Bosch

© 2007 Dirk Schindelbeck

Lemma [Eigenname des Firmengründers]

Definition: Dachmarkenname der unter dieser Bezeichnung vertriebenen elektrischen und elektronischen Komponenten für Automobilbau und Industrie sowie Werkzeuge und Hausgeräte

Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
Neuanfänge und Produktdiversifizierungen
Bosch-Werbung als Werbekunst
Bosch als Sozialpolitiker und Humanist
Die Robert Bosch Stiftung
Weiterführende Literatur
Weblink

Erfindung und Aufstieg der Marke

Am 15. November 1886 eröffnete Robert Bosch (1861-1942), der nach einer Mechanikerlehre einige Jahre im Ausland (unter anderem bei Edison) gearbeitet hatte, in Stuttgart eine „Werkstätte für Feinmechanik & Elektrotechnik”. Anfangs beschäftigte sich die Firma hauptsächlich mit der Installation von Haustelegrafen und Blitzableitern. 1887 baute Bosch einen „niedergespannten Magnetzündapparat”, mit welchem sich das Gasgemisch in einem stationären Verbrennungsmotor zum richtigen Zeitpunkt zur Explosion bringen ließ. Zehn Jahre später wurde ein solcher Magnetzünder erstmals in ein Automobil eingebaut - eins der grundlegenden Probleme in der Motorentechnik war gelöst.
Dennoch waren die frühen neunziger Jahre für die Firma außerordentlich schwierig, die Magnetzünder verkauften sich schlecht. Erst kurz vor der Jahrhundertwende und nach Gründung einiger Zweigniederlassungen in England, Frankreich und später USA (American Bosch Magneto Company), besserte sich die Auftragslage. 1901 bezog Robert Bosch mit 45 Mitarbeitern seine erste Fabrik in Stuttgart, 1906 wurde der 100.000ste Magnetzünder gefertigt, 1910 das neue Werk in Stuttgart-Feuerbach eröffnet. Das Produktionsprogramm wurde ausgedehnt auf Lichtmaschinen, Reglerschalter und elektrische Anlasser. Vor allem der Absatz in den USA beflügelte den Aufstieg des Unternehmens. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden 88 % der Erzeugnisse im Ausland abgesetzt.

Neuanfänge und Produktdiversifizierungen

Das Ende des Ersten Weltkriegs traf die so stark exportorientierte Firma besonders hart. In den USA wurde Bosch enteignet, gleichwohl verkauften die neuen Inhaber die Produkte weiterhin unter dem alten Namen. Doch schon 1924 hatte sich das Stammhaus in Stuttgart wieder konsolidiert. Zu den schon vor dem Krieg angebotenen Erzeugnissen kamen neue Produkte wie Bosch-Horn, Lichtmagnetzünder, Scheibenwischer, Nebelleuchten und Autoradios (Blaupunkt: 1932). 1927 gelang Bosch mit der Direkteinspritzung beim Dieselmotor eine zweite bahnbrechende Innovation; 1936 fand sie erstmals in einem Pkw (Mercedes 260 D) Verwendung.
Zugleich versuchte Bosch zu diversifizieren und begann 1927 mit der Herstellung von Elektrowerkzeugen wie Schleif- oder Bohrmaschinen, Gasbadeöfen oder Haushaltskühlschränken.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Firma fast total zerstört. Bei der Währungsreform zählte Bosch schon 10.000 Beschäftigte, 1955 waren es schon wieder 30.000. Die Exportquote stieg von 10% im Jahr 1949 auf 20 % im Jahr 1961. Heute ist Bosch der größte Automobilzulieferer weltweit und
seinen Produktionslinien weitgehend treu geblieben: Neben der Entwicklung elektrischer und elektronischer Bauteile und -gruppen für die Automobilindustrie wie ABS oder ESP machen nach wie vor Haushaltsgeräte oder Werkzeuge wie der legendäre Bohrhammer das Profil der Firma aus.

Bosch-Werbung als Werbekunst

Schon früh erkannte Robert Bosch, wie förderlich für das Ansehen des Unternehmens konsequent durchgeführte, aber geschmackvolle Werbung war. Wie in keiner andern Firma spiegelte sich in der Bosch-Werbung die Entwicklung der deutschen Werbegrafik zwischen 1900 und 1930 zur Weltspitze wider. Vom Plakat über den Kundenprospekt bis hin zur Verpackung wurde die visuelle Kommunikation von den herausragenden Reklamekünstler der Zeit wie Julius Klinger (1876), Lucian Bernhard (1883-1942), Willi Baumeister (1889-1955) oder Harry Maier (1901-1978) gestaltet. Als Beispiel seien Bernhards perfekt gezeichnete Zündkerze samt Magnetanker und hervortretendem Firmenschriftzug von 1913 genannt oder Harry Maiers Autofahrende elegante Damen aus den zwanziger Jahren.

Bosch als Sozialpolitiker und Humanist

Als Unternehmer beschäftigte sich Robert Bosch schon früh mit der sozialen Lage der Arbeiterschaft und bewahrte stets eine kritische Position gegenüber einem zu ausufernden Kapitalismus. 1906 führte er in seinem Betrieb den 8-Stunden-Tag ein - und galt schnell als der „rote Bosch”. Als 1913 sein Betrieb bestreikt wurde, trat er aber doch dem Arbeitgeberverband bei. Als liberaler Demokrat machte sich Bosch nicht nur durch eine Reihe von Schriften zu sozial-, wirtschafts- und deutschlandpolitischen Themen einen Namen, sondern spendete große Summen für gemeinnützige und kulturelle Zwecke (z.B. Robert Bosch Krankenhaus). Insbesondere die Aussöhnung mit Frankreich und - später - mit Polen lagen ihm am Herzen. Während des Zweiten Weltkrieges spielte sein Betrieb im Rüstungsprogramm der Nationalsozialisten eine wichtige Rolle; auch wurden Zwangsarbeiter beschäftigt. Gleichzeitig aber unterstützte Bosch den Widerstand gegen Adolf Hitler und rettete mit seinem engsten Mitarbeiter Hans Walz jüdische Mitbürger vor Verfolgung und Deportation.
Stets beschäftigte Bosch die Frage, wie Unternehmensgewinne zu verwenden und einem ethisch zu rechtfertigenden Ziel zuzuführen seien. In seinem Testament bestimmte er deshalb, dass nach seinem Tod eine Stiftung mit dem Ziel zu gründen sei, „Gesundheit, Erziehung, Bildung, Förderung Begabter, Völkerversöhnung und dergleichen” zu fördern.

Die Robert Bosch Stiftung

Schon 1937 hatte Robert Bosch die Form seines Unternehmens von einer AG auf eine GmbH zurückgeführt. Dadurch waren schon frühzeitig die Weichen gestellt worden, die nach dem Krieg die einzigartige Konstruktion möglich machten, Gewinne aus dem Unternehmen in die gemeinnützige Stiftung Robert Bosch Stiftung fließen zu lassen. Diese hält 92 % der Anteile der Robert Bosch GmbH, hat aber keine Stimmrechte. Die Robert Bosch Industrietreuhand KG hingegen (eine Kommanditgesellschaft besetzt mit aktiven und ehemaligen Mitgliedern der Geschäftsleitung, Vertretern der Familie Bosch und Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens) hat 93 % der Stimmrechte, aber praktisch keine Beteiligung. Die restlichen Anteile und Stimmrechte sind im Besitz der Nachfahren des Firmengründers Robert Bosch.

Weiterführende Literatur:
Theodor Heuss: Robert Bosch. Leben und Leistung, Stuttgart 1946
Hans K. Herdt: Bosch 1886-1986. Porträt eines Unternehmens, Stuttgart 1986
Rolf Becker (Hg.): „Unsere beste Reklame war stets unsere Ware”. Werbung bei Bosch von den Anfängen bis 1960, Stuttgart 1998
Angela Martin: Ich sah den Namen Bosch. Polnische Frauen als KZ-Häftlinge in den Dreilinden Maschinenbau GmbH Berlin, Berlin 2002
Hans-Erhard Lessing: Robert Bosch, Reinbek 2007
Weblink: www.bosch.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 11. Juni 2009 8:58
Themengebiet: Konsum & Marken