Bildnis der Geliebten
© 1776 Dirk Schindelbeck
Ich habe Liebchens Bild vor mir: Sie stützt die Arme
energisch, wie nach alter Hausfraun-Art, am Becken,
am obern Rand des Beckens ab, die kleine Löwin.
(August, der neunte, brachte sie ans Licht der Erde.)
Sie lächelt, halb verschmitzt, halb schelmisch, kneift die Äuglein,
die grüngraublauen, ganz geschickt vorm Sonnenlichte.
Ihr schwarzes Haar, obgleich heut etwas fettig, deckt ihr
die zarten Schultern und die glühend heiße Stirne,
darunter sie die lieblichsten Gedanken brütet.
Dabei trägt sie den echten beigen Schafswoll-Rolli,
der leider nach der letzten Wäsche knapp geworden
und kaum mehr ihren Nabel noch verschleiert - Schade!
In diesem Zustand mich verlassend ließ die kleine Löwin
dies Bildnis schönster Mädchenpracht mir zur Erinnrung.
Und also bleibt die Liebe frisch, figürlich kenn ich
sie sowieso, die Liebste. Ihr Gesicht verrät mir,
derweil sie emsig-wissenschaftlich unterwegs ist,
beteuerndere, schmelzende, fast gute Dinge!