Mein weiches weiches Glück
© 1982 Dirk Schindelbeck
Sieh das Bänkchen! Wie trocken ist’s, wie luftig!
Liegt geschützt unter starken Tannenbüscheln.
Ist die Stelle nicht wert, allhier zu rasten
und ein kürzeres Stündchen hinzuküssen?
Küsst nicht alles umher? Und sollten’s wir nicht?
Sieh die Äste zur Rechten, Kind. Sie lehnen
aneinander, ein Moos verbindet beide.
Ah, sie küssen mit pflanzenweichen Lippen,
oh, sie trinken gemeinsam ihre Säfte!
Küsst nicht alles? Und sollten wir nicht küssen?
Sieh, zu unseren Füßen schlürft die Tulpe
jedes einsame Tröpfchen süßen Taues
und umschließt es mit Blütenblätterarmen.
Küsst nicht alles? Und sollten wir nicht küssen?
Hinter uns in dem Bächlein küsst die Welle
unablässig den bunten Kiesel runder,
und er dreht sich vor Freude schnell und schneller,
lacht und hüpft über alle seine Brüder!
Küsst nicht alles? Und sollten wir nicht küssen?
Sieh, wie eckig dein Liebster ist, die Nase
ragt ihm aus dem Gesicht so steil verhärtet.
Wieviel Küsse bedarf’s noch, ach wie vieler
Zungenküsse, bis endlich seine Miene
weich genug ist, sein Auge lautres Glück spricht.