Frühlingsblütenverhütengedicht
(Der Barockdichter bemüht sich mit ehrlichen Mitteln um Erfolg in einem sexuellen Abenteuer, welcher ihm aber nicht beschieden ist)
© 1993 Dirk Schindelbeck
Die Blüten baumeln mit Genuss
Im warmen Mai, im Junius,
Und alles kopuliert.
Die Schnecken überschleimen sich:
S’ wird hohe Zeit, dass auch für mich
Vom Frühling was passiert.
Oh wie so feurig, wie so stark,
Streif ich itzt durch den Schattenpark,
Im Arm ein süßes Kind.
Wie ist Natur allhier so frisch,
Ich halte Ausschau nach Gebüsch,
Dahinter Moose sind.
Schau Ingrid, schau, was wir gesucht:
Welch still verschwiegne Rasenbucht!
Hier machen wir uns frei.
Auch schwillt schon frühlingsprächtig an
Mein kleiner Mann, und kann und kann,
Und fühlt sich wohl dabei.
Und freudenvoll nehm ich gewahr
Dies feine runde Äpfelpaar:
O süßer Lust-Parcours!
Und wie uns erst dies Moos verwöhnt,
Und Ingrid lacht und Ingrid stöhnt:
“Ich liebe die Natur!”
Und sanfter zieht sie mich heran,
Doch was für Blicke sehn mich an:
“Gibst Du mir Sicherheit?
Es kann doch nicht die Frau allein
Die Trägerin der Folgen sein,
Die beider Tat bereut.” -
“Gemach, ich habe vorgesorgt:
Mein Informant hat mir geborgt
Hier diesen Gummi zart.
Du siehst, er ist recht hüpsch benoppt,
Was etwan außfleußt, wird gestoppt,
Und in ihm aufbewahrt.
So, von ihr selber eingewiegt,
Bleibst Du mit Sicherheit vergnügt,
Denkst ganz der Liebe nur,
Und eilst hinauf zum höchsten Glück -
Doch Ingrid kontert mit Kritik:
“Wo bleibt da die Natur?
Wo bleibt denn da noch das Gefühl,
Wo das spontane Liebesspiel,
Wo seelischer Kontakt?
Was sagt dein Freund, der Informant?
Ist dies dem Rubber-Lord bekannt?”
(O Lage – wie verzwackt!)
“Dies Pillgen hier, unscheinbar klein,
Wird dann der beste Ausweg sein,
Gibt uns den Lust-Gewinn.” –
“Mann, bist Du toll! Das alte Spiel:
Die Frau wird, ob sie gleich nicht will,
Zur Pillenschluckerin.
Das ist das Ende des Prinzips.
Bin ich die Sklavin deines Triebs,
Allzeit zur Lust bereit?
Ihr Männer solltet lernen itzt,
Dass man für seine Freuden schwitzt
Und sorgt für Sicherheit.” –
“Dann lass mich aus der Dose hier
Schaum sprühen auf Dein Lustrevier.
Sieh, praktischer geht’s kaum.
Kommt dann das Zeugungsheer geschwemmt,
Wird es von diesem Schaum gehemmt,
Versinkt und stirbt im Schaum.” -
“Bist Du zu retten, Mann! Chemie
Kommt mir an meinen Körper nie:
Ef-Ce-Ka-We, der Mist.
Die Umwelt stirbt schon am Ozon,
Und Du versprühst noch mehr davon,
Weißt Du nicht, was das ist?” -
Mein kleiner Mann ist irritiert:
Hat er sich schändlich aufgeführt?
Zieht sich zurück, schrumpft ein.
Doch horch: Es gurren immer noch
Die Tauben, röhren schlimmer noch
Die Hirsche. Wie gemein!
Und als ob sie Verliebte sind,
So werden Blüten mit dem Wind
Paarweise fortgeführt.
Die Hasen überspringen sich:
Sie alle, sie verjüngen sich
- Nur ich bin ganz frustriert.
zurück zu “Sag es PerVers. Zeitreise eines Barockdichters.”

