Explodierende Plätzchen

(Des Barockdichters Sehnsüchte drängen sämtlich nach Erfüllung, sodass er sich rechtzeitig in ein auf Ewigkeit besseres und süßes Leben verabschiedet)

© 1991 Dirk Schindelbeck

Wieder an vertrauten Brüsten
möcht’ ich streben, möchte’ ich dichten;
ewig vorm Gewissen flüchten
ist nichts für gerade Christen.

Lasse auch der Welt Grimassen,
die verzognen, die gequälten,
voluptösen, unbeseelten:
die Grimassen will ich lassen.

Denn die deutschen Lieder tönen,
wie die deutschen Philosophen,
lebenslustig erst am Ofen,
wo sich warm die Saiten dehnen.

Lass die Vögel draußen brüten
in dem zugig-dürren Neste:
Der Ort ist für mich der beste,
wo sich weiche Plätzchen bieten.

Dergestalt mich frisch ermannend
schwillt gewaltig mein Volumen,
platzen aus den süßen Krumen
irre Lieder, wüst und spannend.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Samstag, 30. Mai 2009 6:34
Themengebiet: Sag es perVers