Gillette
Lemma [Eigenname des Firmengründers]
Definition: Markenname des ersten und weltweit bekanntesten Nassrasiererapparats mit auswechselbarem Klingensystem
Inhaltsverzeichnis
Erfindung und Aufstieg der Marke
King Camp Gillette als sozialpolitischer Autor
Innovationen und Klingenwettlauf
Übernehmen und übernommen werden
Weiterführende Literatur
Weblink
Erfindung und Aufstieg der Marke
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts arbeitete der Kaufmann King Camp Gillette (1855-1932) als Handelsreisender für die Crown Cork and Seal Company. Hier kam er mit dem Prinzip der nur einmal benutzten und sodann entsorgten Kronkorken in Kontakt. Ihn trieb die Idee um, ein ähnliches Verfahren auch für die tägliche Rasur zu entwickeln - mithilfe einer austauschbaren, preiswert herzustellenden Klinge. Denn die zu dieser Zeit üblichen Rasiermesser waren teuer, mussten ständig nachgeschärft werden und verursachten bei der Rasur immer wieder Hautreizungen und kleinere Schnittverletzungen. Ein preiswerter Sicherheits-Rasierapparat, dessen Prinzip auf der Trennung von Haltegriff und auswechselbaren Klingen beruhte, musste ein großer Markterfolg werden.
Doch erst mithilfe von William Emery Nickerson, Ingenieur am Massachusetts Institute of Technology, gelang Gillette die Entwicklung hauchdünner, scharfer Stahlklingen. Im September 1901 gründete die beiden in Boston die „Gilette Safety Razor Company”. Im Juli 1902 wurde die Marke patentrechtlich eingetragen, die Produktion 1903 aufgenommen. Das Prinzip der auswechselbaren Wegwerf-Klinge wurde vom Publikum bald verstanden: nachdem im ersten Jahr nur 51 Rasierapparate und 168 Klingen abgesetzt werden konnten, stieg der Verkauf dank geschickter Werbung schon im Folgejahr auf über 90.000 Apparate und 123.000 Klingen. 1915 wurden bereits 450.000 Haltegriffe und 70 Millionen Klingen abgesetzt. Schon 1908 wurden in Kanada, England, Frankreich und Deutschland Niederlassungen gegründet.
Doch erst der Erste Weltkrieg bescherte der Gillette-Sicherheits-Nassrasur den endgültigen Durchbruch - und dem klassischen Rasiermesser das Ende. Als die USA in den Krieg eintraten, wurde jeder auf die europäischen Kriegsschauplätze entsandte Soldat mit einem vom Staat bezahlten Rasierset der Marke Gillette ausgestattet: Für die Firma bedeutete dies einen Auftrag von drei Millionen Apparaten und 36 Millionen Klingen.
King Camp Gillette als sozialpolitischer Autor
Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer Seite betätigte sich King Camp Gillette schriftstellerisch und veröffentlichte mehrere sozialutopische Bücher wie „The Human Drift” (1894) oder „World Corporation” (1910), worin er eine neue in einer Riesenstadt lebende Menschen-Gemeinschaft postulierte. In Zusammenarbeit mit Upton Sinclair veröffentlichte er 1924 ein ähnliches Werk: „The People’s Corporation”. Nach ausgedehnten Reisen starb Gillette 1932 während der großen Depression völlig verarmt in Los Angeles.
Innovationen und Klingenwettlauf
Kein anderer Hersteller hat für die Entwicklung der Nassrasur so innovativ gewirkt wie Gillette. Schon 1916 wurde ein speziell für Frauen entwickelter Rasierapparat auf den Markt gebracht. 1940 erschien das bis heute als Klassiker geltende Modell Super Speed mit dem bekannten Schmetterlingsflügelverschluss. 1946 kam der erste Klingenspender heraus, 1963 die Rasierklinge aus rostfreiem Stahl. Ab 1971 erfolgte die sukzessive Einführung von Mehrfach-Klingensystemen mit verbesserter Rasierleistung auf der Basis von zunächst zwei, dann drei und heute bereits fünf hintereinander angeordneten Klingen („double blade”: 1971, „Mach 3″: 1998, „Fusion”: 2006 usw.). Parallel dazu wurden Innovationen zur Verbesserung des Hautkontakts bei gleichzeitiger Reduzierung der Hautreizungen zur Serienreife gebracht wie der Lubra-Strip (1985) oder bewegliche, sich den Körperformen anpassende Klingensysteme (Atra: 1977; Sensor Excel: 1995). Der Wettlauf mit dem Wettbewerber Wilkinson um immer mehr Klingen wurde allerdings auch schon Gegenstand satirischer Betrachtungen. Durch die jüngste Entwicklung eines batteriebetriebenen Nassrasierers näherte sich der Nassrasierer dem Trockenrasierer deutlich an.
Übernehmen und übernommen werden
Beeindruckt vom Erfolg des Trockenrasierers braun-sixtant übernahm Gillette 1967 die Kronberger Firma, um seine Produktpalette sinnvoll zu ergänzen. Ebenfalls übernommen wurden Oral-B Laboratories (1984) und der Batteriehersteller Duracell (1996). 2004 erwirtschaftete das Unternehmen mit weltweit über 29.000 Mitarbeitern einen Umsatz von über 10 Milliarden US-Dollar. Zu dieser Zeit wurde der Wert der Marke Gillette ähnlich hoch veranschlagt wie der von Daimler-Chrysler. Am 30. September 2005 wurde Gillette von Procter & Gamble übernommen, unbeschadet von der Marke und die Produktpalette, für welche sie steht.
Weiterführende Literatur:
Russell Adams: King C. Gillette, The Man and His Wonderful Shaving Device, Boston, Massachusetts, 1978.
Tory Czartowski: Die 500 bekanntesten Marken der Welt. Ein populäres Lexikon von Adidas bis Zippo, Frankfurt 2006
Weblink: www.gillette.de
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