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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Syndetikon klebt, leimt, kittet alles…

Syndetikon klebt, leimt, kittet alles…

Das UHU unserer Urgroßväter

© 2007/11 Dirk Schindelbeck

...kittet alles, selbst Planeten...

...kittet alles, selbst Planeten...

In ihrer 1894 erschienenen Humoreske „Syndetikon” erzählt Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem (1854-1941), eine der erfolgreichsten Modeschriftstellerinnen der Kaiserzeit, die Geschichte eines „geleimten Liebhabers”.

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Mit weiblicher List und der sagenhaften Klebekraft von Syndetikon gelingt es Komtesse Käthe, einen ungeliebten Verehrer an einen Ledersessel so lange zu fixieren, bis sich die Verwicklungen ihrer wahren Liebschaft geklärt haben. Zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte war ein Markenprodukt zum Titel eines literarischen Werkes gewählt worden. Damit nicht genug: Mehrfach wurde der Slogan „Syndetikon klebt, leimt, kittet alles” darin von verschiedenen Personen wiederholt, allerdings auch auf den penetranten Geruch hingewiesen, den der Alleskleber entfaltete.

Der geleimte Liebhaber. Vignette aus der Novelle "Syndetikon"

Der geleimte Liebhaber. Vignette aus der Novelle "Syndetikon" (1894)

Eine bessere Gratis-Werbung konnte sich sein Hersteller Otto Ring kaum wünschen. Bereits 1878 hatte der Kaufmann in Berlin-Schöneberg seine „Fabrik chemisch-technischer Spezialitäten” gegründet. Sein erstes Produkt, ein Fleckenwasser, fand allerdings kaum Absatz. 1880 brachte er dann diesen Fischleim auf den Markt, der nicht zuletzt wegen seiner konsequent durchgeführten Reklame bis in die dreißiger Jahre hinein ein Welterfolg wurde.

Amor auf der Klebetube... Reklamemarke für Syndetikon

Amor auf der Klebetube... Reklamemarke für Syndetikon von August Hajduk

Syndetikon - magischer Name

So wohlklingend der Name Syndetikon daherkam, was er bedeutete, vermochte im Kaiserreich kaum jemand zu sagen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gelang es Otto Ring aber, diesen Namen im Duden zu lancieren. Wer darin nachschlug, konnte (selbst noch 1973!) nachlesen, wofür das aus altgriechischem Wortstamm entwickelte Kunstwort stand: „Bindendes, flüssiger Leim, gesetzlich geschützter Name”. Nähere Erklärungen über den Fischleim gab der große Brockhaus von 1934: “eine durch Zusatz von Essigsäure haltbar gemachte Gelatinelösung, die als durchsichtiger Glas- und Porzellankitt verwendet wird.”

Selbst die Spinne klebt ihr Netz mit Syndetikon: Kartonplakat von Zander (1901)

Selbst die Spinne klebt ihr Netz mit Syndetikon: Kartonplakat von Zander (1901)

Dieser hatte zudem den Vorteil, dass er schon 1880 international einsetzbar war - seinerzeit ein Geniestreich, heute unverzichtbares Element jeder Produktneueinführung. In Verbindung mit dem Slogan „….klebt, leimt, kittet alles” in der jeweiligen Landessprache (im frz. sogar erweitert durch „meme le fer”) empfahl sich ein Mittel mit offenbar magischen Kräften.

Zeitungsanzeige für Syndetikon (1901)

Zeitungsanzeige für Syndetikon (1901)

Über ein halbes Jahrhundert hin bewarb Otto Ring seinen Alleskleber mit stets demselben Slogan. Dabei war der Unternehmer wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen offen für gebrauchsgraphische Innovationen. Der Motivkreis „Festkleben als Missgeschick”, wie ihn Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem in ihrer Humoreske bereits angeschlagen hatte, sollte zum zweiten Markenzeichen werden - der Syndetikon-Reklame.

Reklamemarke für Syndetikon (ca. 1910)

Reklamemarke für Syndetikon (ca. 1910)

Ein Produkt und seine Werbegrafik

Schon 1899 hatte Ring dem Maler Ferdinand Schultz-Wettel (1872 - 1957) den Auftrag für ein Plakat gegeben. Dessen Jugendstil-Entwurf zeigte eine engelsgleiche Frauenfigur, die mit Hingabe und Syndetikon zerbrochene Herzen zusammenklebte (wobei sogar beide Anbietformen mit im Bild waren: als flüssiger Leim im Glas für seinerzeit 25 Pf sowie als Tube für 10 Pf).

Syndetikon_Klebstoff-Engel von Ferdinand Schulz-Wettel (Quelle DHM Berlin)

Syndetikon-Klebstoff-Engel von Ferdinand Schulz-Wettel (Quelle: DHM Berlin)

Kurz nach der Jahrhundertwende machte Ring die Bekanntschaft dreier Studenten der „Unterrichtsanstalt am Königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin”: Fritz Helmuth Ehmcke (1878 - 1965), Georg Belwe (1878 - 1954) und Friedrich Wilhelm Kleukens (1878 - 1956). Die drei hatten im Herbst 1900 ihre „Steglitzer Werkstatt” gegründet und suchten nun Aufträge. Schnell entwickelte sich eine rege Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmer, den sie bald liebevoll „unseren guten Onkel Ring” nannten: „Herrn Rings große Bestellungen auf Rundschreiben, Bilderbogen, Schachtelausstattungen und allerlei Geschäftspapiere, die zumeist in Massen hergestellt wurden, waren willkommenes Futter für unsere Druckmaschinen. Rückblickend möchte ich ihm so recht die Rolle des wohlwollenden Gönners und Schutzpatrons unserer Gemeinschaft zusprechen.”

humorvolle Reklamemarke für Synetikon (Fritz Helmuth Ehmcke 1901)z

Humorvolle Reklamemarke für Syndetikon (Fritz Hellmuth Ehmcke 1901)

Vor allem in der Gestaltung von Plakaten und dem damals neuen Werbemedium Reklamemarke zeigten die Grafiker ihr innovatives Potential. Ehmckes mit wenigen Strichen hingeworfenen Tierdarstellungen wirkten ebenso gut als Plakat wie auch im briefmarkengroßen Kleinformat. Auch nach dem Zerfall der Steglitzer Werkstatt 1903 lieferte zumindest Friedrich Wilhelm Kleukens noch bis in zwanziger Jahre hinein Werbegrafiken für Ring. Im Gegensatz zu Ehmckes knappem Stil blieben seine an dem Teufelsleim kleben gebliebenen Tiere deutlich naturalistischer angelegt.

festgeklebt: Werbegrafik von F.W. Kleukens

festgeklebt: Werbegrafik von F.W. Kleukens (Quelle: Mathildenhöhe Darmstadt)

Neue Absatzstrategien - unter Einbindung des Handels

Ring erkannte auch die Rolle vor allem des Papier-, Zeitschriften- und Spielwarenhandels für den nachhaltigen Absatzerfolg seines Produkts: „Der direkte Verkauf des Artikels durch den Fabrikanten an den Konsumenten erscheint wegen der Geringfügigkeit des Objekts fast ausgeschlossen, und die Aufgabe der Reklame für den Artikel besteht im Wesentlichen nun darin, den dafür gegebenen Handel für die Aufnahme des Produkts zu gewinnen und die Nachfrage danach bei den Verkaufsstellen von Seiten des Publikums rege zu halten.” Ring dachte über Komplementär-Artikel nach, für die Syndetikon unverzichtbar war. So entstand in Zusammenarbeit mit dem Grafiker August Hajduk (1880 - nach 1918) das Syndetikon-Bauspiel, ein ‚pädagogisch wertvoller’ Ausschneidebogen für Kinder, der auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 besonders ausgezeichnet wurde. Als der wohl erste kam Ring auch auf die Idee, Einwickelpapier von Versandpackungen mit Reklamegraphik bedrucken zu lassen, um auf diese Weise den Zwischenhandel für sich zu einzunehmen.

Einwickelbogen mit Reklametext in Bilderbogenform (ca. 1913)

Einwickelbogen mit Reklametext in Bilderbogenform (ca. 1913)

Doch nicht nur das. 1909 berichtete der Reklamefachmann Curt Büsch geradezu begeistert von einem weiteren Marketing-Trick Rings: “Syndetikon, der bekannte Klebstoff, wird in Flaschen geliefert. Diese Flaschen befinden sich zu je fünf oder zehn in einer Kartonpackung. Diese Packung ist aber in Wirklichkeit ein Modellierbogen und zwar im Gegensatz zu dem vielen Schund, der sonst geliefert zu werden pflegt, ein guter, von Künstlerhand hergestellter Modellierbogen, der Kunst- und Erziehungswert besitzt. Natürlich muss, um die Figuren des Modellbogens aufzustellen, wieder Syndetikon verwendet werden. So wird durch die Packung, die infolge ihrer Eigenart zum Kauf reizt, der Verbrauch der Ware künstlich gesteigert. Eine zwar mit kleinen Mitteln arbeitende, aber geistig gut durchgearbeitete Reklame!”

Reklamemarke für das Syndetikon Bauspiel (1911)

Reklamemarke für das Syndetikon Bauspiel (1911)

Nachdem die große Zeit der Reklamemarke nach dem Ersten Weltkrieg vorüber war, verlegte sich Ring in den zwanziger Jahren mehr auf Zeitungsannoncen. Durch eine Reihe von lustigen Bildergeschichten in Versen, ganz im Stil von Wilhelm Busch, wurde die sagenhafte Klebekraft von Syndetikon weiterhin sinnfällig gemacht:

Die verschlossene Tür (ca. 1923)

Der Fritz muss heute Einkauf machen,
und neben andern guten Sachen
trägt er in seinem Korb davon
‘ne Tube mit Syndetikon.

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Jedoch er nimmt sich nicht in acht,
denn, als er zu die Haustür macht,
verliert aus seinem Korb der Bube
die eben eingekaufte Tube.

fritz2

Da liegt sie und wird auf der Stelle
gefesselt zwischen Tür und Schwelle.
Doch was ist das? Nach kurzer Zeit
das ganz Haus nach Hilfe schreit.

fritz3

Hier sieht man auch den Grund dafür:
Verrammelt ist des Hauses Tür!
Und Hilfe ruft das Telefon,
bald weiß die ganze Stadt es schon.

fritz6

Es rast heran ein wildes Heer,
zuletzt kommt gar die Feuerwehr.
Die ist nicht müßig lang geblieben:
Sie sprengt die Tür mit wuchtgen Hieben.

fritz8Der Detektiv mit seinem Hund
geht gleich der Sache auf den Grund.
Nach kurzem Suchen hat er schon
die Spuren vom Syndetikon.
„Ha, ruft er, jetzt ist alles klar,
Syndetikon im Spiele war!
Wo dieses einmal haftet fest,
sich’s ewig nicht mehr lösen läßt.”

Nach Otto Rings Tod 1937 war es mit der Marktführerschaft von Syndetikon bald vorbei. Ihm gegenüber war ein nunmehr auf Kunstharzbasis entwickelter Alleskleber wie Uhu sehr viel verbraucherfreundlicher, schon weil er keinen penetranten Fischgeruch mehr verbreitete. Hinzu kam, dass die mit Syndetikon behandelten Klebestellen mit der Zeit unansehnlich und spröde wurden und keine Elastizität mehr besaßen. Obwohl Ring mit einem einzigen Produkt zum Welterfolg gekommen war, weil er die Idee des Markenartikels („semper idem”) schon 1880 instinktiv begriffen hatte, war der Produktlebenszyklus von Syndetikon unweigerlich zu Ende - wie umgekehrt der Aufstieg von Uhu begann.

Werbeblatt für Syndetikon (ca. 1930)

Werbeblatt für Syndetikon (ca. 1930)

Sogar die Werbegrafik erzählt auf ihre Weise vom Niedergang des einst durch seine humorvolle Kommunikation so populär gewordenen Produkts. Gegenüber den virtuosen Jugendstil-Grafiken zwischen 1900 und 1912 wirkt das abgebildete Pergamin-Blatt aus den frühen 1930er Jahren geradezu stümperhaft.

Pergamin-Blatt mit Syndetikon-Werbung (30er Jahre)

Pergamin-Blatt mit Syndetikon-Werbung (30er Jahre)

Literatur:

Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem: Komtesse Käthe. Humoresken (darin: Quarks Lieblingsname, Der Bärenführer, Syndetikon), Leipzig 1894.
Curt Büsch: Von der Reklame des Kaufmanns, Hamburg 1909, S. 248
Rudolf Seyffert: die Reklame des Kaufmanns, Leipzig 1914, S. 141f.
Klaus Popitz: Syndetikon, Eine kleine Firma macht große Reklame. Begleittext zur Ausstellung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1978.
Herbert Lechner: Geschichte der modernen Typographie. Von der Steglitzer Werkstatt zum Kathodenstrahl, München 1981, S. 88ff.
Jörg Meißner (Hg.): Strategien der Werbekunst zwischen 1850 und 1933, Ausstellungskatalog des Deutschen Historischen Museums DHM Berlin (Ausstellung im Zeughaus/Unter den Linden vom 21. 4. 2004 - 30. 8. 2004), Abbildung S. 172.
Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Am Anfang war die Litfasssäule. Illustrierte deutsche Reklamegeschichte, Darmstadt 2006.
Friedrich Wilhelm Kleukens. Gebrauchsgrafik und Buchkunst am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausstellung Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt, 5. 5. 2007 - 19. 8. 2007
Jürgen Döring/Holger Klein-Wiehle: Grafik-Design im Jugendstil. Der Aufbruch des Bildes in den Alltag  (Ausstellungskatalog des Museums für Kunst u. Gewerbe Hamburg), Ostfildern 2011

Vgl. auch mein Sonett “Der Klebstoff-Engel”

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 16. Juni 2011 16:28
Themengebiet: Reklame & Werbung