Jahresringe

(In memoriam Kirsten Korsos * 2.6.1956 - t 14.10.2003)
© Dirk Schindelbeck 2002

Kirsten Steiger und Dirk Schindelbeck im Sommer 1970

Kirsten Steiger (Korsos) und Dirk Schindelbeck im Sommer 1970

„Es waren zwei Wohlstandskinder,
die hatten einander so lieb…”

Zeitenflug: Sommer 1970!
- Dein zitronengelbes Minikleid und Willy Brandt noch ein Superstar -
Gymnasiasten wir, die vom Leben nichts wußten! (Woher denn auch?)
Natürlich war die Zukunft so nah, so offen…

„Sieh jene Kraniche in hohem Bogen…
Wann werden sie sich trennen? Bald!
So gibt die Liebe Liebenden ein Halt.”

Wie bei Brecht vorgesehen, erging es selbstverständlich auch uns.
Nur den Baum, auf dem wir lagen, und die Abgründe seiner Jahresringe, hatten wir wohl übersehen.

30 Jahre saß ich danach an einem anderen Ufer (die Königskinder, s.o.), sinnknetend an Buchstaben,
putzte Zitate wie andere ihre Waschbecken - ein Deutebold.

Wie immer er sich stellt, immer sammelt der Mensch
Zeitspuren und Fragen, und natürlich
die süßen und die bitteren Kelche.

Du warst ein süßer Kelch!

Was aber sind 30 Jahre für einen Baum?
Der Mensch hingegen muß sie tragen (ihm bleibt nichts übrig), ob er sich biegt oder bricht
oder es aushält:
Indessen häufen sich Rätsel an und Pakete von Fragen.

Nur eine: Ist Sex der Kern des Lebens? Und:
Ist er eine gute oder eine zerstörende Macht?
Der Baum, könnte man ihm eine Antwort entlocken, würde vielleicht
- in der Weisheit seiner Jahresringe -
nur einen lockeren Nietzschespruch zum Besten geben:
„Denn alle Lust will Ewigkeit,
will tiefe, tiefe Ewigkeit…”

Das ist mir zu wenig, das kann es nicht sein.
Deinen Vater (t) kann ich dazu leider nicht mehr befragen, und so
frage ich Dich.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 8. Juni 2009 19:00
Themengebiet: Liebe et al