AEG
Lemma AEG [Kürzel für Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft]
Definition: Dachmarkenname der unter dieser Bezeichnung hergestellten elektrotechnischen Anlagen und Apparate vom Kraftwerk bis zu Haushaltsgeräten
Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
Haushaltsgeräte und Corporate Design
Der Erste Weltkrieg und seine weitreichenden Folgen
Wiederaufstieg und Ende im Vergleich
Weiterführende Literatur
Weblink
Erfindung und Aufstieg der Marke
Als der Maschinenbauingenieur Emil Rathenau (1838-1915) auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris 1881 die Glühlampe des Thomas Alva Edison sah, war er von der Zukunftsfähigkeit der Erfindung zutiefst überzeugt. Rathenau sicherte sich das Recht zur Fertigung solcher Lampen und gründete die Deutsche Edison Gesellschaft (DEG). Schon 1883 wurden 12.000 Stück hergestellt, Vertriebsniederlassungen in den kommenden Jahren eröffnet. Um die Voraussetzungen für den Absatz seiner Produkte zu verbessern, nahm Rathenau über Beteiligungsgesellschaften Einfluss auf die Städtischen Elektrizitätswerke AG Berlin. 1887 benannte er die DEG in Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (ab 1900 auch als Kürzel AEG) um. Fast im Jahresrhythmus entstanden unter ihrem Dachnamen im Berliner Raum nun neue Firmen, in denen Dampfmaschinen, Elektromotoren, Pumpen, Gebläse, Straßenbahnen, Drehstrommotoren, Kabel oder Turbinen hergestellt wurden. Die Zahl der Beschäftigten stieg zwischen 1894 und 1900 von 3400 auf über 17.000. Um die Jahrhundertwende hatte die AEG auch schon 19 Elektrizitätswerke errichtet, weitere 34 waren im Bau. Es folgten Engagements in weiteren Industriesparten durch Gründung der Neuen Automobilgesellschaft (NAG), der „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie System Telefunken” und 1910 sogar der Einstieg in den Flugzeugbau.
In knapp zwanzig Jahren war die AEG - trotz der Konkurrenz von Siemens - zu einem Großkonzern herangereift. Mit seinem Gespür für technische Zukunftsentwicklungen, seiner Begabung, Tochter- oder Beteiligungsunternehmen zu gründen und seiner Fähigkeit, Geldgeber für seine Projekte zu gewinnen, hatte sich Emil Rathenau den Ruf als „Erfinder von Industrien” erworben.
Haushaltsprodukte und Corporate Design
Am Anfang einer jeden neuen Werksgründung rief Rathenau sogenannte „Studiengesellschaften” ins Leben, um die Marktchancen neuer Produkte auszuloten. Hinzu kam seine Aufgeschlossenheit für zeitgemäßes Industriedesign und Werbung im wichtiger werdenden Sektor elektrischer Haushaltswaren (z.B. Fön: 1900). Als 1907 der Deutsche Werkbund entstand, der sich zum Ziel gesetzt hatte, mit den Mitteln der bildenden Kunst die Ästhetik industrieller Produkte zu heben, fand Rathenau im Architekten und Künstler Peter Behrens (1868-1940) einen geeigneten Partner. Behrens gelang es, für die so weit verzweigten Geschäftsbereiche der AEG eine einheitliche Formensprache zu entwickeln und schuf für den Konzern vom Briefbogen über den Teekessel bin hin zum Fabrikgebäude das wohl früheste Beispiel eines Corporate Design.
Der Erste Weltkrieg und seine weitreichenden Folgen
Im Ersten Weltkrieg war Emil Rathenaus Sohn Walther (1867-1922), der Vorsitzender des AEG-Aufsichtsrats war, im Preußischen Kriegsministerium für die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Rohstoffbewirtschaftung zuständig. Während des Krieges entwickelte sich die AEG zum zweitgrößten Rüstungslieferanten nach Krupp und stellte mit zeitweilig 80.000 Beschäftigten Granaten und elektrische Geräte für die Armee her.
Durch den Versailler Vertrag brach das Auslandsgeschäft der AEG nach dem Krieg weitgehend zusammen; manche Geschäftsbereiche wie Automobilbau oder die Flugtechnik mussten aufgegeben werden. Dafür wurde das Engagement auf dem Binnenmarkt etwa bei elektrischen Hausgeräten (z.B. Kühlschränke) oder in der Rundfunktechnologie verstärkt. Inflation und Weltwirtschaftskrise schwächten das Unternehmen, sodass 1929 General Electric mit einem großen Aktienpaket einstieg. Während der NS-Zeit stabilisierte sich der Konzern und erregte mit Innovationen wie der Vorstellung des ersten Magnettonbandgeräts 1935 Aufsehen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden erneut Rüstungsgüter wie Minenzünder usw. produziert. Bis Ende 1944 blieben die meisten AEG-Betriebe fast unbeschädigt. Erst Enteignung und Demontage durch die sowjetische Besatzungsmacht sowie das Erfrieren der Bankguthaben bedeuteten den Verlust von weit über einer Milliarde Reichsmark und die radikalste Zäsur in der Firmengeschichte.
Wiederaufstieg und Ende im Vergleich
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich AEG-Betriebe an verschiedenen Standorten in der Bundesrepublik, so in Nürnberg (Hausgeräte), Stuttgart (Elektrowerkzeuge) oder Mülheim-Ruhr (Transformatoren) und später in West-Berlin. Schon im Oktober 1951 verfügte der Konzern wieder über 26 Beteiligungsgesellschaften (z.B. bei Osram oder Olympia). Als 1958 der erste Waschvollautomat Lavamat vorgestellt wurde, schien der Wiederaufstieg gelungen, sodass in den Werbekampagnen dem Verbraucher das Kürzel AEG als „Aus Erfahrung gut!” glaubhaft vermittelt werden konnte.
Doch die strukturellen Probleme des so weitverzweigt operierenden und stets mit einer zu geringen Eigenkapitalquote ausgestatteten Konzerns traten Ende der sechziger Jahre deutlich zutage. Überhastete Firmenübernahmen, Fehleinschätzung bei Engagements in der Kern- oder Computertechnologie führten dazu, dass die Rentabilität auf den meisten Geschäftsfeldern des Konzern schon Mitte der siebziger Jahre nicht mehr gegeben war. Nachdem mehrere Sanierungsversuche scheiterten, wurde am 9. August 1982 das Vergleichsverfahren eröffnet.
Was vom zerschlagenen Konzern noch übrig war, erwarb die Daimler-Benz AG 1985, wobei die Hoffnung, ehrgeizige Raumfahrtpläne mithilfe von AEG-Knowhow verwirklichen zu können einher gingen mit der Erhaltung des einst glanzvollen Namens. 1996 wurde dieser verlustbehaftete Geschäftsbereich dann doch endgültig aufgegeben. Die Marke jedoch fand neue Lizenznehmer wie etwa Elektrolux. Die letzte Waschmaschine des Nürnberger AEG-Werkes lief im März 2007 vom Band, bevor die Produktion nach Polen und Italien verlegt wurde.
Weiterführende Literatur:
Peter Strunk. Die AEG, Berlin 1999
Frederic Schwartz: Der Werkbund. Ware und Zeichen 1900-1914, Amsterdam 1999
Astrid Zipfel: Public Relation in der Elektroindustrie. Die Firmen Siemens und AEG 1847 bis 1939, Köln 1997
Harri Czepuck: Ein Symbol zerbricht. Zur Geschichte und Politik der AEG, Berlin (Ost) 1983
Weblink: www.AEG.de
