Die Freier

(Szenario aus den siebziger Jahren)

© 1979 Dirk Schindelbeck

Viele herrliche Freier zählt mein Mädchen:
Buntbehemdet kommt einer, Ketten klimpern,
die er trägt an den Armgelenken lässig;
von der Sonne erzählt er und vom Süden,
Stränden, springenden Kokosnüssen, wo man
lutscht Likör aus Melonenschalen - super!
Spricht ein andrer von Menschen fern in Indien,
goldnen Tempeln und echter Selbsterfahrung;
Räucherstäbchen und Jutetäschchen schenkt er,
grünen Tee und gerollte Zigaretten,
alles reine Naturprodukte - endlich!
Und er tut ganz erlöst und lacht nach innen,
müßig murmelnd sein monotones Mantra.
Einer schaut immer schräg und zupft am Ärmel
und am Bart sich und kommt mit tiefen Augen,
aber ohne Gitarre nie und spielt ein
schwüles Liedchen (vom smarten Cohen meistens).
Später spricht er gedämpft von seinen Ängsten
früher, aber er fühlt sich jetzt schon besser…
Ein Japaner ist auch dabei, Geräte
bringt er mit, voller Mikroprozessoren,
und dann tönen kristallklar die Geräte,
und dann lächelt kristallklar der Japaner,
lobt die Deutschen und ihre Komponisten
preist, verstummt und verneigt sich tief, als ob ihm
ein Scharnier in der Wirbelsäule stecke.
Glaubt, ich hätte die Burschen längst verprügelt,
sprächen sie auch nur einmal mit dem Mädchen.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Sonntag, 31. Mai 2009 9:53
Themengebiet: Liebe et al