HerzBergWerk

© 1982 Dirk Schindelbeck

Mein Herz, du altes Bergwerk,
du missvergnügter Schacht,
du schwingst und stampfst und rüttelst,
wie traurig bin ich erwacht.

Wir gruben eins im andern
so liebeselig hinein,
wir schaufelten, stützten Stollen,
wir wollten gerüstet sein.

Ich fand in deinem Herzen,
im abgeteuften Schacht,
ein Blümlein zart versteinert,
ich hab’s herauf gebracht.

Ich trug die Hoffnung, es lägen
Gefühle wie Flöze zart
mit kleinen Strebe-Ästchen
darunter noch verwahrt,

die wollten zu Kopfe gefördert,
in mächtiger Kokerei
des Geistes gereinigt werden
zu Gas und Kohlenei.

Du hast in mir gewütet,
triebst Raubbau vor der Zeit,
die Flöze liegen geplündert,
die Schlacken weit verstreut.

Nach tausenden von Jahren,
unendlichem Schachtelhalm,
da wird mein Herz sich erneuen,
die Höhle kalt von Qualm.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Sonntag, 31. Mai 2009 15:47
Themengebiet: Liebe et al