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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Machos alter Schule

Machos alter Schule

eine Offenbarung, gesprächsweise

© 1976/2009 Dirk Schindelbeck

Astrid: Tagchen Rolf!

Rolf: Ja, grüß Dich, Astrid!

Astrid: Klaus, ich erwarte,
dass Du den Kühlschrank abtaust, während ich fort bin.

Klaus: Ja, mach ich!

Astrid:
Tschüs, mein Liebster. Tschüs Rolf auch. Heut Abend sehn wir uns wieder.

Klaus:
Sieh nur, da geht sie. Was dieses Weib auch für Kraft hat! Komm, Rolf, jetzt,
setz Dich her. Ich mach uns Kaffee, wir lassen’s uns gut sein.

Rolf: Ist was passiert?

Klaus: Das ist es ja eben! Gezeter tagtäglich!
Schlimm, dass ich diesen Zustand schon als den natürlichen nehme.
Du hast es gut dagegen, du wohnst nicht mit Frauen zusammen.

Rolf:
Du hast es gut! Du weißt, wer Du bist, wo du hingehörst, weißt Du.
Ich dagegen verstehe die Frauen nicht mehr. Was ich glaubte,
dass sie seien und dächten, die Gründe, nach denen sie’s täten,
sind mir völlig entglitten. Ich tappe und stochre im Nebel!
Schau, je mehr ich an Frauen kenne, je weniger weiß ich
von der Psyche der Frau an sich! Wer kann das ertragen?
Früher liebt ich die schönen, da wusste ich wenigstens: einfach
ist deren Denken. Sie möchten, dass Männe was anschleppt
Halsketten, Bausparverträge, und gleich läuft alles geregelt.
Wie ein Gockel balzt du und schaust, was dem Kätzchen noch fehle,
bleibst zwar ein ödipaler Bursche auf ewige Zeiten,
aber du kennst das Spiel. Und dafür bist du ja dankbar.

Klaus:
So war’s ja schon bei unseren Eltern. Da wurde die Liebe
durch die Leistung gemessen und durch zu erwartende Leistung,
durch das Häuschen, das Auto, den Geldsieg über den Nachbarn.

Rolf:
Stimmt! So hielt ja auch ich die Hoffnung im Weibe lebendig
darauf, dass ich schon bald ganz groß herauskommen würde.
Solches empfahl ja schon Ovid, als er sagte: Versprich nur
immer sehr viel und halte wenig, so hältst Du die Hoffnung
wach im Weibe. Und schau, die Schöne, sie glüht dir entgegen.
Frauen brauchen ja diese Spannung, die einzig beflügelt
ihren Ehrgeiz. Sie glauben schlicht: Verbessre ich Männe,
oder stachle ich ihn, sich selbst zu verbessern, wird’s besser
für uns beide. Sieh nur, Rolf, das herrliche Armband
stünde mir das nicht gut? Nun sag doch was, Liebster. So ging das.

Klaus:
Doch mit den weniger schönen ist es kaum anders. Verbessert
wird auch da; das geht so: „Das ewige Schwätzen mit Freunden
bringt dir nichts. Nur Männerwitze und Fußball, ich kenn das.
Aber du gehst ja lieber zu deinen saufenden Kumpels
als ein einziges Mal im Monat mit mir ins Theater.”
Leidenschaft ist das nicht mehr, die bloße Fordrung, die nackte,
tritt an die Stelle der edlen Gefühle, und kalte Berechnung
nimmt den Platz ein des Blicks voller Inbrunst, der zarten Gebärde.

Rolf:
Sieh, wie geht’s mir mit Lydia grade? Ich will meine Ruhe,
will meinen Frieden. Sie duldet es nicht. So sitzen wir gestern
Abend in meinem Zimmer. Ich lese Horazische Oden.
Erst ruft sie an. Das dauert wohl zwanzig Minuten. Ich lese.
Dann kommt sie wieder, ich lese, sie wühlt in den Schränken und Schüben,
steht vorm Spiegel, kämmt sich, greift sich die Zeitung und blättert,
ruft dann wieder an, ich lese, doch plötzlich, da platzt sie
unbeherrscht los: „Was liest Du denn da für modriges Mistzeug?
Musst Du denn wenigstens darüber arbeiten? Irrelevant ist
dieser verstaubte Quatsch, von Patriarchen ersonnen
zum Pläsier für Gesinnungsgenossen in späteren Zeiten,
die mit weniger sexy Sklavinnen auskommen müssen.”

Klaus:
Super-vulkanisch das Weib. Da spritzt dir die Lava ums Haupt, Freund,
und dein Ego versinkt unter pyroplastischen Wellen.

Rolf:
Muss ich denn all mein Tun und Lassen auf Frauen nur münzen?
Muss denn alles Handeln und Leiden den Frauen bestimmt sein?
Ach, es ist schon ein Kreuz. Ein Kreuz hatte Jason zu tragen
in Medea, ein Kreuz Catull und eines Ovid auch
in der Lesbia, in der Corinna, und wären uns Gallus’
herrliche Werke erhalten, sie tönten vom Kreuze nicht anders.
Aber es gibt auch den Gegenfall: Ich betrachte sie innigst,
streichle den Nacken, umfahre mit zärtlichen Händen die Brüste,
Flöten und Raunen entfährt meinen Lippen, ich gieße den Rotwein
blindlings küssend nach - was hat mich das Übung gekostet! -
lalle ein Honigwort ins Ohr, doch das Weib bleibt wie reglos,
schaut zur Decke, greift zum Glase, da will ich sie stürmisch
drücken, sie dreht sich weg, ich verhalte und wage den Anlauf
wieder, will mich grad über sie beugen, da steht sie gelangweilt
auf und sagt nur ganz kalt: „Ich bin kein Objekt deiner Lüste.”

Klaus:
Wenn Du als junger Stenz vom Gedanken endlich geheilt bist,
gut nur aussehn müsse die Frau, die du ausführst, du endlich
menschlich emporreifst, dich sehnst nach wahrhaften Werten,
wirst du von weniger hübschen enttäuscht. Dir scheinen sie wertvoll,
aber sie machen sich bloß attraktiv durch allerlei Zauber.

Rolf:
Ach, mit den hässlichen ist es so schwer: Die wollen geliebt sein,
allseits begehrt noch dazu, und alles noch möglichst auf einmal.
Weißt Du, was ich nun endlich glaube: Das Weib will nur Wirkung,
wo die herkommt, ist ziemlich egal, ob von Männern, von Frauen.

Klaus:
Frauen sind außengeleitet, schon immer: das müsstest du wissen!

Rolf:
Ja, das schlimmste für mich sind Weiber in Sekten und Clübchen:
Dieses Säuseln und Flöten, das schmeckt wie klebrige Küchlein.

Klaus:
Hässliche geile sind ebenso schlimm. Beglückst du sie einmal:
Auf in das Rennen! Es rast die Mänade! Nun spute Dich, Junge!

Rolf:
Ungeschminkte Studierte lackieren die Lippen mit Plato
und begründen es Dir mit Quintilian, o Du Rüpel!

Klaus:
Und die Muttertiere! Sie meinen, sie seien für alle
Maß! Kaltlächelnd belehren sie dich und strotzen vor Dummheit!

Rolf:
Eine kannt’ ich, die machte so vornehm trippelnde Schrittchen:
In Gesellschaft war ich ihr Hund, zu Haus ihr Apollo.

Klaus:
Ich wurd gestreichelt vorm Haufen. Zu Hause erlosch ihre Glut ganz,
denn sie war stets beschäftigt: Ich saß wie ein Hund in der Ecke.

Rolf:
Wie schrie Claudia noch? „Du Unterdrücker, was glaubst Du
in deinem Männlichkeitswahn?” Ich hatte vergessen zu spülen.

Klaus:
Wenn es nur das wär’, erträglich. Der ganze Egozentrismus,
den Du landauf, landab jetzt siehst, der Fäulniserreger
in unsrer Kunst, ist Frucht der Weiber. Sie haben’s erfunden,
Scharen von Softies schließen sich an, da’s herrlich bequem ist,
und die Mittelpunktssucht grassiert ohne Hemmung und Ufer.
Täglich treibt’s wildere Blüten heraus. Wie krankt da der Sinn für
Qualität, wie wird er verdrängt durch den Sinn für Personen.
Sieh Dir die Talk-Shows an, das Grinsen, die Posen, dann weißt Du’s.

Rolf:
Selbst die Geschichte, Klaus! Wir leben im Frauenjahrhundert,
wie hysterisch ist’s schon verlaufen. Ein jeder will schnellstens
siegen. Wo bleibt der redliche Glaube, wo bleibt alle Selbstzucht?
Wüste Begeistrung, maßloses Schwärmen der Massen, was hat es
angerichtet? Wo blieb alle Virtus? Niedergeschrieen
wer nur ruhig die Bahn ging und sachlich sprach und ermahnte!
Das Jahrhundert der Blendeffekte! Wie sagte noch Nietzsche?
Feminismus wird herrschen und Infantilismus: Du siehst es!

Klaus:
Recht muss man geben den Frauengruppen. Es gibt keinen Mann mehr
in dem Sinne römischer Virtus, der redlich sein Dasein
aushält in Glück und Leid, bescheiden geblieben, der sich nicht
um einen kleinen Vorteil, um Geld oder Annehmlichkeiten
Edles kleinschreien lässt und Plastikgötter bejubelt.

Rolf:
Keiner schämt sich mehr. Wer öffentlich onaniert heut,
gilt als der redlichste Mensch. Zeig Deine Bedürfnisstruktur, Freund,
und man preist dich als Dichter, als Aufklärungsgott, als den Sieger
über Tabus, die uns beschränkten. Und niemand erkennt mehr,
dass auch Unantastbares sein muss und außer der Frage.

Klaus:
Jede Aufklärung fällt der Romantik anheim. Wie sie schreien,
wenn die Erkenntnis kommt, von einem Extrem in das andre
blindlings umkippen, fest behauptend, sie kennten den Weg nun.

Rolf:
Hast du, bekenn es, schon gefunden das Weib, das Erbarmen
jemals hätte gezeigt, das Dir als Gebrochenem aufhilft
frei und ohne die Absicht zu herrschen? Aus menschlicher Regung,
Anteilnahme allein? Ich sag dir, Du wirst es nicht finden.

Klaus:
Hast Du auch jemals getroffen das Weib, das sich schuldig bekannt hat,
ohne dass Du’s ihr nachweisen konntest? Das um Verzeihung
oder Entschuldigung wäre je zu dir gekommen, wohl wissend,
dass Du sie schonst, weil Du liebst. Auch das wird Dir niemals geschehen.
Nein, von der Krone bricht sie sich nichts, da stellt sie sich lieber
trotzig, weist Dir die Schuld zu und möglichst ein schlechtes Gewissen.

Rolf:
Ja, das schlechte Gewissen. Das kenn ich aus langer Erfahrung:
Wenn ich mich beispielsweise bemüh’, meine Handlungen prüfe
mit dem zarten Gewissensorgan und sichtbar schon leide,
tritt das Weib hinzu und packt mir noch mehr auf. Sie sieht ja,
jetzt ist es möglich, Gewissensgift ins Hirn mir zu gießen.

Klaus:
Taktisch denkt sie und findet es billig, dich zu belasten,
glücklich der Mann, der nicht reagiert oder innerlich stumpf ist.

Rolf:
Glücklich der Mann, der außen smart ist und innerlich Krüppel!

Klaus:
Frauen sind daseinsmotorisch wesentlich stärker als Männer.
Das musst Du wissen. Sie haben Darwin besser verstanden.

Rolf:
Unabhängige Freundschaften? Unnütze Menschenverbindung?
Einfach nur so? Das kann doch nicht sein! Was steckt nur dahinter?

Klaus:
Untereinander sogar, wenn nicht Not oder Nutzen es anrät,
kommen Frauen nicht zurecht. Hast, Freund du, bekenn es,
jemals gesehen ein hübsches Geschöpf ein hübsches ertragen?
Oder ein kluges erdulden sehen ein ebenso kluges?

Rolf:
Echten Nihilismus bei Frauen, den möchte ich erleben!

Klaus:
Niemals, Junge! Du weißt, die Frauen sperren sich psychisch
vor dem nihilistischen Wirbel. Sie setzen sich Werte,
denen sie nachstreben, Zug um Zug, nach ihrem Verständnis.
Männer suchen noch Wahrheit, wo Frauen sie längst schon benutzen.

Rolf:
Ausruhn gilt nicht, ich weiß. Wir Deutsche sind ja so taten-
arm und gedankenvoll, mal hölderlinisch gesprochen.

Klaus:
Nimm die Latins, Freund. Was ist ihr Erfolg? Wie ein Gott fühlt
jeder von denen sich doch und hat ein freies Verhältnis
zu sich selbst und muss sich nicht dauernd krampfhaft beweisen.
Spricht der eine Frau an und sagt sie „Nein!”, er nimmt’ s lächelnd,
dreht sich ab wie ein Gott, wogegen der Deutsche davonschleicht,
biestig, ein schlechter Verlierer, bereuend schon, dass er sie ansprach.

Rolf:
Da wo wir uns noch quälen, vergisst der Latin ganz einfach.
Seine Ehre ist da, er braucht sich nicht lang zu versichern.

Klaus:
Das ist klüger, menschlicher auch, wir sollten das alle
lernen; gleich wäre heiter die Atmosphäre und zwanglos….

Rolf (bemerkt die Katze):
Ah, da ist ja auch Bärbel. Komm her, miez, miez! Ja was sucht denn
unter der Bank mein Fräulein?

Klaus: Den Milchteller.

Rolf: Wie sie den Schwanz hebt
und sich lautlos streckt. Wie angenehm sind doch Katzen.

Klaus:
Komm, pass auf, du kriegst ein Stück Wurst. - Das schmeckt der Prinzessin.
Anstand, Mädchen!

Rolf: Habt ihr auch noch den Hamster?

Klaus: Das Stinktier?

Rolf:
Miez, komm her. Der Onkel Rolf wird dich richtig verwöhnen,
streicheln, das hat er gelernt. Sie will nicht.

Klaus: Am Nackenfell packen.
Siehst Du, so kann sie strampeln. Du hast sie sicher.

Rolf: Sie sträubt sich.

Klaus:
Kann man nichts machen. Zu verwöhnt und mondän unser Tierchen,
ganz wie die Herrin. Na, wenigstens hat man noch manchmal Gespräche…

Rolf:
..und Erkenntnisse, Wahrheiten, die sich nicht täglich verändern,
wie ich sie gestern auch wieder im Juvenalis entdeckte:
„Bist du ehrlich zum Weibe und einer von Herzen ergeben,
unter das Joch beug das Haupt und den Nacken. Denn keine wohl triffst du,
die den Liebenden schont; wenngleich sie selber verliebt ist,
wird ergötzen es sie, den Geliebten zu plündern, zu quälen.
Wer drum Anlage hat zum guten und zärtlichen Mann, dem
frommt die Ehe schon gar nicht. Denn nichts mehr darfst du spendieren,
falls sie nicht will, verkaufen nichts mehr, falls dagegen sie ist, und
auch nichts kaufen, wenn sie es verbietet. Und wem du ein Freund sein
darfst, das schreibt sie dir vor, und der Mann, dir lange befreundet,
der dir von klein auf bekannt, wird von der Schwelle gewiesen…”

Klaus:
Welch psychologischer Scharfblick!

Rolf: So höre nur auch die Sentenz noch:
„Nichts versagt sich das Weib, kennt keine Grenzen der Schande,
wenn sie sich schmückt ihren Hals mit grünen Smaragden und wenn die
Tropfen riesiger Perlen die Ohren ihr ziehn in die Länge.”

Klaus:
Herrlich ins Bild gesetzt. Ich sehe das Ohr förmlich vor mir,
sehe die Perlen protzen, dummdreist und eitel wie etwas,
seh ihre schwarzen Haare, ihr hochnäsig-eitles Getue,
selbst noch ihr rastloses Maul. In zweitausend Jahren
hat sich gar nichts verändert. Wie sagte noch Nietzsche so treffend:
Niemals wäre dem Weib das Genie des Putzes gegeben,
hätte es nicht zugleich den Instinkt auch der minderen Rolle.

Rolf:
Prunk und Fassade, sonst nichts, Tretminen selbst im Gesicht noch.

Klaus:
Aber es gibt auch die andern, die stehen im Halblicht des Marktes,
tun so, als interessiere sie nicht, wer sich offen dort anpreist,
treten dann auffällig ab, wohl schielend, ob einer sich anhängt.
Tut es ein Ahnungsloser, sie lächelt heimlich und diebisch,
wirft in die Luft ihr Näschen, das Haar, den Nacken, entschreitend…
Also: er muss sie verdienen zuerst. Indessen sind beide
weit vom Marktplatz schon fort und fort von allen Vergleichen.
Schmachtet er, bleibt sie spröde, verliert er die Lust, wird sie zärtlich.
Mal drängt sie fort, dann stockt sie zurück. Ihre Angst zu verlieren
schiebt sie geschickt ihm unter. Er glaubt’s, denn er balzt immer wilder.
Endlich hat sie ihren Sieg. Nun für sich behalten?
Das gelingt ihr nicht. Sie zeigt sich plötzlich mit Männe,
allen führt sie den armen, liebestrunkenen Kerl vor,
promeniert noch ein wenig: Alle staunen, dann geht sie
spektakulär, erhobenen Hauptes, vom Marktplatz herunter,
Männe folgt ihr brav in die Hütte, von nun an geknechtet.
Ach, der dumme, der arme Teufel. Es ist zum Verzweifeln.

Rolf:
Glaub’s, die freundliche Stimmung gewährt das Höchstmaß an Frieden,
aber Du weißt ja auch, wie schnell diese Wesen erschlaffen
und den erfreulichsten Zustand je länger, je stärker bekämpfen,
werden erst melancholisch, sie seufzen, sie naschen, allmählich
maulen sie, stellen Ansprüche, fühlen stark sich und stärker,
Oberwasser kommt auf, und schließlich hast Du Gezeter
ohne Ende. Die Ausgleichsbemühung hat gar nichts geholfen.

Klaus:
Will sie extrem sein, muss es heraus, wer kann das verhindern?

Rolf:
Mir ist das immer unangenehm. Du musst Dich entschließen,
gegen drohende Auswüchse stärkere Mittel zu setzen.

Klaus:
Stimulanzia braucht sie, Abwechslung, oder zumindest
angefüllt ihr Gefühl mit dem süßen Geschmack von was Neuem.
Sag mal, willst Du ein Bier. Mir ist der Hals schon ganz trocken.

Rolf:
Gute Idee. Ein paar Kurze dazu; gleich denkt es sich besser.
(sie trinken)
Ja, ein Weib, das leer läuft, dürstet nach Blut, will den Machtkampf.

Klaus:
Schwierig, schwierig, dieses Problem. Als menschlichem Wesen
tut es mir weh, sie beschränken zu müssen. Ich mach das nicht gerne.

Rolf:
Mancher kauft den Frieden sich ein, er glaubt es zumindest.

Klaus:
Falsch! Wer je auf der Bahn der Zugeständnisse wandelt,
treibt immer weiter und weiter hinaus. Der erhandelte Frieden
wird, Du weißt es, zurückgenommen nach einigen Tagen.
Lieber krach ich mich richtig, das reinigt, festigt und hält auch.
Damit erkennst Du sie an, und das ist eigentlich menschlich.

Rolf:
Aber den Zeitpunkt musst Du erfassen, bevor ihre Wünsche
überquellen und Dich überrollen. Wer einmal versäumt hat,
rasch im Namen des Maßes zu handeln, der wird verachtet,
gilt als Null, wird folglich verstoßen. Zu recht wie ich meine.

Klaus:
Ist sie heiß nach Reizen, ist mancher schon Opfer geworden
vorzüglich in dem Fall, wenn sie Männe zu fest in Besitz glaubt,
und auch sonst nichts an Arbeit zu tun ist, kein Kind zu versorgen:
Langweilig ist das für sie. Drum kenne dich aus mit den Reizen
und dosiere sie richtig. Dann bringst Du sie wieder zum Schwärmen,
sonst stirbt all ihre Gier und sie wirft sich mit Eifer auf andres
oder noch gar auf andre, und das wird dann schlimm für euch beide.
Habe Erfolg, sei attraktiv, das stachelt, das kitzelt.
Lade ein, hofiere die Damen, zeig Dich als Wüstling,
Jedes Mittel, das Dir Respekt verschafft, ist willkommen,
siehst Du am Ende: Die Deine ist wieder von Herzen die Deine.

Rolf:
Alles Dasein der Frauen ist Schwärmen und Gieren nach Himmeln,
stets ist der Himmel nicht da, wo sie sind, drum weis ihr den Himmel,
zeig ihr die güldenen Stufen hinauf und mach ein paar Schritte,
aber komm niemals an, denn sie macht Dir den Himmel zum Schlammloch,
denn ihr Himmel ist wieder woanders, nur da nicht, wo Du bist.

Klaus:
Typisch, wie’s mir mit Astrid geht in fremder Gesellschaft,
dies wird beredet und jenes Thema; in solchen Gesprächen
schält sich schnell die herrschende Meinung heraus. Und mein Herzchen
freut sich, wenn sie der meinen konträr liegt. Gleich paraphrasiert sie:
„Wirklich? Das finde ich auch!” - „Ich sag’s ja!” - „Ganz meine Rede!”
Nicken geht um, man versteht sich, schmunzelt. Gemeinsam marschiert man
gegen das Feindbild und hält mich im Auge. Ich sitze und schweige.
„Und was meinst Du?” - Ein Sätzchen sag ich. O schreiendes Unrecht
gegen die lieben Menschen und ihre edlen Gedanken,
gegen die liebe Astrid. Gleich schütteln die Softies die Köpfe,
sehen mich schräg an und säuseln lauthals Menschenverständnis.
Ob ich denn nie die Zeitschriften läse, wo all das gedruckt steht,
was sie schon wissen, womit man gefällt, was alle so lieben,
wenden sich inniger Astrid zu und schließen den Kreis ab:
„Schütte Dein Herz aus, Mädchen, wir hören!” Fast fließen die Tränen,
tiefes Bedauern geht um - seht dort in der Ecke das Ekel.

Rolf:
Dummheit sollst Du sympathisch finden und Eitelkeit ehren.
Schmeichelei für Verständnis halten und Softies für Männer!

Klaus:
Mann, die Softies! Wer kann sich vor denen heute noch retten,
vor ihrer Zudringlichkeit, vor ihren Klebstoffgesichtern?

Rolf:
Pest über alle Softies! Sie höhlen mit Freude den letzten
Anstand noch aus, der verblieb, zu feige zum Buhmann, die Memmen.
Sie sind’s in Wahrheit gewesen, die uns die Emanzen bescherten.

Klaus:
Ja, Du hast recht, ich seh’s. Doch nützt es mir gar nichts. Der Buhmann
bleibt mir selten erspart. Ich muss ihn halt tapfer ertragen.

Rolf:
Buhmann oder Matador, das ist immer die Frage.
Ich bin lieber der Sieger, auch wenn es zuweilen dressiert wirkt.

Klaus:
Wir sind nur dekadent. Die Frauen bewahren das Leben
und verraten es nicht an irgendwelche Ideen.
Könntest Du jemals entfernt Dir nur denken, dass nach der Lektüre
Schopenhauers, Trakls oder des göttlichen Büchner
Frauen sich reihenweise umbrächten? Dürres Geschreibsel
wichtiger achteten als ihr Leben? Der Mann will das Reine,
oft genug ist es jedoch das Leere. Solche Gefahr kennt
niemals das Weib. Es strebt dem Vollen stets und der Kraft nach,
deshalb ist es auch niemals fromm im ureigenen Sinne.

Rolf:
Als die männlichen Mythen, die griechischen Mythen verschwanden,
wurde Jesus erfunden. Nun konnten die Weiber auch fromm sein.
Alle philosophischen Dinge trachten die Weiber
schnell zur Verhandlung zu bringen und auszurechnen. Sie doktern
daran herum unter großem Geschrei, verteilen die Punkte,
schieben die Urteile hierhin, dorthin, zerpflücken die Wahrheit
in verdauliche Stücke, die lieben, praktischen Wesen.

Klaus:
Sag, wie kommt es, dass, lässt man es richten, das Weib mit dem schwachen,
dem Erbärmlichen hält, ganz gleich, ob zu recht oder unrecht.

Rolf:
Sie will moralisch integer scheinen, so denkt sie, es sei wohl
immer am besten, den Schwachen zu stützen vor der Gesellschaft.
Eines lass Dir gesagt sein: Kennst Du das Forum, kennst Du die Weiber.

Klaus:
Entweder sind sie noch ängstlich oder sie sind es schon wieder….

Rolf:
Entweder superblöd oder herzlich klug, willst Du sagen…

Plötzlich erscheint Astrid:
Was ist denn hier los? Die Herren beim Bier! Wie üblich! Was sonst auch!

Klaus:
Friedlich und heiter wie immer in kontemplativer Versenkung!

Astrid:
Willst du mich hochnehmen? Spar’s dir. Das kann ich selbst noch.

Klaus:
Diotima, selig Wesen, Herrliche, durch die mein Geist…

Astrid:
Schluss mit dem Quatsch. Was ist mit dem Kühlschrank? Ich sagte doch: abtaun!
Alles vereist jetzt, und ihr, ihr sauft nur!

Klaus: Ein Bier nur, wir dachten…

Astrid:
Ihr und denken? Bier, mehr könnt ihr nicht denken, ich gehe!
(sie schlägt wütend die Tür zu)

Rolf:
Super-vulkanisch das Weib. Da spritzt dir die Lava ums Haupt, Freund,
und dein Ego ertrinkt in pyroplastischen Wellen.

Klaus (unbeeindruckt):
Auch der Gedanke hat seinen Orgasmus, vor allem im Deutschen,
wenn er sich streckt, den Rahmen aufspannt, am Peripetiepunkt
umschlägt, absackt und schließlich sich schlafen legt in ein Pünktchen.

Rolf:
Diese Welt braucht uns nicht mehr. Saurier-Denken wie unsres
kann der Computer nicht verarbeiten. Uns treibt nicht der Nutzen,
das ist ungehörig und schändlich. Sieh Dir die Unis
an, welche Typen dort Meinung machen. Bezahlte Sophisten
lutschen gelangweilt an Sokrates’ Worten und denken an Urlaub.
Wie sagte Nietzsche so treffend? Gelehrte Rüpel beherrschen
unsre Bildungsanstalten. Frührentner sind wir,
Frauen übernehmen die Welt und ihre Geschicke.
Frauen, Computer und Amis werden uns fortan beherrschen.

Klaus (trinkt in großen Zügen):
Aber heute noch nicht. Nicht heute. Nunc est bibamus!

Rolf (ebenso):
Nunc est bibamus, auf was wir so lieben! Prost auf die Frauen!

Anmerkung:

Das Zitat stammt aus der berühmten 6. Satire des Juvenal,
der “Diotima”-Ausruf (der einzige nicht-hexametrische Vers dieser Ekloge) aus Hölderlins gleichnamigem Gedicht (2. Fassung)

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 8. Juni 2009 14:12
Themengebiet: Balladen/Eklogen