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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Seelenkurort Weimar 2000

Seelenkurort Weimar 2000

© 1990 Dirk Schindelbeck

Der folgende satirische Text, bereits im Februar 1990 (!!!) verfasst, erschien in der Badischen Zeitung am 4. August 1990, vier Wochen nach Einführung der DM und noch vor der formellen Wiedervereingung. In ihrer frühzeitigen Analyse der Kommerzialisierung des Kulturbetriebs war die Satire zu diesem Zeitpunkt geradezu visionär. 1999, als Weimar „Kulturhauptstadt Europas” wurde, hatte die Wirklichkeit sie sozusagen als Real-Satire übertroffen. Zum großen Event (250. Goethe-Geburtstag, 10 Jahre Mauerfall) entwickelten Studenten der Bauhaus-Universität beispielsweise Touristen-Souvenirs wie den abgebildeten Goethe-Schnuller, die Mehr-Licht-Kerze oder eine Genie-Maske zum Überziehen.

„Anmutig Tal, du immergrüner Hain!
Mein Herz begrüßt euch wieder auf das beste.
Entfaltet mir die schwerbehangnen Äste,
nehmt freundlich mich in eure Schatten ein…”
So hat der Dichter, vor zweihundert Jahren,
hier Tal und Hügel, Wald und Fluss erfahren,
verwegnen Ritts die Auen wild durchkämmt,
die Stadt zumeist im Rücken, und ganz ungehemmt
mit rohen Spießgesellen manche wüste Nacht
im Feuerschein beim Picknick zugebracht.
Inmitten der Natur, im kargen Gartenhaus
Kurierte er sich bald die alten Leiden aus,
und wie er Stück um Stück gesundete,
sich Vers um Vers auf frischen Kräften rundete,
lag er auf hartem Lager und empfand
der Mond so nah, der überm Oberkochberg stand.

Allmählich aber reifte er heran
- vorbei die Zeit zu schweifen und zu dichten -,
zog her nach Weimar in das Haus am Frauenplan,
gewöhnte sich in Ämter und in Pflichten,
Minister bald, bald Rat und Wegeplaner,
bekannte er am Ende: „Ich bin Weimaraner!”
Da steht er nun massiv und sinnt, er scheint
bedächtig, und wir ahnen, was er meint,
wenn er den Blick voll Hoffnung vorwärts richtet,
Epochen wechseln sieht und Zeitenschicksal sichtet.
Und schon erreicht sein Geist uns hier und hart
und schneidet ein in unsre Gegenwart:
„Im Ernst! Der Ort war mein Geheim-Projekt,
doch hielt ich mich in diesem Punkt bedeckt,
denn unter Deutschen ist’s ein wüstes Ding
so mit dem Geist wie mit dem Marketing.
Bescheiden hab ich nur mein Beispiel hingestellt,
wie man zum Markenzeichen vor der Welt
die Kleinstadt machen könnt’, Gemüt mit Geist verquickt:
Das ist’s ja, was die Deutschen so beglückt!
Schon als ich ankam in der Werthertracht,
hab ich dem Nest den Flair von Mode beigebracht.
Und als ich bald Theaterspiele inszenierte,
die Parklandschaft dezent illuminierte,
gar Wasserfälle über Felsen führte,
war das doch nicht nur für den leeren Schein:
Der Anfang war’s vom Corporate Design!

Zwar wurde dieses damals nicht mal wahrgenommen,
ich aber wusste, diese Zeiten werden kommen.”

goethe866

Goethe-Spaß-Maske, entworfen von Studenten der Bauhaus-Uni 1999

Nun sind sie da! Die morsche Mauer fiel,
das deutsche Land ist plötzlich arrondiert,
und ist politisch auch Berlin das Ziel,
bleibt einzig Weimar, das Gemüt und Geist zentriert.
Dies alte Sehnen, dies verborgne Ahnen
quillt rasch hervor und gräbt sich neue Bahnen.
Noch stehen auf dem Markt die Broilerstände,
hängt übles Zweitaktabgas über dem Gelände,
jedoch getrost, wir eilen rasch zehn Jahre weiter,
das Jahr 2000 zeigt ein andres Bild,
die propern Plätze sind, die Autobahnen breiter,
und „Seelenkurort” kündet sanft ein Schild.
Das mutet heimlig an, verheißt gut sein;
hier bleiben wir, begeben uns hinein.
Wir treffen welche, die wie Spezialisten
die Hausfassaden aufmerksam betrachten,
auf Mauern, Giebel, Fensterkreuze achten,
auf Pflasterwerk und Poller, Blumenkisten;
sie sind alert und smart, sie wirken elegant
und haben Schreibgerät und Blöcke in der Hand,
notieren, was sich hier verbessern könnte
im Patina- und Heimat-Ambiente.
Sie, die die Stadt hier als Produkt bewerben,
erscheinen uns als Goethes wahre Erben.

„O nehmt uns mit, zeigt uns die Ladenzeilen,
wir möchten Weimar sehn, wie’s heute pulst und lebt!”
Und während wir mit ihnen weitereilen,
da tritt er selbst aus einem Laden, schwebt
vorüber wie ein Geist auf allzu zarten Füßen,
und wer ihn sieht, verneigt sich, ihn zu grüßen:
„Der Dichter wird von Mimen pausenlos gespielt,”
erklären uns die Werbespezialisten,
„wie umgekehrt die Ortsbewohner als Statisten
hier die Belebung leisten in dem Straßenbild.
Auch die Produkte, so hier angeboten,
sind streng aus diesem Fundus konzipiert.
Zum Beispiel die Boutique dort ‚Chez Charlotten’,
die exquisite Damenoberkleidung führt,
begeistert mit dem Iphigenien-Look seit Jahren
die reifen Damen, die schon deshalb hierher fahren.
Daneben liegt, sortiert in Sonderwünschen
und Spitzenangeboten, ‚Vulpius-Dessous’.
Ja, selbst poetisch kaum bedarfte Menschen,
sie blühn hier plötzlich auf wie bei der Liebsten Gruß.
Sogar Asketen kommen voll auf ihre Kosten,
‚Entsagungsstuben’ laden freundlich ein -
bei Vollwertwürsten, Hagebuttenmosten
erhalten sie zu leiser Dramenlesung
in Englisch, Deutsch, Altgriechisch und Latein
Komplett-Menüs und Weltbildvollgenesung.”

schnull594

Goethe-Schnuller, entworfen von Studenten der Bauhaus-Uni 1999

Wir sind begeistert, setzen uns in ein Café
zu einem Schiller-Schoko-Schaum-Baiser.
„Wir werden jeden Gast wo immer animieren”,
erklären uns die Werber: „Vor zwei Wochen
begannen wir, ein neues Spiel hier einzuführen:
„Wer findet Goethes Zwischenkieferknochen?”
Und die da vorn, was bringen die zu Wege?
Sie brüten ernst, die Ader schwillt bedächtig,
es scheint, sie haben Exklusiv-Verträge,
denn in den Köpfen regt der Geist sich mächtig,
und manche murmeln lautlaut vor sich hin -
Es sind die Word-Designer, Dichter einst geheißen,
es ist gelungen, sie en bloc hierher zu ziehn,
Einheit und Freiheit im Gesang zu preisen.
Anmutig Weimar, heimatheller Ort,
der so viel bringt, wird vielen etwas bringen!
Die einen kuren ihre Schwermut fort,
indes die andern lauthals schunkelnd singen -
Und endlich schlägt das „Heidenröslein” „Rosamunde”
in dieser Stadt, in dieser Sängerrunde…

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 27. April 2009 9:52
Themengebiet: Deutschlandgedichte