Leitz

Leitz-Ordner-Deckblatt (30er Jahre)

Leitz-Ordner-Deckblatt (30er Jahre)

© 2008 Dirk Schindelbeck

Lemma [Familienname des Firmengründers]

Definition: Markenname der zum Synonym für Klemm-Ordner gewordenen Archivierungssysteme

Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Die Etablierung und Durchsetzung als Markenartikel
Leitz als Synonym für Ordnung im Büro
Vom Wirtschaftswunder zur Konzerntochter
Weiterführende Literatur
Weblink

Die Erfindung der Marke

Louis Leitz, (eigentlich Ludwig, aber nach französischer Mode in Louis umbenannt; 1846-1918) war von Haus aus Drechsler. Er arbeitete als angestellter Mechaniker in der Stuttgarter Nähmaschinenfabrik Rauh. 1871 machte er sich als Facturabücher-Fabrikant selbständig und gründete gemeinsam mit einem Kompagnon eine „Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmitteln” in Stuttgart-Feuerbach. Leitz hatte erkannt, dass der durch die Reichsgründung und zunehmende Industrialisierung rapide zunehmende Schriftverkehr bei Behörden und Betrieben eine wachsendes Bedürfnis nach leistungsfähigen Verwaltungs- und Archivierungssystemen nach sich zog. Leitz’ erstes Produkt für diesen Wachstumsmarkt war der nach französischem Muster entwickelte Registraturtyp des Biblorhapten. In dieses „heftende Buch” konnten Schriftstücke oder Rechnungen archiviert werden, indem man sie sozusagen aufspießte. Noch war dies keine leistungsfähige Schriftgutverwaltung, wie sie Leitz vorschwebte und bei welcher sich jedes einzelne Dokument an jeder beliebigen Stelle entnehmen ließ. 1892 gelang ihm mit seinem „Leitz-Registrator auf Holzbrett” eine deutliche technische Verbesserung: Jetzt wurden die Dokumente gelocht und durch einen Verschluss zusammendrückt und fixiert. Der Durchbruch zum Grundprinzip der noch heute hergestellten Archivierungstechnik erfolgte 1893 mit der Entwicklung der „Hebelmechanik mit Umlegebügel in Gleitführung”, Diese Konstruktion wurde in einen Bucheinband eingenietet.

Etablierung und Durchsetzung als Markenartikel

Leitz war nicht der erste gewesen, der sich mit Archivierungssystemen für Schriftgut beschäftigt hatte. Schon 1880 war in den USA die Shannon-Registratur aufgekommen, 1886 hatte Friedrich Soennecken einen Ordner entwickelt. Die perfekte Schriftgutverwaltung aber gelang erst Louis Leitz 1896 mit der Weiterentwicklung seines Systems zum Hebelordner mit Exzenterverschluss und Raumspasrschlitzen, wie er noch heute den Charakter des Produktes ausmacht. Der Kampf mit der Konkurrenz - sowohl mit Billiganbietern als auch mit Soennecken - spielte eine nicht unerhebliche Rolle bei der Weiterentwicklung des Registratur-Ordners zum Markenartikel, der am 24. Oktober 1901 als Warenzeichen „Leitz-Ordner A” mit chinesischer Pinselschrift angemeldet wurde. Die Eintragung erstreckte sich sowohl auf die Wortmarke als auch die gesamte Anordnung des Schildes als Bildzeichen. Zum klassischen Erscheinungsbild kamen 1907/08 noch der schwarzgrüne Achat-Marmor-Papierüberzug und das 1911 im Ordnerrücken eingeführte Griffloch. In diesem Jahr wurde erstmals auch über 1 Million Mark Umsatz erzielt und ein Zweigwerk in Berlin errichtet. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten bei Leitz mehr als 200 Menschen.

Leitz als Synonym für Ordnung im Büro

Nach dem Tod von Louis Leitz 1918 führten dessen Söhne Eberhard und Ludwig das Unternehmen weiter. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden etliche Konkurrenten übernommen wie Schukir (1922), Herdegen (1932) oder Gerco (1933), Verkaufsniederlassungen oder Produktionsstätten im Ausland errichtet und weitere Produkte eingeführt wie der Locher mit Mittelzeiger (1925) oder Stehhefter (1926). In den zwanziger Jahren setzte sich der Standard, den Leitz bei Ablage und Verwaltung von Dokumenten vorgegeben hatte, durch, als - nach der Einführung der DIN-Norm 1917 - eine einheitliche 8-cm-Lochung bei deutschen Ordner-Systemen Einzug hielt. 1936 erhielt der Auftritt des Produkts mit der Einführung des neuen große Ls in Schreibschrift sowie dem Slogan „Ordne und finde mit Leitz” eine für Jahrzehnte gültige Form. In der Wahrnehmung deutscher Verbraucher ist Leitz zum Synonym für den Ablageordner schlechthin geworden - bei einer Markenbekanntheit von über 75 %.

Vom Wirtschaftswunder zur Konzerntochter

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Wachstumskurs zunächst fort; schon 1950 arbeiteten in Stuttgart wieder 450 Mitarbeiter. Zweigwerke in Düsseldorf (1952) und Uelzen (1962) wurden errichtet und neue Produkte wie Hängeregistraturen eingeführt. Dennoch blieb Leitz bis in die neunziger Jahre sehr stark auf den deutschen Markt konzentriert. 1998 wurde die Ertragssituation so schlecht, das die schwedische Esselte-Gruppe, die im Büroartikelmarkt bis dahin eher als Billig-Anbieter wahrgenommen wurde, das Unternehmen.

Weiterführende Literatur
Louis Leitz: 50 Jahre erfolgreiches Wirken für die Briefordnerfabrik 1903-1953, Stuttgart 1953
Louis Leitz: 100 Jahre Leitz Ordnung. Jede Zeit hat ihre Ordnung. Leitz-Ordnung im wandel der Zeit, Stuttgart 1971
Wilfried Feldenkirchen/Susanne Hilger: Louis Leitz, München 2000
Weblink: www.leitz.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 10. Juni 2009 13:58
Themengebiet: Konsum & Marken