Antrieb, ohne Auftraggeber.

Seit einem halben Jahrhundert ist in der werbenden Wirtschaft hingegen unbestritten: Der Aufwand, der dazu nötig ist, mit Sportflugzeugen Rauchbuchstaben zu malen, die sich maximal eine halbe Stunde am Himmel halten, steht in keinem Verhältnis zu den damit einhergehenden Kosten und dem Werbeeffekt. Sofern heute Luft und Himmel als Werbefläche dienen, so geschieht dies in der Regel mithilfe von Ballons oder Luftschiffen. Kommen Flugzeuge zum Einsatz, so ausschließlich im Bannerschleppflug. Einen blassen Abglanz einstiger Himmelsschreiberkünste vermitteln allenfalls noch die militärischen Kunstflugstaffeln mit ihren bunten Rauchfahnen. Woher diese Tradition kommt, dürfte allerdings den wenigstens Zuschauern solcher Ereignisse klar sein. Das erste Patent, per Flugzeug farbigen Rauch zu versprühen, wurde schon 1924 erteilt.  Inhaber war ein gewisser Jack Clifford Savage.

Einen Sachartikel über “Persil” in meinem kleinen Markenlexikon finden Sie hier.

Ein Sonett auf die Himmelsschreiber von Henkel finden Sie hier.

Schlagworte: »

Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Freitag, 20. Mai 2011 12:09
Themengebiet: Reklame & Werbung