“115 Jahre Coca Cola – eine Marke zwischen Kult und Mythos”
Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bonn
(wanderausstellungsfähiges Grundkonzept)
© 2001 Dirk Schindelbeck
Auf der Grundlage dieses Konzeptes wurde die Ausstellung mit der Freiburger Werbeagentur Schleiner & Partner realisiert und umgesetzt. Sie erreichte insgesamt 80 Millionen Kontakte.
Aufgabe und Leitidee
I. Zeitstrahl/Chronologische Rahmenerzählung
II. Stationen und Objekte (Gegenpole zum Chronik-Zeitstrahl)
III. Weitere Optionen
IV. Skizze Coburger Flügel des HdG mit eingezeichnetem Zeitstrahl und Objekt-Stationen
Aufgabe und Leitidee
Grund- und Leitidee für eine Ausstellung der Marke Coca Cola in einem historischen Museum wie dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn muss die Einbettung dieses Produkts, seiner Marke und Botschaft in signifikante historische Zusammenhänge sein. Hierbei sind möglichst viele historische Aspekte und Facetten abzudecken, angefangen von politischen, sozialen, kulturellen, sportlichen, mentalen bis hin zu kommunikativen (z.B. Werbegeschichte). Wird dieser Rahmen als chronologisches Gerüst vorgegeben, lässt sich die Marke Coca Cola und ihre Entwicklung darin nicht nur einbetten, sondern es stellen sich Wechselbezüge her, die von jedem Betrachter spielend nachvollzogen werden können. Diese historische Rahmenerzählung („Legende“) muss sodann durch Objekte mit möglichst hoher historischer Relevanz nicht nur illustriert, sondern in verschiedenen Stationen geradezu handgreiflich gemacht, ja bewahrheitet werden. Dies können themenspezifische Dioramen sein (z..B. Coca Cola und die Arbeitsgesellschaft der fünfziger Jahre) oder einzelne (Kunst-) Objekte (Coca Cola in Arbeiten von Warhol, Beuys oder anderen). Darüber hinaus soll auch auf andere Mittel, die historische Bezüge deutlich machen können, wie etwa „sprechende“ Bild- und Tondokumente zurückgegriffen werden. Auch Lehrmodelle und interaktive Medien wie Touch-Screen oder Videoinstallationen sind unverzichtbar.
I. Zeitstrahl/Chronologische Rahmenerzählung
Für die Rahmenerzählung („Legende“) soll die am leichtesten fassliche Form gewählt werden: die Synopse. Sie erlaubt es, Bild- und Daten/Faktenmaterial jahrweise wie auf einem breiten Zeitstrahl aufzutragen. Wechselbezüge und Querverweise entstehen (die bei den Besuchern zudem manchen Aha-Effekte auslösen). Dies schafft Übersichtlichkeit, Orientierung und Einordnung. Rechnen wir für die Bild/Text-Dokumentation eines Jahres – groß genug gesetzt wegen der Lesbarkeit – etwa 30 bis 40 cm Platzbedarf in der Breite, ergibt sich für die 115-jährige Coca Cola Geschichte eine Gesamtlänge von etwa 35 bis 50 m Wandtafel oder Stellwand (in Hinsicht auf die geplante Wanderausstellung in wechselnden Räumen erscheinen Stellwände günstiger). Praktischerweise sollten diese Tafeln als variabel im jeweiligen Raum zu drapierende Elemente ausgeführt werden (bei 30 cm Platzbedarf pro Jahr wären dies vier große Stelltafeln mit etwa 4,50 m bis 5 m Länge < = 15 Jahre pro Seite>, bei 40 cm pro Jahr etwa 6 m pro Element). Doppelseitig beschriftet, reichen vier Stelltafeln aus (Tafel 1 stellt dann die Jahre 1886 bis 1900 dar , Tafel 2 die Jahre 1901 bis 1915 , Tafel 3 die Jahre 1916 bis 1930 , Tafel 4 die Jahre 1931 bis 1945 ). In einem Raum von ca. 150 bis 170 qm sind die vier Tafeln bequem zu stellen. Ihnen gegenüber und um sie herum steht genügend Platz zur Verfügung für die Präsentation der Einzelobjekte, Dioramen oder Videostationen. Zur Verdeutlichung siehe Skizze (unten).
Auf den Tafeln findet sich der Zeitstrahl (synoptische Chronik), der im Jahr 1886 beginnt und bis in die unmittelbare Gegenwart des Jahres 2001 durchläuft. Auf ihm finden sich, einer Autobahn ähnlich, fünf parallel angeordnete Spuren, die in Wort und Bild wichtige Ereignisse der jeweiligen Jahre unter einander stellen und dokumentieren. Die obere Spur ist der politischen und der Weltgeschichte vorbehalten, die zweite dokumentiert gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Entwicklungen, die dritte, zentrale zeigt die Markenentwicklung von Coca Cola, die vierte setzt Ereignisse und Daten aus dem Bereich von Kunst und Kultur dagegen, die fünfte stellt Sportereignisse und anderes dar. Außer bei der mittleren und zentralen Coca Cola Markengeschichte (in den dominierenden Hausfarben rot/weiß) werden die meisten die Fakten illustrierenden Bilddokumente in den anderen Spuren schwarz-weiß ausgeführt, also im Nachrichten-Stil. Das ergibt den Vorteil, dass die „bunte“ Coca Cola Geschichte immer einmal wieder aus ihrer Bahn ausbrechen kann und ihre Farbe in die anderen Spuren bringt (z.B. beim Mauerfall 1989). Eine generelle Tendenz lässt sich so ebenfalls visuell umsetzen. Die im Laufe von 115 Jahren immer stärkerer Durchdringung aller Lebensbereiche (politischer, gesellschaftlicher, kultureller und sportlicher) durch die Marke Coca Cola: Rot-weiß breitet sich sozusagen kontinuierlich aus. Zwei Objekte sollten diese Zeitreise-Tafeln einrahmen. Am Anfang ein (funktionierendes!) Modell der ersten Soda-fountain – gewissermaßen als Urquell von Geschichte schlechthin – , am Ende, also in 2001, sollte die Dimension von CC durch ein Modell der in Atlanta über dem Museum hängenden Coca Cola Weltkugel deutlich gemacht werden (zur Not ein Foto). Die Botschaft: Was aus einer kleinen Quelle begann, umspannt heute die ganze Welt (aus einer Apotheke entwickelte sich in 115 Jahren ein Global Player).
Die 15-Jahres-Portionen erlauben es nicht nur, die Chronologie durch dazwischen gestellte Objekte aufzulockern, sondern bedeuten gerade für Coca Cola besonders günstige Zäsuren, Entwicklungsstufen oder Wendepunkte. Der Rundgang im einzelnen:
Anfang: Soda-Fountain (funktionierendes Modell)
- zwischen Tafel 1 und 2 (1900 und 1901) Pariser Weltausstellung (oder Porzellan-Ausschankgerät 1896)
- zwischen Tafel 2 und 3 (1915 und 1916) Geburt der Tiffanyflasche (1916!),
- zwischen Tafel 3 und 4 (1930 und 1931) Coca Cola auf dem deutschen Markt (1929 oder: Eröffnung der ersten Flaschenabfüllstation Mai 1930!),
- zwischen Tafel 4 und 5 (1945 und 1946) Besetzung Deutschlands durch die Alliierten (z.B. CC bei der Verbrüderung der sowjetischer und us.-amerikanischen Truppen in Torgau/Elbe Mai 1945!),
- zwischen Tafel 5 und 6 (1960 und 1961) Bau der Berliner Mauer, sinnfällig in Billy Wilders Komödie (1961!) 1,2,3 um einen Coca Cola Manager (Video-Installation),
- zwischen Tafel 6 und 7 (1975 und 1976) Coca Cola als Inbegriff der Freizeitgesellschaft (Party-Kultur usw.),
- zwischen Tafel 7 und 8 (1990 und 1991) Coca Cola als Botschafter des westlichen Lebensstils für die ehemaligen Bürger der DDR (Mauerfall 9.11.1989; Währungsunion 1.7.90)
- Da das letzte Segment der Zeitstrahltafel nur 10 Jahre (1991-2001) wiedergibt, kann der verbleibende Raum mit dem durch das Brandenburger Tor fahrenden CC-Truck-Konvoi gefüllt werden (alternativ mit einem Gesichterteppich aus Musterkonsumenten aus aller Welt – siehe unten)
Ende: Coca Cola-Weltkugel oder der „Global Player“ (Modell der Atlanta-Kugel oder notfalls Foto)
Beispiel: das Geburtsjahr von Coca Cola 1886
(der gesamte Zeitstrahl von 115 Jahren bedarf der weiteren, detaillierten Ausarbeitung)
Als Beispiel für die inhaltliche Darstellung und Gestaltung eines Jahres auf dem Zeitstrahl sei hier für das Geburtsjahr von Coca Cola nachfolgend die synoptische Übersicht (zunächst nur die Fakten als Legende, noch ohne dazugehörige Bilddokumente wie die Freiheitsstatue, Diamler-Benz-Motorwagen, Nietzsche-Porträt u.a.) für 1886 gegeben. Was nachfolgend hier in ganzen Sätzen dargestellt wird, soll auf dem Zeitstrahl wo immer möglich als Bildinformation (mit minimalen Textinformationen garniert) erscheinen, um die Besucher nicht zu langweilen oder gar zu ermüden. Auch soll keinesfalls jeder freie Raum auf dem Zeitstrahl sklavisch und buchhalterisch ausgefüllt werden. Es gibt ganze Jahre, in denen z.B. nur im Sport oder der Kultur weitreichende Ereignisse zu verzeichnen lohnen. Hier gilt es, Bilder, Daten und Fakten aus 115 Jahren mit großem Fingerspitzengefühl auszuwählen und auf die Coca Cola Entwicklung gewissermaßen abzustimmen.
Nicht unwichtige Anmerkung:
Natürlich haben Schautafeln („Flachware“) vordergründig wenig Reiz für sich, da ihnen im Gegensatz zu den plastischen Exponaten und Objekten der authentische Appeal abgeht. Gleichwohl sind sie unverzichtbar – fehlen sie nämlich, erhebt sich (besonders in Deutschland!) sogleich lautstarke Kritik. Die Konzeption berücksichtigt durchaus, dass Schautafeln denn auch eher nebenher wahrgenommen werden, wie ein Gerippe, das man eigentlich nicht unbedingt sehen will, das aber gleichwohl die Idee der Ausstellung trägt und ihre Seriosität verbürgt.
1886
Politik Am 28. Oktober 1886 wird in New York die Freiheitsstatue, ein Geschenk
der Franzosen an das amerikanische Volk (Künstler: Frederic-Auguste
Bartholdi) eingeweiht. Am Hafeneingang begrüßt sie seither alle
Ankommenden als das Sinnbild von freedom and democracy
Gesellschaft In den USA streiken am 1. Mai 1886 400.000 Beschäftige aus 11.000 Betrieben für die Einführung des 8-Stunden-Tages.
Wirtschaft Daraus entsteht bald der „Tag der Arbeit“. Im deutschen Reich sinken die Lebensmittelpreise, bescheidener Wohlstand breitet sich aus.
Technik Der Mensch wird (auto)mobil: Zeitgleich präsentieren Gottlieb Daimler seine Motorkutsche und Carl Benz seinen Patent-Motorwagen. Die erste Hollerith-Maschine läutet das Zeitalter des seriellen Umgangs mit
Informationen ein.
Coca Cola John S. Pemberton, Arzt und Apotheker aus Atlanta/Georgia, erfindet am 8. Mai ein Tonikum, das gegen Müdigkeit und Kopfschmerzen helfen soll. Der Sirup wird für fünf Cent pro Glas, mit Sodawasser vermischt, in Drugstores und Sodabars angeboten. In der ersten Woche werden im
Schnitt 13 Coca-Cola Drinks täglich verkauft. Noch ahnt niemand, dass –
wie die Freiheitsstatue – auch Coca Cola einst zum Sinnbild für Amerika
werden wird
Kultur
Die alten Götter stürzen. Der Philosoph Friedrich Nietzsche veröffentlicht
unter dem Titel „Jenseits von Gut und Böse“ eine Fundamentalkritik des
Christentums. Der Lyriker Gottfried Benn wird geboren.
Der Österreichische Komponist Anton Bruckner stirbt, ebenso der
Historiker Leopold von Ranke. Der Bayernkönig Ludwig II,
der Erbauer Neuschwansteins, ertrinkt beim Baden.
Auch in Europa hat das Zeitalter der Markenartikel begonnen. Frank
Wedekind („Frühlings-Erwachen“) verdingt sich bei der Firma Maggi als
Reklame- und Presseleiter und schreibt über 160 „Reklamen“.
Sport Sport wird ein Massenphänomen. Im Deutschen Reich entstehen viele
Sportvereine, in Berlin wird der erste deutsche Schwimmverband
gegründet. Vor unsittlichen Einblicken sind alle Badeanstalten durch hohe
Bretterzäune geschützt.
II. Stationen und Objekte (Gegenpole zum Chronik-Zeitstrahl)
Die oben vorgestellte Zeitstrahl-Synopse dient als Gerüst und Wegweiser für die plastischen Objekte bzw. Stationen. Hierunter werden nicht nur einzelne Kunstobjekte (Andy Warhol, Joseph Beuys, Herbert Leupin usw.) verstanden, sondern auch die Inszenierungen bestimmter unverzichtbarer Themen, so z.B. der Arbeitswelt der fünfziger Jahre durch eine Werkbank (kann auch ein großer Fotohintergrund sein, und davor – real – ein Coca-Cola Automat. Aus dem Radio dazu der zeitentsprechende Pausenpfiff).
Die einzelnen Stationen haben die Funktion, verschiedene historische Zustände bzw. Wendepunkte mittels Objekten und Installationen anschaulich und spannend zu präsentieren. Dabei sollen die Ausstellungsbesucher von der Marke Coca Cola und ihrer Reichweite und Bedeutung für unsere moderne Lebenswelt zugleich überzeugt und fasziniert werden. In der Regel werden die Stationen an den entsprechenden Stellen gegenüber dem Zeitstrahl positioniert, um die An- und Einbindung in den größeren historischen Zusammenhang zu zeigen und zu bewahrheiten. Aber auch vom Zeitstrahl unabhängige Einzelstationen soll und muss es geben: sie formulieren ihrerseits abgeschlossene Themenkreise, z.B. „Coca Cola und Pop-Art“ oder „Coca Cola und die Olympischen Spiele“. Neben einigen unumgänglichen Stationen leicht lehrhaften Charakters liegt das Schwergewicht stets auf dem unterhaltenden Aspekt – Infotainment, das bei aller gebotenen Seriosität der Darstellung stets spritzig und erfrischend bleibt – wie Coca Cola selbst.
Station 1: Coca Cola oder die Genese des Markenartikels
Historische Aussage:
Coca Cola ist das Urmuster des Markenartikels schlechthin. Das Produkt dokumentiert exemplarische Industrialisierungsschritte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: von der lose verkauften Ware (soda-fountain 1886) über Verpackung und Normierung (Flaschenabfüllung ab 1893) hin zum unverwechselbaren Markengesicht (Jugendstil-Tiffany-Flasche ab 1916). Wissenschaftliche Voraussetzung für die gesamte Generation der frühen Markenartikel war der Fortschritt der Chemie (z.B. Erfindung des Kunstdüngers durch Justus Liebig). Ob Seife (Persil), Würze (Maggi), Mundwasser (Odol) oder eben Sirup (Coca Cola) – die Herstellung solcher Substanzen in beliebiger Menge und gleichbleibender Qualität war nur aufgrund chemischen Fortschritts möglich. Wie konnte aber dieser erreichte Qualitätsstandard dem kaufenden Publikum bewusst gemacht werden? Entgegen kam den Herstellern dieser Substanzen, dass es sich um Flüssigkeiten (Odol, Maggi, Coca Cola) oder Schüttgüter (Persil) handelte, die schon aufgrund ihrer Konsistenz danach verlangten, in Pakete abgepackt oder in Flaschen abgefüllt zu werden. Der Schritt hin zu einer Verpackung, die nicht allein vertriebstechnischen Anforderungen genügte, sondern darüber hinaus auch Zeichencharakter (Unverwechselbarkeit) besaß und Publikumsansprache leisten konnte, lag auf der Hand. Unternehmerische (betriebswirtschaftliche) Weichenstellungen deckten sich mit dem Bedürfnis, das Erzeugnis in der Wahrnehmung der Käufer einzigartig erscheinen zu lassen - serielle Produktionsweise, kontinuierlicher Vertrieb und Kommunikation (Werbung) bildeten eine Einheit. So wurde der Qualitätsstandard der Ware selbst ein zugleich nach außen getragenes Qualitätsversprechen - so entstanden auf natürlichem Wege Marken, deren Beschaffenheit das öffentliche Vertrauen gewannen. Aus der Sicht des Publikums waren diese Produkte ja vor allem Sicherheitsprodukte. Erleichtert konnte man sich bei ihrem Kauf immer wieder sagen: „Da weiß man, was man hat!“ – denn sie waren in dieser Qualität an (fast) jedem Ort zu jeder Zeit und in jeder Menge zum selben Preis erhältlich. Um die Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert waren diese frühen Markenartikel freilich noch die Ausnahme. Heute, wo es kaum noch lose Ware zu kaufen gibt, sind Markenprodukte wie diese längst die „normalen“ Produkte. Dass im weiteren Verlauf des zwanzigsten Jahrhundert die alten, auf deutschem Boden entstandenen Markenartikel eher auf den deutschen Sprachraum und alten Kontinent beschränkt blieben und es nur Coca Cola gelang, weltweit präsent und erhältlich zu sein, war mit Sicherheit auch eine Folge der beiden, für die USA siegreich ausgegangenen Weltkriege.
Umsetzung: Modell einer funktionierenden Soda-Fountain, Erklärung und plastische Darstellung des stufenweisen dreißigjährigen Prozesses zur Markenflasche über eine Flaschenparade.
Platzierung: gegenüber dem ersten Segment (1886-1900) des Zeitstrahls
Station 1a: Flaschen-Fühlstation
Gegenüber der die Entwicklung zur Marke zeigenden Station oder (alternativ) auch als deren integraler Bestandteil sollen die Ausstellungsbesucher an dieser Station unmittelbar die Marke erfahren – bzw. erfühlen können. Schließlich gehörte es 1914 zum Anforderungsprofil an die neu zu entwickelnde Flasche, dass sie auch im Dunkeln eindeutig erkennbar sein musste. In dieser “Fühlstation”, in der sich eine Coke-, eine Maggi-, eine Odol- und eine Chanel Nr.5-Flasche befinden, lässt sie sich ertasten und die Frage beantworten: Mit welcher Flasche löschen Sie Ihren Durst? (Solche Stationen erlauben es auch, die Ausstellung mit zusätzlichem Reiz für den Besucher auszustatten, indem sie Grundlage für ein Quiz oder eine Rallye werden können.)
Station 2: „Kolonialware“ und „koffeinhaltige Limonade“ und der Mythos vom Sirup
Historische bzw. hier: wissenschaftliche Aussage:
Diese Station ist ein kleines, biologisch inspiriertes Lehrstück. Es soll die Idee der koffeinhaltigen Limonade anschaulich ins Bewusstsein rücken. Koffein, ein natürlicher, die Konzentration fördernder Stoff, kommt in Blättern, Samen und Früchten von mehr als 60 Pflanzen in aller Welt vor, in den Früchten des tropische Kolabaums, in Teeblättern, Kakao- und Kaffeebohnen. Es gilt, die epochale Innovation des anregenden Erfrischungsgetränks herauszustellen und die einzigartige CC-Verbindung von Koffein und Limonade gegenüber anderen schweren koffeinhaltigen „Muntermachern“ wie Kaffee oder Tee durch Schautafeln und/oder plastische Installationen deutlich machen. Hinzu kommen kann die Darstellung der Verarbeitungsschritte von einem Naturprodukt hin zum industriell hergestellten Sirup.
Umsetzung: ein Kola-Baum (8-10 m hoch), seine Früchte und deren Wirkung (Kauen der Kola-Blätter im subtropischen Afrikas usw.). Vorführen des Spektrums anderer koffeinhaltiger „Kolonialwaren“ wie Kaffee, Tee und Schokolade. Darstellung der Verarbeitung der Kola-Früchte bis hin zum Sirup.
Platzierung: gegenüber dem zweiten Segment (1901-1915) des Zeitstrahls
Station 3: Coca Cola, das „Volksgetränk“
Historische Aussage:
Diese Station zeigt den Zustand vor dem Auftauchen von Coca Cola in Deutschland, als es den Begriff des Soft-Drinks hierzulande noch nicht gab, zwischen 1925 und 1929. Mitte der zwanziger Jahre entstanden im Deutschen Reich die ersten großen Gemeinschaftswerbungen, um die Idee des „Volksgetränks“ zupropagieren. Es waren sehr national ausgerichtete Kampagnen, die unter maßgeblichem Einfluss des Winzerstandes oder der Bierbrauerlobby standen. Unter Führung und Schirmherrschaft des Reichskunstwarts Edwin Redslob wurden sie mit gewaltigem Aufwand, meist über einen „Reichsausschuss für Milch- Wein- oder Bierpropaganda“, realisiert (z.B. „Wein ist Volksgetränk!“). Diese Kampagnen sind verhältnismäßig gut dokumentiert, und so bietet sich an, den Gegensatz und Unterschied zur privatwirtschaftlich ausgerichteten CC-Werbung zur selben Zeit in den USA herauszustellen. Hier war CC längst „Volksgetränk“ und in Alltag und Bewusstsein der Menschen – sowohl am Arbeitsplatz wie auch in den Haushalten – eine feste Größe. Willkommener Nebeneffekt ist die Möglichkeit, die Idee des CC-Soft-Drinks als das „wahre“, d.i. gesunde, da nichtalkoholische „Volksgetränk“ ins Bewusstsein zu heben, vielleicht sogar mit einer kleinen Statistik (Vordringen von CC ab 1929, Rückgang des Alkoholismus usw.) untermauert. Am Ende steht der Auftritt Coca Colas in Essen 1929.
Umsetzung: Schaufenster Reichsmilch- oder Reichsweinpropaganda vs. CC-Werbung in USA (coming home-Kampagne) bis zum Auftritt CCs in Essen.
Platzierung: gegenüber dem dritten Segment (1916-1930) des Zeitstrahls
Station 4: NS-Zeit und Kriegswirtschaft: Fanta
Historische Aussage:
Schon bald nach der Sommerolympiade in Berlin 1936 begann das NS-Regime mit seinen Kriegsvorbereitungen. Kriegswichtige Rohstoffe wie z.B. Öle und Fette wurden im Alltag rar. Dafür wurde der Bevölkerung der Sparsamkeitsgedanke nahegelegt („Kampf dem Verderb!“ 1937; „Groschengrab“ 1939), Bevorratung (Einwecken) propagiert, und Einschränkungen im Lebensalltag eingeübt (Winterhilfswerk). Mit Kriegsausbruch im September 1939 wurde diese Politik forciert, etwa durch Kinospots zum Umgang mit Lebensmittel- und Kleiderkarten („Tran und Helle“) oder „Eintopfsonntage“. Da mit Kriegsausbruch auch die antiamerikanische Propaganda zunahm (Kriegserklärung Hitlers an die USA allerdings erst Ende 1942), war der Stop der Siruplieferungen abzusehen. So war es nur konsequent, dass Max Keith als CC-Chef Deutschland frühzeitig über ein zeitgemäßes Ersatz-Coca-Cola-Produkt nachdachte. So entstand aus Apfelresten und Molke Fanta.
Umsetzung: Vom schmissigen Song „Wir trinken Coca Cola, und das hat seinen Grund…“ (1935) über den Aufschwung von CC im Dritten Reich (Absatzsteigerung!) bis August 1939, die folgende Bewirtschaftungszeit samt entsprechender Propaganda („Tran und Helle Filmspots“) bis hin zum „Ersatzprodukt“ Fanta und seiner Folgegenerationen nach dem Krieg.
Platzierung: gegenüber dem vierten (1931-1945) Segment des Zeitstrahls
Station 5: CC als Inkarnation von freedom & democracy
Historische Aussage:
Diese Station macht die Botschaft von freedom & democracy bzw. des american way of life plastisch. Sie gelangte vor allem durch die „guten“ US-Soldaten in die Erfahrungswelt der Westdeutschen und sollte deren angestrengte aus der NS-Zeit herrührende „hab-Achtung“-Haltung in der Folge nachhaltig aufbrechen. Am besten lässt sich dies durch Puppen, die die Typen der lockeren, fröhlichen US-Soldaten, zugleich Botschafter eines besseren Lebens, plastisch machen, darstellen. Seine klassisch gewordenen Attribute: Kaugummi, Schokolade, Lucky Strike, Nylons und eben Coca Cola. Aber auch der militärische Aspekt bei der Okkupation Deutschlands ist nicht zu vernachlässigen, die gewaltige Versorgungsmaschinerie, die Coca Cola stets in Reichweite jedes einzelnen Soldaten hielt (mitsamt neuer durch militärische Erfordernisse forcierter Entwicklungen wie stapelfähiger Dosen oder ganzer Abfüllfabriken in den soeben befreiten Gebieten). CC war - wie Marlene Dietrich – ein reales Stück Truppenbetreuung und gute Laune (auch das lässt sich visualisieren). Die Station endet mit dem berühmten Verfügbarkeits-Satz: „Wieder da!“ von 1950 bzw. dessen letzter Entwicklungsstufe, die berühmte Anzeige „Symbol der Freundschaft!“ (eine Hand hält CC-Flasche vor Weltkugel) von 1955.
Umsetzung: US-Soldaten-Puppen mit genannten Attributen, vielleicht umringt von deutschen Kindern, Coca Cola locker aus dem Jeep schwenkend, Bilder von Care-Paketen, Schulspeisungen usw.
Platzierung: zwischen dem vierten und dem fünften Element des Zeitstrahls
Station 6: Coca Cola und sein Konzessionärs- und Franchisesystem
Historische Aussage (hier Original-Quelle):
Ein (verkleinertes und stilisiertes) Remake des 25-jährigen Jubiläums von CC in Deutschland 1954, als bei einer Feierstunde vor den versammelten deutschen Konzessionären auch eine sprechende Coca Cola Flasche auftrat, „im Rhythmus ihrer Sprachschwingungen magisch aufleuchtend“. Flaschen-O-Ton 1954: „Ich bin nicht nur Glas und Inhalt, nicht tote Materie, für euch bin ich sprudelndes Leben und prickelnde Lebendigkeit. Ihr habt mich zu einem königlichen Symbol erhöht, ich bin der Inbegriff Eurer Arbeit, für Euch strahlender Mittelpunkt, Ihr habt Euch einträchtig und frohgestimmt um mich geschart, ich bin das Herz und die Seele Eures aufblühendes Geschäftes. Ich war, ich bin und will in alle Zukunft sein… ich bin nicht Ware schlechthin, ich bin einmalig und einzig in meiner Art. Ich bin Coca-Cola, lebendiges Leben, schöpferischer Geist… Durch menschliche Kraft wurde ich zu einem der bekanntesten Warenzeichen auf dieser Welt.“
Es ist zu zeigen, dass CC in Deutschland der erste Global Player war, der das Franchise-System einsetzte. Heute arbeiten alle großen international tätigen Firmen in Deutschland nach dem Franchise-System (IKEA, Obi, Mc Donalds usw.)
Umsetzung: kleine Bühne, sprechende und beleuchtete Coca Cola Flasche (Endlos-Schleife), angedeutete Sitzreihen. Als deutscher Musterkonzessionär Max Schmeling als Pappfigur in der ersten Reihe.
Platzierung: gegenüber dem fünften (1946-1960) Element des Zeitstrahls
Station 7: „Mach mal Pause!“
Historische Aussage:
Diese Station ist eine Versinnbildlichung der Arbeitsgesellschaft der fünfziger Jahre in der Bundesrepublik. Sie zeigt plastisch, dass Coca Cola seinen Siegeszug in der Bundesrepublik nur dank der vollkommenen Integration der Marke in den Arbeitsprozess antreten konnte. Es gab bis 1957 ja nur eine einzige Anbietform, nämlich die kleine 0,2-Liter-Pausenflasche. Hinzu kam die den arbeitenden Menschen kongeniale Sprache, der etwas kumpelhaft-gutwillige Ruhrgebietsslang „mach mal…“, der ihnen die Pause so nahe brachte. Auch die Automaten, in den Betrieben aufgestellt, sorgten dafür, dass Coca Cola immer in Reichweite war. Krönung waren die Rundfunkspots mit dem Pausenpfiff. Ganze Betriebe „funktionierten“ danach.
Umsetzung: Nachbau eines „schweren“ Arbeitsplatzes der fünfziger Jahre (Werkbank oder ähnl. - ersatzweise eine signifikante Fotowand ), davor der klassische CC-Automat, vielleicht Animation durch Dummys, auf jeden Fall Einspielung eines typischen Pausenpfiff-Slogans.
Platzierung: gegenüber dem fünften (1946-1960) Element des Zeitstrahls
Station 8: Coca Cola und der Mauerbau (13. August 1961)
Historische Aussage:
Zu den entscheidenden Wendepunkten der deutschen Geschichte gehören Bau und Fall der Berliner Mauer. Auch Coca Cola hat an dieser Geschichte seinen gehörigen Anteil, im August 1961 noch eher zufällig in Form einer Hollywood-Vision, 1989/1990 als ein reales Freiheitssymbol.
Im Sommer 1961 produzierte Hollywood-Regisseur Billy Wilder seine nach einhelliger Meinung der Filmkritik mit Abstand beste Komödie: „1,2,3“. Ihr Held ist der Coca Cola-Manager Mc Namara (James Cagney), dem das Kunststück gelingt, einen ungeschlachten kommunistischen Rüpel (Horst Buchholz) innerhalb von Stunden in einen smarten Schwiegersohn in leitender Stellung bei CC „umzuarbeiten“.
Umsetzung: Video-Installation mit Szenen aus dem Billy Wilder Film (max. 1-2 Min. Länge – Szenen etwa: Fahrt des CC-Managers durchs Brandenburger Tor mit beiläufiger Übergabe einer Sechser-Packung CC an die Vopos, große Karte der Sowjetunion mit weiten von CC zu missionierenden Flächen usw.)
Platzierung: zwischen dem fünften und dem sechsten Element des Zeitstrahls
Station 9: Coca Cola im Party-Keller der 70er-Jahre
Historische Aussage:
Thema dieser Station ist die vollendete Freizeitgesellschaft der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, inklusive ihrem vitalen und massiven Jugendprotest. Hier bietet sich die Gelegenheit, auch die diversen kapitalismuskritischen Tendenzen (Coca-Kolonialismus usw.) der Zeit aufzunehmen (z.B. durch Poster von Che Guevara, Angela Davis, Mao, Ho Chi Minh, Rudi Dutschke), ebenso auch underground- und flower-power-Elemente unterzumischen. Vorherrschen sollte jedoch das positive Lebensgefühl dieser Jahre, wie es sich in einer so nie wieder da gewesenen Zukunftsgläubigkeit, einem Wagemut, einer Lust auf Experimente, die adäquater Ausdruck einer politischen und sexuellen Selbstbefreiung speziell der jungen Generation war, bekundete. Es geht also im Kern um die Darstellung des Lebensgefühls der „Kinder von Marx und Coca Cola“.
Umsetzung: Raumkubus mit spezifischen Signalements der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, Eierbecherverkleidung, indirekte Beleuchtung, Poster, Polit-Parolen, Starfotos, Kartoffel-Chips, psychadelische Musik und – als Zentrum – die mannshohe Coca Cola Bar-Phono-Flaschen-Kombination (Beispiel für eine Melange von Wandparolen in zeittypischer Collage-Technik: „give peace a chance… Bewußtseinserweiterung… hair… Lebensqualität… Systemveränderung… US-Imperialismus… Chancengleichheit… Mini-Mode… Make love – not war… Spätkapitalismus… Coca-Kolonialismus… Selbstbefreiung… let the sunshine in… neue Ostpolitik… Lustgewinn… frischwärts: Coca Cola… here comes the sun…)
Platzierung: zwischen dem sechsten und siebten Element des Zeitstrahls
Station 10: Coca Cola und Mauerfall/Wiedervereinigung
Historische Aussage:
Diese Station ist das Gegenstück zu Station 9, ebenfalls als Video-Animation. Denkbar ist, Szenen aus dem Billy Wilder Film in eine Video-Collage mit einzubauen (besonders delikat wäre, die entsprechenden 1,2,3-Szenen rückwärts laufen zu lassen, sodass der Effekt des Durchbruchs durchs Brandenburger Tor von der anderen Seite aus entsteht), hier allerdings mit Real-Szenen des 9. November 1989 (Sprüche der Montagsdemos usw.: „Vorschlag für den 1. Mai: Die Führung zieht am Volk vorbei…“) und später (etwa bis zur Währungsunion 1.7.90) kräftig durchmischt. Bilder von Umarmungen, Freudentränen, der ersten Banane, der ersten richtigen Coke, aus dem Trabi heraus oder von der Mauer herab geschwenkt usw.
Umsetzung: Videoinstallation, vielleicht sogar eingebaut in ein Mauerelement (Pappe/Holz), auf der einen Seite (west) Coke, auf der anderen deren Ersatz (Club-Cola oder ähnl).
Platzierung: zwischen dem siebten und achten oder gegenüber dem achten (1991-2001) Element des Zeitstrahls
fakultativ (bei ausreichendem Platz)
Station 9a: Coca Cola und die Umweltbewegung
Historische Aussage:
Diese Station kann ein Reflex auf die Umweltbewegung („Wir haben die Erde von unsern Kindern nur geborgt…“) und -politik sowie die Gesundheitswelle Mitte der Achtzigerjahre sein, die aus Sicht von CC zur Entwicklung von neuen Recycling-Systemen (PET-Flaschen etc.) und neuen Coke-Varianten (diet) führte.
Umsetzung: Demonstrationen vor Kernkraftwerken (Demonstranten mit Coke-Flaschen), blauer Engel, Aerobic, Recycling-Anzeigen, neue Flaschentypen usw.
Platzierung: gegenüber dem siebten (1975-1990) Element des Zeitstrahls
Neben diesen unmittelbar auf den Zeitstrahl bezogenen Stationen gibt es auch solche, die aufgrund ihrer bündigen Thematik eigene Zeithorizonte entfalten und beschreiben. Dementsprechend sind sie als lose im Raum platzierte Arrangements zu gestalten.
Station A: Coca Cola und die Olympischen Spiele/Weltausstellungen
Historische Aussage:
Diese Station ist am überzeugendsten als große Litfasssäule zu gestalten, als Panoptikum und Panorama, auf der sich Plakate der verschiedenen Veranstaltungen (Amsterdam 1928, Berlin 1936, Rom 1960, Tokio 1964, Mexico 1968, München 1972 usw.) befinden, möglichst mit integrierten Monitoren, um auch bewegte Bilder von den Olympiaden zeigen zu können. (evtl. ergänzt durch CC-Auftritte bei Weltausstellungen, z.B. CC-Pavillon Brüssel 1958). Die Olympiade 1936 in Berlin ist in jedem Fall zu zeigen. Hier bietet sich allerdings die Möglichkeit, den hervorragendsten Athleten dieser Spiele, den farbigen US-Amerikaner Jesse Owens bei seinen Siegensläufen groß herauszustellen und damit der NS-Rassenideologie (Nürnberger Rassengesetze von 1935) Paroli zu bieten. Wie Owens war ja auch der CC ein überzeugender US-Import!
Umsetzung: eine große Litfasssäule mit verschiedenen Plakaten olympischer Spiele bzw. Weltausstellungen, integrierte Monitore.
Platzierung: gegenüber der Außenfassade und gegenüber Station 3
Station B: Coca Cola schreibt Werbegeschichte
Historische Aussage:
Diese Station, in Form einer Reihe ausgewählter Verpackungen, Emailschilder usw. zeigt die Entwicklung der CC-Werbung vor dem Hintergrund kunsthistorischer Strömungen und Tendenzen der westlichen Zivilisation. Vom bürgerlichen Historismus der achtziger/neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts geht die Entwicklung über den Jugendstil der Jahrhundertwende, die Art Deco-Bewegung der zwanziger Jahre, Bauhaus und Neue Sachlichkeit/Realismus der Dreißigerjahre über die Pin-up-Einflüsse der vierziger Jahre zur Pop-Kultur der Sechziger- und Siebzigerjahre bis hinein in unsere Epoche der Videoclips.
Umsetzung: Innenwand als große Straße, die die werbliche Entwicklung zeigt. Kurze Erläuterungen zu einzelnen exemplarischen Stationen der CC-Werbegeschichte sind allerdings nötig.
Platzierung: an der Innenwand des Coburger Flügels
Station C: Coca Cola und Pop-Kultur
Historische bzw. kunsthistorische Aussage:
Diese Station ist sicherlich ein High-Light der Ausstellung. Obwohl die Periode der Pop-Kunst zeitlich zwischen 1960 und 1975 deutlich eingrenzbar ist, soll dieses Arrangement unabhängig vom Zeitstrahl herausgehoben sein, um seine volle Wirkung zu entfalten. Kaum ein bedeutender Pop-Künstler kam an Coca Cola vorbei. Besonders reizvoll erscheint, die ausgestellten Werke von Andy Warhol, Joseph Beuys, Charles Wilp und Klaus Staeck noch mit einem kleinen Werk aus der Literatur zu ergänzen und zu kontrastieren. 1970 schrieb Hilde Domin dieses Gedicht:
…
Mensch
Tier das Zivilcourage hat
Mensch
Tier das den Mit-Schmerz kennt
Mensch Fremdwort-Tier Wort-Tier
Tier
das Gedichte schreibt
Gedicht
das Unmögliches verlangt
von jedem der vorbeigeht
dringend
unabweisbar
als rufe es
„Trink Coca Cola“
Umsetzung: Rundpodest: sozusagen eine Ausstellung in der Ausstellung
Platzierung: vor der CC-Werbegeschichte im freien Raum an der Innenseite de Coburger Flügels
Station D: Coca Cola und Musik
Historische Aussage:
Diese Station ist in gewisser Weise das Gegenstück zur Fühlstation, eben die Hörstation. Schon thematisch bietet sich an, sie in die Nähe des Partykellers zu rücken oder gar an diesen anzuflanschen. Hier sollte eine Auswahl von Hits und/oder Werbespots aus der gesamten CC-Kommunikationsgeschichte abrufbar und in kurzen Sequenzen rezipierbar sein, über Kopfhörer und per touch-screen-Menue aufzurufen.
Umsetzung: Kopfhörer-Station (drei bis vier), darüber Pop-Ikonen wie Elvis Presley u.a., die CC-Gitarre usw.
Platzierung: an der Außenwand des Party-Kellers
Station E: Coca Cola Musterkonsumenten
Historische bzw. soziologische und zugleich aktuelle Aussage:
Diese Station ist gut als Flickenteppich auszuführen, gegenüber dem Rest des Zeitstrahls (der die durch das Brandenburger Tor fahrenden Trucks zeigt) und nahe der Atlanta-Weltkugel zu platzieren. Sie stellt die Abrundung und zugleich überzeugende Visualisierung der demokratischen Botschaft von CC dar (ev. mit Warhol-Zitat: …“mit keinem Geld der Welt könnte ich eine bessere Coke kaufen…“). Fotos weltbekannter Persönlichkeiten (US-Präsidenten, Sportler, Künstler usw.) werden zu einem großen Gesichterteppich mit Menschen aller Altersgruppen, Schichten, Erdteilen, Hautfarben vermischt..
III. Weitere Optionen
(bedürfen sämtlich der weiteren Ausarbeitung)
1. Faltblatt/Katalog
Auf der Grundlage des Chronologie-Zeitstrahls scheint sich die Herstellung wenigstens eines Faltblatts (Ziehharmonika) besonders schnell und leicht umsetzen zu lassen. Auf der einen Seite erscheinen auf ihm die Zeitdaten, auf der anderen ausgewählte Stationen und Objekte. Neben dieser „kleinen“ sind natürlich mittlere oder exklusive Lösungen nicht nur denkbar, sondern in Hinsicht auf die angestrebten Wanderausstellungsoptionen wünschenswert. Ein Ausstellungskatalog wie der von Peter Zec herausgegebene „Mythos aus der Flasche. Coca-Cola-Kultur im 20. Jahrhundert des Design-Zentrums Essen 1994, der ja nur für eine Ausstellung (Osnabrück) konzipiert worden war, kann hier als Maßgabe dienen.
2. Interaktive CD-ROM
Desgleichen ist auf der Basis und Grundlage der Ausstellung deren Umsetzung als CD-ROM anzustreben – in Form eines virtuellen Ausstellungsrundgangs mit Komplett-Animation (sprechende Coca Cola Flasche, Party-Keller mit Musik, Warhol und Beuys, CC-Spots usw.) Dieses Produkt ist keinesfalls als give-away gedacht, sondern zum käuflichen Erwerb – für die vielen CC-begeisterten Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - die Ausstellung(en) in ihrer ortsgebundenen Form nicht besuchen können, für all die Sammler und allgemein- oder werbehistorisch Interessierten.
3. Internetauftritt
Selbstverständlich muss die Ausstellung im Internet präsent sein, weniger aus Dokumentationsbedürfnissen, sondern vor allem aus praktischen Gründen: zum Zweck der Eigenwerbung, der Kontaktaufnahme etc. Der Internetauftritt soll einen kleinen Querschnitt der Ausstellung bieten und Lust auf mehr machen. Natürlich kann er gleichzeitig auch als Merchandising-Plattform genutzt werden.
4. Quiz
Als zusätzliche Maßnahme sowohl zur Steigerung des Publikumsinteresses als auch zur Nachwirkung der Ausstellung im kollektiven Gedächtnis lässt sich auf der Grundlage dieses Ausstellungskonzepts leicht ein Quiz konzipieren; es vertieft Wissen und Spaß an CC, indem es das beim Ausstellungsrundgang Gesehene oder „Gelernte“ abfragt. Hier wären in einem ansprechendem Folder (mit Gewinncoupon etc.) 10 bis 12 Fragen zur Coca Cola Geschichte zu stellen, z.B. „Wer spielte den Coca Cola Manager Mc Namara in Billy Wilders Komödie 1,2,3?“ (Humphrey Bogart, Cary Grant oder James Cagney)
Dirk Schindelbeck, 14. Juli 2001
