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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Leben und Taten der Wikinger - Teil 2

Leben und Taten der Wikinger - Teil 2

Vom Maßstab des deutschen Mannes

© 1997 Dirk Schindelbeck

Das Abbild des Vorbilds des Urbilds oder: Von Sammlern und Umbauern

Kehren wir in die Modellautowelt zurück, wo sie noch nicht aus den Fugen geraten ist: Von Winston Churchill, Prinz Charles und Richard von Weizsäcker geht die Rede, sie seien Modellautofanatiker (gewesen), letzterer gar ein eingeschworener Wikinger. Ob aber auch Platon, lebte er noch, sich zu ihnen bekannt hätte? Spaß daran hätte er vielleicht gehabt, zumal man ja in den großen Automobilwerken, lange bevor ein neuer Typ in die Produktion geht, zunächst einmal ein Modell anfertigt, das Urbild mithin, die Idee. Was also, so würde der Philosoph seinen Sokrates vielleicht fragen lassen, treibt den Modellautofreund zum Sammeln an? Sind es die Modelle als solche oder dasjenige, wovon sie etwas vorstellen und Abbilder sind? Natürlich, spricht Karl Heinz, geht es mir letztlich nicht um die Modelle selbst, sondern um dasjenige, was sie an vorbildgetreuer Wiedergabe der Wirklichkeit leisten. Und die Wirklichkeit, auf die sich das Modell bezieht, die erkennst du dann auch? Klar, indem ich zwischen beiden vergleiche, sagt Karl-Heinz, erkenne ich sowohl die Wirklichkeit als auch das Modell. Du meinst also, wenn du ein Modell in der Hand hast, hast du immer einen Vergleich im Kopf, denn du misst das Modell, das ein Abbild ist, an der Wirklichkeit als seinem Vorbild und erkennst auf diese Weise, was beide sind? Richtig. Und wird das Abbild jemals besser sein können als das Vorbild, worauf es sich bezieht? Natürlich nicht. Wie aber, Karl Heinz, ist es dir möglich, diesen Vergleich anzustellen, wenn es da nicht noch etwas Drittes gäbe, worauf beide, Vorbild wie Abbild, zurückgehen müssen, nämlich das Urbild? Ich meine das so: Wenn du die reine Idee des Opel X als das Urbild für beide, großes Vorbild wie kleines Abbild, nicht längst erkannt hättest, könntest du nicht sagen: In Bezug darauf ist dies hier besser und jenes schlechter. - Ich verstehe dich nicht. - Da draußen auf dem Parkplatz, was ist das? - Ein Opel X. - Und hier drinnen, auf dem Tisch, was ist das? - Auch ein Opel X, als Modell. Erinnerst du dich also der Idee des Opel X auch über das Modell oder nicht? Ja. Ist dieses Erinnern selbst ein notwendig schlechteres? Nicht unbedingt. - Aber eins ist doch klar: Die Idee des Ford Z erinnerst du dabei nicht, oder? Keinesfalls. Also Opel X, ob groß oder klein. Ja. Die Frage also, so Sokrates, ist doch, ob das Modell, von dem wir sagten, es enthalte eine Erinnerung an die Idee, ja vielleicht selbst als die Idee in ihrer konzentrierten Form gelten kann und… Hör auf, Sokrates, spricht Karl Heinz, ich versteh dich nicht mehr. Ich bleibe bei meinen Modellen.

Borgward Arabella reloaded. 1964 (blau) und 2009 (schwarz)

Wikings Borgward Arabella reloaded: 1964 (blau) und 2009 (schwarz)

In der Tat sind viele Modellautofreunde von jener merkwürdigen Unruhe erfüllt, der noch etwas von jenem Erkenntnisproblem anhaftet, das schon den Altmeister der griechischen Philosophie so umgetrieben hat. Oft wissen sie nämlich nicht, ob sie sich mit Hilfe der Modelle an deren Vorbilder heranarbeiten oder sich damit begnügen sollen, die industriell hergestellten Objekte ihrer Begierde wie pflichtschuldige Archivare zu kassieren. Mit anderen Worten: Nicht selten liegen Sammler und Umbauerherz miteinander im Streit. Den reinen Sammler Typ ficht das noch relativ wenig an; allerdings erscheint auch sein Lustgewinn begrenzt. Wie der Briefmarkensammler ist er ein Augenmensch, der verwaltet, hortet und die Häupter seiner Lieben zählt. Am liebsten holt er seine Objekte gar nicht erst aus der Verpackung und lässt sie möglichst unberührt; schon Fingerabdrücke auf der Kunststoffoberfläche könnten einst als unstatthafter Manipulationsversuch interpretiert werden. Zu diesem Typ gehören die meisten Wiking-Intensiv Sammler; sie zeichnen sich durch eine aufs höchste kultivierte Wahrnehmung für feinste Abweichungen von der Serie aus. Für den außenstehenden Betrachter mögen sich zwei um 1970 produzierte blaue VW-Käfer gleichen wie ein Ei dem andern. Der Sachkenner jedoch erfasst die feinen Unterschiede sofort, denn er verfügt über die entscheidenden Kriterien und Merkmalslisten (wenn schon nicht im Kopf, so doch in seinen Unterlagen): Da kann denn zum entscheidenden Punkt bei der Einordnung und Bewertung des einzelnen Stücks werden, ob sich der Anspritzpunkt der Bodengruppe auf der linken oder der rechten Seite befindet. Die genialische Sorglosigkeit und der eklatante Mangel an buchhalterischer Disziplin, mit welchen Firmenpatriarch Friedrich Peltzer seinerzeit produzieren ließ, haben immer wieder zu Abweichungen von der Serie in kleinsten Stückzahlen geführt, so dass auch heute noch Modelle auftauchen, die gänzlich unbekannt sind und die dann bald zu höchsten Preisen gehandelt werden. Natürlich erheben sich auch regelmäßig skeptische Stimmen: Kann das wirklich noch ein Wiking Original sein, oder ist es, wie schon so oft, nur die geschickte Fälschung eines Betrügers?

Bodenplattenvarianten eines MB 180 (aus Wiking Chronik 6/87)

Bodenplattenvarianten eines MB 180 (aus Wiking Chronik 6/87)

Solche Anspritz(gesichts-)punkte interessieren den zutiefst haptisch ausgerichteten reinen Umbauer Typ nicht; er, der sich als der wahre, da wirklichkeitsbesessene Modellautofreund versteht, ist ja nicht auf die unvollkommenen Abbilder und schon gar nicht auf das Gesamtprogramm bestimmter Hersteller abonniert, sondern befindet sich ständig auf der Jagd nach Vorbildfahrzeugen, die ihn zu neuen Aktivitäten herausfordern. Für ihn kann das Angebot der Industrie bestenfalls Rohstoff sein, den er zur Realisierung eigener Modellideen nun einmal benötigt. Ein solcher Zeitgenosse, von einem Spanienurlaub zurückgekehrt, präsentiert denn auch ganz andere Urlaubserinnerungen auf der Dia Leinwand als die gewohnten Strand und Barszenen: eine Kollektion andalusischer Krankenwagen etwa mit (aus deutscher Sicht) abenteuerlichen, da vom Dorfschmied hergestellten Aufbauten, welche es während langer Winterabende im Keller des Reihenhauses in Altenbögge Bönen in den kleinen Maßstab umzusetzen gilt.

Von der einfachen >Superung< (Bemalen und Herausputzen eines für würdig befundenen Industrie Modells) über das Auskernen und Zersägen bis hin zum kompletten Neubau mittels sogenanntem Plastik Sheet, filigransten Messing Zurüst Ätzteilen und abschließendem Airbrush finish reicht die Spanne der Umbaumaßnahmen. Freilich hat sich die Industrie auch auf die Bedürfnisse dieser Klientel einzustellen versucht, ist vom früher üblichen Verkleben der Fahrzeugteile (was beim Zerlegungsversuch oft Beschädigungen nach sich zog) abgekommen und bietet Fertigmodelle zunehmend nur noch in Schnappverschlussbauweise an. Daneben gibt es ein inzwischen recht großes Angebot an Bausätzen; ihre Stärke liegt in einer gemessen am Fertigmodell deutlich höheren Anzahl an Einzelteilen, womit sich auch komplizierte Hydrauliken von Baggern oder Kränen bei vertretbarem Kostenaufwand funktionsfähig realisieren lassen. Doch selbst eine noch so perfekt zusammengesetzte Bausatz Raupe ohne übergetretenen Kleber wird auf einer Börse kein Kultgegenstand sein. Das Bausatzmodell bleibt eine hybride Kreatur: Weder haftet ihm die auf den Hersteller verweisende serielle Perfektion an, noch gibt es ehrliches Zeugnis vom Authentizitätsstreben seines Erbauers, der, lediglich der beigegebenen Explosionszeichnung folgend, den letzten Schritt der Modellrealisation ausführt, faktisch also zum Azubi des Anbieters abgesunken ist.

"Gesuperte" Modelle - Nummernschilder inkl. (aus MIBA 3/87)

"Gesuperte" Modelle - Nummernschilder inkl. (aus MIBA 3/87)

Respekt in vorbildfanatischen Kreisen kann nur erwarten, wer den beschriebenen authentischen Umgang mit dem Nicht-Authentischen beherrscht und durch eine Reihe selbst hergestellter Schaustücke dokumentiert. Gleichwohl zeigt die Gruppe der Umbauspezialisten in der letzten Zeit einige Ermüdungserscheinungen. Vorbei sind die goldenen achtziger Jahre, als in der MAZ noch die große Serie über selbstgebaute, gelenkte LKW-Auflieger und -Nachläufer wahre Stürme der Begeisterung hervorrief! Auch an Volker Tuffek mit seinen Ferrari Meisterstücken, die sogar lenkbar waren aufgrund feinster Zahnstangen und Räder, selbstverständlich mit beweglichen Türen und Hauben, sei hier schon fast mit Wehmut erinnert. Das war noch 500 Arbeitsstunden! echte Uhrmacherarbeit in Plastik! Einer, der unverdrossen an Unikaten weiterbaut (»entweder gar nicht oder vorbildgerecht«), ist auch Wolfgang Jendsch aus Radolfzell, ein weit über den Bodenseeraum hinaus bekannter Meister der Feuerwehr-Miniatur. Unverzichtbare Grundlage ist für den auch seit mehr als 15 Jahren als Fachjournalist und Buchautor tätigen Inhaber einer Presse- und Werbeagentur sein Spezialarchiv mit Konstruktionszeichnungen und über 45000 Fotos von Einsatzfahrzeugen aus aller Welt. Zwar ist sein HO Fuhrpark inzwischen auf weit über 4000 verschiedene Fahrzeuge angewachsen, jedoch nicht im geringsten auf Quantität angelegt. Was der hortende Sammler niemals täte, hat Jendsch denn auch schon des öfteren praktiziert: Modelle, die seinen Ansprüchen an Vorbildtreue nicht mehr genügen, der Mülltonne überantwortet.

»Wer Wissenschaft und Kunst besitzt … «

Es ist schon bemerkenswert, welche Spätfolgen die einst über die Wiking-Modelle (mit-) initiierte Erziehung zur Maßstabsdisziplin bei heute Erwachsenen zeitigt und zeigt. Immer wieder drängt es die Fraktion der wirklichkeitsbesessenen Modellautofreunden, ihre aus soviel Spezialwissen erwachsenen und mit soviel Leidenschaft hergestellten Miniaturen in einem angemessenen Rahmen zu inszenieren, auf kleinen Dioramen, wo sich, auch ohne ablenkenden Bahnbetrieb, präsentieren lässt, was zur Augenweide für die Betrachter gerät. Nichts ist auf diesen kontrollierten Vierecken dem Zufall überlassen, alles ist perfekt arrangiert und hat seinen Platz. Hier ist kein Fahrzeug mehr >von der Stange<, und was jemals seriellen Ursprungs war, ist enzyklopädisch zurückverwandelt zu einem Unikat mit Lehrbeispielqualität. Hier errichtet, mit Hilfe eines geliehenen Liebherr Krans der Firma Scholpp, der Circus Krone das Gerüst für sein großes Zelt, dort ist, wie man sieht, die Dorffeuerwehr soeben von einem gelungenen Einsatz zurückgekehrt: Ordnungsgemäß sind ja schon die Schläuche zum Trocknen am alten Spritzenhaus aufgehängt. Und also zeigt sich, was die Miniatur in Wahrheit ist. Und das ist es doch, o Karl-Heinz, was Sokrates vorhin meinte, als du ihn nicht verstandest: Es ist die Deutschland Idee, das Meta Modell, wie es ja schon Willy Brandt einst als Vision vorschwebte, der von der harten Arbeit am Kupplungsmaul dann leider so wenig verstand. Und nun erkennen wir auch, warum der kleine Maßstab der deutsche Maßstab ist. Wo sich Fahrzeug an Fahrzeug reiht, Feuerwehrschlauch und Schlauchhaspel sich zusammenfügen lassen zu einem stimmigen und jederzeit übersichtlichen Bild, transzendiert auch die strenge Forderung nach Maßstabstreue in ein anderes Sein, verschmelzen Realität und Phantasie, wird Wissenschaft zur Kunst. »Spielen Sie Wirklichkeit!« wie es schon vor Jahren einmal der Slogan eines Herstellers nicht untreffend ausdrückte, ist nämlich nicht nur eine Optik, es ist eine Perspektive sie impliziert die Idee des ewig besseren, des idealen Deutschland.

Natürlich bemüht sich auch hier die Industrie, diesen Sehnsüchten der Modell(auto)freunde nach einem »harmonisch realistischen« (Bodo Michael Baumunk) Weltbild mit geeignetem Baumaterial entgegenzukommen. Blühende Apfelbäume und Kopfsteinpflasterfolie, Dorfziehbrunnen und Brauereiensembles gehören seit langem zum Standardprogramm, inzwischen durch maßstabsgetreue Misthaufen (mit Rauchgenerator) oder elektronisch aufgerüstete Radarfallen für die Porsche Raser unter den HO-Automobilisten ergänzt. Generell aber gilt, trotz allen technologischen Fortschritts im Detail, hinsichtlich des emotionalen Zugriffs auf diese Welt, was Michael Lang, Marketing Leiter des Modellgebäudeherstellers Faller, anhand harter Absatzerfahrungen auf den Punkt bringt: »Alles, was sinnvoll mit Fachwerk verziert ist, hat eine gewisse Sicherheit für den Erfolg. «

Hund, Hundekot und Kotbeseitigungsdienst in 1:87 (Prospekt der Firma Busch 2008)

Hund, Hundekot und Kotbeseitigungsdienst in 1:87 (Prospekt der Firma Busch 2008)

Den Modellfreunden gelingt offenbar mühelos, arkadische Unschuldsszenarien mit den künstlichen Paradiesen eines Stefan George zu vereinen. Da zieht sich nahtlos vom Gestern durchs Heute ins Morgen hin, was nur gelegentlich durch die Kapriolen (aus-) reißender Zeit gestört wird. Folglich wird auch die Geschichte, maßstäblich heruntertransformiert, zum Exerzierfeld privater Aneignungskultur. Da gab es zum Beispiel vor dem 9. November 1989 den deutschen Osten im Modell nicht. Doch mit dem Fall der Mauer und der sich auch mental rapide vollziehenden Ausweitung des Bundesgebiets war ja nun, da im realen Straßenbild am steigenden Trabi Aufkommen in Gesamt Deutschland nicht mehr abzuleugnen, schnellstmöglich Nachbesserung eingefordert. Und schon Mitte 1990 meldete die Branche Vollzug, rollten Modell Trabi Geschwader in Fünfzigerformationen in die Schaufenster der Fachhändler.

LPG en miniature. DDR-Modelle der Firma Busch

LPG en miniature. DDR-Modelle der Firma Busch

Seither ist die Zeit wieder im Griff, zu Geschichte befriedet und klassifiziert als »Epoche V«. (Epoche I: bis 1918 »Reiner Dampflokbetrieb«, Epoche II: 1918 bis 1945 »Reichsbahnzeit« usw.)

Endlich Modelle für "Epoche 2" (Neuheit 1988)

Endlich Modelle für "Epoche 2" (d.i. Dampflokzeit bis 1945)

Gleichwohl bedeutet Modell Deutschland als Deutschland-Modell noch immer eine Forderung an die Kunst (Vgl. hierzu “Die 50er Jahre im Modell). Ein solcher Dichter des heiligen Maßstabs ist Bernhard Stein aus Reilingen bei Karlsruhe. Stein, Spezialist für Anlagen und Dioramen, erschafft seine Muster Welten denn auch nicht in einer Garage oder Werkstatt, sondern in einem Atelier. Freilich muss, was unter seinen Händen plastisch aufersteht, vom Material her keineswegs immer Plastik sein. Zwar musste auch er lange um Anerkennung ringen, doch fand er am Ende wohlwollendes Verständnis bei jenen, die wir schon oben kennengelernt haben: »Ob solche Landschaften Kunstwerke sind, war für mich auch wegen der Steuererklärung wichtig. Damals, vor zehn Jahren, hatte ich ja schon als Fachjournalist gearbeitet und für 80 DM Toilettenpapier und für 5 DM Senfkörner absetzen wollen. Der zuständige Finanzbeamte wurde nun stutzig und fragte sich, wie ein Journalist denn auf die Idee käme, dies als Werbeaufwand geltend zu machen. Ich muss dazu sagen: Ich arbeitete damals noch in Gips und formte meine Berge mit aufgeweichtem Klosettpapier, und die Senfkörner brauchte ich, um die wichtige Rübenverladung im Modell darzustellen. Dem Beamten, der sich weigerte, das anzuerkennen, sagte ich: >Jetzt gehn Sie doch einfach mal mit mir raus in mein Atelier.< Ich hatte da nämlich grad den Loreleyfelsen als Schaustück für die Spielwarenmesse fertiggemacht. Und als er das Modell sah und ich ihm erklärte: >Schaun Sie, hier hab ich das Klosettpapier mit verarbeitet, und das sind die Senfkörner, die die Rübenverladung darstellen!< da sagte er nur: >Das ist ja phantastisch, jetzt ist mir alles klar!< 14 Tage später bekam ich einen Anruf vom Finanzamt. Es war der Chef selbst, der zu mir sagte: >Herr Stein, wir haben gerade eine Weihnachtsfeier, dürfen wir nachher bei Ihnen vorbeikommen und uns das Modell anschauen?< Es kamen zehn Autos mit 40 Finanzbeamten, und als die nun alle davorstanden, nahm ich die Gelegenheit wahr und sagte: >Da Sie, meine Herren, jetzt alle hier versammelt sind, dürfte doch endgültig geklärt sein, dass dies eine künstlerische Leistung darstellt.< Und ich ergänzte: >Wenn Sie schon den Beuys, der doch lediglich Butter an eine Fensterscheibe schmiert, steuerlich als Künstler einstufen, dann muss es doch wohl möglich sein, dies hier als Kunstwerk anzuerkennen<, worauf es hieß: >Außer Zweifel! <«

Schon die »Zeit« machte den Modellbauer als einen Virtuosen in Zeitmaschinen aus; von ihm, so hieß es, könne man lernen, die Krise zu überwinden. In der Tat. Die Dichtung erfüllt ihren Zweck dann, wenn sie durch Nachahmung (mimesis) Freude erzeugt (Aristoteles). Alles Modellhafte ist schließlich ein Gleichnis.

Liebesakt in 1:87: Modellneuheit 2008 mit "elastic-body-technologie"

Modellneuheit 2008 mit "elastic-body-technologie": Die Frau bewegt sich in 1:87 "vorbildgetreu"

Persönlicher Nachsatz oder Ende des Auspuffküssers

Weiter geht es über das Land, wo die Tannen und Fichten stehn, die Gartenzwerge die Beete bewachen und die Schäferhunde in ihren Hütten dösen, nicht vereinzelt im Lied wie bei Heine (»Ein Fichtenbaum steht einsam«), sondern geduckt, massiert, im Pulk. Vorbei an Plakaten, die den Mythos wachhalten: »Ein Bier wie unser Land!« Ja, wenn die Schwermut kommt im Herbst, der Nebel um die Hügelkuppen streicht, und die Kuckuksuhr tickt im Hinterkopf immerzu, immerzu. Sein und Zeit! Zeit und Sein! 0 Heidegger-Land, verwunschenes, von Sorge gezeichnet und sprachlosem Glück: vor allem jetzt, wo der Schwarzwald wild wird und unberechenbar und ich doch schon kurz vor Bonndorf bin. Nah ist die Wutachschlucht mit ihren wilden Wassern, die schon so manchen Wanderer fortgerissen haben auf Nimmerwiederkehr. Ich aber, klug, zweige bei Rothaus ab, wo das kräftige Bier gebraut wird, das die Staatskasse des Musterländles ein wenig aufbessert, wende mich seitwärts, wo sich die Landschaft weitet, am Hüsli, einst Drehort der Schwarzwaldklinik, vorbei hinunter nach Grafenhausen, das schon zweimal Sieger im Bundeswettbewerb war um den kinderfreundlichsten Urlaubsort. Mein Ziel ist die Mattenklause hinter drei Ecken, am Waldesrain, halb Modelladen, halb Kneipe. Frisch in den Laden und eingekauft, der Mann ist bestens sortiert; gleich folgt, beim Weizenbier, die Begutachtung der rollenden Plastikschätze. Wie der Friseur verschickt auch der Wirt in die ganze Welt. Gestärkt erhebe ich mich wieder, denn wartet sie nicht schon da draußen auf mich, meine Wirklichkeit? 0 Sauschwänzlebahn, lebensgroßes Modell (1:1), Urbild, Vorbild und Abbild zugleich. Vom Zollhaus Blumberg rumpeln wir los, 700 Meter über dem Meer, 230 Meter hinunter nach Weizen an der Schweizer Grenze. Knapp 26 km Fahrgenuss, verteilt auf eine ganze Stunde, erwarten uns, voller Windungen und Kehren, Luftlinie gerade 10km, alles auf der harten Holzbank, vierte Klasse.
Aber so muss es sein, langsam, langsam, denn hinter jeder Kurve lauert ja ein neues Glück. Auch die gegenüber gefällt mir nicht schlecht. Aber jetzt das Vieh wie drapiert auf der Weide, und der Bahnhof Epfenhofen, lebensgroß und doch irgendwie ein Modell. An der Straße geht’s lang, wo das wirkliche Leben vorbeirauscht. Schau, die Insassen eines Reisebusses winken herüber: Hallo, ihr da in eurer anderen Zeit! Schon naht der erste Viadukt, werden die Hälse lang. Man streckt den Kopf zum Fenster hinaus. Süßer Schwindel steigt auf, irrer Reiz aus der Tiefe: Die Häuser da unten, so klein. Zwischen molligen Hügeln geht’s weiter. Die gegenüber hat hübsche Grübchen. Wie die Tiefe gelockt hat, ruft jetzt der Berg. 0 warmer Tunnel, süße Vulva! Wenn nur der Ruß nicht wär, der sich unangenehm in die Haare setzt. In der Tasche fingere ich nach dem Modell, die gegenüber sitzt, muss es ja nicht sehn. Kühlerhaube, Benz Stern, alles noch dran, prima… Der Ruß ist wirklich penetrant. Wollte nicht, nach Nietzsche, der Mann das Weib als das gefährlichste Spielzeug? Ich sollte mich wieder mal fragen: Bin ich ein Auspuffküsser? Möchte ich Plastik sein? Ach, ein Warhol bin ich nicht.

Benedetto in HO

Benedetto in HO: Modell der Firma Vollmer (Geburtshaus in Marktl am Inn wahlweise als Bausatz oder Fertigmodell)

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Dienstag, 8. September 2009 18:05
Themengebiet: Sammelfieber