Insektenjagd
© 1980 Dirk Schindelbeck
„Töte mir doch dieses Tier, das langbeinig und -rüsslig sich einschlich
und den Stachel füllt, lauernd, dass gleich ich im Bett
liege, Atem ziehe, gleichmäßig, und lasse, wie wehrlos,
und dann kriecht es gemein unter mein Nachthemd und sticht!
Sei doch so gut und töt es: Dort stehen Kiste und Wedel.
Brauchst Du die Leiter? Nur zu: Rechts in der Ecke im Schrank!
Flach war die Kiste, zu flach, und das Tier steigt schon an der Wand hoch,
und schon lang’ ich nicht hin, mit der Karbatsche nicht hin.
Also die Leiter muss es wohl sein, ein gewaltiger Kampfstand -
sieh, und schon flieht er geschickt unter den Vorhang, der Kerl,
und ich seh’ mich gezwungen, die schlagendsten Kräfte zu zügeln,
ihn zu strafen, um recht schonend dem Vorhang zu sein.
Hinterlistig schielt er hervor schon, der Eklige, wandert
unter dem Stoff entlang, freut sich auf günstigen Stich,
brummt vergnügt gar, da ich heruntersteige, die Leiter
anders stelle… O wart! - noch ist die Jagd nicht vorbei.
Ruhiger mahnt indessen das Mädchen: „Vermeide Geräusche,
zerr die Leiter nicht so. Andere schlafen doch längst!”,
legt sich bequemer dabei und liest im Kopfkissenbüchlein.
Ich aber, still und erregt, halte den Kampfsinn mir wach,
doch den Feind in die Ecke zu bannen, strategisch, gelingt mir,
auch in kochendem Groll, kaum. Und das Mädchen schläft ein.
Heilands Sack! Jetzt ich es klar und was es bedeutet:
Töt ich dies brave Tier, töt ich das Tier auch in mir!
Aufgewacht gleich, mein Herz, wir werden die Nacht schon vertreiben
schlaflos. Wir regen uns viel. Mutlos verschleicht das Insekt.