Tesa(film)
Lemma [Kunstwort aus Silbenpartikeln der bei Beiersdorf 1908 beschäftigten Sekretärin Elsa Tesmer]
Definition: Markenname des unter dieser Bezeichnung vertriebenen klarsichtigen Klebefilms der Beiersdorf AG
Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Diversifizierungen und Weiterentwicklungen
Tesafilm als Datenträger
Weiterführende Literatur
Weblink
Erfindung und Aufstieg der Marke
Schon im Jahre 1908 hatte sich das Hamburger Unternehmen Beiersdorf die Markenbezeichnung tesa schützen lassen. Das Silbenmaterial war dem Eigennamen der Sekretärin Elsa Tesmer entlehnt, die zu dieser Zeit im Unternehmen beschäftigt gewesen war. Verwendet werden sollte der Kunstname ursprünglich zur Bezeichnung einer Patenttube für Zahnpasta. Doch das Produkt blieb erfolglos - ebenso wie ein zweiter Versuch im Jahre 1926, einen synthetischen Wurstdarm namens tesa am Markt zu positionieren. Der Name geriet in Vergessenheit und schlummerte jahrelang im Firmenarchiv.
1934 kam der junge Industriekaufmann Hugo Kirchberg zu Beiersdorf. Er erkannte, dass viele Produkte aufgrund zu komplizierter Vertriebsstrukturen kein Erfolg beschieden war. So wurde das aus dem Pflaster „Cito” hervorgegangene Lassoband (ein einseitig mit Kautschukklebstoff beschichtetes Klebeband mit einem Träger aus Zellwollgewebe) nur auf Bestellung angefertigt und ausgeliefert - ein Massenabsatz war damit von vornherein ausgeschlossen.
Kirchberg dachte über Möglichkeiten nach, Produktion, Distribution und Preisgestaltung des Klebebands zu optimieren und entwickelte ein verkaufsgerechtes Sortiment. Doch im eigenen Hause stand zur Massenproduktion zu wenig Zellstoffgewebe zur Verfügung; auch waren die Chemiker nicht in der Lage, geeignetes Ersatzmaterial herzustellen. Liefern konnten hingegen die Münchner Wacker-Chemie, wenn auch kein Lassoband, sondern Acetatfolie. Daraus wurde nun ein durchsichtiges Band hergestellt und ab 1936 zunächst unter dem Namen Beiersdorf Klebefolie, später als Tesa-Klebefilm, ab 1941 als Tesafilm verkauft. Den praktischen Abroller mit Abreißkante hatte Kirchberg gleich mitentwickelt. Der Name tesa als Bezeichnung für technische Beiersdorf-Klebebänder bedeutete den endgültigen Durchbruch zum Markenartikel.
Diversifizierungen und Weiterentwicklungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Beiersdorf das Potenzial des Markenartikels konsequent zu nutzen und tesa zur Dachmarke einer heute mehr als 6500 Produkte umfassenden Palette für Büro, Haushalt, Handwerk und Industrie auszubauen - von tesakrepp, Abdeckfolie, Maler- und Teppichklebeband, wasserlöslichen Klebebändern bis hin zu „Haushaltshelfern” wie Tesastick oder Power-strips. Heute entfallen 78 Prozent des Umsatzes auf technische Systemlösungen für die Industrie.
Auch das Urprodukt wurde während dieser Zeit beständig verbessert. Mit der Zeit schmierenden Kleber als auch braun oder brüchig werdenden Film gibt es dank alterungsbeständigem Akrylatkleber und Polypropylenfolie heute nicht mehr.
Der Bekanntheitsgrad von tesa liegt inzwischen bei 98 Prozent - ein Spitzenwert, der die Monopolstellung der Marke als Synonym für „Klebefilm” schlechthin unterstreicht.
2001 wurde die tesa AG als eigenständiges Unternehmen, aber weiterhin 100%ige Tochter aus der Beiersdorf AG ausgegründet.
Tesafilm als Datenträger
Im März 1998 entdeckten die Physiker Dr. Steffen Noethe und Matthias Gerspach von der Universität Mannheim durch Zufall, dass sich tesafilm - im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten - als Datenträger nutzen lässt. Auf eine handelsübliche Rolle ließ sich die Datenmenge von zehn Gigabyte unterbringen, was die Entwicklung von kleinen Speichermedien zu extrem günstigem Preis möglich erscheinen ließ. Die Datenübermittlung funktioniert per Laserstrahl, welcher ein digitales Hologramm auf den Klebestreifen brennt; dort, wo der Strahl auftrifft, zieht sich der Kunststoff zusammen, wird dicht und bildet Strukturen, die von einem anderen Laser gelesen werden können. Mit dem darauf basieren und seit 2003 verfügbaren „tesa Holospot-Systems” werden neue Möglichkeiten im Fälschungsschutz eröffnet - etwa bei Raubkopien oder Produktplagiaten. Für die Weiterentwicklung dieser Technologien hat die tesa AG gemeinsam mit den Forschern die tesa scribos GmbH in Heidelberg gegründet.
Weiterführende Literatur:
Katrin Cura: Vom medizinischen Heftpflaster zum technischen Klebeband - 70 Jahre tesa, in: Naturwissenschaftliche Rundschau 59, 2006, S. 654-656
Martin Schneider: Eine klare Sache. Morgenwelt. Magazin für Wissenschaft und Kultur, Nr.12/1998
Hartwig Lödige: Tesa, Tuc und Teddybär. Das große Lexikon der rätselhaften Wörter, München 2001
Florian Langenscheidt (Hg.): Deutsche Standards. Marken des Jahrhunderts, Köln 2007
Weblink: www.tesa.de
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