Die Redemaschine
(Dem Barockdichter auf Zeitreise wird demonstriert, mit welch raffinierten Mitteln der Auftritt eines gewichtigen Bundeskanzlers sich zur optimalen Publikumswirkung steigern lässt)
© 1993 Dirk Schindelbeck
Dies ist das Top-Gerät mit Argument-Vernichter
und Kontrahent-Membran; es misst die Akzeptanz
der Gegner, wandelt sie in eigene Brillanz.
Die lose Sympathie saugt ab der Beifall-Trichter.
Wir wählen „Interview”: gleich wird der Satzbau schlichter,
der Sinn-Verdreher wirkt, es steigt die Penetranz,
und unser Kandidat gewinnt an Dominanz,
was klar der Messwert zeigt. Wir hören mal: so spricht er:
„Ach wissen Sie, Herr Lueg, wir führen Diskussionen
in aller Deutlichkeit um Sachen, nicht Personen.
Ich äußere mich dann, wenn wir beraten haben!”
Moral-Gebläse ein! Wie leidend und betroffen
sitzt unser Mann das aus - „Ich sag das hier ganz offen:
Mit Herz und Augenmaß mach ich die Hausaufgaben.”
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