Pelikan
Lemma [Familien- und Gattungsbezeichnung von Wasservögeln aus der Ordnung der Ruderfüßer: hier Bildmarke]
Definition: Dachmarke für die Produkte der Farben- und Tintenfabrik Günther Wagner in Hannover, aus dem Familienwappen des Inhabers entwickelt
Inhaltsverzeichnis
Die Geburt des Markenartikels
Vom Wettbewerb zum Künstlerplakat
Tinte, Tusche, Schreibgerät
Diversifizierung und Globalisierung
Weiterführende Literatur
Weblinks
Die Erfindung der Marke
Nachdem Günther Wagner, 1863 als Chemiker und Werksleiter bei der bereits 1838 in Hannover gegründeten Farben- und Tintenfabrik Carl Hornemann tätig, 1871 die Firma übernommen hatte, meldete er 1878 den Pelikan als eines der ersten deutschen Warenzeichen beim Kaiserlichen Patentamt an. Obwohl die Firma 1881 nur knapp 40 Mitarbeiter beschäftigte, wurden ihre Büroartikel bereits damals schon nach Österreich, Italien, Russland und in den Orient geliefert. 1894 wurde Fritz Beinhoff, der Schwiegersohn Wagners, Geschäftsführer. Das Produktpalette umfasste bald auch Artikel wie Klebstoffe, Stempelkissen und Radiergummis. 1896 kam mit Tusche das Produkt hinzu, mit welchem Pelikan bald die Marktführerschaft erlangen sollte - ebenso wie mit der 1901 unter der Markenbezeichnung „4001″ angebotenen „behördlich geprüften Eisengallustinte” - jene Ziffernmarke, unter der noch heute Tintenpatronen verkauft werden.
Vom Wettbewerb zum Künstlerplakat
Für einen Hersteller von Büromaterial, Tusche und Zeichenbedarf lag es auf der Hand, enge Beziehungen zu Malern und Grafikern, die ja täglich mit diesen Produkten arbeiteten, aufzubauen. Schon 1898 wurde ein Plakatwettbewerb mit der Zielvorgabe ausgelobt, man wolle für die „vor kurzem in den Handel gebrachten Pelikan-Farben ein diesem Artikel entsprechendes Plakat erwerben.” 550 Entwürfe gingen ein, von denen 200 anschließend auf eine Wanderausstellung quer durch das Deutsche Reich geschickt wurden. Was aus heutiger Sicht wie eine geschickte PR-Maßnahme erscheint, sollte seinerzeit weit über die Firma Pelikan hinauswirken und die Entwicklung der Gebrauchsgrafik insgesamt beeinflussen. Nicht zuletzt durch solche Wettbewerbe entdeckten Künstler die Reklame als Erwerbsquelle, wie umgekehrt ab 1900 die Qualität der Werbegrafik in Deutschland insgesamt deutlich anstieg. Pelikan verfolgte die so erfolgreiche Strategie der Veranstaltung von Plakatwettbewerbe bis in die zwanziger Jahre hinein.
Tinte, Tusche, Schreibgerät
Der Bezug eines neuen Büro- und Produktionsgebäudes in der Podbielskistraße in Hannover 1906 ermöglichte starke Produktionsausweitungen und den Aufbau des Massenmarkts. Zwischen 1906 und 1913 verdoppelte sich der Umsatz. Ab 1912 unterstützte Pelikan den Mal- und Zeichenunterricht an den Schulen durch die Zeitschrift „Der Pelikan”. Speziell für Schüler konzipierte Produkte wie Füllfederhalter und Malkästen kamen aber erst ab Ende der zwanziger Jahre ins Programm. So bestimmte der schon 1935 eingeführte Deckfarbkasten 735 D/12 den Schulbetrieb über Generation hin bestimmte - ebenso wie der 1960 eingeführte Füllfederhalter Pelikano.
Diversifizierung und Globalisierung
Mit Beginn der siebziger Jahre schreitet die Diversifizierung der Produktpalette (z.B. Tintenlöschstifte) voran, begleitet von dem Versuch, in neue Segmente wie den Kopierermarkt (Pelikan Hardcopy) oder den Freizeitsektor einzudringen. Zugleich fordert die einsetzende Globalisierung ihren Tribut: Ergebnis sind die Umwandlung der GmbH in eine AG, Ausgliederung einzelner Betriebsteile zu einzelnen Gesellschaften, Bildung der Pelikan Holding AG in Zug/Schweiz, schließlich 1996 die Übernahme der Aktienmehrheit durch einen malayischen Investor. Erst nach der Jahrtausendwende erfolgt die verstärkte Rückbesinnung auf die Wurzeln jener Produktsparten, welche die Marke Pelikan einst zum Begriff werden ließen.
Weiterführende Literatur:
Susanne Bäumler: Im Zeichen des Pelikan, in: dies.: Die Kunst zu werben. Das Jahrhundert der Reklame, Katalog zur Ausstellung des Münchner Stadtmuseums vom 15.3. - 30. Juni 1996, Köln 1996
Weblinks: www.Pelikan.de
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