Ein Kaiserreich für ein Paar Hosenträger (1916)
© 2008 Dirk Schindelbeck
Geschenkezeit: Da kriegt der deutsche Mann gewöhnlich
den Dreierpack: Krawatte, Socken, Oberhemd.
Gerührt und sprachlos lächelt er und tut versöhnlich,
in Wahrheit bleiben ihm die Dinge herzlich fremd.
In Wirklichkeit ersehnt er strammen Sitz der Hose,
wo nichts verrutscht, nichts schleichend abwärts flieht,
Erlösung von verhasster Dauer-Hochzieh-Pose,
erst recht, wenn er in einen großen Weltkrieg zieht.
Denn hier erduldet er im feuchten Schützengraben
den schlechten Tragkomfort von Dutzenden Modellen,
verflucht das Gummi, das sich dauernd dehnt und längt.
Auf einmal hört er LKWs vorm Schützengraben schellen:
„Paroco-Hosenträger eingetroffen!” Endlich Liebesgaben
mit unverwüstlich starkem Federzug - geschenkt, geschenkt!
Anmerkung
Als „Liebesgaben” wurden die Zuwendungen vonseiten der Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkriegs an die „Feldgrauen” bezeichnet. Nicht alle Liebesgaben waren freilich erwünscht.
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