Furchenglück
© 1977 Dirk Schindelbeck
Stünd’ ich auf der Brache draußen,
Obstbaum, einsam, hart am Bache,
Regengüsse, Wasserlache,
Stürme, die mein Haar zerzausten -
o wie liebt’ ich jede Wehe,
die den Staub zu Boden schüttelt’,
ein mich wiegte, wach mich rüttelt’;
meine Liebsten in der Nähe
wissend stünd’ ich auf dem Platze,
ließe auch Oktoberwetter
Fuß verschrumpft, den Ästen Glatze,
Frühling brächte neue Blätter,
Licht und Wärme, lockte Bienen,
die mich liebesicher suchten,
mich zu kosen, zu befruchten,
und wenn endlich mir aus grünen
frischen Trieben Blüten schauten,
Vögel kämen, Nester bauten,
tausend Stimmen aus mir tönten,
tausend Federn mich verschönten:
o wie reckt’ ich mich vor Freude
und die breite Krone höher,
meinen Liebsten Augenweide -
ihnen nah und immer näher
in die vollen Elemente
schwellt ich schon die reifen Früchte,
und im starken Sonnenlichte
nichts mich mehr vom Himmel trennte,
schlösse alle Freude ein!
Ach, was gäb’ ich, Baum zu sein!
Regentropf’ nicht, der mich kitzelt’,
Hauch nicht, der mich leis’ bespitzelt,
täglich nur das laue Wasser schlürf’ ich,
weh, und bin der Liebe so bedürftig!