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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Kukirol: Fortsetzung Teil 2

Kukirol: Fortsetzung Teil 2

7. Hühneraugenmittel-Produzent findet Hühneraugenbeseitigungs-Texter

Wie Iversen auf dem Gebiet des Werbe-Unterrichts ein Newcomer war, so war es auch ein gewisser Kurt Krisp (1893-1971). Von Haus aus Drogist, hatte dieser im Mai 1919 in Magdeburg eine Fußpflege-Spezial-Firma unter dem Namen Kukirol gegründet. 1922 verlegte Krisp den Firmensitz nach Groß Salze wenige Kilometer außerhalb von Magdeburg. Spätestens zu dieser Zeit muss es zu einer intensiven und über Jahre hin andauernden Zusammenarbeit zwischen Johannes Iversen und Kurt Krisp gekommen sein.

Werbeblatt für ALMA-Hühneraugenringe (ca. 1905)

Werbeblatt für ALMA-Hühneraugenringe (ca. 1905)

Eigentlich war der Markt für Fußpflege-Produkte seit Jahrzehnten verteilt. Das älteste Hühneraugenmittel am Markt waren die schon in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts eingeführten „Alma”-Hühneraugenringe der Firma Ed. Müller aus Klingenthal. Marktführer war das seit 1905 bekannte und noch heute erhältliche Präparat „Lebewohl”. Daneben gab es noch Saxol aus der Jehnolfabrik Zwickau sowie Leybolds Hühneraugenpflaster, das Krudox-Hühneraugenbad, aber auch Privatanbieter wie einen gewissen Hühneraugenoperateur Paul Höhne. Von Anfang an verhielt sich der Neueindringling Kukirol am Hühneraugenmittelmarkt ungewöhnlich aggressiv - dank Iversens vitriol-getränkten Werbetexten.

Seite aus einem "Lebewohl"-Werbe-Bilderbuch (50er Jahre)

Seite aus einem "Lebewohl"-Werbe-Bilderbuch (30er Jahre)

7. RRRREKLAAAAAME

An Aufstieg und Niedergang von Kukirol lässt sich en Detail nachvollziehen, was Reklame in den zwanziger Jahren ausmachte. Schon im Frühjahr 1923 gelang es Iversen, für seinen Kunden Kurt Krisp allein über das Mittel der Zeitungsannonce ein Reklamespektakel zu entfalten, das allerorts zum Tagesgespräch wurde. Die von Iversen geschriebenen Anzeigen erregten seinerzeit ähnlich viel Aufsehen wie die Benetton-Kampagnen vor einigen Jahren. Aufgebaut waren sie wie kleine Fortsetzungsromane, die in Serien daherkamen und unter verschiedenen Themen wie „Frau Schnatterich spricht…“, „Sport und Fußpflege”, „Die Ereignisse in China” oder „Eheirrungen in der Tierwelt” daherkamen. Den Anfang dieser Reklamekampagne machte eine Figur mit geradezu romanhaften Zügen. Sie stand in vielerlei Beziehung zu Iversens eigenem Lebenslauf: ein gewisser Monsieur Piedecubiste (zu deutsch: Kubikfuß, mithin durch gewaltige Hühneraugen verunstaltet). Dieser von seinem Ziehvater „Valutaprolet” genannte Typ der Zeitgeschichte trat in 14 Folgen ab Februar 1923 in der Tagespresse auf. Mit dem Stil dieser Anzeigen schuf sich Iversen unübersehbar sein Markenzeichen als Werbetexter. So viel Politik hatte es in den Anzeigenspalten bis dahin noch nicht gegeben. Stets bedienten sie das Ressentiment der Masse, waren Boulevard-Journalismus in Anzeigenform, die auf ihre Weise die in der Bevölkerung verbreitete Entrüstung über die im Januar 1923 erfolgte Ruhrbestzung durch belgisch-französische Truppen zur Sprache brachten. In der ersten Folge („Aufheben! Fortsetzung folgt!”) wurde der Valutaprolet (d. i.  der Typ des durch den Versailler Vertrag allein durch seine Staatszugehörigkeit gewordene Kriegsgewinnler) so vorgestellt:

„Wir haben das zweifelhafte Vergnügen vorzustellen: Herrn Piedecubiste aus Antwerpen. Er ist in seiner Heimat Empfangschef, Hausdiener und Zimmerkellner in einem Schiffergasthof vierten Ranges; in Berlin aber ist er, mit den Trinkgeldern eines Monats in der Tasche, valutastarker Ausländer und benimmt sich auch so. - Er hat sich vorgenommen, so viel billige deutsche Ware einzukaufen, dass er Reise und Aufenthalt kostenlos hat und noch 100% Profit dabei macht. - Er hat viel von der ausgezeichneten Wirkung des millionenfach bewährten Hühneraugenmittels Kukirol und des Kukirol-Fußbades gehört, und da es gleich gute Präparate im gesamten Ausland nicht gibt, kauft er in allen Apotheken und Drogerien zusammen, soviel er davon erwischen kann. -
Eine freundliche Dame, die er in vorgerückter Stunde in der Friedrichstraße kennenlernt, und die ihm geheimnisvolle Andeutungen über ihre Herstammung aus einer ehemals sehr vornehmen Familie macht, erklärt ihm die Gebrauchsanweisung: Man nimmt ein Kukirol-Fußbad (was ein Fußbad ist, musste sie ihm besonders erklären), bedeckt dann das Hühnerauge mit dem Kukirol-Pflaster, und in einigen Tagen ist es schmerzlos, restlos entfernt. - Kukirol wird hergestellt in der Kukirol-Fabrik Groß-Salze bei Magdeburg.”

8. Werbeanzeige mit Polit-Appeal

So weit war in einer Annonce noch niemand zuvor gegangen. Die Folge war eine starke Polarisierung bei den Lesern: über die Anzeigenserie wurde heftigst gestritten. Der extrem negativ gezeichnete Zeitgenosse Piedecubiste hatte zudem ein Thema in die Öffentlichkeit getragen, über das man bislang nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt hatte. Damit waren Gespräche über Hühneraugen und/oder Schweißfüße als Gesprächsgegenstand offenbar gesellschaftsfähig geworden.

In der 14. und letzten Folge seines „Valutaproleten” nimmt Iversen Stellung zu dem Medienwirbel, den seine Anzeigenserie verursacht hatte - selbstverständlich wieder in einem Kurzroman:
„Piedecubiste ist glücklich in Antwerpen gelandet und hat inzwischen, wie er uns auf einer Ansichtskarte mitteilte, seinen alten Beruf als Stiefelputzer etc. wieder aufgenommen. Piedecubiste hat sich zwar bereits von den verehrten Lesern verabschiedet, aber er wird heute nochmals, und zwar zum letzten Male, hier vorgeführt. Der Grund hierfür sind die zahlreichen anonymen und nichtanonymen, blöden und gescheiten Zuschriften, die er veranlaßt hat. Aus diesen Zuschriften geht hervor, daß die große Mehrzahl der Schreiber die Tendenz, welche diese Anzeigenfolge neben der Reklame für Kukirol zum Ausdruck brachte, ganz richtig verstanden und, soweit sie sich nicht selbst getroffen fühlten, oder in Konkurrenzfabrikaten reisen, gebilligt hat. Denen aber, die sie nicht verstanden haben, möchten wir empfehlen, jetzt noch einmal sämtliche Anzeigen im Zusammenhang durchzulesen. Sie werden dann finden, daß von einer „frivolen Benutzung unseres nationalen Unglücks zu Reklamezwecken” gar keine Rede sein kann, sondern daß im Gegenteil die Ursachen, die uns hindern, aus diesem Elend herauszukommen, die geistige Beschränktheit, die Ausländerverhimmelung, die Sucht nach mühelosem Erwerb, Oberflächlichkeit, Putzsucht und alles, was damit zusammenhängt, an den Pranger gestellt wurden, so gut sich das machen ließ, ohne dem eigentlichen Zweck der Reklame Abbruch zu tun. Es haben sich z. B. einige gute Leute darüber aufgeregt, daß gewisse Typen des Berliner Nachtlebens vorgeführt wurden. Aber, verehrte Herrschaften, es läßt sich doch nicht leugnen, daß diese Typen vorhanden sind, und statt sich darüber aufzuregen, daß diese mit der Lauge des Spotts betröpfelt werden, sollten Sie doch lieber dafür sorgen, daß sie keine Typen bleiben, sondern ekelhafte Ausnahmen werden! Der Verfasser der Texte ist ein gut deutscher Mann. Das haben besonders diejenigen herausgefunden, die ihm „Ausländerhetze” zum Vorwurf machten. Ach nein, gegen Ausländer im allgemeinen wurde nicht gehetzt, sondern verächtlicher Typ vorgeführt, eben der „Valutaprolet”. Andererseits wurde uns sogar der Vorwurf gemacht, dass durch diese Anzeigen ein Export unserer Fabrikate nach Belgien in die Wege geleitet werden sollte. Solche Dummheit müßte eigentlich besteuert werden. Wir lehnen jedes Geschäft mit Belgiern und Franzosen ab! Erstens entspräche eine solche Verbindung nicht der Gesinnung des Inhabers unserer Firma, welcher Poincaré und Genossen auf jeder Zehe ein Hühnerauge wünscht, das bis an die Nasenlöcher reicht, damit sie kein Kukirol brauchten, sondern es abkauen könnten. Zweitens haben wir eine solche Verbindung nicht nötig, denn in Deutschland und im neutralen Auslande wird Kukirol als bestes Hühneraugenmittel so stark gekauft, dass wir uns nicht unseren Feinden anzubiedern brauchen. Wir überlassen das gern anderen. Kukirol entfernt jedes Hühnerauge in wenigen Tagen….” (alle 14 Texte des Valuta-Proleten gibts hier.)

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

9. Dr. Unblutig betritt die Reklamebühne

Doch Kubikfuß alias Piedecubiste war nur Iversens erster Kukirol-Streich. Der zweite war die (gemeinsam mit Kurt Krisp?) Erfindung der Werbefigur eines gewissen Doktor Unblutig. In den Jahren 1923 bis 1929 machte dieser gnomenhafte Medizin-Kobold Furore. Werbefiguren waren keineswegs neu. Um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen: den für Schokolade werbenden Rüger Hansi gab es seit 1895, den Sarotti-Mohren seit 1916. Im Gegensatz zu ihnen besaß Doktor Unblutig jedoch von Anfang an den zweifelhaften Charme eines Comic-Charakters. Das eröffnete der Figur allerdings eigene Möglichkeiten. Gezeichnet hatte sie Joe Loewenstein (Joe Loe), der als Grafiker für besonders humorvolle Entwürfe (z.B. für den Fön oder die Salamander-Schuhe) in Fachkreisen bekannt geworden war und auch schon die Illustrations-Vignetten für Piedecubiste geliefert hatte. Doktor Unblutig trat sowohl in Farbe (etwa auf Schaufenster-Plakaten) wie auch als schwarz-weißer Serienheld in der Tagespresse auf. Als Hühneraugenkapazität besaß der hässliche kleine „Arzt voll Witz und Humor” einen Röntgenblick für das besagte Fußübel.

In der zweiten Juniwoche 1923 betrat dieser Dr. Unblutig als “Professor der Kukirologie” erstmals die Werbebühne. Es war der Auftakt für eine jeweils in den Wochenend-Ausgaben der Tageszeitungen geschaltete Serie “In Dr. Unblutigs Sprechstunde”. In ihr erhielt der Leser Einblick in die Leidensgeschichten verschiedener Patienten, deren Hühneraugenprobleme Dr. Unblutig, mit forschen bis unverschämten Sprüchen kommentierend, mithilfe des beworbenen Präparats kurierte. Am 15. Juli empfahl er einem Patienten: “Aber lieber Freund! Wenn man solche Hühneraugen operieren wollte, so brauchte man Säge und Meißel. Das sind ja keine Hühneraugen mehr, sondern schon eher Telephonglocken. Da könnten Sie eine GmbH zur Verarbeitung von Horn drauf gründen..” Oder am 22. Juli einer jungen Dame: “Aha, da haben wir den sogenannten Pflanzentyp, oben Kokainaugen, unten Hühneraugen, oder – oben hui und unten pfui, wie der Dichter sagt, mit der Schlange des Paradieses im Hintergrunde, wenn es nicht etwa ein Strumpf ist. Aber, schönes Fräulein, dieses kleine Hühnerauge, das Sie da an der kleinen Zehe Ihres kleinen Fußes haben, behandeln wir nicht mit Salvarsan, sondern…”

Launige Verse über Hühneraugenträger

Launige Verse über Hühneraugenträger

Ein halbes Jahr später traten die in den Anzeigen vorgestellten Patienten-Typen auf einem Werbeblatt noch einmal en bloc auf, wobei ihr jeweiliges Fußübel diesmal in einem launigen Vierzeiler (wofür ein anderer Texter als Iversen beauftragt wurde) abgehandelt wurde:

Herr Ober? Sieh da! Wir kennen uns wohl!
Mein Rumpsteak war neulich sehr zäh.
Präparieren Sie den Fuß mit Kukirol,
Ihre Rumsteaks gleichfalls. Ade!..

Hutmacherin sind sie? Freut mich sehr!
Ich vertreibe das Zeug ohne Schnitt.
Vielleicht garnieren Sie dann hinterher
Einen Florentiner damit…

Ihre Hühneraugen sind kolossal,
Frau Raffke, und dabei voll Reiz.
Warum verschiebt denn der Herr Gemahl
Die Knollen nicht nach der Schweiz?..

Wie mag dieses Sich-lustig-Machen über die Gebrechen seiner Patienten beim Publikum angekommen sein? War dieses Zerrbild eines Arztes - noch dazu in einer gnomenhaften Comic-Version - dazu angetan, Vertrauen zum beworbenen Produkt zu erwecken? Mochten diejenigen, die an Hühneraugen litten, diesen „Witz” und „Humor” auf ihre Kosten so sehr goutieren, dass sie das so beworbene Produkt auch noch kauften?

10. Anzeigen sammelnd ein Schwein gewinnen

Natürlich fragten sich die Leser, warum in jeder Anzeige die Aufforderung ausgesprochen wurde: “Aufheben, Fortsetzung folgt!”. Der damit verfolgte Hintersinn offenbarte sich ihnen in der zweiten Augustwoche 1923, als Dr. Unblutig ein “nahrhaftes Preisausschreiben” aussetzte mit einem “lebenden, fetten Schwein” im “Gewicht von drei Zentnern” als erstem Preis. Der Hauptgewinn werde “von einem Prokuristen der Kukirol-Fabrik in der Nähe des Wohnortes des Gewinners eingekauft, wobei der Gewinner zugegen sein kann. Das Schwein wird dem Gewinner an seinem Wohnort persönlich gegen Quittung übergeben. Die Transportkosten trägt selbstverständlich die Kukirol-Fabrik.”

Mit Doktor Unblutig ein Schwein gewinnen. Preisausschreiben 1923

Mit Doktor Unblutig ein Schwein gewinnen. Preisausschreiben August 1923 (Quelle: Werbarium der 20er Jahre)

Als weitere Preise winkten, neben Schinken- und Dauerwurstpaketen, auch Gänse, Hasen und Hühner. Beteiligen daran könne sich jeder, “der die bisher in den Tageszeitungen erschienenen Anzeigen „In Dr. Unblutigs Sprechstunde” und die noch folgenden Inserate einsende. “Bedingung ist, dass die Inserate mit den verschiedenen Bildern und Texten, die sämtlich aus der gleichen Zeitung entnommen sein müssen, portofrei mit genauer Adresse, die Vornamen, Zunamen und Beruf enthalten und mit Tinte geschrieben sein muss, eingesandt werden”. Außerdem solle jeder Preisbewerber “1. auf einem 2-seitigen Bogen mit ungefähr 5 Zeilen kurz seine Ansicht über die millionenfach bewährten Weltartikel Kukirol-Hühneraugenpflaster und Kukirol-Fußbad niederschreiben. 2. mit einem beliebigen Bekannten über die Kukirol-Fabrikate und Kukirol-Reklame sprechen und dessen Name, Beruf und genaue Adresse auf dem gleichen Bogen niederschreiben. Außerdem soll noch kurz und ungeschminkt geschrieben werden, was dieser Bekannte über das in sehr vielen Millionen Fällen bewährte Kukirol-Fußbad und ferner, was dieser über die Kukirol-Reklame gesagt hat. Es hat also jeder Bewerber die Ausschnitte aller erschienenen und noch erscheinenden Unblutig-Inserate und den Bogen mit den Niederschriften an die untenstehende Adresse portofrei einzusenden.”

Was von den Einsendern an Offenbarung verlangt wurde, war nicht eben wenig und kann als früher Versuch einer Marktdurchleuchtung gewertet werden, Verbraucheradressen und -informationen zu erhalten und nebenbei noch eine Sammlung von Werbeargumenten und Lobsprüchen für weitere Anzeigen anzulegen. Doch die Aussicht, in den Monaten der Hyperinflation das tägliche karge Kohlgericht durch eine Fleischeinlage aufzubessern, mag viele Leser zum Sammeln und Einsenden der Kukirol-Anzeigen getrieben haben.

In den folgenden Jahren probierte die Firma Krisp mithilfe der Dr. Unblutig-Figur fast alles aus, was auf dem Sektor der Reklame möglich war. Unerschöpflich erschien das Reservoir sensationeller Ideen und atemberaubender Kampagnen, mit denen er an die Öffentlichkeit trat. Es gab ihn als Zeitungsanzeige und Pappaufsteller, als Ratgeber in Werbebroschüren und es gab ihn - ab 1925 - sogar real. Von seiner Physiognomie her an die gezeichnete Figur erinnernd, wurde ein Arzt (mit bürgerlichem Namen Paul Wasciewitz) engagiert, der mit der „Weltreisevilla” des Dr. Unblutig (einem umgebauten Omnisbus) auf reichsweite Promotion-Tour ging: bis hin nach Ostpreußen und immer einmal wieder mit einer Dame zur Musik des “Kukirol-Walzers” (Komponist: Arthur Walther) ein Tänzchen wagend  (letztere Angaben nach E. Scherf: Kukirol - Eine Karriere vom Drogisten zum Fabrikanten mit Weltruf, in: aus der Historie Schönebecks, 9/2006). Im Bus waren, neben einem Promotionsraum mit Werbematerial auch ein Behandlungszimmer und ein Bad eingebaut.

Die Weltreiseville mit dem realen Dr. Unblutig (1926)

Die "Weltreisevilla" mit dem realen Dr. Unblutig (1926)

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Sonntag, 16. August 2009 15:18
Themengebiet: Reklame & Werbung