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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » David Schirmer

David Schirmer

Aus: Poetische Rosengepüsche (1657), 3. Teil

David Schirmer war Dresdner Hofdichter und Bibliothekar
(29. Mai 1623 Pappendorf bei Freiberg/Sachsen – 12. August 1687 Dresden)

Das dritte Buch von Schirmers Poetischen Rosen-Gepüsche von 1657 enthält einen Zyklus von 60 Sonetten. Da die Drucker seinerzeit oft recht schlampig arbeiteten, ist die Zählung der Gedichte fehlerhaft, mal fehlt ein Wort, eine Zeile, einmal sogar ein ganzes Gedicht (Nr. 49). Die Originalorthografie wurde beibehalten.

Inhaltsverzeichnis:
1. Er liebet.
2. Aus dem Anacreon.
3. An einen Kirschbaum.
4. An Ihre Klarheit/ als Er spatzieren gehen wollte.
5. Über seine Träume.
6. An den Linden-Brunnen.
7. An Marnien/ über die überreichten Tausent-Schönen.
8. Als sie den Krantz von Tausentschönen truge.
9. An seine Augen.
10. Seine beständige Treue.
11. Bey Überreichung eines Ringes.
12. Auf ihre Gesundheit.
13. Bey Übersendung eines Krantzes.
14. Über Marniens verborgene Liebe.
15. Von Seinem ersten Gruß an Sie nachdem er Sie erzürnet.
16. An sein Hertze/ über denselben Gruß.
17. Eben von Selbigem.
18. Seine Schwartze.
19. An Seinen Freund/ als er der Serenen Brod küssete.
20. An die Sterne/ als Er nicht bey Marnien war.
21. Als Er ohne Sie seinen Geburtstag begieng.
22. Feuer und Wasser an Sie.
23. Er liebet hefftig.
24. Gleich und ungleich.
25. Seine Schöne iedoch Stoltze.
26. Über ihre Augen.
27. Sie sol der Jugend brauchen.
28. Ihre gedupelte Schöne.
29. An die Tafel/ auf der Ihr fast ähnliches Bildnis stunde.
30. Er ist der Liebe Spiel.
31. Über einen Kuß.
32. Als er Sie erzürnet.
33. Die Unbeständige.
34. Cupido von Marnien.
35. An sein Hertze.
36. An die unerträgliche Liebe.
37. Sie ist Steinern.
38. Sie regieret über Ihn.
39. An die Nachtigalle.
40. Als Sie im Grünen schlieff.
41. An die unpässliche Marnia.
42. Nur Marniens Kuß.
43. Als Er an eine Stadt zurück dachte.
44. An den Abend-Stern.
45. An Pomonen/ in Ihrer letzten Kranckheit.
46. Als seine Marnia gestorben.
47. Er betrauret Sie.
48. Über ihr Grab.
?
50. Er hält sein Versprechen.
51. Über seinen Eyd.
52. An die verstorbene Marnia/ wegen Seiner neuen Liebe.
53. Er hat Vergünstigung.
54. An sich selbst.
55. An seine neue Buhlschafft.
56. An das Rosenthal.
57. An eine Linde.
58. Über dieses Sein Buch/ an seine Holdselige.
59. An Seinen Leser.
60. An des Neides Feindschafft.

1. Er liebet.

Mein liebster Freund ist wund/ mit mir hats nun Gefahr/
Weil meine Marnia so plötzlich sich erwecket/
Und umb mein Hertz herumb ihr Bildnis aufgestecket.
Mein liebster Freund ist wund/ ich brenne gantz und gar.

Wo bistdu Freiheit/ nun die mein so zartes Haar
Mit ihres Goldes Glantz hielt allezeit verdecket?
Wo bistu Phöbus hin? Wer hat dich so erschrecket?
Bleib hier/ verlaß mich nicht/ bleib hier mit deiner Schaar.

Apollo/ ja du bleibst auf meinem Helicon.
So kom und setze dich zu Venus kleinem Sohn/
Und meiner Marnien/ die meine Feder reitzen.

Auf! Schönste von der Welt/ dir geb ich einzig mich/
Apollo bleibt mir hold/ mein Vers steigt über sich.
Nun mag ich Eulen nicht/ ich kann mit Falcken beitzen.

2. Aus dem Anacreon.

Gold ist zuwider mir/ Groß Reichthum mag ich nicht.
Ein Scepter ist zu schwer. Die Herrschafft zu vermessen.
Der Krieg verderbt zu viel. Die Liebe taugt indessen/
Die ist der Aufenthalt/ der meine Unmuth bricht.

Heut leben/ das ist gut. Drümb leb ich weil die Pflicht
Des Todes mich noch spahrt. Wer wollte sich auch pressen/
Weil mein Goldgelbes Haar von Jahren unbesessen/
Und meiner Liebe noch kein böses Urtheil spricht.

Auf/ Goldschmied! Auf/ Vulcan! Mach mir den weitsten Becher/
Setz auf den Boden hin den allergrößten Zecher/
Das zarte Reben-Laub/ und einen Epheu-Krantz.

Des Himmels und sein Boot/ die Sterne samt der Henne/
Mars und sein grosser Spieß/ die ich zur Zeit nicht kenne/
Die taugen mir noch nicht. Geh bald/ und mach ihn gantz.

3. An einen Kirschbaum.

Du wolbedeckter Baum mit deinen weissen Blüthen/
Verzeihe meiner Lust/ ich setze mich zu dir/
Mit lauter Freud umringt. Nichts kömt mir schöner für/
Als dein so grünes Laub/ dass ich dir will behüten.

Es soll kein Kefer dir den giftgen Biß anbieten/
Kein Nordwind gleichesfalls dir kochen deine Zier.
Nur du solst König seyn. Der Wald ist dein Logir/
Selbst Zephyr wehret schon des Sonnen-Feuers wüten.

Sey nur getrost/ o Baum/ ersätge mein Begehr/
Und gib mit guter Hand mir einen Püschel her/
Das ich ihn Marnien/ der Schönsten/ zu kann senden.

Setzt ihn mein Lieb denn auf/ und raubt den Schmuck ihm hin/
So zürne nicht mit mir. Dieswegen ist mein Sinn
In deinem Schatten froh/ daß sie den Pusch kann blenden.

4. An Ihre Klarheit/ als Er spatzieren gehen wollte.

Spatziren geht die Sonn’ am hohen Himmelssaal.
Spatziren geht die Lufft/ und alle kühlen Winde/
Spatziren geht das Wild. Der Hirsch bei seiner Hinde
Geht durch den freyen Pusch hin in das hohle Thal.

Der hohe Götter-Rath spatziret alzumal/
Der zu den Buchen hin/ und der zur hohen Linde/
Der Coridon geht auch und schneidet in die Rinde
Sonnet und Oden ein/ nach einer neuen Zahl.

Es geht ein Jedes fast. Die Ceres durch die saaten/
Die Flora durch den Wald in alle Gärten hin/
Die durch den ganzen Tag an Phöbus Hitze braten.

Spazirt nun Sonne/ Lufft/ der Hirsch im frechen Sinn/
Die Götter/ Coridon/ und andre Feld-Göttinnen;
Wer wollte/ Klarheit/ uns spatziren nicht vergönnen?

5. Über seine Träume.

Sind Träume lauter nichts/ wie daß sie mich bewegen?
Sind sie denn Freud und Lust/ wie dass ich traurig bin?
Sind sie vol Lieblichkeit/ wie dass mein todter Sinn
Sich muß/ O Marnie/ zu deinen Füssen legen.

Ich sahe heint zu Nacht dich deiner Liebe pflegen.
Du warst es ja gewiß/ o schöne Halb-Göttin.
Ein nacket Nymphen-Bild lief zu den Schwanen hin/
Zun Schwanen/ die im Thal stets ihre Lieder hegen/

Und küsset eines Mund. Ich fühlte Süssigkeit.
Die Liebe stieß alsbald nach meinem krancken Hertzen.
Drauf ließ ich meinen Schlaff. Nichts blieb als tausend Schmertzen/

Die ich noch klagen muß bey später Abends-Zeit.
Sie sind nun was sie sind/ so gläub in vollen Sorgen/
Im Traume-Nebel liegt die Warheit doch verborgen.

6. An den Linden-Brunnen.

Sey nun auch/ Linden-Quell/ den Cedern angebunden/
Weil du den Sterbenden ein kräftig Labsal bist.
Kein Buhler weit und breit/ der voller Flammen ist/
Hat eine solche Kraft/ wie ich an dir/ empfunden.

Du frisches Schlaf-Gemach/ den Nymphen neu erfunden!
Du Wohnhauß der Natur/ dass alle Sorgen frist.
Du kühler Sossierwein/ den Ganymedes mist.
Laß deinen Adersprung stets kühlen meine Wunden.

Dein Silber springe wohl bey deiner Linden Tach!
Laß dein Christallen Gut umb meinet willen rinnen.
Kömmt aber Marnia mit weit entfernten Sinnen/

Zuklagen meine Noth und ihren Thränen-Bach
So sprich: O Marnia! Ich wil dich gar nicht kennen/
Sonst müst ich mich/ vor Brunst/ zu lauter Asche brennen.

7. An Marnien/ über die überreichten Tausent-Schönen.

Nim/ Tausent-Schöne/ hin die rothen Tausent-Schönen/
Ich brach sie mit der Hand/ die sie dir reichet/ ab.
Der linde Elster Strom benetzt ihr altes Grab/
Aus dem sie sich hervor aufs neue kunten lehnen.

Der Flora bunter Mann/ der Zephyr/ ging/ ohn Sehnen/
Als sie der zarte Stock in meine Finger gab/
Zu seinen Blumen hin/ und sprach: brich was ich hab.
….. (fehlender Vers).

Da Lieb/ da sind sie nun. Dein Haupt/ dein braunes Haar
Ermunter ihren Glantz/ sich steiffer auszubutzen.
Recht so/ ich seh sie schon mit mehrern Purpur stutzen/

Die Schönheit wird ietzt recht an ihnen offenbar.
Nun/ Lieb/ trag sie vor mich/ und lerne diß von ihnen/
Dass unsre Liebe stets auch also möge grünen.

8. Als sie den Krantz von Tausentschönen truge.

Der Krantz von Floramor ziert deine Stirne wohl/
O allerliebstes Kind/ und macht mich voller Freuden.
Nichts kann mich fürderhin umb deinetwillen neiden/
Mein Zeichen steht an dir/ als wie es stehen soll.

Die Liebe die ist reif / und fordert ihren Zoll.
Wol/ Lieb/ hier hastu ihn. Kein von-dir-seyn/ kein scheiden
Wird deine Lieblichkeit aus meinem Sinne schneiden/
Die Treu/ die treulich ist/ ist immer Rosen vol.

Viel schöner bist du mir/ Verliebte/ vorgekommen.
So glänzt das Morgen-Weib/ so glänzt der Tages-Mann/
Wenn umb den Purpur Schlaff der Westwind spielen kann.

So glänzt der Himmel selbst/ wenn er ist aufgeklommen.
Drümb zieh ich deine Pracht auch allen Dingen vor.
Du bist mein Tausent-Schön/ und ich dein Floramor.

9. An seine Augen.

Dank habt/ ihr Augen ihr/ ihr Fenster meiner Sinnen/
Dank habt vor eure Glut/ die meinen Schatz entbrant.
Durch euch berühr ich ietzt die zarte Wollen-Hand.
Habt Dank/ dass ich durch euch sie habe küssen können.

Durch euch/ ja nur durch euch/ muß sie mich lieb gewinnen/
Die Auserwählte die Ihr machtet euch bekant/
Giengt umb die Blicke her/ die sie mir zugesant/
Und bliest ein Feuer auf umb ihres Hertzens Zinnen.

Die Flammen flohen hoch/ und zündten mich auch an.
Dass ich nicht ohne Sie/ sie ohn mich nicht seyn kan/
Ietzt brennen wir zugleich/ doch stum und ohne Rede.

Ihr Augen sagt es ihr/ sagt ihr es an vor mich/
Daß sie auf Antwort auch hinfort sol schicken sich/
Mein Mund ist gegen Sie ietzunder noch zu blöde.

10. Seine beständige Treue.

Wie? Lästu/ Schöne/ dich denn ewig von mir bitten?
Und fragstu heimlich nach/ ob ich auch standhafft sey?
Komm her/ hier ist mein Hertz/ von fremder Liebe frey/
Mein Hertze das ist hier/ eröfnet in der mitten.

Ich bin von Flandern nicht/ der mit behenden Schritten
Wohl hundert hie und da sucht sonder allen scheu.
Nein/ viel begehr ich nicht. Ich bin und bleibe treu.
Die erst und letzte Brunst sind meiner Tugend Sitten.

Sorgst aber du ja noch/ und willst vol Sorge seyn/
So sorge/ wie du mich an Treu wolst überreichen/
Bis dass an Treue wir einander können gleichen/

Und schlaffen unbetrübt an Brust und Armen ein.
Das ist das beste Thun/ die Lust der ganzen Erden
Beständig/ wie man liebt/ auch so geliebet werden.

11. Bey Überreichung eines Ringes.

Nim hin/ o treues Hertz/ den Ring von meinen Händen/
Den ich auf dein Begehr/ verlobe mit der Hand/
Dir mit ietzt noch zur Zeit am besten ist bekannt/
In dem du niemals dich hast von mir wollen wenden.

Ein ander Pracher mag geringe Gaben schänden/
Und geben noch darzu/ was jenes reiche Land
Ihm überflüssig reicht. Der Gold und Silber Sand
Will noch so häuffig nicht auf meinem Schiff anlenden.

Ich gebe was du willst. Und wilstu noch mehr haben?
So nim ihn/ Marnia/ und setze mich darein/
So werd ich gläntzen dann/ wie sonst ein schöner Stein.

Doch nein/ du solst da stehn mit deiner Jugend Gaben/
Dann will mit Demant ich tief in dein Hertze schreiben:
Weil dieser Ring ist hier/ so kann ich stets bekleiben.

12. Auf ihre Gesundheit.

Wie kömmt es doch/ dass ihr/ ihr auserwehlten Brüder/
Mit euerm andern Du so voller Freude seyt?
Ja/ unsre Marnia/ das Liecht der schönen Zeit/
Bekränzet Haar und Hand zu ihrem Feste wieder.

Sol ich alleine seyn/ der emsig auf und nieder
Die leichte Feder schwingt? Nein. Ich bin schon bereit/
Zustürzen Schaum und Glaß. Ich komme ja so weit.
Was ich für mich nicht kann/ das sprechen meine Lieder.

Ihr lieben Humpen ihr/ ihr hellen Gläser quellt/
Begiesset mildiglich das dürre Zungen-Feld
Und löset auf ihr Band. Wer wollte wol nicht trincken/

Weil sich das liebe Kind so willig letzen muß?
Sa! Auf Gesundheit hin/ und einen terben Kuß!
Wenn ich nach Hause sol/ will mir die Sonne wincken.

13. Bey Übersendung eines Krantzes.

Nimm hin/ O Marnia/ von mir den bundten Krantz/
Ich hab ihn selber dir mit eigner Hand gebunden/
Viel Blumen mancher Art/ die ich nur habe funden/
Besternen seine Zier/ und geben ihm den Glantz.

Die Silber-Lilien bestehn den runden Tantz.
Der schöne Rosen-Kelch/ das Kind der Venus-Wunden/
Die riechend Anemon/ der Schatz der Thalemunden/
Narciß und Veilgen auch verfertigten ihn gantz.

Hiermit umbschleuß dein Haar/ und deine stoltze Stirne/
Und laß die Hofart nach/ die stets in deinem Hirne
Als Flut aus Quellen kömt/ und dencke stets daran:

Wie diese Blumen ietzt im frischen Safte blühen/
Und/ eh der Abend kömmt/ den Kürtzern müssen ziehen:
So ist es auch mit mir/ du stoltzes Kind/ gethan.

14. Über Marniens verborgene Liebe.

Sie/ Marnia/ sagt stets: Mein Freund/ ich liebe nicht.
Sie leugnet ihre Brunst in ihrem harten Hertzen/
Und kann doch nimmermehr die grosse Gluth verschmertzen/
Die itzt auch täglich quält ihr braunes Angesicht.

Bald steht/ bald geht sie fort. Der Athem thut Verzicht/
Und kömmet wieder an. Die Wangen-vollen Kertzen
Bewegen sich zuviel. Der Mund ist ohne Schertzen
Und weiß zu keiner Zeit die Worte/ die er spricht.

Der Kopf hangt unter hin. Die runden Brüste schwellen.
Der ganze Leib ist laß/ beweget von den Wellen
Der süssen Lieblichkeit. Noch will sie Urtheil fällen.

Ihr Phaphos-Geister ihr/ macht ihre Wangen trübe/
Steckt alle Fackeln an/ ihr kleinen Hertzens-Diebe/
Biß daß sie kläglich schreyt: Hört auf/ Ich lieb! ich liebe.

15. Von Seinem ersten Gruß an Sie nachdem er Sie erzürnet.

O Marnie/ die Venus Tochter heist/
Und Pallas Kind/ nimm aus dem andern Munde
Den feigen Gruß/ und setz ihn eine Stunde/
Nach dem er wird seyn bey dir eingereist/

Auf deine Brust. Mein Hertze steht beeist/
Der Sinn verschneyt. Du machst mir eine Wunde.
Heilstu sie nicht/ O Artzt/ aus ihrem Grunde/
So hat mein Tod mein Leben fast verweist.

Fahr hin/ O Gruß/ erwirb was dir befohlen!
Lach ihren Mund/ lach Hand und Augen an/
Und diene wol/ als wie ich dienen kann.

Und laß die Gunst mein Hertze dir nach holen.
Ist es denn nichts/ und dancket niemand dir/
So komm zurück/ ich warte deiner hier.

16. An sein Hertze/ über denselben Gruß.

Sey Felsen-Art/ O Hertze! Stehe fest!
Weich keiner Furcht/ hoff mehr als je zu hoffen.
Und hat dein Gruß das Kind nicht angetroffen/
Das liebe Kind/ das mich nicht sterben läst/

So dencke du noch immerdar das best/
Ist er nur nicht in Ungunst gar ersoffen/
So wird er ihr durch alle Felder ruffen/
Selbst Bot und Brief/ selbst Schifman/ See und West.

Er kömmet ein/ und saget der so netten
Von Brunst und Glut/ von Banden und von Ketten/
Er kömmet ein und klaget deine Noth.

Ists ja/ dass er die Schöne nicht kann finden/
Und etwa bleibt bey ihrer Thür dahinden;
Sey Felsen-Art! Nicht dein/ sein ist der Spott.

17. Eben von Selbigem.

Nun schlinge dich/ O Krantz der Myrten/ umb mein Haar!
Nun schlinge dich/ mein Gruß ist angenommen.
Er ist für sie/ das liebe Kind/ gekommen.
Das liebe/ liebe Kind/ das mir so günstig war.

Ihr Gruß/ ihr Kuß/ die Hand/ der Blicke gantze Schaar/
Des Hertzens Brunst/ die wieder angeglommen/
Kömmt häuffig ietzt in meinen Port geschwommen/
Und stellet unverfälscht sich meinem Willen dar.

Wilkommen Tag! Wilkommen Edle Stunden/
An welchen ich den Schatz/ den ich zu erst verlohr/
Mit meiner frohen Hand nun wieder heb empor.

Wilkommen Tag/ Ihn hastu mir gefunden.
So schwinge dich/ O Krantz der Myrten/ umb mein Haar/
Die Beute die ist hier/ die erst verlohren war.

18. Seine Schwartze.

Ihr schwartzen Augen ihr/ und du auch/ schwartzes Haar/
Nehmt hin von meiner Hand/ nehmt hin/ was ich euch sende/
Durch was ich meine Schuld ein wenig nur verpfände/
Das dürstet ietzund noch nach eurer Blicke Schaar.

Schwartz lieb ich auf der Welt. Schwartz wil ich immerdar.
Schwartz ist mein Ruhestab der fast zu müden Hände/
Schwartz ist der beste Glantz. Schwartz macht/ daß ich mich wende
Zum schwartzen Angesicht/ zum schwartzen Augen-Klar.

Laß roth/ laß weiß/ laß blau in seiner Schöne gehen/
Und auf des Käysers Haupt ein Gold im Golde seyn/
Laß Demant-Farbe blühn/ laß ieden Edelstein

Sein farbicht Angesicht bey allem Glantz aufblehen.
Mein Schwartz vergnüget mich/ drümb sprech ich immerdar:
Ihr schwartzen Augen ihr/ und du auch/ schwartzes Haar!

19. An Seinen Freund/ als er der Serenen Brod küssete.

Ich liebe nicht wie du. Ich eß auch nicht dergleichen.
Legt aber sich ein Mund auf meinen Lippen an/
So hab ich eine Kost/ die mich erhalten kann.
Von solcher schlechten Tracht müst ich ja mehr verbleichen.

Wie thöricht thustu doch/ daß du der Liebe Zeichen
Auf Eitelkeiten stellst. Hätt ich also gethan/
So würde sich mein Geist erkiesen eine Bahn/
Die biß zum Acheron und Plutus würde reichen.

Solt ich ein steter Gast bey deiner Speise sitzen/
So wär ich längst schon kalt. Kein Leben lebt in mir/
Wenn dein so schlechtes Brodt mein Hertze sollte stützen.

Mein Freund das thu ich nicht. Hier wend ich mich von dir.
Willst aber/ wie du willst/ ein Essen du geniessen/
So kanstu tausentmal Serenen täglich küssen.

20. An die Sterne/ als Er nicht bey Marnien war.

Ihr Kinder süsser Nacht/ ihr feuer-vollen Brüder/
Du kleines Heer der Luft/ du Himmels-Bürgerey/
Die du durchs blaue Feld nach reiner Melodey
Erhebest deinen Tantz/ und deine schönen Glieder/

Wenn ietzt der faule Schlaff die müden Augenlieder
Durch einen faulen Sieg den Sinnen leget bey/
Damit kein wachen mehr an uns zu spüren sey/
Ihr Kinder süsser Nacht legt eure Fackeln nieder/

Was steht Ihr/ wie zuvor/ und lacht den Welt-Kreiß an?
Laufft durch das göldne Hauß/ verlast die Fenster-Scheiben/
Geht rückwärts/ wie ihr solt/ ich will euch rückwärts treiben /

Geht rückwärts wieder hin die alte finstre Bahn.
Geht Kinder/ wie ihr solt/ flieht Liechter/ flieht von mir/
Mein Liecht /mein Augen-Stern/ mein Liecht ist nicht alhier.

21. Als Er ohne Sie seinen Geburtstag begieng.

So winde du den Krantz/ du Schönste der Elbinnen/
Weil mich das liebe Kind ietzund nicht binden kan.
So winde du den Krantz/ und schling ihn willig an
An diß mein liechtes Haar/ an dieses Hauptes Zinnen.

Kom Elster/ kom geharnscht/ du Lust-Spiel hoher Sinnen/
Kom/ kom vor Marnien/ und mach den Nymphen Bahn.
Treib deinen West-Wind auf/ steig alle Berg hinan/
Damit umb deinen Strand die Blumen wachsen können.

Brich Lorber umb mein Haar/ und Myrten in die Hand/
Damit auch du durch sie seyst aller Welt bekannt.
Geuß Wein auf meinen Schlaff/ und Meth auf meine Stirne.

Sprich drauf zu Marnien: Verzeihe dieses mir.
Ich thue das vor dich/ und ehre deine Zier/
Ich bleibe seine Magd/ du aber seine Dirne.

22. Feuer und Wasser an Sie.

Kaum hatt ich dich ersehn/ O Liebste/ meine Lust/
Erweckt in mir dein Glantz ein sehnliches Verlangen.
Der Augen helles Liecht/ der Hals/ die rothen Wangen/
Der Stirne Helfenbein/ das Silber deiner Brust

Die brennen meinen Mund/ und tödten aufgefust
Des Hertzens Tapferkeit/ dass ich/ nun fast gefangen/
Die übergrosse Gluth der Liebe hab empfangen/
Dass ich nun forthin bin nichts/ als nur Asch und Wust.

Es wehr umb mich geschehn/ wenn ich nicht deine Flammen
Mit meinen Thränen hier noch wüste zu verdammen/
So wein ich fort und fort. Und ließ mich deine Gluth

Der Augen Licht/ der Hals/ die Wangen/ Brust und Stirne/
In solchen Thränen seyn/ erträncke mein Gehirne.
Drumb ist dein Feuer mir und auch dein Wasser gut.

23. Er liebet hefftig.

Mein gantzer Muth verdirbt. Ich wancke hin und her/
Ich leyde grosse Pein in meinem matten Hertzen/
Bald bin ich hier/ bald da/ bald hab ich tausend Schmertzen.
Ich seh mein Angesicht/ und weiß nicht wie und wer/

Und wo ich stündlich bin. Und wenn ich Trost begehr/
So ist es meinem Lieb auch nur ein blasses Schertzen.
Der Unfall, der ist groß/ noch stellt sie Brand und Kertzen
Auf meine welcke Brust/ und fraget: Wer ist der?

Die Liebes Göttin gibt ihr Wesen an den Tag/
Und ihre Grausamkeit/ die ich nicht dulden mag.
Jedoch so bin ich stets bereit ihr nach zugehen/

Und/ mir zum Schaden auch/ auf ihren Glantz zu sehen.
Wer eine Stunde mir wird wenden diese Pein/
Der sol mir Phöbus selbst/ ja mehr als Phöbus seyn.

24. Gleich und ungleich.

Mein Lieb das redet wol: Der Amor auch ingleichen.
Sie schlägt die Augen auf: Er thut es auch wie sie.
Sie schläft: Er schläfft mit ihr. Sie steht alleine hie:
Er auch. Sie lacht: und Er. Sie giebet Freuden-Zeichen.

Er freuet sich auch mit. Sie hüpfft: Er will nicht weichen/
Und hüpffet auch. Sie singt: und Er. Sie weint: die Müh
Nimmt er auch an. Sie spielt ein Lied: das läst Er nie.
Sie geht: Er gehet auch mit ihr herumb zu schleichen.

Was nur mein Lieb vor Lust und Kurtzweil nimmet für/
Das thut ihr Amor nach/ und findet sich bey Ihr
In einem eintzgen nur/ in einem eintzgen Stücke/

Da treffen allebeyd auch gar nicht über ein.
Er ist gelind und gut/ wie er sonst pflegt zu seyn
Bey denen/ die er liebt: Sie aber voller Tücke.

25. Seine Schöne iedoch Stoltze.

Es sah der Götter Schaar dein schönes Angesicht/
Den Helffenbeinern Hals/ den Mund und deine Wangen/
Sie sahen deinen Glantz vor andern Nymphen prangen/
Warumb liebt Jupiter/ sprach einer/ diese nicht?

Ists darumb/ daß ihm Brunst und heisse Gluth gebricht?
Hat denn sein brennend Hertz ein kalt-seyn aufgefangen/
Wie? Oder ist ihm denn das Lieben gar vergangen?
Verschmähet denn sein Mund ein solches Angericht?

Europe gibt ihr nach: Die Danae die weicht:
Die Leda taugt nicht mehr/ daß sie ihr Wasser reicht.
Sie ist ja Königin im Frauen-Zimmer-Orden?

Drauff hub der Amor an/ und Sprach: Du redest recht.
Vor Zeiten lebte nur ein gütiges Geschlecht/
Ietzt aber ist es hoch/ frech/ stoltz und prächtig worden.

26. Über ihre Augen.

Wenn deiner Augen Glantz hin nach dem Himmel sieht/
So freuet sich der Pol mit seinen liechten Sternen.
Wenn du die Erde schaust/ so muß sie brennen lernen/
Dass umb ihr bundtes Haupt ein iedes Kräutlein blüht.

Thustdu die Augen auf/ so sihet mein Gemüth
Der Venus Stirnblat an. Gehstu dich zu entfernen/
Zeuchst deine Kleider ab/ dich nacket zu entkernen/
Und thust die Augen zu/ so seh ich den Cupid.

Sobald du aber gar zuschlaffe dich gewandt/
Die liechte Gluth verschickt in ein verfinstert Land/
Und niemand mehr den Glantz der Flammen siehet wackeln:

So balde trauret auch der Himmel ohne Liecht:
Die Erde sonder Brunst: Die Venus ohn Gesicht/
Und (das erbärmlich ist) Cupido sondern Fackeln.

27. Sie sol der Jugend brauchen.

Mein Lieb/ ich sende dir hier Liljen und Violen.
Violen brach ich heut/ die Liljen gestern ab.
Damit du sehen kannst/ wie balde dich das Grab/
In deiner besten Blüth auch etwan möchte holen.

So schaue sie wol an. Was ihnen ich befohlen/
Und was ich ihnen mit auf ihre Reise gab/
Das ist die Flüchtigkeit/ die reist auch dich hinab
Zu dem/ was ihnen ietzt die Schönheit abgestohlen.

Die Liljen seyn verwelckt in solcher kurtzen Zeit/
Nur die Violen stehn noch jung und frisch zu schauen.
Drümb nim der Jugend war/ und laß dir gar nicht grauen/

Denn morgen gehn auch wir den Weg der Eitelkeit/
Wer in dem Lentzen nicht die Rosen ab will brechen/
Der muß/ mein Lieb/ hernach sich in die Dornen stechen.

28. Ihre gedupelte Schöne.

Daß dir dein langes Haar biß auf die Füsse geht:
Daß dich der Mund/ der Hals/ die weissen Zähne/ zieren:
Daß dich der Stirnen-Schnee weiß hoch empor zuführen:
Daß dir dein Backen-Roth so treflich schöne steht:

Daß deiner Augen Stern so lieblich sich verdreht:
Daß sich der Hände Glantz weiß zu vermarmoriren:
Daß dich dein glatter Leib weiß zu veralbastriren
Daß dich dein edler Stamm/ dein Geld und Gut aufbleht:

Ist noch nicht gnug vor dich. Witz/ Fromheit/ kluge Sinnen/
Zucht/ Tugend/ Redlichkeit/ Scham/ Demut/ Muth/ Verstand/
Fleiß/ Weißheit/ Ehr und Ruhm durch dieses weite Land/

Die sind der Schönheit Preiß/ die muß ich lieb gewinnen.
Was dein Leib an sich hat/ versteubt/ verfleucht/ vergeht:
Was dein Gemüthe weiß/ Lieb/ das nur das besteht.

29. An die Tafel/ auf der Ihr fast ähnliches Bildnis stunde

Du Tafel du/ auf der mein Bild gemahlet steht/
Wie gerne schau ich dich/ und deine Trefflichkeiten/
Der Mund/ der Hals/ das Kinn/ die/ Venus/ dich begleiten/
Die haben manche Gluth hier in mir angeweht.

Nim diese Rosen an/ nim diesen Zinnamet/
Nim diesen feuchten Krantz und diese frohen Zeiten.
Hinfürder hab ich nichts/ als Kummer/ Angst und Streiten/
Weil mit mir Noth und Leid zu Tisch und Bette geht.

Ach/ warumb küß ich nicht der Lippen Glut und Brand?
Ist diß der zarte Mund? Ist diß die Wollen Hand?
Ich will. Wie aber? Wie? Wie? Was sind das vor Flammen?

Ach ja/ nun seh ich sie. Diß Feuer kömt von mir.
Als ich beküssen wolt mein schönes Lieb auf dir/
Kam ihr und meine Gluth in voller Brunst zusammen.

30. Er ist der Liebe Spiel.

Wie wann der kühle Schnee nach Thal und Auen rinnt/
Und das zu feige Wachs im Sommer muß vergehen/
Wenn sich der Sonnen Bild in wilder Gluth lässt sehen:
So bin ich auch vor dir/ weil du mich angezündt.

Kein Glied ist ohne Brunst. Wie sich der Dornen Kind
Mit seinem Haupte neigt/ und nicht vermag zu stehen/
Wenn deine warme Brust mit ihrem Ambra-Wehen
Es unter sich gedruckt: So fall ich auch geschwind

Für deinen Füssen hin. Ich werde mat und müde/
Die Farbe wird verkehrt/ der Muth ist ausser mir.
Kein Tag/ nur lauter Nacht/ kömt meinen Augen für.

Im schlaffen hab ich Streit/ im wachen keinen Friede/
Biß daß der frische Quell mir meine Glieder kühlt/
Damit aufs neu hernach dein Feuer mit mir spielt.

31. Über einen Kuß.

In dem ich/ Marnia/ dir unverhofft den Kuß
Aus deinem Munde nahm/ entwich mir meine Seele/
Und bliebe gantz und gar in der Corallen-Höle/
So/ dass in etwas ich die Geister missen muß.

Ich starb vor Liebe hin. Es schlich sich Fuß für Fuß
Das Leben von mir aus/ umb das ich mich fast quäle/
Und ieden Augenblick in süsser Rückkunfft zehle/
Der Tod/ der blieb in mir: und dein gemachter Schluß.

Mein Hertze musst hernach/ die Seele zu erfragen.
Indem es aber auch/ mein Lieb dich hat erblickt/
Da blieb es auch in dir gefangen und bestrickt/

So/ daß ich fürter nicht von ihrer Flucht darf sagen.
Und hätt ich durch den Kuß nicht deine Seel erworben/
So wer ich gantz und gar an deiner Brust gestorben.

32. Als er Sie erzürnet.

Je mehr sich/ Marnia/ mein Hertze dir ergiebet/
Je mehr der Flammen Rauch mein Feuer zeiget an/
Je mehr ich in der Brunst an dich gedencken kann/
Je mehr mein Hertze sich in deinen Blick verliebet/

Je mehr hastu mein Hertz mit deinem Haß betrübet.
Ist meine Hoffnung denn nun gar umbsonst gethan?
Nicht meine Gegenwart/ nicht meiner Liebe Bahn/
Nicht meine Bitte hat so große Schuld verübet.

Jedoch du sihest nicht/ dass es dein Schade sey/
Wenn sich dein Groll und Haß noch weiter hin erstrecket/
Und mich mit frischem Sand in kutzer Zeit bedecket.

Du bringest mir den Tod in solcher Liebe bey.
Doch nein. Mir sterb ich nicht. Weil du mich dir erworben/
So bin ich Marnia/ dir/ und nicht mir/ gestorben.

33. Die Unbeständige.

Lieb/ bistu weiß als Schnee/ wie seyn denn deine Wangen
Mit Purpur überdeckt? Bistu dem Purpur gleich/
Wie seyn die Lippen denn in ihrer Röthe bleich?
Bistu dann bleich/ wie seyn denn deine liechten Spangen

Und Haare lauter Gold? Bistu denn voller Prangen/
Wie Gold zu prangen pflegt/ wie ist der Augen Reich
Mit schwartzen Mauerwerk/ als wie ein Silberteich
In seinem Tamme steht/ gezieret und umbfangen.

Was sagstu nun von dir? Im fall du Liljen weiß/
Bleich/ gölden/ Purpur-roth und schwart? Was vor ein Preiß
Wird Dir ertheilet seyn von denen die dich kennen?

So fern ich richten sol (verzeih es aber mir)
So muß ich ohne Scheu vor aller Welt alhier
Dich voller Unverstand und bunt an Farbe nennen.

34. Cupido von Marnien.

Hier laß ich Pfeil und Glut/ die Rosen mit den Myrten/
Durch die ich vor der Zeit in Himmel konnte gehn.
Hier laß ich Krantz und Riet/ und alle Waffen stehn/
Ich flieh/ ich fliehe fort/ und laß es euch ihr Hirten.

Kein Spiel/ kein fröhlich seyn/ kein süsses Hals-umgürten/
Und keine Nymphe soll mit Schallen und Gethön
Mich fürderhin durch Thal/ durch Pusch und Auen sehn/
Kein Westwind soll mich mehr mit süssem Thau bewirten/

Weil Marnia mit Glantz/ Gluth/ Feuer/ Liecht und Gifft /
Pfeil/ Köcher/ Krantz und Spiel und alles übertrifft.
Ade! ich gehe fort zu den entfernten Wüsten.

Doch nehmt hier Warnung an/ und höret noch ein Wort:
Ihr Sterblichen/ wenn ich itzund von euch bin fort/
Laßt euch nach Marnien (sie tödtet) nicht gelüsten.

35. An sein Hertze.

Brenn/ Hertze/ wie die brennst/ du Zunder ihrer Gluth/
Gib Hitze/ wie bißher/ mit aufgeschoßnen Flammen/
Ruf alles Feuerwerck auf deiner Post zusammen/
Dass sie auch brennen kann sich und ihr keusches Blut.

Brenn immer Tag und Nacht/ ob schon der freche Muth
Nicht also bald erkent den Quell der Liebes-Ammen/
Sie macht es so mit dir/ wie der/ der auf den Dammen
Mir endlich noch ein Spiel stat hoher Freundschafft thut.

Durch Hitze wird zuletzt das klare Silber rein.
Ein Feuer-Ofen zwingt den harten Eisenstein/
Der König des Metalls läst sich auch feige finden.

Brenn Hertze wie du brennst. Ihr auserlesnes Gold
Wird noch von deiner Gluth bergunter hingerollt.
Brenn/ Hertze/ wie du brennst. Sie wird sich wol entzünden.

36. An die unerträgliche Liebe.

Ist denn der Himmels-Saal dein rechtes Vaterland?
Hat denn die Venus dich so/ wie man sagt/ geboren?
Ist denn der Nectar dir zu deinem Tranck erkoren?
Ist dir denn Ambrosin zur Speise zuerkant?

Warumb denn wanderstu alhier durch See und Land?
Warumb hastu denn/ mich zuquälen/ dich verschworen?
Warumb denn brennestu den/ der bereits verlohren
Der Freiheit theures Gold/ mit deiner stoltzen Hand?

Warumb denn trinckstu nichts als meine nassen Thränen?
Mustu dich denn in mir an Marck und Bein gewehnen?
O wilde Grausamkeit! O Felsenharte Noth!

Vom Himmel bistu nicht auf Erden hergegangen/
Styx und sein Acheron die haben dich empfangen.
Was quälst du mich noch viel? Ietzunder bin ich tod.

37. Sie ist Steinern.

Stein bistu/ liebstes Lieb/ und wirst auch Stein genant/
Kein ander Nahm ist noth/ damit dich zu belegen.
Nicht zwar/ nur Lieb/ um das/ daß deine Pracht zugegen/
Des Marmors weissen Schnee an Schönheit überwand:

Nicht/ das dein Angesicht/ das Kinn/ der Hals/ die Hand/
Des Alabasters Zier zum Kampf an dir erregen:
Nicht/ daß die Muscheln auch vor dir erschrecken mögen/
Wenn sie der Nymphen Chor list umb den Meeresstrand?

Nein/ darümb gäntzlich nicht. Daß dein so harter Schluß
Gar nicht zu zwingen ist/ als wie der Caucasus/
Diß/ Lieb/ nur einzig nur/ diß sind die steinern Sachen:

Das Hertz ist Stein. Der Sinn ist Stein. Das Wort ist Stein.
Was thu ich/ Lieb/ darbey? Ich will das Feuer seyn/
Das deinen Aetna kan zu Staub und Aschen machen.

38. Sie regieret über Ihn.

Vorzeiten war der Brauch/ kein einzigs Jungfer-Bild
Wurd in das Regiment und Sorgen-Ambt genommen/
Ihr Rathschluß durffte nicht zu hohen Sachen kommen/
Ihr Thun war Woll und Flachs/ und was bey ihnen gilt.

Ein alzuloser Wahn (nicht recht daß man sie schilt)
War allenthalben hier und da hervor geglommen:
Dass unter ihrer Zunfft die beste von den Frommen
Mit Boßheit/ Trug und List ohn Ende sey erfüllt.

Jetzunder aber/ Lieb/ ietzt wendet sich das Blat.
Wer ist/ der so viel Lob/ Preiß/ Ruhm und Ehre hat?
Ein ieder unter uns läst alles umb sie fahren.

Erzürn dich nicht darob. Jetzt ist ein andre Welt/
Du/ Lieb/ du wirst von mir zum Regiment bestellt/
Drumb giltstu bey mir mehr/ als alle sonst vor Jahren.

39. An die Nachtigalle.

Du/ die du Tag und Nacht in deinen Liedern lebest/
Kom/ Nachtigalle/ kom/ ich reitze deinen Mund/
Den Preiß der Marnien hinfort zu machen kund/
Ob du vor Thereus gleich in Furcht und Zittern bebest.

Kom/ Philomela/ kom! Hier wo du ietzund schwebest/
Ist lauter Sicherheit. Mein Lieb ist mir vergunt.
Du weist/ Luscinia/ mein Thun/ ich bin gesund.
Löß auf den Freudenklang/ durch den du dich erhebest.

Kom/ Fräulein/ Mund der Nacht/ Lust Freundin/ Jage-Leid/
Laut-Sängrin/ Felder-Trost/ kom Wald-Thon/ es ist Zeit/
Die Püsche schlaffen ein/ Ich schlaffe bei der Meinen.

Klein-Schnabel/ Groß-Geschrey/ Luft-Fürstin/ Himmels-Kind/
Herzu! Es fängt schon an der süsse Westenwind.
Und kömstu nicht herzu/ so lob sie bey den deinen.

40. Als Sie im Grünen schlieff

Hier liegt mein Paradeiß mit Rosen überdeckt /
Die Brüste regen sich/ mich mehr und mehr zu quälen/
Der Ambra steigt hervor aus ihrer süssen Kehlen/
Hier liegt mein Paradeiß im Grünen ausgestreckt.

Kom geuß auf ihren Mund dein Perlenes Confect/
Du linder Zephyr du/ bring ihr die sanfften Seelen
Aus deinen Brunnen her/ mit ihr mich zu vermählen.
Schaff aber/ daß sie nicht dadurch werd aufgeweckt.

St. Dryas! St. Napee! Bleibt dort in dem Gepüsche/
Dieweil ich manchen Kuß auf ihrem mund erwische/
Sol euer schöner Chor nicht mit ihr spielen gehn?

Indessen schlafe du hier unter diesen Bäumen/
Sehnst du denn aber dich nach sanften Liebes-Träumen/
So wache plötzlich auf/ hier kannst du einen sehn.

41. An die unpässliche Marnia.

Du kömst mir/ Marnia/ recht etwas schläfrig für/
Als wie du etwa pflegst/ wenn du bist aufgestanden.
Das Haar fleucht umb dich her/ befreyt von allen Banden.
Die Wangen haben nicht/ wie sonsten/ ihre Zier.

Die Lippen sehen blaß/ der Mund ist dürre dir.
Den Augen ist der Glantz nicht/ wie zuvor/ verhanden.
Das Hertze wegert sich in deiner Brust zustranden/
Der gantze Leib ist matt/ und faul und schläfrig hier.

Was soll ich/ Marnia/ aus diesem Stande schliessen?
Vielleicht hast du die Nacht zusehr vergnügen müssen?
Wol selig ist denn der/ der dir gestanden bey.

Kömt aber ohn gefehr das/ daß du etwas trübe
Und etwas schläfrig siehst/ von deiner heissen Liebe/
So wolt ich/ Lieb/ dass ich desselben Ursach sey.

42. Nur Marniens Kuß.

Die Galathee schmatzt/ und reichet lange Küsse.
Sie/ meine Marnia/ gibt was gelinder sie.
Die Doris zwickt darzu und naget ie und ie
Des Mundes Widerpart umb die gewünschten Flüsse.

Wolan/ erwehle dir den besten/ der recht süsse/
Und recht verzuckert ist! Kein hören das gilt hie/
Der Schmack nur der vergnügt. Was eine kleine Müh
Und lange Kurtzweil hat/ das/ das hat Händ und Füsse.

Man irrt zwar oftermals. Jedoch gesteh ich frey/
Dass meine Marnia die best im küssen sey.
Sie giebet klaren Thau und Honig von der Zungen.

Hier hang ich unbewegt an ihr. Sie hat den Preiß.
Ist aber einer hier/ der dieses besser weiß/
So thu er/ was er will/ hier bleib ich unverdrungen.

43. Als Er an eine Stadt zurück dachte.

Du/ Churfürstinne/ du der Weltbekanten Sachsen/
Fest/ heilig/ lang und klein/ denck ich an deinen Fluß/
Und an den klaren Quell/ den ich ietzt meiden muß/
So wird ich als ein Spiel bey den gescheuchten Dachsen.

Die du in deiner Schoß so schön liest aufwerts wachsen/
Die liebe Marnia/ die lencket meinen Fuß.
Sie ich/ Sie meine Zeit/ Sie mein stets süsser Kuß/
Sie ist berühmt in dir biß an des Himmels Achsen.

Ich geb dir zwar den Preiß/ du Gräntzhaus deiner Last/
Weil du die Wissenschaft in deinen Mauern hast/
Und nun ein Trutz-Wort bis der Raut-bekräntzen Printzen.

Mehr aber lob ich dich/ weil meiner Sinnen Kunst
Zu einen Nachbar hat so eine zarte Brunst/
Die sich auch sehen läst in aller Welt Provintzen.

44. An den Abend-Stern.

Steh auf/ du Tag der Nacht/ steh auf mit deinen Flammen/
Steh auf/ und komme bald/ ich sehne mich nach dir/
Steh auf und seume nicht/ die Mutter scheint dir für/
Und ruft das göldne Heer auf seiner Wacht zusammen.

Kom/ Ruhe-Freund/ komm an/ die liechten Silber-Ammen
Beleuchten ihren Saal. Dianens blasse Zier
Trägt schon den Schlaff-Trunck auf. Vergolde dein Logir/
O Hesperus/ und komm/ mein Hertzleid zu verdammen.

Der Sonnen-Rad entsinckt. Die Wälder werden blau/
Die Nacht läst Oeta stehn/ und streut den Abend-Thau
Mit ihrer braunen Hand auf die beschmauchten Hütten.

Kom an/ O Stern! Du kömst. So bring ihr diese Post/
Und sprich: Der Zephyrus hat deines Liebsten Kost/
Der sol bey früher Zeit sie auf dein Lager schütten.

45. An Pomonen/ in Ihrer letzten Kranckheit.

Lauf/ lauf/ Pomone/ lauf/ mein Lieb das röchelt noch.
Der Geist lebt noch in ihr. Lauf/ mir sie zu erquicken.
Sprich wider Astrachan/ sie sol ihr Tauben schicken.
Lauf hin in Spanien/ und brich der Bäume Joch

Die Pomerantzen ab. Pomone lauf/ lauf doch!
Ich steh ietzt an der Noth. Mich will der Jammer drücken.
Ich sol mein liebes Lieb nicht mehr/ wie vor/ anblicken.
Fleug meine Dienerin/ eh sie das schwartze Loch

Der Erden in sich schlingt. Hier hastu Citeronen.
Nim Datteln/ nim Canel/ nim Pfirschken und Melonen/
Und gib sie Marnien/ der liebsten Krancken/ ein.

Und wenn du das gethan/ so fleug alsbald zurücke/
Und hole von mir ab viel tausend Küß und Blicke.
Hilft denn der keines mehr/ muß sie und ich tod seyn.

46. Als seine Marnia gestorben

O Brief / O Donnerwort/ mein schönes Lieb ist hin!
Was mach ich nun mit mir? mit mir/ ach! mit mir Armen?
Wer wird sich über mich hinfort/ wie vor/ erbarmen?
Ich sterb/ ich sterbe mit/ daß ich stets bei ihr bin!

Hier hastu/ Marnia/ hier hast du meinen Sinn.
Hier hastu meinen Geist/ den lieben/ den noch warmen.
Hier hastu meinen Muth. Hier hast du Pein und Harmen /
Hier hastu mich/ dein Ganz/ du Himmels Bürgerin!

Rauß/ Hertze/ rauß/ ihr nach! Rauß! folge deiner Schönen!
Rauß/ Seele/ rauß/ empor! Such ihre Lieblichkeit /
Fahr in Elysien/ und kürtz ihr ihre Zeit!

Diß einzig ist mein Trost/ diß einzig ist mein Sehnen:
Lebstu nicht/ Marnia/ so lebstu doch in mir
Und sterb ich nicht alsbald/ so sterb ich doch in dir.

47. Er betrauret Sie.

Der Himmel ist mir schwartz. Die Sonne scheint nicht mehr.
Mein Lieb/ das ist nun fort/ und stehet auf der Bahre/
So/ daß ich allgemach mit ihr von hinnen fahre.
In meinem Hertzen wacht der Sorgen gantzes Heer.

Der Lippen Purpur bleicht. Die Zung ist Zucker-leer
Die Augen stehen starr. Das Gold der frischen Jahre/
Die Rosen des Gesichts/ der Fallstrick ihrer Haare
Macht mir mein Leben auch im Tode noch zu schwer.

Die Galle meiner Lust/ die Wehmuth meiner Freude/
Die Wahlstatt meines Thuns gibt Feuer meinem Leide.
Sie/ und zugleich ihr Todt/ sie machen traurig mich.

O Anfang meiner Pein/ O Ende meines Lebens!
Du bist nun Finsternis/ nach dir seh ich vergebens.
Kom/ schau mich auch/ ich bin wie du/ mein gantzes Ich.

48. Über ihr Grab.

Hier lieget Marnia begraben gar allein.
Doch auch alleine nicht/ weil Venus leichter Knabe
Ihr zum Begräbnis noch den Pfeil und Bogen gabe/
Den Köcher/ und was sonst stets seine Waffen seyn.

Der Hals/ der rothe Mund/ der Augen heller Schein/
Der Lippen süsse Gluth/ des Hauptes Zier und Habe/
Das Purpur-braune Haar liegt auch mit ihr zu Grabe/
Und ihre zarte Schos bedeckt der Leichenstein.

Ziert/ Nymphen/ diese Gruft mit den bethauten Rosen/
Bringt Amaranthen her/ und Liljen/ eure Lust/
Setzt einen Myrtenstrauß auf eure weiße Brust/

Und deckt den leichten Staub mit Schönheit der Zeitlosen.
Schont keiner Blume nicht/ des Lentzens beste Zier/
Die eine Blume war/ die lieget nun alhier.

50. Er hält sein Versprechen.

Die Schuld die ist bezahlt. Hier ist sie/ Marnia!
Was ich dir dort versprach/ das hab ich nun gehalten.
Muß gleich dein schöner Leib in seiner Gruft erkalten/
So stirbet doch dein Tod/ der grimme/ hier und da.

Dein Leben lebet noch. Die Nymphen auf der Rha/
Und wo du wirst gehört/ die werden/ gleich den Alten/
Umb deinen Lorberkrantz ein schönes thun verwalten.
Der Erden bistu loß/ dem Himmel kömst du nah.

Den Edlen von der Döß muß Ida überleben.
Secund hat Julien/ Heins Rossen groß gemacht.
Anger lobt Cöliens/ Lernutz Hyellens Pracht/

Callirhoen Lotich/ Strotz Antiens ergeben.
Bey diesen bistu auch. Du lebst nun sonder Noth/
Ich nur bin gegen dir und diesen mehr/ als todt.

51. Über seinen Eyd.

Dir/ meine Marnia/ dir schwur ich einen Eyd
Auf deiner Asche dort und dort auf deinen Beinen/
Ich wollte keine mehr/ als dich alleine/ meynen.
Ietzt soll ich treuloß seyn/ ietzt findet sich der Streit.

Hier ist dein Ebenbild. Hier geht mein neues Leid.
Der Mund/ das braune Har/ die sehen gleich den deinen/
Kein Rosen-Blat kann sich so mit einander einen/
Als ihre schöne Zucht und deine Treflichkeit.

Was fang ich endlich an mit ihr/ mit mir/ und dir?
Ich bin aufs neue wund. Sie gönnt mir ihre Blicke.
Dich nur/ nur einzig dich/ dich halt ich nicht zurücke.

Diß ist die neue Pein/ die mich selbst raubet mir.
Sey ruhig/ Marnia/ laß sich den Eyfer füllen.
Ich liebe sie/ und diß/ vorwar/ umb deinet willen.

52. An die verstorbene Marnia/ wegen Seiner neuen Liebe.

Sie ist mir hertzlich lieb/ ich muß es dir gestehen/
Bild meiner ersten Gluth/ sie ist mir hertzlich lieb.
Laß es nur darumb sey/ mein einzig Angetrieb/
Hoff nur auf deine Gunst und auf ihr Wohlergehen.

Leander der bin ich. Du bist der Sturm der Seen/
Kalt/ neidisch/ und mein Feind. Und sie/ sie ist ein Dieb.
Bin ich von ihr geraubt/ so darf der Hoffnung Sieb/
Nechst andern/ das mich stützt/ mir nicht das Liecht verdrehen.

Von dir/ O Marnia/ und ihr/ da laß ich nicht.
Leib/ Ehre/ Gut und Blut hab ich dir zugeschworen.
Zieh keinen Groll auf mich. Wirstu nur neu geboren

In deiner Freundlichkeit/ so halt ich meine Pflicht.
Meist bistu schuld daran. Ich bleibe voller Treue/
Senck dich nur her in sie/ so lieb ich dich auffs neue.

53. Er hat Vergünstigung.

Sie war und war es nicht. Noch denn kam sie mir für/
Die todte Marnia/ mit frölichen Geberden.
Geh/ sprach sie/ mein Poet/ du magst verliebet werden.
Geh/ mein gewesner Schatz/ geh/ ich vergönn es dir.

Sie/ die dir wohlgefällt/ ist ähnlich meiner Zier/
So sich ietzund durch dich noch zeigt der kalten Erden.
Geh/ nim mein Bildnis an/ wo mein und deine Heerden
Im Grünen dort sich sat geweidet neben mir.

Wir beyde geben dir den Krantz der Ewigkeiten/
Ich an dem Elbenstrom/ sie umb den Elsterstrand.
Fang an/ und stim auf sie die übergöldten Saiten,

Ich bleibe nun durch dich/ wie sie durch mich bekannt.
Wol uns! Wir sterben nicht. Das Reichthum der Poeten
Kan unsern letzten Todt auch in dem Tode tödten.

54. An sich selbst.

Du/ warumb bistu blaß? Das Blut entgehet mir/
Und nimt die Zuflucht hin zu meinem krancken Hertzen.
Warumb verlescht dein Licht? Ich fühle tausend Schmertzen.
Warumb denn weinestu? Die Thränen sollen hier

Der Liebe Gluth und Brunst ertödten für und für/
Denn meine Flamme brennt in ihren vollen Kertzen.
Was hilfft das seufftzen dich? Die Hitze zu verschertzen/
Und mit gekühlter Luft zudämpfen die Begier.

Warumb bistu allein? Ich fühl allein das Band.
Wer mir nicht glauben will/ der fang nur an und liebe.
Kreischt dich das Feuer nun so bleich/ so matt und trübe/

Warumb denn wirstu nicht zu Staub und Asch verbrant?
Ihr Eiß/ ihr kalter Sinn/ ihr Eiß/ ihr kaltes Wesen/
Das hindert meine Gluth/ daß sie nicht kann genesen.

55. An seine neue Buhlschafft.

Sie/ meine Marnia/ kam an das todte Meer/
Der Charon sollte sie mit andern überführen.
Du/ Schöne/ wer du bist/ rief er/ hier gilt kein zieren /
Leg deine Schönheit ab/ und dann kom wieder her.

Sie that/ was er befahl. Was ich nicht begehr/
Sprach sie/ das nim nur hin! Hier liegt des Hertzens rühren/
Hier liegt der Wangen blut/ hier liegt der Pracht duplieren /
Hier liegt mein gantzer Leib/ ja hier/ hier lieget er!

Mercur/ der sah ihr zu/ und sprach: soll denn dein lachen/
Der Mund/ der Hals/ diß Haar so gar verdorben sein?
Nein/ Edle Marnia/ nein/ Edle Nypmhe/ nein /

Sie sollen deinen Schatz noch oftermals anlachen!
Drauf hub er alles auf / und bracht es/ Nymphe/ dir.
Nun lieb ich dupelt dich/ von wegen dein und ihr.

56. An das Rosenthal.

Du bistes/ Rosenthal/ das mich so traurig sah
Umb seine Wiesen her mit rothen Augen gehen.
Du bist es du/ nur du/ du scheinst mir beyzustehen/
Als ich betrauerte die liebe Marnia.

Nun mach dich wieder auf. An deinen Strömen da/
Da geht ein schönes Kind/ das läst sich dich bewehen.
Den blauen Najaden/ den lispelnden Napeen
Kömt sie mit ihrer Zier auch gar/ auch gar zunah.

Und diß ist meine Glut. Hilf/ hilf vor dieses mal/
Du Spielhaus der Natur/ und gib sie mir zu eigen/
Ich will mich gegen dir recht danckbarlich erzeigen/

Hilf/ weil du helffen kanst/ du werthes Rosenthal.
Wie aber/ fragstu mich umb sie und ihre Sitten?
Sie ist bey jenes Laub lebhaftig eingeschnitten.

57. An eine Linde.

Hier wo das klare Gold umb deine Wurtzeln quillt/
Und iederman dich ehrt/ als Königin der Linden/
Hier wo man einen Strauß von Rosen pflegt zu binden/
Und der Christallenstrom hier durch die Felder trillt/

Da hier/ hier nim mein Buch/ des Himmels Ebenbild/
Die Schwester Marniens/ den Lob-Spruch unsrer Pinden/
Das Kind der Najaden/ umb das wir Kräntze winden.
Der Faunen Lieb und Brunst sey deines Endes Schild.

Ich gehe nun von hier/ befreyt von allen Sorgen.
Kömt aber etwan sie/ als wie sie pflegt/ zu Morgen/
Umb das das braune Haar vom Thauen sey benetzt/

So gieb ihr ihren Glantz/ rein/ ewig und beflügelt/
Und sprich/ hier steh ihr Ruhm/ als wie er sol/ bespiegelt.
Indessen bleibe du stets grün und unverletzt.

58. Über dieses Buch/ an seine Holdselige.

Das Buch der Marnien/ das schlechtste von den meinen/
Das dich berühmet macht/ mein Lieb/ das geb ich dir.
Nim es mit Freuden hin/ es muß sich ihre Zier
Mit deiner Göttlichkeit und deiner Zucht vereinen.

Eh wolt ich auf der Welt mein Leben gar verneinen/
Eh ich dein hohes Lob/ den Blitz umb diß Refier/
Den schönen Silberstern verschweigen wolt alhier/
Was aber schenkstu/ Lieb/ mir wieder von den deinen?

Ein Kuß/ ein süsser Kuß/ ach der verrichtet viel.
Der ist mein eintzger Zweck/ der ist mein eintzges Ziel/
Und schenckestu mir den? So ist es schon erstattet.

Jetzt ließ nun deinen Preiß/ der dich so schön umbschattet/
Was hier geschrieben steht/ das kömt dir alles nah/
Nur dass du nicht todt bist/ sonst bistu Marnia.

59. An Seinen Leser.

Hier nim auch du mein Buch/ du scharff gesinnter Leser/
Und liß es/ wie du willst. Ich bin kein Opitz nicht/
Der Gold ist/ und Gold schreibt. Was Fleming hat gedicht/
Was Buchner/ Brehm und Dach/ was Tscherning umb die Gräser

Der Rosenstöcke spielt/ das hat begrünte Fäser/
Dass es aufwachen kann biß an der Sonnen Licht.
Gibt mir die Elbe nur ein ewiges Gerücht/
Als wie sie thut/ so frag ich gar nichts nach der Weser.

Wer gar zuweit auskömt/ der hat der Richter viel.
Ein ieder leyert ihm selbselbst ein eigen Spiel/
Und dahin sol mein Vers sich allezeit auch schicken.

Nein/ Leser/ gäntzlich nicht. Ich tödte meine Zeit/
Die mir zulang will sey/ mit solcher Frölichkeit.
Wer hier nicht reiten will/ der gehe nur auf Krücken.

60. An des Neides Feindschafft.

Mund ist es dennoch wahr/ was mir mein Hertze saget/
Du überdürrer Neid? so wage dich an mich!
An mich und Marnien/ und die/ die ewiglich
Wird an dem Himmel stehn/ wenn die Aurora taget.

Kom her/ kom/ ich bin hier. Was dich wol etwa plaget
Umb die und diß und das/ das gibt mir keinen Stich/
Sie/ meiner Liebe Lust/ Sie mein erfreutes Ich/
Sie ists/ die meinen Mund/ und nicht den deinen naget.

Lach/ weil du lachen kanst/ dann wein auch etwas drein/
Denn du kanst ohne diß dir selbst nicht pflichtig seyn/
Lach/ weil du lachen kanst/ Ich laß dir dein behagen.

Sie/ die mir gänthlich nicht/ nur dir ist unbekant/
Die reitzet allererst die Feder meiner Hand/
Ich lob sie künfftig mehr/ nur deinen Trutz zu wagen.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 4. März 2009 15:41
Themengebiet: Dokumentationen