Kühne
© 2008 Dirk Schindelbeck
Lemma [Familienname des Unternehmensgründers]
Definition: Markenname des unter dieser Bezeichnung angebotenen Essig- und Feinkost-Sortiments
Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
Vom Essigproduzenten zum Feinkostanbieter
Familienunternehmen im globalen Zeitalter
Weiterführende Literatur
Weblink
Erfindung und Aufstieg der Marke
1722 gründete Johann Daniel Epinius in der alten Jacobstraße in Berlin eine kleine Essigstube; damals wurde Essig noch in offenen Holzwannen hergestellt und in Fässern zum Kunden geliefert. 1761 wurde der Betrieb von Daniel Teichert übernommen, der ihn 1822 an Johann Franz Dietrichs, einem Vorfahren der Familie Kühne, übergab. 1832 übernahm ihn schließlich Carl Ernst Wilhelm Kühne, der aus dem kleingewerblich arbeitenden Betrieb ein industriell geführtes Unternehmen machte, indem er, wachsender Nachfrage entsprechend, den Betrieb vergrößerte und das Schützenbach’sche Schnellessigverfahren einführte. Dabei wurde der Essig in großen Holzfässer aus Pitchpine oder Lärchenholz, den sogenannten Essigbildnern, gewonnen. In die Fässer wurden zuvor Buchholzspäne gefüllt, auf denen die Essigbakterien siedelten und unter Zuführung von Sauerstoff den Alkohol des zur Essiggewinnung notwendigen Ausgangsstoffes Branntwein in Essig umwandelten. Bis heute hat sich dieser auf biologischer Gärung beruhende Herstellungsprozess nicht verändert. Da Essig sich sowohl zum Konservieren als auch zum Würzen von Lebensmitteln besonders gut eignet, stieg die Nachfrage danach schnell.
Von 1867 an wurde das Unternehmen von Kühnes Sohn Wilhelm weitergeführt, der es 1888 wiederum seinem Sohn Carl anvertraute. Dieser wurde 1876 zum Hoflieferanten des preußischen Königs ernannt. Den Essig als Markenartikel etablierte Kühne 1905 mit der Einführung des noch heute marktführenden Kräuter-Essigs Surol; hierbei soll der Name aus dem Wort Sauerkohl, bei welchem jeder zweite Buchstabe gestrichen wurde, entstanden sein.
Vom Essigproduzenten zum Feinkostanbieter
Mit Wilhelm Kühne setzte ab 1888 eine Unternehmenspolitik ein, die sowohl auf Wachstum als auch auf Ausweitung des Produktionssortiments gerichtet war. Zweigwerke wurden jetzt unmittelbar an Orten, wo große Mengen an (Spezial-) Essigen zur Konservierung benötigt wurden, errichtet: an der Nordseeküste mit ihrer fischverarbeitenden Industrie. Damit war auch der Einstieg in den sich bis heute weiterentwickelnden Feinkostmarkt geebnet: 1896 wurde mit der Senfproduktion begonnen, weitere Nahrungsmittel, die sich durch Essigaufgüsse sowohl konservieren als auch würzen ließen, folgten wie Gurken, Sauerkraut, Rotkohl, Mixed Pickles usw. Im Laufe der Jahre entstand so ein ganzes Feinkostsortiment.
Familienunternehmen im globalen Zeitalter
Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war Kühne zu einem im ganzen ehemaligen Deutschen Reich tätigen Unternehmen mit Essigbrauereien und Abfüllstationen, Sauerkraut- und Senffabriken sowie Gurkeneinlegereien gewachsen. Der Kriegsausgang traf Kühne hart, da fast die Hälfte der Filialbetriebe nunmehr in Polen oder der sowjetischen Besatzungszone lagen.
Zum 250. Jubiläum der ersten Essigherstellung in der Kühne-Traditionslinie 1962 konnte der Wiederaufbau jedoch als abgeschlossen betrachtet werden. In der Bundesrepublik waren eine Reihe von Filialbetrieben entstanden, neue Feinkostprodukte wie Tubensenf, Weinkraut oder Tafelrotkohl waren erfolgreich eingeführt worden. Kühne kam und kommt dabei die Tendenz zum Schnell- und Fertiggericht beim Verbraucher als auch das sich rasant ausbreitende Selbstbedienungsprinzip im Handel entgegen. Im Jubiläumsjahr 1962 verfügte das Unternehmen bereits wieder über mehr als 20 Produktionsstätten, in denen 2000 Menschen beschäftigt waren - eine Zahl, die noch heute in der Erntesaison erreicht wird.
Inzwischen steht der international wieder erfolgreiche Familienbetrieb in der zehnten Generation; nach Öffnung der innerdeutschen Grenze wurden in den 90er-Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Produktionsbetriebe errichtet (Hagenow) und die Erweiterung des Sortiments auf zeitgemäße, einem veränderten Ernährungsbewusstsein entsprechende Produkte wie etwa Balsamico-Essig vorangetrieben.
Weiterführende Literatur:
Casdorff, Heinz: Das Buch der sauren Arbeit. Essig-Kühne. Berlin und Hamburg 1938
Kühne (Hg.): Das ist Kühne heute, 1962
Kühne Jahre. Geschichte und Geschichten einer Marke, Hamburg 1997
Weblink: www.kuehne.de
