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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Ronnie Biggs Superstar

Ronnie Biggs Superstar

Zeitschriften-Artikel aus Neue Revue 1974

Ronald Biggs am Zuckerhut. Dieses und folgende Bilder aus: Neue Revue, Frühjahr 1974

Im folgenden finden Sie meinen klassischen Text aus dem Jahr 2000. Er wurde unlängst - anlässlich der bevorstehenden Haftentlassung von Ronnie Biggs aus dem Gefängnis und seines 80. Geburtstags - wieder sehr aktuell. Immerhin scheinen eine Reihe von Journalisten inzwischen in meinen Text hineingeschaut zu haben. Die Legende, er sei der legendäre Anführer der Posträuber-Bande gewesen, über Jahrzehnte hin beharrlich von den Medien verbreitet, findet sich nun seltener. Gleichwohl gibt es immer noch genug Zeitungen und Zeitschriften, die sich die Lektüre der Mutter aller Biggs-Texte bislang erspart haben und weiterhin falsche Fakten verbreiten. Eine schöne Auswahl an Presse-Stilblüten dieser Art gibt diese von meinem Freund Klaus Schönberger betreute Seite vabanque

Hier also das Original:

Vom  Wert der Öffentlichkeitsarbeit beim Postraub

(aus: Klaus Schönberger (Hg.). Vabanque. Theorie, Praxis und Geschichte des Bankraubs, Berlin 2000,
ital. Übersetzung in: Schönberger (Hg.): La rapine in banca, Pavona 2003, S. 48-58)

© 2000 Dirk Schindelbeck

In ihrem Buch „Die Posträuber Methode. Erfolgsstrategien für Selbst und Projektmanagement“ gibt die Unternehmensberaterin Hedwig Kellner Tipps, wie jederman/frau die in ihm/ihr schlummernde kriminelle Energie optimal einsetzen könne, ohne mit den Normen und Regeln der Gesellschaft in Konflikt zu geraten. Nicht von ungefähr bemüht der Titel ihres Ratgebers den legendären Postraub in England und erklärt eine der damals beteiligten Personen zum Leitbild zeitgemäßer Lebensgestaltung: „Ich halte den berühmten englischen Posträuber für erfolgreich. Von dem hat man in der Tat immer nur gehört, wie gut es ihm am Strand in Südamerika ging. Ich nehme an, dass es sein Ziel war, mit viel Geld an einem schönen Flecken der Erde in netter Gesellschaft zu leben. Gut gemacht. An dem sollten Sie sich ein Beispiel nehmen und nicht an bastelnden Dagoberts.“ (Kellner 1996, 19). Kellner meint Ronnie Biggs, ohne sich bewusst zu sein, wie sehr sie einem Mythos aufsitzt. Dass der Name Biggs ein Qualitätsbegriff ist, offenbart indessen auch der Schreiber der angesehenen Zürcher Weltwoche Oskar Nebel: „Biggs ist ohne Zweifel der führende Posträuber dieses Jahrhunderts: Biggs ist erklärter Anhänger des humanen Postraubs … Postraub ist für ihn eine Kunstform. Vielleicht erbarmt sich Ronald Biggs unser und eröffnet in Bio de Janeiro endlich die längst überfällige Schule für klassischen Postraub.“ (Weltwoche 19.12.1996).

Die Basis: Das Superding

So viel Ruhm kommt nicht von ungefähr. Er ist das Ergebnis glücklich sich verkettender Umstände, aber auch kluger und zäher Öffentlichkeitsarbeit. Am Anfang stand natürlich der große Coup, oft kopiert, aber bis heute unerreicht: der Postraub vom 8. auf den 9. August 1963. Da war die sagenhafte Beute: 2.631.784 Pfund, nach damaligem Wechselkurs 16 Millionen Euro. Bei einem Durchschnittsverdienst eines englischen Arbeiters von 80 Pfund im Monat war dies eine Summe, die das Maß alles Vorstellbaren sprengte. Da war die Ausführung, eine Mannschaftsleistung von 16 Männern, die über eineinhalb Jahre hinweg alles generalstabsmäßig geplant hatten, um im richtigen Moment mit einfachen Mitteln einen ganzen Postzug anzuhalten und auszurauben. Gegen drei Uhr in der Nacht hält ein von Glasgow kommender Postzug vor einem roten Signal bei Sean Crossing nahe der Brigedo Brücke in dünn besiedelter Gegend. Bis zum Zielort London ist es noch eine gute dreiviertel Stunde. Zwar ist der Stop an dieser Stelle außergewöhnlich, doch Lokführer Mills schöpft zunächst keinen Verdacht. Indessen ist der Zug durch einen Trick angehalten worden: Das grüne Signallicht, das freie Fahrt gegeben hätte, ist durch einen Wollhandschub verhängt und durch eine rote, von Autobatterien gespeiste Lampe ersetzt worden. Im zweiten Waggon hinter der Lokomotive befinden sich 125 Säcke mit alten Pfundnoten. Es handelt sich um eine turnusmäßige Austauschaktion alter Scheine durch die Bank von England. Wie üblich ist aus Sicherheitsgründen der Geldwaggon zusammen mit vier Beamten bei der Abfahrt von außen verschlossen worden. Zwar befinden sich weitere 75 Postbeamte im Zug, allerdings in einem der hinteren Waggons, sie sind mit dem Sortieren von Briefen beschäftigt. Im Dunkel der Nacht haben sieh sechzehn Männer an den vorm Signal wartenden Zug herangepirscht. Sie arbeiten in drei Gruppen. Während die einen Lokführer und Heizer überwältigen, koppeln die anderen unbemerkt den hinteren Teil des Zugs ab. Nun kann die Lokomotive mit dem Geldwaggon davonfahren. 1.200 Meter weiter wird der Rumpfzug von der dritten Gruppe erwartet. Hier überquert die Eisenbahnbrücke eine kaum befahrene Landstraße, der ideale Platz, um von hinten in den Geldwaggon einzudringen – nunmehr ein leichtes Unterfangen. Die Beamten werden überwältigt, alle 125 Geldsäcke in wenigen Minuten auf zwei unterhalb der Brücke wartende Land Rover und einen Bedford Laster verladen. Dem Begleitpersonal wird nahegelegt, sich in der nächsten halben Stunde nicht von der Stelle zu rühren; unterdessen rollt das Geld zur etwa 50 Kilometer entfernten Leatherslade Farm. Diesen Unterschlupf hatte die Gruppe eigens für ihr großes Ding angekauft und mit Feldbetten, Lebensmitteln und Fernseher ausgestattet. Nachdem die Beute gezählt und verteilt worden ist, setzen sich die Mitglieder der Bande mit ihrem Anteil von jeweils knapp 150.000 Pfund ab und tauchen im Großraum London unter.

Posträuber – Deutschlandausgabe

Es versteht sich von selbst, dass, wenn die Realität so traumhafte Dimensionen annimmt, Geschichtenerzähler jeglicher Couleur angezogen werden. Im vorliegenden Fall gibt es sogar eine spezifisch deutsche Erzähltradition; Popularität gewann „the great train robbery“ hier vor allem durch den Film, dessen Titel allein schon zum geflügelte Wort geworden ist: „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ von Claus Peter Witt. Es fügt sich ins Bild, dass darin zwei Personen, die seither in der ersten Reihe deutscher Fernsehstars agieren, die Hauptrollen spielen: Horst Tappert und Siegfried Lowitz, die deutschen Serienkommissare. In Witts Dreiteiler treten sie noch als Superhirne gegeneinander an: Tappert als Bruce „Major“ Reynolds, der Kopf der „Gentlemens League“, und Lowitz als Scotland Yard-Chef. Klopft man die Postraub Story auf ihre fiktionalen Elemente hin ab, so zeigt sich, wie sehr sie das Werk des Journalisten Henry Kolarz ist, der schon im Frühjahr 1964 unter dem Titel „Das Superding“ eine 13-teilige Serie im Stern veröffentlicht hatte (Stern Nr. 15 27,1964). Kolarz war es auch, der 1966 das Drehbuch zu besagtem Fernsehfilm schrieb. Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass er die Rezeption des Postraubs in Deutschland entscheidend beeinflusste wobei er sich des vorhandenen Bewusstseinsbestands geschickt bediente.

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The Quality crime: Made in England

„Made in England“ hatte in den frühen sechziger Jahren in westdeutschen Augen deutlich an Sympathie zugelegt; nicht nur schickten sich zur Zeit der Stern Serie die Beatles an, den internationalen Durchbruch zu schaffen und Swinging London zum Markenartikel zu machen. Auch eine aus der angelsächsischen Literaturtradition erwachsene Spezialität erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Die gut gemachte Criminal Story. Wer erinnert sich nicht an die endlosen Edgar Wallace Verfilmungen mit Heinz Drache, an Heinz Rühmann alias Pater Brown, von den Krimi Altmeistern wie Alfred Hitchcock oder Agatha Christie gar nicht zu reden? Stets transportierten diese Storys auch eine sehr englische Idee, für die es im Noch Adenauer Deutschland kein Gegenstück gab: Das perfekte Verbrechen, das sowohl den Reiz des Abartigen in die Wohnstuben deutscher Biedermänner trug als auch auf eine heimliche Weise ihrem bürgerlichen Leistungskodex entsprach. Der Verbrecher, der bei seiner Tat Arbeitsethos zeigt und Wertarbeit abliefert, darf auf besondere Sympathie hoffen, wenn es gewaltfrei und somit stilvoll durchgeführt wird. Bleibt das Verbrechen im Rahmen dieser Spielregeln, sieht sich selbst Scotland Yard zur Respektbezeugung genötigt. Damit ist eine weitere sehr englische Qualität aufgerufen: Sportsgeist, fair play.

Gentlemen versus Proleten

Aus solchen Zutaten komponierte Kolarz seine Posträuber. Schaut man etwas näher hin, sind sie ihm nur zu Snobs geraten. Wenn im Film einer von ihnen spricht, so geschieht dies stets vor dem Plenum, spricht er die anderen gespreizt mit „Gentlemen“ an, als ob man sich im „House of Lords“ befände. Schon zu einem Zeitpunkt, als sie noch mittellos sind, da sie sich ihr Betriebskapital für das Husarenstück erst durch einen Überfall am Londoner Flugplatz (Beute: 66.000 Pfund) beschaffen müssen, fahren sie standesgemäß im Rolls-Royce Konvoi vor. Selbst wenn man einen Raub ausführt, so soll der Fernsehzuschauer glauben, fährt ein echter Gentleman nicht unter Niveau in einem unauffälligen Austin oder Lieferwagen. Gentlemanlike wird am Flugplatz auch die Wachmannschaft mit der Humanwaffe Regenschirm außer Gefecht gesetzt. John Steed und Emma Peel lassen grüßen. All dies ist natürlich blanker Unsinn, ausschließlich dazu inszeniert „Gentlemen“ vorzustellen. Doch selbst dieses Stilmittel hat Kolarz nicht ausgereicht, und so bedient er sich einer Negativ Folie und konstruiert innerhalb der Gang einen Klassengegensatz: Auf der einen Seite der Gentlemen Clan, der allein die Kopfarbeit macht, Verantwortung trägt, gewaltlose Ausführung garantiert und dem es beileibe nicht nur um Geld, sondern immer auch um Distinguiertheit, Sportsgeist, Stilerlebnis geht. Auf der anderen Seite eine dumpfe Proletentruppe, die von den Gentlemen für anfallende Drecksarbeiten schlicht angemietet wird. Zu diesen „fulham boys“ gehört auch Ronald Biggs. Der konstruierte Klassengegensatz hat indessen Methode: Da Kolarz nicht wissen konnte, was nach dem Raub auf der Farm wirklich passierte, kann er so die Wissenslücke durch spannungsreiche Dialoge auffüllen, Da unternimmt es beispielsweise der „Major“ Tappert Reynolds, den Proleten zu vermitteln, wo’s langgeht: „Wenn sie mit uns arbeiten wollen, dann müssen sie sich unserem Stil anpassen.“ Natürlich gelingt dies nicht, und so folgen weitere Abmahnungen: „Für Leute wie Sie haben wir eigentlich keine Verwendung.“ Doch die fulham boys werden für das Umstellen des Signals und das Abkoppeln der Waggons, Drecksarbeiten also, sehr wohl gebraucht. Nur hält sich hiervon tunlichst fern, wer, ein Gentleman sein will, denn „das gibt Ränder der unter den Fingernägeln, die gehn nicht wieder raus!“ Nachdem das „große Ding“ komplikationslos über die Bühne gegangen ist, lässt Kolarz den sozialen Konflikt zwischen den Gruppen in aller Schärfe aufbrechen. Nun werden die vom „Major“ verordneten Verhaltensregeln unterlaufen: Die fulham boys offenbaren ihre Pöbelherkunft, bewerfen sich mit Geld, zünden den Ofen damit an, spielen Monopoly. Selbst auf die notwendige Ruhepause vor der großen Flucht pfeifen sie: „’Ich wüsste was Besseres als Schlafen“, dröhnte der vierschrötige Biggs, ‚Wir machen mal richtig ein Fass auf.’… Plötzlich hatte Biggs eine Whiskyflasche in der Hand. ‚Wo haben Sie die her, Biggs?’ fragte Reynolds scharf: ‚Ich habe doch ausdrücklich verboten, Alkohol mitzubringen.’ – ‚Scheiß drauf!’, dröhnte Biggs vergnügt und wischte sich mit dem Ärmel seiner Drillichjacke den Mund ab: ‚Mit soviel Zaster in der Tasche bin ich mehr als jeder Gentleman.’“ Unweigerlich bleibt der Eindruck zurück: Das im Kein gewaltlose, eben perfekte Verbrechen wurde durch die Beteiligung von zum Pöbel stilisierten Mitarbeitern entweiht und darum letztlich auch aufgedeckt.

Bekenntnisse eines Kleinkriminellen

Kolarz’ „unüberbrückbare gesellschaftliche Kluft“ hat es so niemals gegeben, wenngleich verschiedene Autoren immer wieder von mehreren Londoner Untergrund Gangs, die für das Postraub Projekt eine Zweckallianz bildeten, berichtet haben. Herkunft und kriminelle Karriere Buster Edwards (Read 1970, 13ff.) beispielsweise unterscheiden sich kaum von der Ronald Biggs’, Vorstadtkriminelle beide, die durch eine lange Reihe von Diebstählen und Einbrüchen polizeibekannt geworden waren. Für seinen Teil hat Biggs seine frühen Jahre ausführlich beschrieben. 1929 als eines von vier Kindern eines Busfahrers geboren, beteiligt sich schon der Zehnjährige regelmäßig an kleinen Ladendiebstählen einer Straßengang. Mit sechzehn steht er das erste Mal wegen Diebstahls vor Gericht. Er wird in ein Erziehungsheim gesteckt, wo er eine Lehre als Anstreicher macht. 1947 geht er freiwillig zur Armee, doch eine Ausbildung als Elektriker bricht er vorzeitig ab, wird wegen versuchter Desertion festgenommen. Er setzt sich mit einem Kumpel von der Armee ab, lebt von Einbrüchen, handelt mit gestohlenen Zigaretten. Er wird verraten und erhält im Februar 1949 sechs Monate Gefängnis, was ihm endgültig die unehrenhafte Entlassung aus der Armee einbringt. Wieder in Freiheit betätigt er sich als Autoknacker, wird erwischt und wandert erneut für zwei Monate hinter Gitter. Im Knast lernt er Bruce Reynolds, den späteren Kopf der Posträubergang, kennen. Nachdem er im September 1949 entlassen wird, fällt er bald wieder durch Ladendiebstähle auf, wird geschnappt und ins Gefängnis gebracht, von wo ihm zum ersten Mal mit einem Kumpan der Ausbruch gelingt. Draußen schlägt er sich wie gehabt mit Einbrüchen durch, wird gestellt und im März 1950 wegen bewaffneten Raubüberfalls auf einen Buchmacher verurteilt. In der Strafanstalt trifft er Bruce Reynolds wieder; man entdeckt gemeinsame Leidenschaften: Jazz, Hemingway und Steinbeck. 1952 wird Biggs entlassen, sucht Reynolds in Battersea auf, wo dieser zusammen mit einer Barfrau lebt. Ein Jahr später wird er bei einem Unfall mit einem gestohlenen Fahrzeug geschnappt. Diesmal erhält er vier Jahre, wird in das berüchtigte Gefängnis Wandsworth verlegt, von wo ihm dann 1965 sein spektakulärer Ausbruch mit Hilfe einer von einem Möbelwagen in den Gefängnishof herabgelassenen Strickleiter gelingen sollte. Wieder trifft er auf Reynolds, der seinerseits gerade wegen eines Überfalls auf einen Buchmacher einsitzt. 1955 wird Biggs nach Dartmoor verlegt und im Dezember des Jahres entlassen. Biggs zieht zu Reynolds’ Freundin und lebt mit ihr, arbeitet einige Zeit als Schreiner, stiehlt ein Fahrrad, bricht in ein Post Office ein. Als er die 17-jährige Lehrerstochter Charmian Powell kennenlernt, gehen beide als Räuberpärchen auf Tour, wobei sie Schmiere steht. Sie werden von der Polizei verfolgt und festgenommen. Die zuvor noch nicht straffällig gewordene Charmian bekommt Bewährung, wohingegen Biggs wieder einmal verurteilt wird, diesmal zu einem Jahr.

Alte Verbindung – neues kriminelles Leben

Nachdem Biggs im Dezember 1959 aus dem Gefängnis entlassen wird, fängt er an, als Schreiner zu arbeiten. Im Februar 1960 heiraten Charmian und er. In diesem Jahr wird Sohn Nick geboren, drei Jahre später Christopher. Vorübergehend scheinen sich die familiären Verpflichtungen stabilisierend auf Biggs’ Leben auszuwirken. Er hat einen kleinen Schreinereibetrieb eröffnet und beschäftigt zeitweise sogar einige Angestellte. Da es dem Kleinunternehmer immer wieder an Investitionskapital fehlt, besinnt er sich eines Tages auf seinen alten Freund Reynolds und pumpt ihn um 500 Pfund an. Reynolds muss leider passen, weil er alles Bare für einen großen Coup brauche. Bei der Gelegenheit fragt er bei Biggs an, ob der nicht Lust habe, sich daran zu beteiligen. Immerhin sprängen dabei satte 40.000 Pfund heraus. Seine Aufgabe soll darin bestehen, jemanden zu finden, der eine Diesellok fahren kann - für Biggs kein Problem. Er stößt also zu einem Zeitpunkt zur Gang, als diese ihre Vorbereitungen zum Jahrhundertcoup so gut wie abgeschlossen hat (Biggs, 1981, 52). Bruce Reynolds, der zusammen mit Gordon Goody und Buster Edwards zu den Anführern der Bande gehörte, attestierte Biggs denn auch: „He played a very minor part“. Umgekehrt sollte er sein Leben lang von diesem planvollen Raubzug profitieren auf eine ganz andere Art freilich als es zuvor angedacht gewesen war. Denn bis dahin war Biggs sowohl als Kleinkrimineller („I was a very unlucky thief“) als auch als Kleinunternehmer gescheitert was ihm später in Brasilien nicht anders ergehen sollte. Und mit dem erhofften Geld hatte Biggs zum ersten Mal einen richtig bürgerlichen Lebensplan im Kopf. Nach und nach wollte er es in seinen Schreinereibetrieb stecken. Doch der „dustman“, der die Leatherslade Farm anzünden sollte, strich nur das Honorar ein und verschwand. Damit aber war auf der Farm nun ein schöner Satz Fingerabdrücke (Biggs’ Spuren fanden sich auf einem Monopoly Spiel) verblieben, so dass Scotland Yard schon sehr bald wusste, wer auf jeden Fall am Postraub teilgenommen hatte. Entsprechend durchschlagend war die Fahndung innerhalb von 14 Tagen waren die meisten, auch Biggs, gefasst.

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Lösungsmodelle für den Tag danach

Das eigentliche Kunststück ein gelungenen Raubs ist nicht die perfekte Durchführung der Tat, sondern die Lebensgestaltung der Beteiligten danach, wenn jeder seine eigen Flucht , Geldwasch und anderen Anstrengungen macht. Da die meisten Bankräuber viel zu sehr auf die reibungslose Durchführung ihrer Tat fixiert sind, ist ihre Öffentlichkeitsarbeit meist unzureichend. Auch Ronnie Biggs war nicht mit PR Ambitionen zur Gang gestoßen; letztes Endes aber ist aus ihm einer der ganz wenigen Kriminellen geworden, die ein positives und aktives Verhältnis zur Öffentlichkeit aufgebaut haben und es bis heute pflegen zum Beispiel durch seine „offical website“: http://www.ronniebiggs.com. Im Rahmen seiner Medienexistenz hat ihm sogar das (nicht nur) von Kolarz konstruierte obwohl von diesem ihm ja gerade abgesprochene! Gentleman-Image sehr genutzt.

Verwandlungskünstler Biggs

Verwandlungs-künstler Biggs

Vergleicht man nun die Biographien der Posträuber miteinander, so gibt es vier Varianten einer Lebensführung nach der Tat. Man kann – erste Möglichkeit - gefangen und verurteilt werden, seine Strafe absitzen, um, wie Buster Edwards, in die bürgerliche Gesellschaft zurückzukehren. Als Inhaber eines kleinen Blumenladens empfand er seine Existenz jedoch, gemessen an seiner wüsten Robber-Zeit, als öde: „It’s so boring selling flowers“. Seine Frustration war existentiell. Edwards erhängte sich 1994 mit Blumendraht in seinem Laden (Electronic Telegraph, 30.1.1994) Die zweite Variante: Gefangen und verurteilt werden, seine Strafe absitzen, um anschließend wieder in den Untergrund abzutauchen. Diesen Weg wählte Charlie Wilson, der nach seiner Entlassung 1978 schon ein Jahr später in seiner Villa im spanischen Marbella ermordet wurde, weil er vermutlich immer noch einen Teil der Beute versteckt hatte und groß in das Drogengeschäft einsteigen wollte (taz, 26.4.1990). Die dritte Möglichkeit ist ebenso elegant wie unspektakulär: Gar nicht erst gefasst werden, mit seinem Beuteanteil untertauchen und sich bis ans Ende seiner Tage ein schönes Leben machen. In seiner Biographie berichtet Biggs von drei Mitgliedern der Bande, denen das gelungen sein soll. Diese Chance hatte er selbst nicht, da seine Beteiligung an der Tat bewiesen war und er gefangen, verurteilt und eingesperrt wurde. Selbst nachdem ihm im Juni 1965 die spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis Wandsworth gelungen war, war es zu einer einträglichen Medienexistenz als Posträuber a.D. noch ein weiter Weg.

Flüchten und Vögeln

Über Paris, wo er sich für fast eine halbe Million Mark einer Gesichtsoperation unterzog, floh Biggs im Dezember 1965 nach Australien, lebte unter falschem Namen, ließ seine Familie später nachkommen. Bald war das Geld aus dem Raub aufgebraucht, und so versuchte er erneut in einer bürgerlichen Existenz Fuß zu fassen. Bei Scotland Yard konzentrierte sich inzwischen der gesamte Apparat auf ihn; schließlich war er seit Frühjahr 1968 der letzte noch flüchtige (bekannte) Posträuber zuvor war auch anderen Bandenmitgliedern die Flucht aus Gefängnissen gelungen und der meistgesuchte Kriminelle im Königreich. Niemand realisierte noch, dass er nur ein Vorort Dieb war und „a very minor part“ beim Postraub gespielt hatte. So blieb es nicht aus, dass auch das australische Fernsehen ein Bild von ihm zeigte. Nun wurde es für ihn eng und er setzte sich wieder unter falschem Namen nach Brasilien ab.

Biggs mit einer Strandschönheit in Rio

Biggs mit einer Strandschönheit in Rio

Schon vor seiner Flucht, als er sich in einer Buschhütte versteckt hielt, hatte er damit geliebäugelt, seine Geschichte niederzuschreiben und zu verkaufen. Doch so groß für einen mittellosen Flüchtling diese Versuchung war, sie bedeutete zugleich höchste Gefahr. Deutlich stand Biggs das Beispiel seines Kollegen Jimmy White vor Augen, der, finanziell ebenfalls am Ende, gegen ein Honorar von 50.000 Pfund versucht hatte, die Story seiner Flucht an einen Journalisten zu verkaufen: Schon drei Tage später wurde White aufgrund des in der Illustrierten abgebildeten Fotos erkannt und gefasst. Am wohlsten und sichersten fühlte sich Biggs stets in der Obhut und im Schoß von Frauen. Schon bei seiner Ankunft in Australien hatten ihm Frauen geholfen, und in Brasilien sollte es nicht anders sein: „Ich lungerte vor Luxushotels herum, immer auf der Suche nach einer erlebnishungrigen Touristin, die mich vielleicht eine Weile lang, durchfüttern würde. An einer Hotelbar biss endlich ein Fisch an. Maggie, eine reiche Witwe aus Boston.“

Biggs in Schreinerpose

Biggs in Schreinerpose

Für das kurzfristige Überleben reichte dies, für eine einträgliche Dauerexistenz nicht. Da er in Brasilien nicht arbeiten durfte, verblieben ihm nur zwei Möglichkeiten: Unternehmer zu werden oder als (selbst ) darstellender Künstler auf internationaler Bühne bequemes Geld zu machen. Beides hat er immer wieder versucht, aber nur letzteres mit wachsendem Erfolg. Als seine Design Innenausbau Fima mit dem abstrusen Namen „Planet Venus“ Schiffbruch erlitt und ihn Schulden drückten, schien sich über den Kontakt mit Colin Mackenzie vom Daily Express ein Ausweg aus der Finanzmisere zu eröffnen. Der Boulevard Journalist wollte ihm nämlich für 35.000 Pfund seine Story abkaufen, und das Blatt brachte sie auch exklusiv im Februar 1974 unter dem Aufmacher „The Daily Express got to Biggs first“. Geld jedoch erhielt er nie. Im Gegenteil brüstete sich der Herausgeber noch: “I am proud of the fact that we got the story and did not have to pay a penny for it.” Natürlich hat Colin Mackenzie die Story mehrfach ausgeschlachtet, beispielsweise in seinem Buch „Biggs, the most wanted man“. Als weitaus fataler stellte sich für Biggs jedoch heraus, dass andere dem Journalistenteam heimlich hinterher gefahren waren: Scotland Yard. Just zu dem Zeitpunkt, als im Hotel Probeaufnahmen mit ihm und einem Model gemacht wurden, stand Superintendent Jack Slipper in der Tür und winkte Ronnie mit Handschellen und einer Rückfahrkarte nach England. Doch es sollte ganz anders kommen. Zum einen war die Aktion nicht dem Innenministerium in London abgesprochen, und Jack Slipper und seine Häscher hatten schon deshalb schlechte Karten. Zum anderen behagte solche Amtsanmaßung mittelmäßiger englischer Beamter den brasilianischen Behörden wenig. Schnell wurde hinter den Kulissen etwas konstruiert, um Biggs dem Zugriff Scotland Yards zu entziehen: Man nahm ihn in „Schutzhaft“, denn Biggs habe gegen Einreisebestimmungen verstoßen.

Schauspieler eines Posträubers

Schauspieler eines Posträubers

Und jetzt trat seine große Stärke auf den Plan: der gut getimte Koitus. Seine brasilianische Geliebte Raimunda war gerade wieder mal schwanger. Auf Abtreibung wurde unter diesen Umständen weise verzichtet und so hieß es, Biggs sehe Vaterfreuden entgegen. Für den Fall gab es in Brasilien nämlich ein Gesetz: Ein Fürsorgepflichtiger durfte nicht ausgeliefert werden. Von nun an hatte Biggs Narrenfreiheit und konnte endlich im großen Stil an das Werk seiner Selbstvermarktung gehen.

Biggs - wie man ihn kennt

Biggs - wie man ihn kennt

Karrierefinale: Schauspieler eines Posträubers

Es ist gleichwohl bemerkenswert, dass Biggs seither mit zwei verschiedenen Kommunikationsstrategien arbeitet. Einerseits gibt er sich reuig, er sei „nicht mehr aktiv“ und zielt damit auf seine moralische Rehabilitation. Auch habe er durch seine Flucht und die damit verbundenen Lebensumstände sehr gelitten und den Postraub abgebüßt. Oft und gern formuliert er dabei Kritik an der Praxis des englischen Strafvollzugs, der in keiner Weise geeignet sei, die Wiedereingliederung Verurteilter in die Gesellschaft zu befördern. Im Grunde sei er ein bürgerlicher Mensch und guter Vater, der zwar in seiner Jugend den einen oder anderen Unsinn angestellt habe und auch heute noch gern einen über den Durst trinke, aber nichts lieber täte, als im Kreise seiner Familie einen ruhigen Lebensabend zu verbringen - in Merry Old England natürlich. Überlagert werden die reuigen Bekenntnisse durch ein völlig konträres Bild: Das des tolldreisten Posträubers, der unterm Zuckerhut das Leben in vollen Zügen genießt und Scotland Yard eine ganz lange Nase dreht stets schöne Frauen im Arm und das volle Whiskey Glas in der Hand. Dass dies der Stoff ist, aus dem die Träume von Millionen Kleinbürgern gestrickt sind, weiß Biggs sehr gut, und er bedient sie mit Hilfe der Yellow Press so gut er kann. Natürlich lief diese Kommunikationsschiene zunächst bescheiden an. Auf die Erfolgsstraße brachten ihn die Ereignisse im April 1977: Zufällig trifft Biggs auf einige Matrosen des Kriegsschiffes „Danae“ der Royal Navy bei deren Landgang in Rio. Schnell mündet deren Begeisterung über die unvermutete Begegnung mit dem berühmten Landsmann („Christ! That’s fantastic. You are my fucking hero!“) in einen geselligen Umtrunk, der am nächsten Tag an Bord des Schiffes seine heimliche Fortsetzung findet und beim Landgang der Matrosen am Abend darauf in einem Supersaufgelage seinen Höhepunkt erreicht mit dem Ergebnis, dass die Soldaten Ihrer Majestät das Auslaufen ihres Schiffs am anderen Morgen verpassen und mit einem Hubschrauber hinterhergeflogen werden müssen. Man kann sich heute noch vorstellen, wie sehr das Unterhaus tobte. Fortan war den Besatzungen sämtlicher Schiffe der Royal Navy die Kontaktaufnahme mit Biggs strengstens verboten. Im Rahmen seiner Selbstvermarktungsstrategie war das der endgültige Durchbruch. Nicht nur in England ist Biggs seitdem bekannter als die meisten Politiker. Projekte, wie er sie schon seit 1974 geplant hatte, nämlich mit Pop Stars Platten zu machen und damit leichtes Geld, ließen sich nun besser realisieren. Gruppen wie die Sex Pistols, deren Stern bereits zu sinken drohte, erkannten die Attraktivität seines Namens, produzierten Aufnahmen wie das „Punk Gebet mit Ronald Biggs“ mit ihm, worin er auch die Zeile röhrt „God save Martin Bormann“ (Spiegel 28/1978). Ein anderes Mal wird kolportiert, dass seine Freundin Raimunda in Australien in einer Striptease Show auftrete, um etwas Startkapital für den mittellosen Ronnie zu beschaffen. Der wolle, so wird verlautet, ein Restaurant eröffnen (Spiegel 25/1979). Ein Jahr später ist es zur Abwechslung eine Versicherungsgesellschaft. Einen Werbespruch habe er schon: „Vertrauen sie einem Dieb, um sich gegen Diebe abzusichern“ (Spiegel 15/1980). In einem TV Spot wirbt er 1982 gegen 10.200 Dollar für Brasil Kaffee. Der schmecke so gut, so lacht Biggs in die Kamera, „wenn man auf der Flucht ist wie ich“ (Spiegel 29/1982). Wiederum zwei Jahre später landet sein Sohn Mike, inzwischen neun Jahre alt, einen großen Hit mit dem Kinder Gesangstrio ‚The Magic Balloon’. Verkauft werden über 1,7 Millionen Platten, für Erzeuger Ronnie fällt ein Gewinn von über 500.000 DM ab. „Durch Mikes Pop Leben“, so Biggs mit Fürsorgermiene, „ist die Familie reicher und glücklicher geworden“ (Spiegel 2/1984). In einer Talkshow bekennt er 1986, er sei zwar nicht mehr aktiv, höre aber immer noch gern von gut geplanten Verbrechen, worauf die brasilianische Regierung auf „Verherrlichung der Kriminalität“ erkennt und die Ausstrahlung der Show verbietet (Spiegel 21/1986). 1989 tritt er erneut in einem Werbespot auf, eine Auswahl von Sicherheitsschlössern begutachtend. Verschmitzt gesteht er: „Mit diesen Schlössern kann man das Paradies hier so richtig genießen“ (Spiegel 36/1989). Natürlich transportieren alle, die mit ihm zusammentreffen, dieses Bild weiter und verstärken es, wie etwa ‚Die Toten Hosen’, die 1991 mit ihm einen Song aufnehmen („Learning English, Lesson One“). Sänger Campino über Biggs: „Der ist sich für nichts zu schade, solange ihm eins erspart bleibt: auf ordentliche Art Geld zu verdienen“ (Spiegel 46/1991). 1992, während des UNO Umweltgipfels in Bio, ist er wieder auf Sendung. Im Radio gibt er fragwürdige Tipps für weiße Besucher, wie man sich gegen Überfälle und „diebische Mulattinnen“ wappnen könne. Auf die Frage des Spiegel Interviewers, wie er sich selbst hier schütze, antwortet Biggs, offenbar fand er das lustig: „Eine große Hilfe ist mein Rottweiler ‚Blitzkrieg’. Brasilianer haben Angst vor Hunden.“ Auf die Nachfrage: „Sind Sie dermaßen knapp bei Kasse, dass sie jetzt den Radio Job beim Sender Eco annehmen?“ kommt die Antwort: „Es gibt kein Geld, ich darf nicht arbeiten, aber in einem Schweizer Restaurant verkaufe ich an Touristen T Shirts mit Aufdruck: ‚Ich war in Brasilien und traf Ronnie Biggs’“ (Spiegel 19/1992). Mitnichten ist Ronald Biggs jemals ein souveräner Posträuber gewesen aber über die Jahre ist er zum souveränen Schauspieler eines Posträubers herangereift. Längst hat er seine PR Strategie ausdifferenziert und gibt seinen Fans überall auf der Welt das Futter, das sie brauchen seinen deutschen natürlich auch. Bild am 14.12.1996 über ihn: „Alles futsch jetzt lebt er von Sauf Liedern. Die Songs werden aufgenommen, wenn Biggsy mal wieder hackedicht ist.“ Biggs zu Bild: „Mein Beuteanteil ging für Flucht, Frauen und Suff drauf. Jetzt lebe ich von Touristen aus Europa. Die kommen zu mir zum Barbecue kostet 50 Dollar pro Person.“ Und Bild Leser wissen mehr sein größter Wunsch: „Total frei sein! Und eine blonde, blauäugige Frau, die verrückt nach mir ist! Am liebsten eine Deutsche. Die sind am nettesten. Und sie können gut kochen.“ Über eine solche Herrin würde sich bestimmt auch Rottweiler ‚Blitzkrieg’ tierisch freuen.

Biggs mit Blitzkrieg

Biggs mit Rottweiler "Blitzkrieg": Bild: Zeitung zum Sonntag, 13.6.2000

Quellen & Literatur: Biggs, Ronald: His own Story. London 1981.

Kellner, Hedwig: Die Posträuber-Methode. Erfolgsstrategien für Selbst und Projektmanagement. München 1996.

Kolarz, Henry: Du Superding (Reportage). In: Stern Nr. 13 27, 1964.

Mackenzie, Colin: Diggs, the most wanted Man. London 1978.

Read, Piers Paul: Die Posträuber. München 1979 (Orig.: The Train Robbers. London 1978).

Biggs, Ronnie: The official website. URL: www.ronniebiggs.com

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 4. März 2009 17:01
Themengebiet: Bank & Raub