Hilf, Vater, hilf! (1967)
© 2008 Dirk Schindelbeck
Gekommen mit dem Fahrrad war der Vater,
mal einen übern Durst zu trinken (was er tat)
und nebenher für manche Runde Skat.
Doch als er aus der Kneipe kam, gab’s ein Theater:
Er fand sein Rad nicht mehr. Stets rabiater
beschimpfte er vor Wut den Wirt, den Staat.
Als er schlussendlich in ein Schlammloch trat
und aufschrie, kam sein Kumpel und Berater
und holte ihn zurück zum langen Tresen,
dort ist er dann vier Stunden noch gewesen,
denn jetzt kam ja der gute Hulstkamp dran:
Man prostete sich zu von Mann zu Mann,
bis keiner mehr in seinen Stiefeln blieb
und nicht mehr wusste, wie man Fahrad schrieb.
Anmerkung:
Schon in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre mochten viele Firmen auf die vermeintliche Kreativität von Star-Agenturen nicht mehr verzichten. So auch der Spirituosenhersteller Eckes aus Niederolm. Zur Einführung seines Produkts „Hulstkamp” hatte die Geschäftsführung die Agentur arcor des aufstrebenden Jung-Werbers Friedrich-Wilhelm Ortmeyer („Man fuhr wohl den einen oder anderen Dino-Ferrari”) engagiert. Begründung: „Wir suchen jemanden wie Sie, der noch nicht durch Branchenkenntnis belastet ist.” In der Tat lieferten die „creative consultants” noch nie Dagewesenes ab. Die Schnapsflasche in weißer Leere. Dem altertümlichen Biedermann darauf entquoll die Sprechblase: „hilft dem Vater auf das Fahrad”. Mit nur einem r. Sonst nichts. Damit wolle man zu „Diskussion und dem Schreiben von Beschwerdebriefen” anregen. 2000 Studienräte ließen sich auch nicht lange bitten.
Mehr zur deutscgen Konsumgeschichte finden Sie in Marken, Moden und Kampagnen, Darmstadt 2003
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Einen aufschlussreichen Text zum Sonett finden Sie hier (PDF, 23 S.)
