1953: Das Lob des Tropfenfängers

„Das Wirkliche ist das Vernünftige!” so hatte es einst der schwäbische Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel verkündet. Hätte er noch die Perlonzeit erlebt, der Meister der spekulativen Philosophie hätte Anlass zur Freude gehabt. 1953 war nämlich das Vernünftige auch das Praktische geworden. Und das Praktische das Ästhetische. Und das Ästhetische das Niedliche. Der Tropfenfänger der Firma Emsa begründete eine neue Tisch- und Einschenkkultur bei der sonntäglichen Kaffeerunde. Lange bevor es Pampers gab, arbeitete er, verschwiegen saugend, nach demselben Prinzip, sorgte für Trockenheit, wo diese sehnlichst erwünscht wurde. Unter den Tüllen von Millionen deutscher Kaffeekannen. Bis dahin hatte hier immer noch ein vorwitziger Tropfen gehangen (und wenn es nur ein Tröpfchen war). Gehangen und sich dann doch irgendwann losgemacht. Und auf der weißen, oft bestickten Tischdecke seine Spur hinterlassen. Nun gebot ihm ein zartes Schaumgummiröllchen, rosa, zartblau oder citrusgelb, Einhalt. Befestigt am Deckel der Kanne durch einen Gummizug. Verziert mit dem gutmütigsten Wappentier überhaupt: einem Schmetterling, einer Handhebel-Spritzgußmaschine entsprungen, der über dem emsig-verschwiegenen Saugen des Röllchens geduldig seine Plastik-Flügelchen breitete.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 25. Mai 2009 15:19
Themengebiet: Konsum & Marken