Miele

© 2008 Dirk Schindelbeck

Lemma [Eigenname eines der beiden Firmengründer]

Werbeblatt Miele Waschmaschine (1962)

Werbeblatt Miele Waschmaschine (1962)

Definition: Markenname des Gütersloher Herstellers von schweren Haushaltsgeräten wie Herden, Wasch- und Spülmaschinen, Bodenstaubsaugern etc.

Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
Im Wachstumsmarkt privater Haushalte
Qualitätsanspruch: „Immer besser”
Familienunternehmen im globalen Zeitalter
Das Miele-Museum
Weiterführende Literatur
Weblink

Erfindung und Aufstieg der Marke

Am 1. Juli 1899 gründeten der gelernte Maurer Carl Miele (1869) und der Geschäftsreisende Reinhard Zinkann (1864-1939) im westfälischen Herzebrock bei Gütersloh in einer alten Kornmühle die Zentrifugenfabrik Miele und Cie (= Compagnie-Gesellschaft mit Teilhabern). Vier Wochen später wurde die Produktion der ersten handbetriebenen Milchzentrifuge unter dem Markennamen „Meteor” mithilfe von 11 Mitarbeitern aufgenommen. Schon 1901 konnte das noch ganz auf den bäuerlichen Markt abgestimmte Lieferprogramm durch eine Buttermaschine ergänzt werden. 1903 fanden die zum Schlagen von Milch verwendeten Konstruktionsteile wie Holzbottich und Drehkreuz Verwendung für ein gänzlich neues Produkt: als Bauelemente einer handbetriebenen Oberpendel-Waschmaschine (Modell A). Nachdem 1907 im nahen Gütersloh ein Fabrikkomplex mit Eisen- und Metallgießerei errichtet worden war, wurde 1911 die erste mit einem Elektromotor ausgestattete Wasch- und Wringmaschine vorgestellt. 1914 kam ein mit einem Wassermotor ausgerüstetes Modell hinzu. Schon 1912 war sogar die Fertigung von Automobilen aufgenommen worden, die im Ersten Weltkrieg aber zugunsten von Handkarren wieder aufgegeben wurde. In einem 1916 in Bielefeld neu errichteten Werk sollte noch während des Krieges die Produktion von Fahrrädern anlaufen; dazu kam es aber erst nach der Inflation 1924, als vom „leichtlaufenden” Miele-Fahrrad vier Millionen Stück abgesetzt werden konnten. Neben weiterentwickelten Waschmaschinen (durch kohle- oder gasbetriebene Heizsysteme und neue Technik wie dem Schaukelverfahren) brachte Miele 1929 auch die erste elektrisch betriebene Spülmaschine auf den Markt. Auch wurden Großgeräte für den landwirtschaftlichen Sektor wie Molkereien und Gastronomie, Hotellerie und Krankenhäuser produziert.
1931 wurde der erste Bodenstaubsauger in Torpedoform vorgestellt, ein Jahr später das Miele-Fahrrad nun auch mit Hilfsmotor angeboten. 1933 folgte die Markteinführung des ersten Eisschranks.
Während des Zweiten Weltkriegs verlagerte sich die Produktion auf kriegswichtige Artikel wie Fahrräder (Modell „Arbeitsdienst”), Handkarren, Kesselöfen und Futterdämpfer.

Im Wachstumsmarkt privater Haushalte

Nach dem Zweiten Weltkrieg eroberten sich Miele-Geräte bald einen festen Platz in westdeutschen Privathaushalten. 1953 wurde eine einbaufähige Waschmaschine mit „Bullauge” vorgestellt, 1958 der erste Wäschetrockner. Mit dem Ende des Zweirad-Booms wurde die Fertigung von Fahrrädern und Mopeds 1960 eingestellt; die Produktion von Wäschereimaschinen und Melkanlagen hingegen ausgeweitet, wozu 1965 ein neues Werk in Lehrte bei Hannover errichtet wurde. Ende der sechziger Jahre konzentrierte man sich zunehmend auf die Herstellung von Küchenmöbeln und -geräten wie Herden oder Spülmaschinen. 1977 kam die erste Mikrowelle, 1982 eine Bügelmaschine mit elektronisch regulierter Walzengeschwindigkeit, 1987 die erste Geschirrspülmaschine mit Besteckschublade auf den Markt. Das zunehmende Engagement des Unternehmens im Küchensektor spiegelte sich in der Übernahme der auf Wäschepflegegeräte spezialisierten Firma Cordes in Oelde-Lette 1986 sowie der Firma Imperial 1990, die Einbaugeräte und Großkochanlagen herstellte.
1999, im hundersten Jahr ihres Bestehens, war Miele im deutschen und europäischen Fachhandel Marktführer bei großen und hochpreisigen Elektrogeräten.
Heute werden mit fast 16.000 Mitarbeitern über 2,7 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Qualitätsanspruch „Immer besser”

Nur wenigen Firmen ist es gelungen, einen derart legendären Qualitätsnimbus in der Wahrnehmung ihrer Kunden aufzubauen wie Miele. Schon die Gründergeneration war unter dem Motto „Immer besser” angetreten, was sich sowohl als Abstand zur Konkurrenz wie auch als strenge Selbstverpflichtung interpretieren ließ und lässt. In den zwanziger Jahren entstand einer der ersten und noch heute bekannten Slogans, der sich geschickt der Autorität einer Expertin bediente: „Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte”. 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erreicht; und die Wiederkaufrate bei Miele-Produkten liegt bei 90 Prozent.

Familien-Unternehmen im globalen Zeitalter

Bis heute wird die Firma als doppeltes Familienunternehmen geführt, mittlerweile in der vierten Generation: Carl Miele hatte seinerzeit 51 % des Kapitals in das Unternehmen eingebracht, sein Kompagnon Reinhard Zinkann 49%. Bei dieser Machtverteilung ist es bis heute geblieben, ebenso bei der Zuordnung der Arbeitsbereiche. Noch immer ist ein Nachkomme des Namens Miele für den Sektor Technik und Entwicklung zuständig, noch immer ist kaufmännische Bereich in den Händen der Zinkann-Nachfahren.

Das Miele-Museum

Seit 1987 existiert das Miele-Museum, das 2006 in ein living-musuems - ähnlich dem Haus der Geschichte in Bonn - verwandelt wurde: es vermittelt dem Besucher durch interaktive, zum Teil begehbare Stationen ein Zeitreise-Erlebnis im Spiegel der Unternehmensentwicklung.

Weiterführende Literatur:

Museum der Arbeit Hamburg (Hg.): Das Paradies kommt wieder… Zur Kulturgeschichte und Ökologie von Herd, Kühlschrank und Waschmaschine, , Hamburg 1993
Peer Hilbig/Arnd Luecke: 100 Jahre Miele im Spiegel der Zeit 1899-1999, Gütersloh 1999
Die Miele-Männer, 3sat vom 5. Februar 2005
Weblink: www.miele.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 11. Juni 2009 5:43
Themengebiet: Konsum & Marken