Verlockung zur Treue I und II

(als seine Liebste in Wales war)

© 1976 Dirk Schindelbeck

1

Liebes Annchen, ich weiß, die lautre Freud sind
Exerzitien nicht, doch Fleiß und Anstand
schätzt die Mutter, das Schulamt tut’s nicht minder.
Drum, mein Annchen, getrost im fremden Lande,
sind auch blühende Knaben knapp geworden,
ach, und werden gesucht hier! Ja, mein Annchen,
lies ein Büchlein und schreib dem Liebsten häufig,
schreib ihm ehrlich: Am Ort, wo ich den Bleistift
spitze, leben sie nur von Tee und Weißbrot,
niemals feurigen Wein in Geist und Gliedern.

2

Zwölf phaläkische Burschen send ich Annchen,
Diener, artige Geister und Geleiter!
Halten zweie den Spiegel ihr zur Seite,
zu bescheidnem Frisürchen rät ein dritter.
Einer füllt ihr den Federhalter täglich,
und es sorgt für das Löschpapier der fünfte.
Zweie stehen bereit, in Leid und Sehnsucht
sie zu trösten, und treu sein lehrt der klügste.
Viere aber wie Tauben ziehen heimlich,
ziehen ihr Gedanken heim zum Liebsten,
wenn sie liegen, gefaltet als ein Brieflein,
ihr das tägliche Brötchen zu versüßen.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Sonntag, 31. Mai 2009 16:12
Themengebiet: Liebe et al