Salamander

Salamander-Produktpalette (20er Jahre)

Salamander-Produktpalette (20er Jahre)

Lemma [Amphibienart aus der Ordnung der Schwanzlurche: hier bildhaft gebraucht]

Definition: Markenname des Schuhherstellers mit dem als Erkennungszeichen und Werbefigur eingesetzten Feuersalamander

Inhaltsverzeichnis
Von der Schumacherwerkstatt zum Schuhkonzern
Die Werbefigur Lurchi als Markenbotschafter
Wiederaufstieg, Krisenjahre und Neuorientierung
Weiterführende Literatur
Weblinks

Von der Schuhmacherwerkstatt zum Schuhkonzern

Am 1. Juli 1885 eröffnete der Schuhmachermeister Jakob Sigle (1862-1935) in Kornwestheim ein Ladengeschäft mit angeschlossener Werkstatt. Sechs Jahre später fusionierte Sigle mit dem Ledervertreter Max Levi. Der Berliner Schuhhändler Rudolf Moos ließ sich, um kostengünstigere Schuhe produzieren und verkaufen zu können, diverse Angebote von Herstellerfirmen machen. Seine Wahl fiel auf die Firma Sigle & Cie. Um sich aber mit diesem Produkt von den Wettbewerben abzuheben, ließ sich Moos 1904 das Markenzeichen des „liegenden Salamanders im Ring” schützen. Bereits 1906 führten die Erfolge dieser Strategie zur Gründung der Salamander-Schuh-Vertriebsgesellschaft, die Sigle, Levi und Moos zu gleichen Teilen gehörte. Neben der Belieferung kooperierender Alleinverkäufer baute man ein eigenes Filialsystem auf. Damen- und Herrenschuhe wurden zu einheitlichen Preisen angeboten - in der Normalausführung zu 12,50 Mark, in der Luxusausführung zu 16,50 Mark. Schon 1909 hatten sich der Vertriebsgesellschaft 26 Einzelhändler angeschlossen. 1914 produzierten fast 3000 Mitarbeiter über zwei Millionen Paar Schuhe, 1927 war die Marke in 123 Staaten eingetragen. 1930 folgte die Gründung der Salamander AG. 1935 beschäftigte das Unternehmen bereits 6500 Mitarbeiter.

Die Werbefigur Lurchi als Markenbotschafter

Mit dem 1937 erschienenen ersten Lurchi-Heft hatte das Unternehmen aus seinem Markenzeichen eine echte Werbefigur entwickelt. Ihre Popularität ist bis heute ungebrochen. Die Bildergeschichten, die vor allem Kinder - als die Konsumenten der Zukunft - ansprachen, wurden als Ruhigstellungslektüre eingesetzt, um den Eltern einen ungestörten Schuhkauf zu ermöglichen. Zu dieser Zeit hatte Salamander nämlich noch gar keine Kinderschuhe im Programm. 1939 wurde die Produktion der Lurchi-Hefte kriegbedingt eingestellt, 1951 mit neuen Folgen fortgeführt. In ihrer Blütezeit zwischen 1952 und 1972 erreichten die Hefte - dank des Zeichners Heinz Schubel - eine außerordentliche Beliebtheit und trugen viel zum Bekanntheitsgrad der Marke von heute 97 Prozent bei.

Wiederaufstieg, Krisenjahre und Neuorientierung

Stolz verkündete Kino-Werbefilme der fünfziger Jahre, dass Salamander die größte westeuropäische Schuhfabrik sei - mit einem Tagesausstoß von 31000 Paaren, die in Kartons aufeinandergeschichtet die Höhe der Zugspitze erreichten. In den siebziger und frühen achtziger Jahren fand, durch verstärkt auf den Markt drängende Wettbewerber, ein Schrumpfungsprozess statt, der die Schuhproduktion von 13,5 Millionen auf 8 Millionen Paare und die Mitarbeiterzahl von 17.800 (1967) auf 7.566 (1981) sinken ließ.
Heute ist Salamander ein gemischter Konzern, der aus den Sparten Immobilien, Industrie, Schuhe und Service besteht. Im Schuhsegment wurde die Marke durch ein neues Ladenbaukonzept einer grundlegenden Neupositionierung unterzogen.

Weiterführende Literatur:
Wolfgang Hars: Lurchi, Klementine & Co, Berlin 2000
Jens Kräubig (Hg.): Lurchi. Dem Feuersalamander auf der Spur. Galerie der Stadt Kornwestheim, Kornwestheim 1994
Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: „Am Anfang war die Litfasssäule. Illustrierte deutsche Reklamegeschichte, Darmstadt 2006
Weblinks: www.Salamander.de

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 24. Juni 2009 7:30
Themengebiet: Konsum & Marken