Prym
© 2008 Dirk Schindelbeck
Lemma [Familienname des Unternehmensgründers]
Definition: Markenname des zum Synonym für den Druckknopf gewordenen gleichnamigen Stollberger Unternehmens
Inhaltsverzeichnis
Der Druckknopf als Deutsches Reichspatent
Pryms Weiterentwicklung des Druckknopfs zum Markenartikel
Von frühen Reklameinnovationen zum Druckknopf als Kultobjekt
Politik eines Familienunternehmens im globalen Zeitalter
Weiterführende Literatur
Weblink
Der Druckknopf als Deutsches Reichspatent
Am 5. März 1885 wurde dem Pforzheimer Heribert Bauer unter der Nummer 32496 ein Patent zur Herstellung eines zweiteiligen Druckknopfes erteilt. Dieser zeichnete sich durch „seinen Federknopf-Verschluss, dazu bestimmt, das Öffnen und Schließen der Herrenhosen beim Latz zu vereinfachen” aus. Doch die zukunftsweisende Idee des sogenannten Kronfeder-Druckknopfes war noch keine Garantie für ein alltagstaugliches Produkt. Weder war der Knopf rostfrei noch sein Schließmechanismus ausgereift. Entweder schloss er zu fest, wobei nicht selten der Stoff zerriss, oder er öffnete sich in unpassenden Momenten von allein. Fast 100 weitere Patente konnten in der Folgezeit das Problem der richtig dosierten und auch bei Dauergebrauch nicht ermüdenden Federspannung nicht lösen.
Pryms Weiterentwicklung des Druckknopfs zum Markenartikel
18 Jahre später, am 25. Juli 1903, skizzierte Hans-Friedrich Prym in einem Brief an seinen Onkel Robert die von ihm erdachte technische Verbesserung des Druckknopfes: „Die Feder ist aus Phosphorbronzedraht, also beinahe so hart und elastisch wie Stahl. Um einen rostfreien Federknopf zu verkaufen, wie er jetzt verlangt wird, habe ich diesen Draht genommen, etwas Ähnliches gibt es in Federknöpfen noch nicht.”
Die Firma Prym, die mit ihrem „Zukunft-Druckknopf” einen der erfolgreichsten deutschen Markenartikel etablieren sollte, war ein altes Familienunternehmen mit jahrhundertlanger Tradition in der Metallverarbeitung. Schon 1530 wurde ein Gold- und Kupferschmied namens Wilhelm Prym in der Aachener Zunftrolle erwähnt. Während des Dreißigjährigen Krieges verlor die Handwerkerfamilie im katholischen Aachen 1642 die Zunftrechte und siedelte ins protestantische Stollberg über - wo sich bis heute der Hauptsitz des Unternehmens befindet. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte das Unternehmen - vor allem unter der Leitung von William Prym (1811-1881) - bereits Maschinen zur industriellen Serienproduktion von Fertigwaren aus Messing, Eisen und Stahl. Ab 1859 spezialisierten sich Prym und sein Sohn Wilhelm zunehmend auf Kurzwaren, die schon bald zum Kerngeschäft des Unternehmens wurden. In seinem ersten Produktionsjahr (1903) wurden vom „Zukunft-Druckknopf” 73872 Einheiten hergestellt; heute beträgt die Tagesproduktion der Prym-Werke in Deutschland, Südeuropa, Mittelamerika und Fernost etwa 15 Millionen Stück von diesem im Grundprinzip bis heute unveränderten Markenartikel.
Von frühen Reklameinnovationen zum Druckknopf als Kultobjekt
Dass sich ein Markenartikel auch durch Anbietform und Verpackung dem Bewusstsein einprägt, erkannte man bei Prym früh. Schon in den ersten Jahren wurden die Druckknöpfe auf hübschen Pappstreifen angeboten, die mit grafisch aufwendigen Motiven verziert waren - ähnlich den Sammelbildern der Schokoladen- oder Zigarettenhersteller oder den Kaufmannsbildern der Firma Liebig. Wie diese versuchten sie die Welt enzyklopädisch zu vermitteln - durch Darstellung von Pflanzen oder Tieren, die Pyramiden in Gizeh oder Columbus’ Entdeckungsreisen. Während des Ersten Weltkriegs änderten sich die Motive ins Kriegerische hin zu U-Booten oder Schlachtkreuzern. Diese Pappkarten, die bald zu ganzen Gutschein- oder Rabattsystemen weiterentwickelt wurden, stellen heute gesuchte Sammelobjekte dar.
Längst ist aus dem einfachen Druckknopf auch ein Designer-Objekt geworden, der als Basis für Schmuckkollektionen dient. Anlässlich der 100. Geburtstags 2003 wurde eine Wanderausstellung konzipiert, welche die Geschichte und die Verwendungsmöglichkeiten des Druckknopfes darstellte.
Politik eines Familienunternehmens im globalen Zeitalter
2006 betrug der Umsatz der Prym GmbH gut 350 Millionen Euro, erzielt mit knapp 4000 Mitarbeitern weltweit. Längst ist aus dem Unternehmen ein in drei Kernbereichen tätiger Mischkonzern geworden: produziert werden Handarbeitsartikel wie Scheren und Nadeln, sodann Mode-Accessoires wie Druckknöpfe oder Reißverschlüsse und schließlich („Innovan”) Sensoren und Kontaktelemente für den Elektronik-, Automobil- und Haushaltsgerätesektor. Dass ein Bestehen im globale Markt zuweilen bedeutet, weniger zukunftsträchtige Bereiche abzugeben, wurde 2001 offenbar, als man sich von der Prymetall GmbH & Co KG trennte, in deren Gießereien und Walzwerken Kupfer und Kupferlegierungen auch für die Druckknopf-Produktion hergestellt wurden.
Bis 2005 war Prym der älteste deutsche Familienbetrieb mit starker Beziehung zum Produktionsstandort Stollberg; hier hatte man sich sowohl beim Aufbau der Stadtbücherei als auch beim Bau des Schwimmbads engagiert, Sozialwohnungen gebaut und eine Betriebskrankenkasse gegründet.
Seit Oktober 2005 liegt die Geschäftsführung erstmals bei einem Nicht-Familienmitglied. In die Schlagzeilen geriet das Unternehmen im August 2007, als sich herausstellte, dass Prym zwischen 1977 und 2003 gegen das Kartellgesetz verstoßen und mit Wettbewerbern Preisabsprachen getroffen hatte. Die Europäische Kommission verurteilte Prym zu einer Geldstrafe von etwa 70 Millionen Euro.
Weiterführende Literatur:
Joachim Kornelius, Bernd van Boeckel, Erwin Otto (Bearb.): Fingerhüte der William-Prym-Werke: die Geschichte einer alten Fingerhutproduktion mit Bildern des Warenkatalogs von 1934, Trier 1988
Franz Willems: Prym, Geschichte und Genealogie, Wiesbaden, 1968
Andrea Prym-Bruck (Hrsg.): I need you: 100 Jahre Prym`s Druckknopf, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in Aachen 2003. Prym, Stolberg 2003
Bert Fröndhoff: Erst die Firma, dann die Familie, Handelsblatt, 6. August 2007
Tanja Kewes: Büßen ja, aber bitte verhältnismäßig, Handelsblatt, 29.7.2007
Weblinks: www.prym.de
