Aspekte des Aspiks
(Der Barockdichter, vakuumverpackter Delikatessen
noch ungewohnt, wird durch neue Konsumerlebnisse
zu allerlei philosophischen Betrachtungen inspiriert)
© 1990 Dirk Schindelbeck
Grundsätzlich ist es weich
und schmeckt durch seine Knubbel,
doch hebt sich solch ein Hubbel,
so wird er gleich
versinken, oh, versinken,
ertrinken in Gallerten,
wo er sich mag verhärten.
<gleich öffnen!>
Es bleibt die Konsistenz,
gestehn wir es, lebendig,
als sei sie gar verständig
der Abstinenz,
bewegt sich wie die Welle,
bewegt sich wie die Qualle
in einem andern Falle.
<gleich öffnen!>
Es ist, ich sag’s, vom Schwein,
in Farben zart wie Rosen,
und kommt es auch in Dosen,
so schmeckt es fein
zu Nudeln und Kartoffeln!
Ihr solltet es probieren
und euch nicht länger zieren.
<gleich öffnen!>
An Eiweiß ist es reich!
- oh hört es, all ihr Frauen!
Hier darf sich jede trauen,
genießen gleich.
„Mesdames, sie werden schlanker!”
Oh hätt ich nur Medaillen
für soviel schlanke Taillen.
<gleich öffnen!>
Wer’s brät nur, dem wird’s, ach!,
zerrinnen wie die Träume,
nicht Ränder hat’s noch Säume,
hält sich nur schwach
und mühsam in der Fassung,
vergehend unter Hitze
zu einer blassen Pfütze.
<gleich öffnen!>
Doch jetzt beginnt sein Tanz,
wo alles Fleisch wird glänzen:
Substanz schlägt Akzidenzen,
setzt sich: Substanz!,
erregt sich, kommt ins Kreißen,
verdampft im Großen Ganzen
zu Transzendenz-Monstranzen.
<gleich öffnen!>
Dies Selbst-Negierungs-Spiel
von ihm, dem Rückgratlosen,
will manches Fleisch erbosen,
das mehr sein will,
doch mehr nicht ist als Wasser,
gehalten in Strukturen
auf Deutschlands Schweinefluren.
<gleich öffnen!>
Nur wenn ihr’s aufbewahrt,
und kommt es dann zur Sepsis,
ich bitt euch, haltet Skepsis,
schmeißt’s weg, bleibt hart,
hat jetzt auch das Aspik
gezeigt, was in ihm steckte,
seine, Aspiks, Aspekte.
<gleich entsorgen>
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