Gonda Sureen, deutsche Beinkönigin (1951)

© 2008 Dirk Schindelbeck

Anzeige für ARWA-Strümpfe von 1951

Anzeige für ARWA-Strümpfe von 1951

Gonda Sureen, die grad’ mal achtzehn Jahr’ war,
„Elastik-Akrobatin” und aus Bremen,
begann die Maße von sich abzunehmen
und schickte das Ergebnis ein an ARWA.

Sie rechnete mit nichts, doch als dann klar war,
dass sie es war, die diesem Unternehmen
die besten Daten gab (und sich Tantiemen?) -
als klar war, dass sie jetzt ein großer Star war:

Beinkönigin, zog sie die ARWA-Nähte
(die hinten an den Strümpfen) sorgsam grade -
und zeigte freudig Schenkel, Fessel, Wade

der Männerwelt, die wie verrückt hinspähte…
Rundstrickmaschinen machten Jahre später dann
den Strumpf auch nahtlos (wie das Rohr von Mannesmann).

"Gymnastik-Akrobatin" Gonda Sureen bei der Wahl zur Beinkönigin 1951

"Gymnastik-Akrobatin" Gonda Sureen bei der Wahl zur Beinkönigin 1951

Anmerkung

Die Abbildung zeigt eine Anzeige der Firma ARWA für Damenstrümpfe von 1951 mit Nähten auf der Rückseite. Diese wurden von Flachstrickmaschinen hergestellt, die Strümpfe in einem zweiten Arbeitsgang dann hinten zusammengenäht. Zur Herstellung von nahtlosen Strümpfen brauchte man völlig andere, nämlich Rundstrickmaschinen. Diese kamen erst Mitte der fünfziger Jahre auf und führten zum Konkurs etlicher Betriebe, die nicht rechtzeitig in die neue Technologie investiert hatten. Für die Männerwelt waren die Nahtstrümpfe sicherlich reizvoller, für die Frauen hingegen ein Problem, da ständig verrutschende Nähte die Trägerinnen als schlampig erscheinen ließen. Die permanente Kontrolle der Strumpfnähte führte zu Dauer-Stress. Die Frauen empfanden es geradezu als Erlösung, als endlich die nahtlosen, im Volksmund “Mannesmann-Röhren” (Die Firma war berühmt für ihr Patent, nahtlose Rohre herstellen zu können) genannten, Strümpfe auf den Markt kamen. Innerhalb weniger Monate verdrängten sie die ungeliebten Naht-Strümpfe völlig. Gonda Sureen, die deutsche Beinköngin von 1951, hatte die Durchschnittsmaße der deutschen Frau (Fessel 21,5 cm; Wade 34 cm, Oberschenkel 46 cm), nach der die Firma ARWA fortan der Marktnachfrage exakt angepasste Größen herstellen konnte. Das Preisausschreiben mit der Aufforderung, seine Beinmaße anzugeben war also eine riesige Marktuntersuchung zur Optimierung des Produkts. Im Juni 1951 wurde Gonda Sureen, die als Beruf „Elastik-Akrobatin” angegeben hatte, im Münchner Regina-Hotel zur deutschen Beinkönigin gewählt und durfte sich vor 350 geladenen (meist männlichen) Gästen präsentieren. Ob sie wirklich Tantiemen erhalten hat, ist nicht überliefert.

Eine andere belletristische Darstellung des Strumpfthemas finden sie im Text “Pater Leppich und die Nylon-Dirnen

Über das Wirtschaftswunder vgl. auch den Sachtext “(K)ein Märchen aus tausendundeiner Nacht

Einen aufschlussreichen Text zum Sonett finden Sie hier (PDF, 23 S.)

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Samstag, 6. Juni 2009 14:18
Themengebiet: Sonettwelt