Melitta

Werbeblatt für Melitta Schnell-Filter (1934)

Werbeblatt für Melitta Schnell-Filter (1934)

Lemma [Vorname der Erfinderin eines mittels Sieb und Filterpapier arbeitenden Kaffeefilters]

Definition: Markenname der Firma, unter dem Kaffeefilter, -papier und -, Geschirr, Röstkaffee sowie Kaffeeautomaten vertrieben werden

Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Schnellfilter und andere Produkte
Die Werbefigur „Melitta-Mann”
Die Marke und die Sammlerszene
Weiterführende Literatur
Weblink

Die Erfindung der Marke

Im Jahr 1908 ließ das Übel des ständigen Kaffeesatzes die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz zur Selbsthilfe greifen. Sie durchlöcherte den Boden eines Messingtopfes zu einem siebartigen Gefäß und legte ein Löschblatt ihres Sohnes darauf. Die Resonanz beim nächsten Kaffeeklatsch war überwältigend. Schon im Juli desselben Jahres meldete sie beim Kaiserlichen Patentamt einen „Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern” zur Eintragung an. Mithilfe ihrer Familie produzierte Melitta Bentz fortan in Heimarbeit Kaffeefilter. Die Tagesproduktion wurde per Handwagen im Haus-zu-Haus-Verkauf vertrieben. Schon 1910 erhielt der Filter Preise auf der Dresdner Hygiene-Ausstellung. In seiner zylinderartigen Form wurde er anfangs aus Aluminium hergestellt, die ersten Steinzeug-Filter folgten 1919. Schon in den zwanziger Jahren gab es sie in sechs verschiedenen Größen vom Filter für eine Tasse bis zum Großfilter für 25 Liter. Das Unternehmen war inzwischen so stark gewachsen, dass in Dresden keine Expansionsmöglichkeiten mehr gegeben waren. 1929 siedelte es nach Minden an der Weser über.

Schnellfilter und andere Produkte

Zwischen 1932 und 1937 wurde der so genannte Schnellfilter entwickelt und in verschiedenen Größen auf den Markt gebracht. In seiner noch heute gebräuchlichen konischen Formgebung werden durch Vergrößerung der Filterfläche und Innenrippung auch die Seitenwände beim Filterprozess mitgenutzt. Passend zur Filterform wurden 1936 erstmals speziell geformte Filterpapiertüten angeboten.
Zu dieser Zeit war die Produktpalette auch schon auf Kaffeekannen ausgeweitet worden, auf welche die Filter nun exakt passten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden - im Zweigwerk Rahling in Friesland - auch Tafel-Geschirr, Milchkrüge, Saftkannen, Servierschalen, Tortenplatten und sogar Puppengeschirr produziert. Legendär wurden die in den fünfziger und sechziger Jahren in zarten Pastellfarben produzierten Melitta-Filter, -kannen und Kaffeeservice.
Ihre konsequente Ergänzung erfuhr die Produktpalette 1962 durch unter der Marke vertriebenen Röst-Kaffee, ab 1966 auch Kaffeemaschinen.

Die Werbefigur „Melitta-Mann”

Für ein knappes Jahrzehnt, zwischen 1990 und 1999, sorgte der als „Mann mit der Tasse” bekannt gewordene „Melitta-Mann” für eine deutlich gesteigerte Wahrnehmung der Marke und stark wachsende Marktanteile. Im lockeren Plauderton stellte der Schauspieler Egon Wellenbrink einen neuen Typ Mann vor, der fern aller Kaffee-Klischees festgefahrene Rollenmuster aufbrechen und zu einer neuen Konsum-Kultur einladen sollte. Die Texte wurden Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger verfasst.

Die Marke und die Sammlerszene

Vor allem die in den fünfziger Jahren in zarten Pastell-Farben produzierten Filter und Kaffee-Service haben heute längst Kult-Status erlangt. Es entstand eine große Sammlergemeinde, die von der Firma Melitta betreut wird. Für sie wurde sogar eine spezielle CD-Rom produziert.

Weiterführende Literatur:
Hans-Günther Oesterreicher: Geschichte und Geschichten um Melitta, Minden 1958
Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns, Frankfurt 1997
Wolfgang Hars: Lurchi, Klementine & Co. Unsere Reklamehelden und ihre Geschichte, Berlin 2000
Weblink:
www.melitta.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 24. Juni 2009 6:52
Themengebiet: Konsum & Marken