Erdal (Rex)

© 2007 Dirk Schindelbeck

Reklamemarke für Erdal (ca. 1913)

Reklamemarke für Erdal (ca. 1913)

Lemma [Kunstwortkombination aus dialektal gesprochen „Erthal" nach der gleichnamigen Straße in Mainz und lat. Rex = König]

Definition: Markenname der ersten und zugleich bekanntesten deutschen Schuhcreme

Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
Diversifizierung und Globalisierung
Die Wiederkehr des Grünfroschs - als Ökoheld
Weiterführende Literatur
Weblink

Erfindung und Aufstieg der Marke

1867 gründeten die Gebrüder Werner in Mainz eine Firma zur Herstellung von Kerzen und Wachsstöcken; 1878 nahmen sie einen Teilhaber ins Unternehmen, das dementsprechend fortan als „Werner & Mertz” firmierte. Doch erst mit dem Eintritt Philipp Adam Schneiders, dem Schwiegersohn von Georg Mertz, kam 1887 zukunftsträchtiges Know-How der Wachsverarbeitung ins Unternehmen. Schneider hatte nämlich eine neue dreifach wirkende Schuhcreme erfunden: sie schützte, färbte und pflegte zugleich. Ihm war es gelungen, die pflegenden Wachsbestandteile so in Öl zu lösen und zu konservieren, dass sie bis zum Zeitpunkt des Schuhputzes selbst erhalten blieben.
1901 wurde die Schuhcreme erstmals in einer runden Blechdose unter der Markenbezeichnung Erdal (= der im Mainzer Dialekt gesprochene Produktionsort in der Erthalstraße) angeboten. Neben der Wortmarke ließ man sich als Bildmarke einen grünen, dem Grimmschen Märchen nachempfundenen, Frosch mitsamt Krone schützen. Ergänzt wurde das Qualitätsversprechen durch die im Stil der Zeit aufgedruckte Behauptung: „Im Privatgebrauch an Fürstenhöfen.”
Wie ernst es die Erdal-Hersteller mit der Reputation ihrer Marke nahmen, zeigte sich nach dem ersten Weltkrieg, als aus dem grünen Frosch plötzlich ein roter wurde. Durch die Rohstoffknappheit während des Krieges hielt man den grünen Frosch für diskreditiert und erfand seine Marke als Rotfrosch sozusagen neu. Der Hinweis „Qualität wie vor August 1914″ sollte verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.
Durch ein ganzes Bündel von Werbemaßnahmen (u.a. Reklamemarken oder Erdal-Kwak-Sammelbilder) gelang es der Marke, schon 1921 zur meistverkauften Schuhcreme Deutschlands aufzusteigen. Selbst 1948, nach zehn Jahren Bewirtschaftungszeit ohne Markenartikel, lag Erdal hinter Maggi auf Platz 2 der frei erinnerten Marken; noch heute liegt der Bekanntheitsgrad bei 98 %:

Diversifizierung und Globalisierung

Wie bei vielen anderen Unternehmen der Haushaltschemie betätigten sich Werner & Mertz nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen neuen Geschäftsfeldern. Zu der klassischen Palette an Wachsprodukten (Erdal-Rex Autopflege; Waxa-Bohnerwachs) kamen später Mittel zur Bad- und WC-Pflege (Tofix, Tarax), Teppichbodenpflegemittel (Tuba) sowie weitere Produkte für die Schuhpflege (Solitaire. Shoeboys usw.)

Die Wiederkehr des Grünfroschs - als Ökoheld

In den achtziger Jahren war die Sensibilität für Umweltthemen durch eine Reihe von ökologischen Katastrophen (Waldsterben, Glykol-Skandal, Tschernobyl) so sehr gewachsen, dass sich für Produkte mit solchen Qualitäten Marktchancen eröffneten. Vor diesem Hintergrund lebte 1986 die grüne Urversion des Frosches, dessen kriegsbedingte Diskreditierung ja längst nicht mehr im Bewusstsein war, gewissermaßen wieder auf. Jetzt wurde er - zeitgemäß stilisiert - als Grünfrosch konsequent zur Sympathiefigur einer ganz neuen Produktlinie im bis dahin stagnierenden Reinigungs- und Putzmittelmarkt aufgebaut. Unter der „Marke Frosch”, die stets den Grünfrosch meint, werden seither Alternativmittel zu den herkömmlichen Haushaltsreinigern angeboten, die zum Teil auf altbewährte Hausmittel wie Essig zurückgreifen.

Weiterführende Literatur:
Erdal-Rex GmbH: Alles Gute für Zuhause. Tips und Kniffe rund um den Haushalt, Mainz 1979
Peter Rademacher: Die besten Werbe-Kampagnen. Ziele, Konzept, Budget, Erfolg, Landsberg/Lech 1990, S. 57-66
Heck, Wolfgang/Schenz, Birgitta (Hg.): 100 Jahre Erdal. 1901-2001. Markenqualität im Zeichen des Frosches, Mainz 2001.
Wolfgang Hars: Lurchi, Klementine & Co. Unsere Reklamehelden und ihren Geschichten, Frankfurt 2001
Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Am Anfang war die Litfasssäule, Darmstadt 2006
Weblink: www.erdal.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 10. Juni 2009 15:18
Themengebiet: Konsum & Marken