Sommer-Semester 2010: Theorie und Geschichte des deutschen Dramas

In diesem Seminar wollen wir uns mit dem Entwicklungsgang des Dramas im deutschen Sprachraum befassen. Es gilt, anhand ausgewählter Texte einerseits verschiedene theoretische Positionen, andererseits die Spannweite ihrer dramaturgischen und letztlich auch schauspielerischen Realisierung kennen zu lernen. Wenn möglich, soll dabei auch ein Zugang zur Praxis eröffnet werden - etwa durch einen Blick „hinter die Kulissen” z.B. des Freiburger Theaters, durch Besuch ausgewählter Stücke, Gespräche mit den für die Inszenierung Verantwortlichen (Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildner, Schauspieler usw.).

Vor allem aber soll der Blick geweitet werden für die historisch gewachsenen Möglichkeiten, die im Drama als literarischer Gattung stecken und realisiert worden sind. Die Spanne reicht dabei von den Mysterien- und Fastnachtsspielen des Mittelalters und der frühen Neuzeit über das höfische, der Oper nahe (Barock-)Drama, das bürgerliche Lust- und Trauerspiel, das Historien- und Sozialdrama, das psychologische Drama (z.B. Ehekrieg) bis hin zu neuen, offen Formen, wie sie von Brecht, Piscator und anderen eingeführt worden sind. Schließlich wird ein Blick auf ausgewiesene Drama-Schreiber (im Gegensatz zu Lyrikern oder Epikern) und deren Weltsicht unerlässlich sein.

Natürlich impliziert die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Drama auch die intensive Beschäftigung mit seinen Bauelementen wie Szenenaufbau, Figurenwahl und -einsatz, Plot-Konzeption und -Lösung, Sprache (Prosa, Dialekt, Vers usw.), aber auch seinen historischen Hintergründen, pädagogischen Zielen sowie sein Verhältnis zum Publikum (z.B. Illusionstheater vs. Episches Theater, Theater des Absurden usw.). Unverzichtbar wird auch die Diskussion um die elementaren Möglichkeiten dramatischer Kunst (vgl. Thomas Bernhard: „Ist es eine Tragödie? Ist es eine Komödie?”) sein.

Parallel zur Sichtung eines „Bestands” an signifikanten Beispielen aus der Geschichte des Dramas - womöglich gelingt uns ja sogar die Erarbeitung einer Art Systematik - erfolgt die Auseinandersetzung mit theoretischen Texten und Positionen von Aristoteles, Gottsched, Lessing, Gustav Freytag bis hin zu Brecht und anderen.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Freitag, 6. Februar 2009 15:15
Themengebiet: Lehre