Niederegger
Lemma [Eigenname des Firmeninhabers]
Definition: Markenname des bekanntesten noch immer in Familienbesitz befindlichen Lübecker Marzipanherstellers
Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Zaubermasse Marzipan
Handwerk, Marketing, Lübeck
Weiterführende Literatur
Weblink
Erfindung und Aufstieg der Marke
Im Jahr 1806 kam der gelernte aus Ulm stammende Konditorgeselle Johann Georg Niederegger (1777-1856) nach Lübeck. Er fand Arbeit in der Mareeschen Konditorei am Markt. Als der Inhaber starb, übertrug ihm dessen Witwe das Geschäft, sodass Niederegger am 1. März 1806 das Unternehmen auf eigene Rechnung übernehmen konnte und mit der Herstellung von Süßwaren und Marzipan begann. 1822 erwarb Niederegger ein größeres Gebäude in der Breiten Straße gegenüber der Rathaustreppe, das Raum für ein Café und eine Marzipanfabrik bot und zum Stammhaus des Unternehmens wurde. 1832 wurde Niederegger als Federführender unter Lübecks Konditoren genannt. In seinem Todesjahr 1856 belieferte das Haus Niederegger bereits den Russischen Zarenhof. Zu dieser Zeit wurden die Marzipanprodukte bereits in Kisten, die mit den Initialen J.G.N. versehen waren, geliefert.
Niedereggers Nachfolger Karl Georg Barth (1804-1884) und Wilhelm Köpf (1838-1895) perfektionierten die Marzipan-Produktion durch Einsatz von Maschinen und vergrößerten den Kundenkreis durch ausgedehnte Geschäftsreisen. Zahlreiche Preise und Medaillen (z.B. Weltausstellung in Wien 1873) mehrten den Ruf des Hauses. 1908 wurde Niederegger zum Hoflieferanten Kaiser Wilhelm II..
Zaubermasse Marzipan
Dem Marzipan haftet - ähnlich wie den Geheimmitteln - die Aura des Wunderbaren an. 1407 soll es Lübecks Einwohner sogar vor einer Hungersnot bewahrt haben. Selbst die Herkunft des Wortes liegt im Dunkeln. Die Spannweite der Erklärungen reicht von Marci panis (Markus Brot) bis hin zur birmanischen Stadt Martaban, wo Keramiktöpfe zur Aufbewahrung von Süßigkeiten hergestellt wurden. Als sicher gilt, dass es im Orient entstand („Speise der Kalifen”), im 16. Jahrhundert in den Mittelmeerraum gelangte und sich über Italien als marzapane weiter verbreitete. In Franken wurden bereits im 17. Jahrhundert an Weihnachten Marzipanfiguren in Modeln geformt. Lange Zeit blieb die Herstellung von Marzipan Apothekern vorbehalten, bis sich im 18. Jahrhundert zunehmend auch Zuckerbäcker an dessen Produktion wagten.
Die Marzipanrohmasse besteht aus zermahlenen Mandeln, Puderzucker und Rosenöl. Schon früh regte ihre gute Formbarkeit die Konditoren an, daraus kleine Kunstwerke wie Miniaturstädte oder die berühmten Vexierfrüchte zu zaubern.
Handwerk, Marketing, Lübeck
Auch wenn das Produkt Marzipan ein hohes Maß an handwerklichen Traditionswerten verheißt, so wurde seine Herstellung im 20. Jahrhundert doch weitgehend industrialisiert. Bereits 1930 ließ der Unternehmensnachfolger Carl Arthur Strait (1884-1960) eine moderne Fabrik errichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach erweitert wurde. Schon in den zwanziger Jahren wurde auch die Gestaltung des Warenkleides professionalisiert und in die Hand des Künstlers Alfred Mahlau (1894-1967) gelegt. Dessen Corporate Design setzte auf eine enge Verbindung der Marke und ihrem Herkunftsort Lübeck mithilfe der barock anmutenden Farbkombination Weiß, Rot und Gold.
Die Langzeitwirkung erscheint ungebrochen: Wenige Produkte beschwören den Ort ihrer Herstellung so intensiv wie das Lübecker Marzipan, das zugleich auch immer als dasjenige aus dem Hause Niederegger wahrgenommen wird. Nicht von ungefähr sind die Gebäude der Stadt - vor allem das Holstentor - bevorzugte Motive vieler ihrer Marzipan-Kreationen.
Weiterführende Literatur:
Verlag der deutschen Arbeitsfront (Hg.): Der Marzipan-Modelleur, Berlin 1937
Georg Maushagen: Faszination in Marzipan, Düsseldorf 1987
Christa Pieske: Marzipan aus Lübeck: der süsse Gruss einer alten Hansestadt, Lübeck 1997
Antje Erdmann-Degenhardt, Marzipan. Köstliches Haremskonfekt, Münster 2001
Weblink: www.niederegger.de
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