Hansaplast

Lemma [Kunstwort aus dem Beinamen der Stadt Hamburg Hansa = zugleich Hinweis auf Herstellungsort und griech. plast = geformt]

Definition: Markenname des in Deutschland bekanntesten Heftpflasters zur Schnellwundversorgung

Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Weiterentwicklung und Werbung
Diversifikation zur Produktpalette
Bekanntheitsgrad und Monopolcharakter
Weiterführende Literatur
Weblink

Die Erfindung der Marke

Im November 1882 erhielt der in Hamburg ansässige Apotheker Paul Carl Beiersdorf (1836-1896) ein Patent zur Herstellung eines „bestrichenen Pflasters durch Auftragen des mit Gummielasticumlösung versetzten Medicamentes auf eine Guttaperchaunterlage.” Das in enger Zusammenarbeit mit dem Dermatologen Dr. Paul Gerson Unna (1850-1929) entwickelte Wundpflaster markierte die Geburtsstunde des später durch Produkte wie Nivea, Labello und Tesafilm am Markt tätigen Unternehmens Beiersdorf. Anfangs hatte das Pflaster noch keinen Namen, auch mangelte es der kautschukähnlichen Guttapercha-Unterlage an Haftfähigkeit, Haltbarkeit und Hautverträglichkeit.
Auch nachdem Oscar Troplowitz (1886-1918) das Unternehmen 1890 übernommen hatte, war dem Guttapercha-Pflastermull noch kein Erfolg beschieden - zu stark waren die durch die Klebemasse hervorgerufenen Hautreizungen. Als Troplowitz bei seinen Laborversuchen auf einen neuen Klebstoff stieß, versuchte er das Produkt unter dem Namen „Cito” als „Sport-Heftpflaster für Radfahrer, Reiter & Touristen”, das gleichermaßen „zum Dichten von Luftreifen und als Schutzverband von Verletzungen” geeignet sei, zu vermarkten. Auch dieses Pflaster rief starke Hautreizungen hervor.
1901 gelang es Troplowitz dann, die aggressive Klebemasse durch Beimischung von Zinkoxid zu entschärfen und ein medizinisches Klebeband aus Zellwollgewebe zu entwickeln, das sich trotz guter Haftungseigenschaften auch wieder problemlos entfernen ließ. Er nannte es Leukoplast (griech. = weißes Pflaster).
Es dauerte wiederum gut zwanzig Jahre, bis 1922 „Hansaplast - Beiersdorfs Schnellverband mit Mullkissen” auf den Markt kam. Mit diesem Produkt, das Mullbinde und Leukoplast in einem war, konnte die bisherige Wundversorgung mit durch Leukoplast befestigte Läppchen endlich so verbessert werden, dass es für jedermann leicht handhabbar war. Von der Patentanmeldung bis zur Entwicklung eines marktfähigen Artikels waren 40 Jahre vergangen.

Weiterentwicklung und Werbung

Der „Hansaplast-Wundschnellverband” war das erste frei verkäufliche Pflaster, das die Erst- und Selbstversorgung bei kleinen Schnitt- oder Brandverletzungen im Alltag ohne ärztliche Hilfe möglich machte. Fortlaufende Verbesserungen passten das Produkt in der Folgezeit besonderen Anforderungen und Verbraucherbedürfnissen an. 1932 kam „Hansaplast elastisch” auf den Markt, 1958 eine wasserfeste Variante, 1968 ein spezielles Kinderpflaster.

Mit der sich entwickelnden Radiotechnik beschritt Beiersdorf neue Wege in der Werbung. Ab 1935 wurde Hansaplast in Rundfunkspots beworben. Die meist gereimten Texte verfasste Elly Heuss-Knapp (1881-1952), die Gattin des späteren ersten Bundespräsidenten:

„Ach wie oft in Kinderstuben
Gibt’s bei Mädchen wie bei Buben
Risse, Wunden, Beulen, Schnitte.
Immer heißt es bitte, bitte:
Mutti, Mutti, hilf uns doch:
Peter hat im Kopf ein Loch.

Jederzeit hab zur Hand
Hansaplast Schnellverband!
Bei Verletzung aufgepasst:
Auf die Wunde Hansaplast!
Leicht gedehnt, immer passt
Querelastisch Hansaplast.”
Diversifikation zur Produktpalette

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem die hypoallergenen Eigenschaften von Hansaplast weiterentwickelt. Durch eine antimikrobielle Ausrüstung der Wundauflage mit Silber bzw. Chlorhexidin lassen sich Heilungsprozess sowie Infektionsrisiko günstig beeinflussen.
Heute werden unter dem Namen Hansaplast die verschiedensten Varianten an Gel- oder Sprühpflastern angeboten wie „Aqua Protect”, „Junior”, „Universal”, „Elastic”, aber auch andere Produkte für die Selbstversorgung wie etwa ABC-Salbe.

Bekanntheitsgrad und Monopolcharakter

Wie nur sehr wenige Markenartikel ist Hansaplast seit Jahrzehnten ein Begriffsmonopol und das Synonym für „Pflaster” schlechthin. Sein Bekanntheitsgrad liegt bei über 90 Prozent. Seit 1922 wurde 16,5 Milliarden Metern Hansaplast produziert - das 450-fache des Erdumfangs. Im Durchschnitt verbraucht jeder Bundesbürger 50 cm davon im Jahr.

Weiterführende Literatur:
Dirk Schindelbeck: Als die Waren noch in Reimen sprachen, in: Damals. Das Magazin für Kultur und Geschichte, Heft 5/2006, S. 57-61. waren-reimen (PDF)
Hartwig Lödige: Tesa, Tuc und Teddybär. Das große Lexikon der rätselhaften Wörter, München 2001
Florian Langenscheidt (Hg.): Deutsche Standards. Marken des Jahrhunderts, Köln 2007
Weblink: www.hansaplast.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 24. Juni 2009 6:21
Themengebiet: Konsum & Marken