Faber-Castell

Lemma [Eigenname des Alexander Graf von Faber-Castell]

Definition: Markenname der unter dieser Bezeichnung vertriebenen Bleistifte, Schreibgeräte und Büroartikel

Werbeblatt Faber-Castell (1935)

Werbeblatt Faber-Castell (1935)

Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Wirtschafts-, Sozial- und Kulturpolitik
Von Faber zu Faber-Castell
Diversifizierung und Globalisierung
Weiterführende Literatur
Weblink

Die Erfindung der Marke

Bereits im Jahre 1761 hatte Caspar Faber (1730-1784) in Stein bei Nürnberg die Produktion von handgehobelten und -geleimten „Bleystefften” aufgenommen. Nachdem sein Sohn A. W. (Anton Wilhelm) aus der väterlichen Werkstatt eine Manufaktur aufgebaut, dessen Nachkomme Georg Leonhard (1788-1839) den Betrieb aber wieder heruntergewirtschaftet hatte, sollte sich erst in der vierten Generation mit Lothar Faber (1817-1896) jene Persönlichkeit finden, die aus dem einfachen Produkt Bleistift einen Markenartikel von Weltgeltung machte. Zugute kam ihm dabei, dass sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts Schulsystem und Bürokratie schnell ausbreiteten.
Nach Lehrjahren in einer Nürnberger Bank trat Lothar Faber 1836 mit 19 Jahren in den väterlichen Betrieb ein. Von Anfang an suchte er den persönlichen Kontakt zum Kunden. Nachdem er in Paris ein Sortiment polygrader Bleistifte gesehen hatte, führte er 1851 für die eigenen Produkte ein vergleichbares Normsystem verschiedener Härtegrade ein, das noch heute Bestand hat. Parallel mit der Entwicklung des Sechskant-Bleistifts zum Luxusprodukt zu Spitzenpreisen entwickelte Faber ein ganzes Arsenal raffinierter Verkaufsförderungsmaßnahmen vom exquisiten Sortimentskatalog bis hin zum opulent ausgestatteten Musterkoffer, wobei er seinen Anspruch, „das beste zu machen, was überhaupt in der Welt gemacht wird” immer deutlich unterstrich.
Durch die vielen Auslands-Reisen wurde der Name A.W. Faber zum Begriff. Auf Weltausstellungen errangen seine Produkte erste Preise; Faber-Häuser entstanden in Paris (1855), London (1873) und Berlin (1877). Zum 100. Firmenjubiläum 1861 wurde das Zweigwerk Geroldsgrün eröffnet, weitere Produktionsausweitungen in Stein bei Nürnberg folgten.
Juristische Streitigkeiten mit zunehmend auftauchenden Fälschungen veranlassten Lothar von Faber 1874, eine Petition an den Deutschen Reichstag zu richten, um ein Markenschutzgesetz auf den Weg zu bringen.
Aufgrund seiner Verdienste wurde Lothar Faber 1862 von König Maximilian II. geadelt, von König Ludwig II. von Bayern in den Erbadelsstand erhoben.

Wirtschafts-, Sozial- und Kulturpolitik

Lothar von Faber galt als ein für seine Zeit außerordentlich fortschrittlich und sozial eingestellter Unternehmer. Lange vor der Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung 1883 existierten in seinen Betrieben bereits Pensionsfonds für Arbeiter und Beamte, Kleinkinderbewahranstalten oder Arbeitersparkassen. Auch in der Wirtschafts- und Kulturpolitik betätigte sich von Faber, indem er Gründungsmitglied der Vereinsbank Nürnberg und der Nürnberger Lebensversicherung war oder sich im Schulwesen für die Einführung der Fächer Volkswirtschaftslehre und Zeichnen einsetzte.

Aus Faber wird Faber-Castell

Lothar von Fabers Sohn Wilhelm überlebte seinen Vater nicht. Nach dem Tod des Senior-Chefs 1896 heiratete dessen Tochter Ottilie den Rittmeister Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen, der ab 1903 Alleininhaber des Unternehmens war und 1905 den legendären grünen A.W. Faber-Castell-Bleistift 9000 entwickelte. Betriebliche Umstrukturierungen wie der Kooperationsvertrag zwischen Faber-Castell und der Johann Faber AG führten die einst getrennten Zweige der Dynastie 1931 wieder zusammen. Produktionsausweitungen folgten; 1935 wurde eine Füllfederhalterfabrik übernommen und ein Rechenstab mit Potenz- und Wurzelfunktionen herausgebracht. Im Zweiten Weltkrieg sank die Produktion ständig. Dennoch wurden selbst noch 1943 15 Millionen Bleistifte pro Monat gefertigt.

Diversifizierung und Globalisierung

Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg neue Produktlinien entwickelt wurden wie Kugelschreiber oder ein TK-Stift für technisches Zeichnen, war nicht allen Entwicklungen Erfolg beschieden. Das Aufkommen der Taschenrechner in den siebziger Jahren führte zur Aufgabe der Rechenstab-Produktion - ebenso wie die zunehmende Computerisierung seit den achtziger Jahren einen generellen Rückgang an manuellem technischen Zeichengerät nach sich zog. Gleichwohl ist die Faber-Castell AG weiterhin der weltgrößte Hersteller von Holzstiften mit über 6500 Mitarbeitern - zunehmend in den Bereichen Künstlerbedarf und dekorativer Kosmetik (holzgefasste Kosmetikstifte) tätig. Zum sozialen Engagement der Gründerväter ist heute die ökologische Verantwortung getreten; in Brasilien wird - freilich auch im Eigeninteresse einer unabhängigeren Versorgung mit Zedernholz - ein Aufforstungsprojekt betrieben. Schon 1992 wurde ein Bleistift mit wasserlöslichem Wasserlack auf den Markt gebracht, und selbst der perfekte Bleistift mit eingebautem Spitzer ist inzwischen Realität.

Weiterführende Literatur:
A.W. Faber-Castell. Den Freunden des Hauses gewidmet zur 175-jährigen Firmengeschichte (1761-1936), Stein b. Nürnberg 1936
Faber-Castell, A.W.: Ich leiste mehr! Schule für den Selbstunterricht im Gebrauch des Rechenstabes, Stein b. Nürnberg 1952
Das Bleistiftschloss. Familie und Unternehmen Faber-Castell in Stein. Eine Ausstellung anlässlich des 225-jährigen Bestehens des Unternehmens Faber-Castell, München 1986
Henry Petroski. Der Bleistift. Die Geschichte eines Gebrauchsgegenstandes. Mit einem Beitrag zur Bleistiftdynastie Faber-Castell, Basel 1995
Julians Nitzke-Dürr: Lothar Freiherr von Faber, Berlin 1999
Anton W. Graf von Faber-Castell: Auf dem Weg zur Weltmarke: Die Erfolgsstrategie des Familienunternehmens Faber-Castell, in: Nicolai Herbrand/ Stefan Röhrig (Hg.): Die Bedeutung der Tradition für die Marktkommunikation, Stuttgart 2006
Weblink: www.faber-castell.com

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 24. Juni 2009 6:16
Themengebiet: Konsum & Marken