Chiquita
Lemma (fem. von chiquito, span. klein, zierlich)
Definition: Markenname der von der United Fruit Company weltweit vertriebenen Banane
Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Verbraucheransprüche und Naturprodukte
Zur Geschichte der United Fruit Company
Öffentlichkeitsarbeit und Ökologie
Der Begriff Bananenrepublik
Weiterführende Literatur
Weblink
Die Erfindung der Marke
Bis zum Dezember 1966 wurden Markenbananen in mehreren europäischen Ländern (z. B. Großbritannien, Niederlande) unter dem Namen Fyffes verkauft. In der Bundesrepublik dagegen wurden die tropischen Früchte bis zu diesem Zeitpunkt nur als lose Ware und ohne Markenbezeichnung angeboten. Die meist importierte Sorte „Gros Michael” gelangte in Form von Stauden per Kühlschiff in die europäischen Häfen. In den Jahren 1965 und 1966 breitete sich in den Bananen-Erzeugerländern Zentralamerikas (Guatemala, Puerto Rico, Honduras, Nicaragua, Panama) ein Pilz rasant aus, der diese Sorte besonders befiel. Innerhalb weniger Monate mussten neue Plantagen angelegt werden, auf welchen fortan die besonders prachtvolle „Cavendish Valery”-Banane angepflanzt wurde. Gegen den Pilz war sie resistent, dafür aber druckempfindlich. Die Marketing-Fachleute der United Fruit Company nahmen die Umstellung auf die neue Sorte als Chance wahr, mit einem Schlag in ganz Europa ihre Marke Chiquita, die es in den USA schon seit Ende der 40er Jahre gab, einzuführen. Dazu wurde ab 1967 eine gigantische Werbekampagne in vielen europäischen Ländern parallel geschaltet. Ihr Ziel: den Namen Chiquita als Bezeichnung für die Qualitäts-Banane schlechthin einzuführen. Das Mittel dazu war ein blauer Aufkleber, der wie ein amtliches Prüfsiegel aussah und jeder einzelnen zum Verkauf vorgesehenen Frucht aufgeklebt wurde. Schon 1973 war Chiquita bei 90 Prozent der europäischen Konsumenten ein fester Begriff.
Verbraucheransprüche und Naturprodukte
Die gelungene Formung der Verbrauchervorstellungen von der idealen Banane in Markenartikelqualität schloss den Kreis in einer Politik, die von der Erzeugung der Früchte über deren Lagerung, Versand bis hin zur Präsentation im Supermarkt eine perfekte Logistik zeigte. Um die Bilderbuchfrüchte massenhaft zu produzieren, kamen in den siebziger Jahren verstärkt Pestizide wie das berüchtigte Nemagon zum Einsatz. Transportiert werden konnte die druckempfindliche Sorte auch nicht wie bisher in Stauden, sondern nur noch in Kartons, in denen der Reifeprozess durch ausgeklügelte Belüftungs- und Klimatechniken - zwischen 14,5 und 18,5 Grad - exakt gesteuert wurde, sodass die Früchte beim Eintreffen im Zielhafen kurz vor der für den Verkauf optimalen Färbung (gelb mit grünen Spitzen) standen.
Zur Geschichte der United Fruit Company
Die United Fruit Company entstand 1899 als Zusammenschluss der Boston Fruit Company mit Großimporteuren. Schon 1903 kaufte United Fruit ihr erstes Kühlschiff. Um den europäischen Markt zu erobern, wurde 1905 eine gemeinsame Vertriebsniederlassung mit dem Londoner Handelshaus Elders & Fyffes gegründet, dessen Anteile United Fruit aber bereits 1913 vollständig übernahm. Fyffes als Markenname für Bananen wurde in Westeuropa 1929 eingeführt.
Ende der dreißiger Jahre verfügte United Fruit über die größte private Schiffsflotte der Welt. Nachdem die Marke Chiquita 1967 in Europa flächendeckend eingeführt worden war, schloss sich der Konzern 1970 mit der AMK Corporation zusammen und firmierte fortan als United Brands Company, 1984 schließlich als Chiquita Brands International. Als sich in den achtziger Jahren die politische und soziale Situation in einigen mittelamerikanischen Staaten (Nicaragua) dramatisch zuspitzte und sich viele Arbeiter gewerkschaftlich organisierten, wurden ganze Plantagen aufgegeben oder an andere Produktionsstandorte verlagert. 1985 wurde der Hauptsitz der Firma, der sich zuvor in Guatemala befand, nach Cincinnati, Ohio, verlegt. Heute beherrschen die drei Großen United Fruit, Dole und del Monte etwa 70 % des Weltmarkts.
Öffentlichkeitsarbeit und Ökologie
Ökologischer Kahlschlag durch riesige Monokulturen, ausbeuterische Praktiken auf den Plantagen und der Einsatz gesundheitsschädigender Chemikalien haben den Ruf der großen Fruchtkonzerne jahrzehntelang schwer belastet. Schon früh bediente sich United Fruit der besten Public-Relations-Spezialisten wie Edward L. Bernays (1891-1995), um sich in der Öffentlichkeit ein besseres Image zu geben. Erst in den neunziger Jahren war man bereit, mit Umweltorganisationen wie Rainforest Alliance zusammen zu arbeiten und Umwelt- und Sozialstandards einzuführen.
Die weitere Ausbreitung des fairen Handels mit Bananen, den es in der Bundesrepublik seit 1998 gibt, gestaltet sich gleichwohl schwierig - denn die braunen Flecken ökologisch produzierter Früchte entsprechen nicht dem Bild von einer Banane, das der Verbraucher seit Einführung der Marke Chiquita hat.
Der Begriff Bananenrepublik
Schon vor dem Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Macht von United Fruit in Mittelamerika durch den Besitz großer Ländereien und Transporteinrichtungen so gewachsen, dass sie zu einem politischen Faktor wurde, der viele Regierungen nichts entgegensetzen konnten. Umgekehrt unterstützte United Fruit mehrfach ihr willfährige Militärdiktatoren. Zur Bezeichnung solcher durch Monokulturen und Korruption geprägten, politisch also ungefestigten Staaten bürgerte sich der abwertende Begriff „Bananenrepublik” ein.
Weiterführende Literatur:
Die Marke in Blau. 20 Jahre Chiquita, o.O., o.J. (1987)
Gabriel Garcia Marquez: Hundert Jahre Einsamkeit, Köln 1970
Informationsgemeinschaft Banane: Die Banane. Dokumentation einer außergewöhnlichen frucht, München 1986
Wulf Goebel: Alles Banane. Art und Alltag des gelben Dings. Ausstellungskatalog, Heidelberg 1994
Arthur Heinrich; Klaus Naumann: Alles Banane. Ausblicke auf das endgültige Deutschland, Köln 1990
Weblink: www.chiquita.de
“Chiquita” zum Sonett verarbeitet finden Sie hier.
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