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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Am Anfang war die Litfaßsäule

Am Anfang war die Litfaßsäule

Am Anfang war die Litfaßsäule.
Illustrierte deutsche Reklamegeschichte
Primus Verlag/Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2006, 144 Seiten (zus. mit V. Ilgen)

Am Anfabg war die Litfaßsäule

Als Werbung noch Reklame hieß

Der Charme historischer Werbung ist sprichwörtlich, alte Emailschilder mit Werbung für Persil, Maggi oder Stollwerck sind längst Sammelobjekte. Der reich illustrierte Text-Bildband erzählt von der Entwicklung der „Warenpropaganda” und verfolgt ihre teils naiven, teils spektakulären Kampagnen durch Kriegs- und Friedenszeiten zwischen 1850 bis 1945. Vierzehn eingestreute Exkurse geben darüber hinaus Einblicke in damals bahnbrechende Werbemoden, - mittel und -methoden: ob Litfasssäule, Werbemobil, Lichtreklame oder Himmelsschreiber.

Rezensionen

Sammler-Anzeiger/Gazette des Collectionneurs (Murten CH), Nr. 11, 2008, Seite 28
Wie arm wäre unsere Welt ohne Werbung!
Werbung prägt unser Leben, unser Denken. Aber umgekehrt hatte und hat auch der Zeitgeist seinen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Werbung ‑ oder, wie man früher sagte: Reklame.
Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck, zwei hervorragende Kenner der Reklamege­schichte (beide haben im Laufe der letzten Jahre in den deutschen Zeitschriften «Tröd­ler» und «Sammler Journal» zu so unter­schiedlichen Themen wie Firmenportraits, Verpackungsdesign oder Lebensläufe ein­zelner Werbegrafiker Beiträge veröffent­licht), legen nun ein Buch vor, das wirklich beeindruckt.
Auf 144 Seiten erhält der Leser mit dem Buch «Am Anfang war die Litfasssäule» eine veritable Einführung in die illustrierte deutsche Reklamegeschichte.
Beginnend mit der «Warenpropaganda» um 1850 wird bis ca. 1950 anhand von zahllosen Geschichten und Fallbeispielen, aber auch an zum Teil heute grotesk erscheinenden Illustrationen dem Phänomen nachgespürt, was Menschen alles nicht unversucht ließen, damit andere Zeitgenossen auf ihr Produkt, ihre Arbeit aufmerksam wurden. Denn: «Wer nicht wirbt, stirbt» ‑ das galt damals wie auch heute …
Behandelt werden in dem Buch so unter­schiedliche Themen wie die Faszination der Liebig‑Bilder, der «Neger» als Werbefigur, das Werbemittel Emailschild, die kurze Blü­tezeit der Reklamenmarke, der Webetrick­film in den zwanziger Jahren, Reklame im «Dritten Reich» oder die «Entnazifizierung einer Werbefigur» / der Lurchi von Sala­mander ‑ um nur einige der Überschriften im Buch zu nennen.
Der große Vorteil dieses Werkes ist schnell ausgemacht: Sammler von alter Reklame gibt es zuhauf, aber viele kennen nur ihr ei­genes «Fachgebiet», denn in der Realität ha­ben beispielsweise Sammler alter Werbe­plakate aus der Jugendstilzeit und Sammler alter Porzellan‑Werbeaschenbecher nur we­nig Kontakt miteinander, ja wohl auch kaum Ahnung voneinander. Das nun vorliegende Buch stellt das eigene Sammelgebiet in ei­nen viel größeren, ja auch miteinander verbundenen geschichtlichen Rahmen.
Damit muss aber auch der kleine Nachteil dieses mit faszinierenden Farbreproduktio­nen gefüllten Werkes genannt werden: Mehr als eine sehr gute Einführung in die Rekla­megeschichte kann dieses Buch nicht bieten, wer mehr zu «seinem Thema» wissen will, wird aber viele Anregungen finden. Und auch wenn das Thema «Deutsche Reklame­geschichte» lautet: Da es ja reichlich ähnli­che Entwicklungen in der Schweiz gab, bie­tet das Buch garantiert genügend Lesegenuss!
Behandelt werden hier die ersten 100 Jahre deutscher Reklamegeschichte, aber wer sich in seiner Sammelleidenschaft auf «Wer­bung» ‑ egal ob alt oder neuzeitlich ‑ kon­zentriert, trifft in den meisten Fällen wohl sowieso ins Schwarze.
Guido Hemmeler

taz vom 7. 2. 2007
Bernward Janzing
„Ein Volk, eine Zigarette“
Volker llgen und Dirk Schindelbeck erzählen die Geschichte der deutschen Reklame. Ihr schönes Buch ist unterhaltsam und lehrreich.

In Deutschland herrschte die „Blechpest“. Immer häufiger blickten die Menschen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts an Mauern und Hauswänden auf bunte Emailschilder, die der Verkaufsförderung dienen sollten. Viele der Bleche kamen von Firmen, die wir heute noch kennen: Maggi, Stollwerck und Suchard ‑ um nur ein paar Beispiele zu nennen. Doch mancher Zeitgenosse hatte an der Reklame wenig Freude. Vor allem der Bund Heimatschutz kämpfte gegen die vermeintliche Verunstaltung des Straßenraumes durch „Email‑Plakate“.
Was einst Ärgernis war, ist heute Kunstwerk. Das Blech von einst erzielt längst an den Kunstbörsen satte Liebhaberpreise. Denn Werbung, die einst Reklame hieß, war stets ‑ und ist bis heute ‑ ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft. Und so erzählt das Buch „Am Anfang war die Litfasssäule“ ganz nebenbei auch 150 Jahre deutscher Geschichte auf eine bemerkenswert leichte Weise, die jeden Geschichtslehrer neidisch machen muss: elegant geschrieben, grandios in der Optik ‑ und gleichwohl prall gefüllt mit Fakten zur deutschen Historie.
Wir lernen, wie jedes Produkt werbend seinen Bezug zur jeweiligen Weltgeschichte suchte. Eine Berliner Kunstwerkstätte pries zu Zeiten des Ersten Weltkriegs ihren „deutschen Schmuck aus echter Geschoss‑Bronze mit Ort und Datum jeder Schlacht“ an. Zigaretten trugen zur selben Zeit die martialische Aufschrift „Kanonen‑Krupp“, eine Mundharmonika wurde als „Schützengrabenharfe“ verkauft, Stollwerck produzierte die „Hindenburg‑Schnitte“ und Asbach „das gesunde Erfrischungsgetränk unserer Krieger“.
Zugleich kursierten im Lande Handzettel mit der Aufschrift: „Sendet Ullstein‑Bücher ins Feld“, während eine Verdeutschung der Sprache längst erfolgt war Eine Zigarette, die in besseren Zeiten noch weltläufig „Gibson Girl“ heißen durfte, war zwischenzeitlich zur Marke „Wimpel“ umfirmiert.
Aber es kam noch dicker: „Ein Land, ein Volk, eine Zigarette“ konnte man 1934 lesen. Und allseits warben die unterschiedlichsten Fabrikanten für den national geleiteten Konsum. Esst deutsche Butter, esst deutschen Käse, esst deutsche Salzheringe. Texter formulierten: „Afri‑Cola marschiert erfolgreich in ganz Deutschland“ vor dem Hintergrund einer großdeutschen Landkarte. Eine Lackfabrik pries ihre „Wehrmachtfarben“ zum Verkauf an. Ein düsteres Kapitel auch für Reklametreibende.
Da blickt man doch lieber weiter zurück auf die befreiende Leichtigkeit, die manche Reklame aus der Zeit vor den Weltkriegen ausstrahlt. So zum Beispiel die von 1895, als Bahlsen in frischer Jugendstiloptik noch als „Cakes‑Fabrik“ in Erscheinung trat. Oder die von 1908, als eine Flohfangmaschine „für Handbetrieb oder Motor“ als „größte Erfindung der Neuzeit“ gepriesen wurde. Überboten allenfalls von der Werbung für Fahrradreifen mit neckischer Dame von 1904, deren Abbild noch einen Hauch von Toulouse‑Lautrec verströmt. Werbung als Kunstwerk.
So haben Volker Ilgen und Dirk SchindeIbeck ein Buch geschaffen, das beim Lesen gleichermaßen Spaß macht wie beim Blättern, ein Buch, das sowohl Wissen vermittelt als auch Unterhaltung bietet. Es ist eines jener Werke, die einen nach der Lektüre nicht mehr loslassen. Man wird künftig an der Bushaltestelle stehen und darüber nachdenken, wie wohl spätere Generationen einmal über unsere heutige Plakatpest urteilen werden.

Alumni-Newsletter der Universität Freiburg, 1/2007
Geschichte der Reklame: Von der Litfasssäule bis zur Entnazifizierung
Die Freiburger Historiker Volker Ilgen und Dr. Dirk Schindelbeck bieten in ihrem im letzten Jahr erschienenen Buch „Am Anfang war die Litfasssäule“ einen faszinierenden Streifzug durch die Geschichte der Reklame von 1850 bis 1945. In zahlreichen farbigen Abbildungen lässt sich die Entwicklung der Produktwerbung auch visuell nachvollziehen. Von den Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Entnazifizierung der Reklame nach 1945 eröffnet sich dem Leser ein umfassender Einblick in die Versuche der Produktanbieter, potentielle Käufer zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Von Reklame im heutigen Sinne kann - laut den Autoren - etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts gesprochen werden, als sich Ware, Hersteller und „Werbezeichen“ zunehmend räumlich voneinander entfernten und die Erzeuger begannen, ihre Produkte auch außerhalb ihres direkten Umfeldes zu vertreiben und anzupreisen. Auf die anfänglichen Buchbesprechungen folgten in Zeitschriften und Zeitungen schon bald die ersten gewerblichen Anzeigen, die explizit mittels eines kleinen schwarzen Zeigehändchens auf die Warenwelt außerhalb des Blattes verwiesen. Die industrielle Revolution hatte eine deutliche Ausweitung des Marktes bewirkt. Während dem alten vorindustriellen Handwerk Wettbewerbsdenken noch weitgehend fremd war, versuchten sich fortan industrielle Hersteller mittels „Übertrumpfungsrhetorik“ und entsprechender Selbstinszenierung von Konkurrenten abzuheben. Bereits 1855 errichtete Ernst Litfaß die ersten nach ihm benannten Säulen, die diese Selbstinszenierungstendenz aufgriffen und heute zum Inbegriff der Werbung in der Öffentlichkeit geworden sind.
Neben der umfassenden, aber äußerst kurzweiligen Schilderung der Geschichte der Reklame im Überblick laden zahlreiche Exkurse zu einem Blick ins Detail ein. Ob Emailschild, Werbetrickfilm, oder Entnazifizierung des Salamander-Lurchis: Die Autoren veranschaulichen auch in Einzelaspekten die Entstehung einer Branche, die Hand in Hand mit der zunehmend industriellen Ausrichtung der Wirtschaft und der dadurch begünstigten flächendeckenden Verbreitung von Zeitungen und Zeitschriften ging. Das Buch der beiden Alumni wurde im November vergangenen Jahres vom privaten Pay-TV-Sender „The History Channel“ zum Buch des Monats gekürt.

Werbewoche, Zürich 21. 3. 2007
Roger Hausmann
Als Werbung noch Werbung war
„Am Anfang war die Litfasssäule“: ein Streifzug durch fast 100 Jahre deutsche Reklamegeschichte.
Schon die alten Römer warben. Nicht nur um die Gunst weiblicher Schönheit, sondern auch für Produkte und Dienstleistungen. In den Ruinen von Pompeji fanden die Archäologen unter anderem die ältesten bekannten kommerziellen Werbetafeln. Die Stadt in Kampanien im Golf von Neapel verschwand am 24. August 79 n. Chr. unter der glühenden Lava des Vesuvs. Damit gehört Werben zu den ältesten Gewerben der Welt – das allein dürfte allerdings kaum der Grund sein, warum die eine oder der andere die Werber immer wieder gerne mit den Damen vergleicht, die dem ältesten aller Gewerbe nachgehen …

Die Zeit der Expeditionen
Werbung, wie wir sie kennen, gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution löste die Massenproduktion von Gütern aus, für die natürlich geworben werden musste. Der Marktschreier, der von Markt zu Markt zog und seine Produkte an den Mann oder an die Frau brachte, hatte ausgedient. Dank der Pressefreiheit erschienen in vielen Zeitungen mehr und mehr Anzeigen, die damals noch Annoncen hießen. Ab 1855 entstanden so genannte Annoncen‑Expeditionen, die den stark und rasch wachsenden Anzeigenmarkt organisierten ‑ die ersten Werbeagenturen im deutschsprachigen Raum.

Ein Beispiel dafür ist Mosse‑Annoncen, an die sich die eine Leserin, der andere Leser wohl noch erinnern dürfte. 1867 gründete Rudolf Mosse in Berlin seine internationale Anzeigen‑Expedition und baute ein Netzwerk mit Filialen in ganz Deutschland auf. 1869 kam die erste Schweizer Niederlassung in St. Gallen dazu, 1871 die Filiale in Zürich. Bis 1939 war Mosse‑Annoncen selbstständig, dann wurde sie Teil der PubliGroupe. Seit 1999 heißt die ehemalige Anzeigen‑Expedition Mosse Media und ist heute das Kompetenzzentrum der PubliGroupe für Tourismus‑ und Schulwerbung im In‑ und im Ausland.

Lernen aus der Vergangenheit
Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck erzählen die Geschichte von Rudolf Mosse und seiner Anzeigen‑Expedition im Exkurs „Revolution der Außenwerbung ‑ die Litfasssäule“ ihres Buches „Am Anfang war die Litfasssäule“. Diese reich illustrierte deutsche Reklamegeschichte ist viel mehr als ein Bilderbuch, sie ist ein Lesebuch für alle, die sich für Kommunikation und Geschichte interessieren. Besonders lesenswert, weil unterhaltsam und lehrreich, ist das Kapitel „Die Zeit fährt Auto“ über die Reklame während der Weimarer Republik, also bis 1933. In dieser Zeit, als Werbung noch Werbung sein durfte und keine Propaganda sein musste, entwickelten die deutschen Werber Maßnahmen, die heute stark an Guerilla Marketing erinnern.

Medien & Zeit 2/2007, S. 48/49
Andrea Morawetz
Hundert Jahre deutsche Reklamegeschichte auf 144 Seiten: Wie kann das zusammengehen? Wer angesichts des Titels des Bandes, den Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck vorgelegt haben, einen dicken Schmöker erwartet, der wird jäh ent­täuscht. Gilt dies doch umso mehr, wenn damit der ereignisreiche Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zu den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts beleuchtet werden soll. So manch’ böse Zunge mag zudem bei erster Betrachtung behaupten – zu wenig Text, zu viele Bilder. Also doch wieder eine kuschelweiche Dar­stellung der Geschichte der Reklame, aufgezäumt an allseits bekannten Markenprodukten, die sich über die Zeiten hinweg zum Kochen, Backen, Waschen und Eincremen bewährt haben?
Ilgen und Schindelbeck bieten auf den zweiten Blick aber mehr, als man von einem populärwis­senschaftlich aufbereiteten Band erwarten mag. Sie geben aus unterschiedlichster Perspektive ei­nen kohärenten Überblick über grundlegende Entwicklungen der Reklame. Somit behandeln sie dieses Phänomen nicht allein aus der Sicht be­kannter Markenartikelproduzenten, bedeutender Reklamefachmänner und Marken‑„Techniker“ oder anhand der Entstehung diverser Werbemit­tel. In anregender und abwechslungsreicher Weise dokumentieren sie mit zahllosen Beispielen unter anderem auch verschiedenste Entwicklun­gen (und Verirrungen) auf dem Gebiet der Ge­brauchsgraphik oder der Reklamepsychologie. Vor allem aber steht ein Aspekt im Mittelpunkt einer deutschen Reklamegeschichte wie jener hier: die mentalen Befindlichkeiten der jeweiligen Zeit.
Darüber hinaus haben sich die Autoren offenbar auch dazu entschieden, eine Geschichte der Reklame mit deren eigenen „Stilmitteln“ zu erzählen. Dies wird bereits anhand der originellen Kapitelüberschriften sichtbar, die zum Teil zeitgenössische Slogans wiedergeben und dabei zugleich plakativ die thematische Ausrichtung des jeweiligen Kapitels anzeigen. Augenfällig sind des Weiteren 14 sogenannte „Exkurse“, die nahezu die Werbeblöcke in die Sinneinheiten des Bandes eingeschoben sind. Dabei werden beispielsweise Geschichten zur Litfaßsäule, den Liebig­-„Fleißkärtchen“ oder der Entnazifizierung der Salamander‑Werbefigur „Lurchi“ in kurzweili­gen, zweiseitigen Ausführungen erzählt. Vor allem aber war es den Autoren offensichtlich ein großes ‑ und berechtigtes ‑ Anliegen, all diese Erzählungen mit umfassendem Bildmaterial (150 Abbildungen) zu ergänzen. Dahinter steckt aller­dings scheinbar mehr als nur eine Vorliebe für ansprechende Illustrationen und die Möglichkeit des Zugangs zu einem solch großen Fundus an Quellen. Vielmehr scheint dies aus der Überzeu­gung heraus zu geschehen, dass eine Geschichte der Reklame, deren Charakter so wesentlich von visuellen Elementen mitbestimmt wird, nur dann adäquat geschrieben werden kann, wenn diese Ebene nicht ausgeblendet wird.
Trotz der zahlreich eingestreuten Geschichten und lllustrationen sind Aufbau und Inhalt des Buches allerdings nicht beliebig. Die Autoren gliedern den Zeitraum entlang markanter histori­scher Zäsuren in fünf große Abschnitte und zei­gen dabei maßgebliche Entwicklungen auf So beschreibt das erste Kapitel die zunehmende Pro­fessionalisierung in der Reklamebranche sowie die Ausbildung der Idee des Markenartikels als „Sicherheitsprodukt“ in einem zunehmend un­übersichtlicher werdenden Markt (S. 29). Im zweiten Kapitel, das den Zeitraum von 1900 bis 1918 erfasst, schildern Ilgen und Schindelbeck einen Quantensprung in der graphischen Gestal­tung des Plakates einerseits und die gravierenden Auswirkungen des Ersten Weltkrieges anderer­seits. Zwar hatte der Weltkrieg letztendlich zu einer vorübergehenden Einstellung der Rekla­metätigkeit geführt. Dennoch war es der Reklame gerade durch den Krieg gelungen, sich zu profi­lieren, indem sie sich in den Dienst nationaler Propaganda zu stellen vermochte. Dabei sprach sie nun nicht nur verstärkt breitere „Massen“ an, sondern bezog auch vermehrt „einfache“ Bürger und Soldaten („Feldgraue“) als Testimonials mit ein.
Die Reklame zur Zeit der Weimarer Republik führte den Paradigmenwechsel hin zur Ansprache der „Vielen“ weiter fort, wie die Autoren im drit­ten Kapitel ausführen. Dieser Schritt ging nicht zuletzt mit einer „Okkupation des öffentlichen Raumes“ (S. 101) durch die Reklame einher: Technische Entwicklungen ermöglichten einen Aufschwung des Werbefilms, der Radio‑ und nicht zuletzt der Lichtreklame, die Wahrneh­mungsmuster nachhaltig veränderten. Zudem wurde in der Zwischenkriegszeit ein Rationalisie­rungsprozess in der Werbeorganisation und ‑gestaltung sichtbar, der sich in das gesamte sozia­le und wirtschaftliche Umfeld jener Zeit, geprägt vom „Zusammenbruch des alten Wertsystems“, Versagensängsten und einem enormen Tempo der Moderne einfügte (S. 86).
Der Reklame im Nationalsozialismus widmet sich dann der darauf folgende Abschnitt: Hier verweisen Ilgen und Schindelbeck erwartungs­gemäß auf die ideologische Ausrichtung persuasi­ver Kommunikation, der geplanten Durchset­zung einer „völlig neuen Begriffswelt“ im alltägli­chen Sprachgebrauch (S. 111): Werbung und Propaganda galten somit von nun an als system­konform, während Reklame als „Kennzeichnung überwundener ‚jüdisch‑amerikanischer’ Verhält­nisse“ dienen sollte (S. 113). „Als Prinzipienreiter könnte man also das Weiterleben des Begriffs ,Werbung’ als eines der vielen Beispiele versäum­ter Entnazifizierung der Sprache geißeln”, bekun­den die Autoren bereits in der Einleitung (S. 7). Sie streichen zudem die bedeutende Rolle heraus, die nun der Gemeinschaftsreklame zukam, da sich diese als besonders geeignet für die politische Instrumentalisierung erwies. Herausragende Bedeutung wurde im Nationalsozialismus darü­ber hinaus der Tätigkeit der Werbefachmänner zugesprochen, was diesen eine bis dato nicht gekannte, jedoch stets erhoffte Machtposition einräumte.
Zahlreiche Darstellungen zur Geschichte der Reklame enden nun mit der Niederschlagung des nationalsozialistischen Regimes oder setzen bei der sich neu formierenden Werbetätigkeit nach 1945 an. Ilgens und Schindelbecks Geschichte der Reklame erstreckt sich jedoch durchgehend bis in die fünfziger Jahre und verweist in einem abschließenden Kapitel auf die im Nationalsozia­lismus gewachsenen Strukturen und Gestaltungs­muster, die noch in der Zeit der Wirtschaftswun­derjahre fortwirkten. Damit wenden sich die Autoren gegen eine Vorstellung von der „Stunde Null“ und dem Beginn einer neuen Epoche, einer ,neuen Zeit’ der Werbung nach dem 8. Mai 194 5 und geben ein ambivalentes Bild von der Gesinnung der Werbetreibenden (S. 133). Solange die alte Funktionselite der Werbefachleute an den Schalthebeln saß und die Sehnsucht nach frühe­ren Machtpositionen am Wirken war, konnte die deutsche Reklame zu großen Teilen nicht an das internationale Niveau anschließen; auch‑ wenn allgemein nach außen hin eine Orientierung an Organisationsstruktur und Werbestil der Sieger­macht USA erfolgt war.
Insgesamt ist „Am Anfang war die Litfasssäule“ ein schön gestalteter Band, der einen in sich schlüssigen Überblick über grundlegende Ent­wicklungen auf dem Gebiet der Reklame geben kann. Der Verzicht auf Fußnoten ist allerdings bedauerlich und wer sich weiter in die eine oder andere Thematik vertiefen will, ist hier auf die Suche im ‑ wenn auch wohl sortierten ‑ Litera­turverzeichnis angewiesen. Trotz der unterhaltsa­men Aufbereitung vermittelt dieses Buch auch ernste Anliegen oder zumindest Anregungen: den Verweis auf das Fortwirken von Mentalitäten über die in die Köpfe der Menschen eingeschrie­benen Zäsuren wie 1945 hinaus oder das implizi­te Plädoyer einer stärkeren Beachtung visueller Kommunikation.

Geschichte und Politik in der Schule, Nr. 44, 2007
Zwei Autoren legen ein Werk vor, das bislang gefehlt hat. Auf wenigen Seiten, aber mit einer Vielzahl repräsentativer Abbildungen wird der Leser durch die Geschichte der Reklame von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts geführt. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt in der Zeit von 1900 bis 1945; für die Nachkriegszeit nach 1945 gibt es nur einen kurzen Exkurs, der in hochinteressanter Weise Kon­tinuitäten zwischen den dreißiger und frühen vierziger Jahren und der frühen Bun­desrepublik aufzeigt. Plakativ formuliert kommen die beiden Autoren zu der Erkennt­nis, dass die Werbe‑Ästhetik des Wirtschaftswunders sich auf die der Zeit der Wei­marer Republik bzw. der nationalsozialistischen Diktatur stützte. Die junge Bundes­republik zeigte sich in jenen Jahren noch relativ unbeeindruckt gegenüber angel­sächsischen Vorbildern: Das änderte sich erst seit Ende der sechziger Jahre grund­legend, was nicht zufällig mit dem Ausscheiden einer ganzen Generation von Wer­bern verbunden war. Ein schönes Beispiel für diese Kontinuität ist die „Entnazifizie­rung“ einer Werbefigur, die in dem besprochenen Band am Beispiel des Salamander-­Lurchis in einem Exkurs untersucht wird.
Neben der Qualität der Abbildungen überzeugt die Qualität der Analyse, die den vor­liegenden Band nicht nur zu einer Sammlung mehr oder weniger eindrucksvoller (o­der gelungener) Werbe‑Abbildungen macht, sondern den Anspruch einer „Reklame­geschichte“ einlöst. Zeittypische Strömungen und auch entsprechende Verschrän­kungen mit der politischen Entwicklung lassen sich so erkennen, Kontinuitäten ver­deutlichen (wie das obige Beispiel zeigt). Der vorliegende Band, in wunderbarer Aus­stattung und Qualität, schmückt nicht nur eine historische Bibliothek, sondern bringt auch mittels Farbfolie eine Bereicherung des Geschichtsunterrichtes. (Ein schönes Beispiel: Die Anzeigen der Knabenanzugsfirma Bleyle eignen sich punktgenau zur Verdeutlichung der Marinebegeisterung des späten Kaiserreiches, des Frauenbildes sowie der lkonographie einer unbeschwerten Kindheit.)

ZEIT ‑ Literatur ‑ Bildband: Kauf mich! Kauf mich! Kauf mich!
Sie brauchen  RreklameKlappern gehört zum Handwerk und Werbung zur Weit der Waren, wie dieses Plakat aus der Reklamewerkstatt der Gesellschaft für Graphische Industrie von 1927 suggeriert. Es stammt aus dem Band von Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck: Am Anfang war die Litfaßsäule (Illustrierte deutsche Reklamegeschichte; Primus Verlag, Darmstadt 2006; 144 S., 29,90 C). Erzählt wird die Entwicklung der Warenpropaganda bis 1945 ‑ von der Revolution der Außenwerbung durch die Litfaßsäule im 19. 3ahrhundert über die Liebigbilder‑Serie um 1900, die Blütezeit der Reklamemarke im Ersten Weltkrieg, den Werbetrickfilm der zwanziger Jahre bis hin zu den Sammelbilderalben der NS‑Zeit. Schön wäre es, wenn die Autoren in einem zweiten Band die Geschichte der Werbung bis in unsere Gegenwart fortschreiben könnten.
(Anmerkung von Dirk Schindelbeck: Der reklamierte zweite Band war zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht.)

Badische Zeitung, 21. 2. 2007
Markus Zimmermann-Dürkop
“Zello” und “Megabusol“’”
Ein Buch über die Reklamegeschichte 1850 bis 1950
Wenn heutzutage die Rede von der Blechpest ist, dann ist da­mit die Flut von Fahrzeugen gemeint, die die Straßen verstopfen. Ein Prob­lem, das die Menschen vor hundert Jah­ren noch nicht kannten. Die Blechpest dagegen schon. So jedenfalls nannte, der Bund für Heimatschutz die Flut von Emailschildern, die „die Landschaft verschandeln”. Im neuesten Buch des Denzlinger Wissenschaftsautoren Dirk Schindelbeck ist diese Werbeflut nur ein kleiner Seitenaspekt einer Zeitreise durch die Geschichte der Reklame.
„Eigentlich war das Buch eine logische Konsequenz aus der 2003 erschienenen in der die Jahre seit 1945 behandelt wurden”, erklärt der frei schaffende Werbehistoriker, der dieses zweite Buch gemeinsam mit dem Publi­zisten und Ausstellungsmacher Volker Il­gen realisierte. Auf über 130 Seiten wird die Entwicklung der Reklame in den hun­dert vorangehenden Jahren behandelt.
Dabei findet sich manch Überraschendes, Parallelen zur Jetztzeit, aber auch Skurriles taucht hin und wieder auf. ‑
„Die eigene Badewanne, das war vor 100 Jahren ein ähnlicher Renner wie heute. das Handy”, erklärt Dirk Schindelbeck. Zu Zeiten, als sich das Volk überwiegend in Volksbädern den Schmutz von der Haut schrubbte, eröffneten die „Wellenbad­schaukel“ von Dittmann oder die „Triumphbadschaukel“ von Krauss neue Dimensionen. Dass sich. unter die zahlrei­chen Angebote auch damals schon Unnützes und Unwirksames mischte, ver­wundert kaum. So eine als „größte Erfindung der Neuzeit“ angepriesene Flohfangmaschine. Auch um 1900 war der Mensch schon empfänglich für das Versprechen, der Natur etwas nachhelfen zu können. So mit dem „orthopädischen Na­senformer Zello“ oder Zauberpulvern für „die möglichst pyramidale“ Form der Oberweite mit dem vielversprechenden Namen „Megabusol“.
Auswüchse der Werbeflut lösten aber auch Gegenbewegungen aus, und zwar auch aus der Werbewirtschaft selbst. Ge­schmackvolle Werbung wurde zum Anliegen der Werbenden wie auch der Medi­en. So warb die Satirezeitschrift „Simpli­cissimus“ bereits Ende 1898 um künstle­rische Werbung, „um dem Simplicissi­mus durch vornehmes, geschmackvolles Arrangement der Inseratenseiten in die­ser Hinsicht sein künstlerisches Gepräge zu wahren“.
Als Beispiel für den „Quantensprung” in der Gestaltung präsentiert Dirk Schindelbeck das Plakat „Priester‑Hölzer“ von Lucien Bernhard. Es war für die Zeich­ner der Jahrhundertwende lange vor An­dy Warhol eine Selbstverständlichkeit, dass Gebrauchsgrafik „auch künstlerisch wertvoll sein sollte”, erklärt Schindel­beck. Und ohne dass es den Begriff der „Corporate Identity“ gegeben hätte, sei­en Firmen damals schon auf die Idee eines einheitlichen Erscheinungsbildes gekom­men.
Werbung ist unabhängig vom Zeitgeist und dann doch wieder sehr abhängig von der Geisteshaltung der Epoche, verdeut­licht der 54‑jährige Autor in seinem Buch. Beispiele für die nationalistische oder militaristische Prägung bietet das Buch ebenso wie die neue Definition der Rolle der Frau in den 20er‑Jahren. „Dilettantisches und hohe Qualität finden sich in der Werbung zwischen 1850 und
1950″, betont Dirk Schindelbeck, der gemeinsam mit Co‑Autor Volker Ilgen viele Beispiele über Jahre mühsam selbst ge­sammelt hat. Etwa 80 Prozent der gezeigten Beispiele stammen aus der Sammlung des von Werbung faszinierten Wissenschaftlers. „In Bibliotheken findet man das nicht’, so Schindelbeck. Bewusst ist er sich, nur Fragmente gefunden zu ha­ben, doch sicher ist er auch, dass diese deutliche Aussagekraft haben. Nicht nur im Rückblick, denn in der Werbung zwischen 1850 und 1950 stecke manche Idee, die auch für heute Werbende durch­aus lehrreich sein könnte.

Bietigheimer Zeitung, 30. 12. 2006
Josef Wegener
„Reklame wird heute nur noch für marktschreierische und übertriebene Werbung benutzt.“ So erklärt ein aktuelles Lexikon einen Begriff, der in Deutschland erstmals im 19. Jahrhundert aufgetaucht ist. Erst ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bürgerte sich der Begriff Werbung ein. In Folge der industriellen Revolution, die dazu geführt hatte, dass im großen Stil produzierende Fabriken zunehmend auf überregionale Absatzmärkte angewiesen waren und die dort auch in Konkurrenz zu anderen Herstellern traten, erlebte die Reklame seit den 1850er Jahren einen enormen Aufschwung.
Begünstigt wurde dies durch Änderungen der politischen und gesetzgeberischen Rahmenbedingungen, beschreiben Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck in ihrem Buch „Am Anfang war die Litfasssäule. Illustrierte deutsche Reklamegeschichte“ die Anfänge dieses Wirtschaftszweiges.
Neue Mittel und Wege mussten gefunden werden, um die Werbebotschaften an die potenziellen Kunden zu transportieren: 1855 errichtete Ernst Litfaß die ersten nach ihm benannten Anschlag‑Säulen in Berlin, was für die Entwicklung der Außenwerbung den entscheidenden Durchbruch bedeutete Illustrierte wie die „Gartenlaube“ wurden zu Insertionsorganen.
Das Pressewesen erlebte in den 1870er Jahren einen enormen Aufschwung, und schon bald hatte sich Deutschland zur führenden Zeitungsnation in Europa entwickelt. Schnell hatten die Verleger erkannt, dass sich mit Reklame ein blendendes Geschäft machen ließ.
„Von Monat zu Monat schwollen die Anzeigenteile an, was sich günstig auf die wirtschaftliche Lage der Medien auswirkte und ihnen den zügigen Ausbau ihrer Nachrichten- ­und Vertriebsorganisationen gestattete ‑ das wiederum erhöhte Reichweite und Werbewirkung der Anzeigen”, heißt es in dem empfehlenswerten Buch über die deutsche Reklamegeschichte. Neue Reklameformen und ‑mittel kamen im Lauf der Jahre hinzu ‑ von Sammelbildern und Emailschildern über Werbetrickfilme bis hin zu Werbemobilen.
Anschaulich beschreiben Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck diese Entwicklung. Vorgestellt werden die jeweils bahnbrechenden Werbemoden, ‑mittel und ‑methoden. Dabei zeigen sie auch den Stellenwert von Reklame und Werbung in Kriegszeiten und während des Nationalsozialismus sowie deren Einsatz für die Propaganda. Zahlreiche Abbildungen historischer Reklame und Werbemittel illustrieren die Texte und machen die Lektüre zu einem besonderen Vergnügen.

Leo et Opinio
Volker Tzschucke
Reklame und Propaganda
Im Primus-Verlag ist eine deutsche Werbegeschichte erschienen

Warum eigentlich muss „PR“ immer für „Public Relations“ stehen. Wäre es nicht schön, würde es ausgeschrieben „Propaganda und Reklame“ heißen? Das ist natürlich Unsinn. Denn betrachtet man die Geschichte der beiden Begriffe, wird schnell klar, dass sie eigentlich einst für das Gleiche standen, nur zu unterschiedlichen Zeiten: Das Wort „Reklame“ tauchte im 19. Jahrhundert in Deutschland auf und stand für Produktwerbung. „Propaganda“ verdrängte die „Reklame“ dann Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine PR-Agentur, die sich also „Agentur für Propaganda und Reklame“ nennen würde, wäre nichts anderes als eine „Agentur für Werbung und Werbung“. Das Wort „Werbung“ selbst übrigens erlangte seine heutige Bedeutung erst in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – eben als deutsches Komplement zur Propaganda. Jederzeit fachkundig führen Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck durch die Historie deutscher Werbung zwischen 1850 und 1945.

Vom Aufkommen des allgemeinen privaten, auf Luxus ausgerichteten Konsums, der sich in bombastischen Weltausstellungen manifestierte über die kurze Blüte der Reklamemarken bis hin zur Entnazifizierung des Schuhsalamanders Lurchi streckt sich der Bogen, den Ilgen und Schindelbeck in einem leicht nachvollziehbar strukturierten Haupttext und einem guten Dutzend Exkursen spannen. Die Rolle des „’Negers’ als Werbefigur“ wird dabei ebenso durchleuchtet wie die des Matrosenanzugs oder die Diskussionen um ausländische Zigaretten während des 1. Weltkriegs.

Werbung ist Kultur

Und natürlich finden die Ursprünge der unterschiedlichsten Werbemedien Beachtung: Die Litfasssäule, die laut Titel 1855 angeblich am Anfang stand – wobei dem aufmerksamen Leser nicht entgehen dürfte, dass das Buch selbst mit dem Aufkommen erster Werbeanzeigen in Zeitungen gut fünf Jahre vorher einen anderen Anfang setzt; Emailleschilder, die mit der Entstehung der ersten Produktmarken ab 1890 einen 40jährigen Siegeszug antraten; Reklamemobile, die in den 1920er Jahren ihre Hochzeit erlebten, und Trickfilme, die sich zur gleichen Zeit zur kunstvollen Reklameform erhoben. So gelingt den beiden Autoren neben einer Werbe- auch eine Kulturgeschichte des konsumorientierten deutschen Volkes: Denn immer mussten die Werber natürlich Zeittendenzen und Stimmungen aufgreifen, um die Umsätze ihrer Produkte zu erhöhen.

Freilich wäre das Buch nur die Hälfte wert ohne all die historischen Illustrationen und Bilder. In Masse wurde von den Autoren Veranschaulichendes zusammengetragen – die ersten Produktanzeigen im Leipziger Tageblatt 1851 ebenso wie Plakate von Arno Breker.
Und immer wieder staunend kann der Betrachter feststellen, wie platt man damals in der Werbung noch sein durfte.

Der Imperativ regierte Plakate, Schilder, Anzeigen lange Jahre: „Eßt Fisch, dann bleibt ihr schlank, gesund und frisch!“, „Achtung, Bestellen Sie dies Jahr rechtzeitig Ihren Bedarf an Just-Wolfram-Zwerglampen“, „Kauft deutsche Zigaretten!“, „Kanin-Felle abliefern!“, „Asbach-Cognac in das Trinkwasser!“(kein Scherz!). Wie leicht, möchte man stöhnen, könnte es sein, ließe sich mit solch plumpen Aufforderungen heute noch ein Produkt verkaufen…
Und so mag sich denn beinahe kein Wermutstropfen finden. Einzig der Preis könnte sich als solcher erweisen, denn mit 36,00 Euro im regulären Verkauf ist der Bildband nicht ganz billig. Günstiger wird es für Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt. Aber versprochen, es lohnt sich. Und für alle, die später mal „irgendwas mit Werbung“ machen wollen, ist das Buch sowieso ein Muss. Angesichts zukünftiger Löhne sollte diese Investition aber auch drin sein. Also: Kauft, Leute, kauft!

DAAD Letter Literatur 2006
Helma Nehrlich
Was heute die „Werbung“” ist, war vor 150 Jahren die „Reklame“. Dass der Begriff französischen Ursprungs sowohl „ins Gedächt­nis rufen“ bedeutet als auch die täuschenden Lockrufe meint, mit denen der Jäger das Wild vor seine Flinte lockt, gab ihm etwas leicht Anrüchiges. Dennoch be­zeichnet er eine sich seit 1850 in Deutschland rasch entwickelnde Wirtschaftsbranche, die mit Zeit ­und Alltagsgeschichte, Kunst‑ und Technikentwicklung eng verbun­den ist.
Mit der Erfindung der Schnell­druckpresse, der Schaffung eines dichten Verkehrsnetzes, dem Weg­fall von Anzeigenmonopol und Vorzensur wurde Reklame allge­genwärtig. Die Erfindung der Lit­faßsäule vor 150 Jahren half den „Übelständen“ ab, dass Reklamezettel wild an „Straßen‑Ecken, Brunnengehäusen und Bäumen“ angeheftet wurden. Deshalb er­laubte der Berliner Polizeipräfekt 1855 dem Kaufmann und Verleger Ernst Theodor Amadeus Litfaß, 100 solcher Anschlagsäulen aufzu­stellen.
Dabei blieb es nicht. Annoncen-­Expedition wurde ein lukratives Geschäft der Gründerzeit im aus­gehenden 19. Jahrhundert. Die Entstehung eines industriell fundierten Massenmarktes und das Aufkommen von „Markenartikeln“ für die wachsende Stadtbevölke­rung ‑ allen voran Nahrungsmit­tel, Kleidung und Hygiene‑Artikel ‑ animierten Hersteller, mittels Reklame ein ständiges Qualitätsversprechen abzugeben. Bildspra­che und Ästhetik werblicher Bot­schaften hielten mit der rasanten Verbreitung anfänglich kaum mit.
Mit der Gestaltung eines „Cor­porate‑Design“, wie man heute mit Rückblick auf die Erfindung der Odol‑Flasche oder der Persil­-Seifenpulver‑Schachteln sagen würde, wurden zunehmend Wer­befachleute beauftragt. „Die Zeit fährt Auto“, meinte Kurt Tucholsky zur Zeit der Weimarer Republik.
Übertroffen wurde dieses Bonmot durch die Versuchsküche von Pud­dinghersteller Dr. Oetker, die per Autobus durch die Lande rollte, oder die Henkel‑Waschmittelwer­bung, die eine Pilotenflotte mittels Paraffin‑Öl in den Himmel proji­zierte.
Werbebotschaften waren sel­ten unpolitisch, schon gar nicht in Kriegs‑ und Mangelzeiten, in denen Wettbewerb eingeschränkt und für „rein deutsche“ Unterneh­men „geworben“ wurde. Der schön gestaltete Bildband ist ‑ trotz ei­niger falscher Bildverweise, die Verwirrung stiften ‑ ein kurzwei­liges Lesevergnügen.

www.Rezensionen.ch
Eva Lacour
Die ersten 100 Jahre deutsche Reklamegeschichte
Volker Ilgen und Dirk Schindelbeck schildern in diesem Buch die Geschichte der deutschen Reklame zwischen 1850 und 1950. Deren eigentliche Geburtsstunde schlug nämlich erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und zwar dadurch, dass “Ware, Zeichen und Erzeuger endgültig räumlich voneinander getrennt auftraten bzw. [...] das (Werbe )Zeichen”, in einem völlig anderen medialen Umfeld unabhängig von der zu bewerbenden Ware auftauchte, etwa in einer Zeitung oder Zeitschrift.” (S. 9) Zuvor war es lediglich üblich, auf Schildern am eigenen Laden auf die hergestellten Produkte aufmerksam zu machen oder einprägsame Warenzeichen anzubringen, z.B. die markanten Zwillinge auf Solinger Messern. Bis 1850 existierte in Deutschland zudem ein Anzeigenmonopol, der “Intelligenzzwang”, demzufolge Anzeigen nur in den periodisch erscheinenden Amtsblättern, den Intelligenzblättern, erscheinen durften. Nach dem Fall dieses Monopols gewannen Agenturen schnell an Macht, die bei Zeitungen und Zeitschriften ganze Inseratenteile pachteten und diese an Werbe-Kunden vermittelten.

Erst kurz vor der Jahrhundertwende begann sich kontinuierliche Werbung zu etablieren. Erstaunen ruft hervor, wenn man liest, dass um 1900 die Landschaft, z. B. entlang von Bahnstrecken, und der öffentliche Raum sowohl in grauen Industrievorstädten als auch Nobel-Kurorten “flächendeckend” mit “großformatigen Werbetafeln aus Blech und Email” und anderen “Reklame-Monstrositäten” zugepflastert war (S. 36). “Innerhalb weniger Jahre hatte sich das Straßen- und Landschaftsbild durch die Reklame völlig verändert. Allein die Firma Maggi lieferte pro Jahr etwa 20 000 neue Emailschilder gratis an den Handel aus, um diesen zu zwingen, (”Hier zu haben …”), die Produkte am Lager zu halten.” (S. 37) Das explosionsartige Anwachsen der Außenwerbung führte dazu, dass vor allem von seriösen Unternehmern “der Ruf nach geschmackvollerer Anpreisung von Waren immer lauter wurde, [...] was sich wiederum im raschen Aufschwung der Gebrauchsgrafik niederschlagen sollte.” (S. 39) Junge, talentierte Künstler erkannten, dass man mit der Gestaltung von Reklame seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Die künstlerische Qualität von Plakaten erlebte zu dieser Zeit einen Quantensprung. Diese Entwicklung fand allerdings mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende. National und patriotisch kam die Werbung nun daher.

Die Werbung der Weimarer Republik unterscheidet sich dann so grundlegend von derjenigen der Vorkriegszeit, dass die Autoren von einem “Paradigmenwechsel” sprechen. Eine “nivellierte” Massengesellschaft begann sich zu entwickeln; in ihr “avancierten die Konsumenten bzw. deren vermeintliche oder echte Bedürfnisse zum ausschließlichen Maßstab einer erfolgreichen Reklame.” (S. 79) Diese Neuausrichtung hin zu absatz- und verkaufsorientierter Werbung ließ “Kunstmaler, die, wie vor dem Krieg allgemein üblich, in ihrem Atelier mit kühnem Schwung und sozusagen nur sich selbst verpflichtet, ein Plakat nach eigenem Gusto entwarfen,” schnell ins berufliche Abseits geraten (S. 80).

Ein besonders interessanter Teil des Buches ist die Darstellung der Werbung zur Zeit des Nationalsozialismus sowie des darauf folgenden Jahrzehnts. Militarisierung, Arisierung einhergehend mit dem Ende der Kreativität sowie die pädagogisch-propagandistische Tendenz sind wohl bekannt. Dass sich derselbe Werbestil bis Ende der 1950er Jahre in sowohl Bundesrepublik als auch DDR fortsetzte, zeigen die Autoren an einigen Beispielen auf. Die Kapitulation 1945 war auch in dieser Hinsicht keine “Stunde Null”. Geradezu erschreckend wirken die Plakate der Raiffeisen-Genossenschaft aus dem Jahr 1953. Hier “feiert der dumpfe Heroismus der NS-Zeit fröhliche Urständ” (S. 140). Ein aussagekräftiger Fall ist auch die 1937 geschaffene Figur des “Lurchi” als Werbeträger für Schuhe der Marke Salamander. Die endgültige Entnazifizierung des kleinen Salamanders erfolgte erst 1961.

Nicht nur die zahlreichen Bilder, auch seine sprachliche Brillanz macht dieses interessante Buch zu einem echten Lesegenuss.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 2. Juli 2009 13:01
Themengebiet: Publikationen