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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Szene 17

Szene 17

Sänger:

als hans domizlaff
das erste und einzige mal
in die nähe der politischen macht
in diesem nachkriegsdeutschland kam
- wie oft gewünscht und nie erreicht -
waren die einstellungen
des sechzigjährigen längst aus der zeit
doch je mehr er aufbot
und je mehr er anbot
desto mehr arbeitete er sich
ins politische abseits
am ende verscherzte
er sich radikal und ganz
die letzten sympathien
hierin sensibel war
(sehr viel später dann erst)
domizlaff hans

Staatssekretär, Frau Doktor N.N., Hans Domizlaff
(in einem Büro der Bundesregierung, Bonn, Sommer 1952)

Staatssekretär: wir haben sie heute verehrte frau doktor n.n.
verehrter herr domizlaff
hierher eingeladen weil uns ihre einschätzung
der lage sehr wertvoll ist -
so kurz vor der wahl
um es mit einem wort zu sagen
sie muss gewonnen werden
Frau Doktor N.N.: was können und was sollen wir tun
Staatssekretär: dem herrn bundeskanzler
sind berichte zugegangen
dass die soziale spannung im land
ein ausmaß erreicht hat das einen leichten wahlsieg
plötzlich sehr zweifelhaft erscheinen lässt
Domizlaff 3: sie verkennen den ernst unserer lage
es geht um viel mehr als das tagesgeschäft
einer zu gewinnenden wahl
es geht um die fundamentale frage
wohin treibt dieses land
es geht um deutschland
in diesem raum sind wir uns - denke ich - einig
dass der kommunismus
in welcher verkleidung er auch immer erscheint
ob als sozialismus oder als sozialdemokratie getarnt
hier niemals an die macht kommen darf
das wäre der untergang des abendlandes
wäre knechtschaft zwangswirtschaft barbarei
dafür bin ich bereit alles zu tun
ich biete ihnen meine gesamte lebenserfahrung
im umgang mit der massenpsyche an
Staatssekretär: sie sind uns empfohlen worden
als hervorragender werbeberater in diensten
erster deutscher industrieunternehmen…
Domizlaff 3: bei großen beeinflussungsprojekten spielt es
überhaupt keine rolle ob ich
ein wirtschaftsunternehmen berate oder
eine staatsidee
Staatssekretär: verehrte frau doktor n.n.
die regelmäßigen berichte ihres instituts
über die stimmung in der bevölkerung
in verständlichen zahlenreihen dargestellt
schätzt der herr bundeskanzler sehr
vor allem wenn daraus schlüssige empfehlungen
für die formulierung politischer botschaften
erwachsen und auch mal ausgesprochen werden
Frau Doktor N.N.: herr staatssekretär ich danke ihnen sehr
im namen meines instituts und seiner mitarbeiter
für das vertrauen das die bundesregierung
in uns setzt
an der verbesserung unserer methoden
zum beispiel der fragebögen
arbeiten wir ständig um noch präzisere
ergebnisse liefern zu können und vielleicht auch
die eine oder andere empfehlung zu geben
welche schlüsse daraus zu ziehen sind
muss freilich stets
dem herrn bundeskanzler überlassen bleiben
der im augenblick noch empfindlichste mangel
unserer massenbefragungen
resultiert aus der noch jungen demokratie selbst
es fehlt an verlässlichen vergleichsdaten
wenn wir schon eine reihe panels hätten…
Domizlaff 3: panels panels was sind panels wert
ich sehe nicht dass ernsthaft an symbolen
mit masseninfektiöser kraft gearbeitet wird
die das volk lieben und verehren könnte
wenn wir weiterhin so passiv bleiben wie jetzt
überlassen wir unseren gegnern das feld
das erste was wir einrichten müssen
ist so etwas wie eine propagandazentrale
Staatssekretär: herr domizlaff dieses wort existiert nicht mehr
gewöhnen sie sich daran das wort propaganda
aus ihrem vokabular zu streichen
Domizlaff 3 (amüsiert): das ändert doch nichts an der tatsache
dass effektive massenbeeinflussung
heute notwendiger ist denn je
Frau Doktor N.N.: die öffentliche meinung ist
zunächst einmal eine macht
die wir ganz nüchtern respektieren und analysieren müssen
bevor an weitere schritte
- wobei fraglich ist von wem -
überhaupt zu denken ist
wir sind schon froh darüber inzwischen
über halbwegs verlässliche methoden zu verfügen
die in den usa während der dreißiger jahre
von george horace gallup entwickelt wurden
mit ihrer hilfe sind wir heute in der lage
ein getreues abbild der öffentlichen meinung
in unserem land zu erzeugen und darzustellen
Domizlaff 3 (ungeduldig): das volk will doch führung will gefolgschaft
wer das bestreitet ist wirklichkeitsblind
die beherrschung der massen
ist freilich ein schwieriges feld…
Staatssekretär: herr domizlaff wir sind nicht mehr
im dritten reich
Domizlaff 3: ich weiß sehr wohl dass der hitlerstil aus der mode ist
doch auch wenn die vokabeln heute andre sind
so bleibt uns das beeinflussungsproblem
das nüchtern betrachtet nie etwas anderes ist
als ein stilproblem doch erhalten
schauen sie sich nur unsere gegner an:
die kommunisten formieren sich sie stricken
emsig an einem tausendarmigen netz
propagandisten agitatoren schulungsleiter
sind ausgeschwärmt und bearbeiten die leute
sie entwickeln ihren beeinflussungsstil
mit aller konsequenz es wimmelt bereits
von massenpsychologisch raffinierten zeichen
hämmern sicheln ährenkränzen es hängen
rote wimpel und pompöse spruchbänder aus
ganze fabrikanlagen sind beflaggt wie wollen wir
diesem ansturm auf die grundfesten
unserer kultur standhalten wenn nicht durch
eine schnellstens aufgebaute armee
ähnlicher spezialisten mit überzeugender schlagkraft
es ist kein raum und keine zeit für sentimentalitäten
und spitzfindige vokabelfragen
Staatssekretär (wendet sich intensiver Frau Doktor N.N. zu):
frau doktor n.n. uns liegen informationen vor
dass große teile der arbeiterschaft
in den industrieregionen des ruhrgebiets bereits
unter dem einfluss der gewerkschaften stehen
unzufriedenheit artikuliert sich
man hört sätze wie
„die reichen werden immer reicher…”
der herr bundeskanzler ist über diese entwicklung
äußerst besorgt wir wissen natürlich sehr wohl
dass es keine wirkliche soziale schieflage gibt
auch der kleine mann lebt ja heute viel besser
als noch vor drei jahren indessen
wird das öffentlich so nicht anerkannt
mit neid dagegen der schweren limousine
des fabrikdirektors hinterhergeschaut
könnten sie in erfahrung bringen
inwieweit die wahlentscheidung womöglich
von solchem gerede beeinflusst werden könnte
Frau Doktor N.N. (will gerade antworten, doch)
Domizlaff 3 (ungefragt, mischt sich ein)
:
mir ist das problem zutiefst vertraut
es quält mich seit ewigkeiten ich habe
dazu eine strategie entwickelt
und auf eigene kosten drucken lassen
(Domizlaff öffnet seine Aktentasche, zieht sein 430-Seiten-Buch „Es geht um Deutschland” heraus und legt es mit großer Geste dem Staatssekretär auf den Schreibtisch)
es handelt sich hier um ein beeinflussungskonzept
wie die deutsche arbeiterschaft psychisch
von den sie negativ beeinflussenden kräften
aus der gewerkschaftssphäre entfernt und fest
an die unternehmerseite gebunden werden kann
das zauberwort heißt „produktivität”
dieses wort muss magisch aufgeladen werden
produktiv ist der unternehmer
der wie ein besessener seinen betrieb aufbaut
produktiv ist auch der arbeiter der ihm dabei hilft
beide bilden die werkgemeinschaft der produktiven
unproduktiv und drohnenhaft hingegen
ist der gewerkschaftsfunktionär ein schmarotzer
der sich von den mitgliedsbeiträgen
der arbeiter lediglich mästet
wenn die arbeiterschaft diese wahrheit erkennt
tief verinnerlicht und von stolz erfüllt werden kann
auf ihre große rolle in der werkgemeinschaft
dann ist die wahl so gut wie gewonnen
Staatssekretär: (ungeduldig sich weiter weg von Domizlaff begebend):
frau doktor n.n.
können sie das ausmaß der unzufriedenheit messen
wie groß ist - wenn ich das einmal laienhaft
so ausdrücken darf - das potential
an misstrauen und ablehnung
unserer politik gegenüber das womöglich
einfluss auf die wahlentscheidung hat
Frau Doktor N.N.: in den usa haben neue forschungen belegt
dass es unter umständen einen raschen umschwung
in der meinungsbildung geben kann
wenn der einfluss bestimmter gruppen anwächst
wir könnten diese gruppen
- man nennt sie opinion leaders -
einer stärkeren beobachtung unterziehen
und unser forschungsinteresse auf sie konzentrieren
hartes zahlenmaterial allerdings
könnten wir ihnen frühestens
in sechs wochen liefern
Staatssekretär: die sache ist allzu dringend ich bin daher befugt
ihnen dazu ihnen hier und jetzt gleich
und ohne den herrn bundeskanzler
eigens anzufragen den auftrag zu erteilen…
Domizlaff 3: (dazwischenfahrend) nur weil ein paar windige amerikaner
die ihr eignes märchen für das größte halten
vom größten glück der größten zahl
und einmal wieder
- wie schon so oft in der vergangenheit -
gedankenlos eine neue theorie
in die welt setzen verändert sich doch
der deutsche nationalcharakter nicht
verehrte frau doktor bei allem respekt
hier fehlt ihnen die schärfe des blicks
mit amerikanischen statistiken und erbsenzählereien
ist dieses problem nicht zu lösen
wir müssen uns viel ernsthafter sorgen
Frau Doktor N.N.: (energisch) allein das denken im mehrzahlbereich
herr domizlaff ermöglicht die machtausübung
die notwendigen zahlen dazu
kann mein institut liefern
wie diese zahlen zu interpretieren sind
muss dem rechtmäßig gewählten bundeskanzler
dieses landes vorbehalten bleiben
Domizlaff 3: (süffisant) eine mechanistische demokratie-veranstaltung
ausgegoren in amerikanischen gehirnen
entspricht der deutschen massenpsyche nicht
im übrigen kann ich
noch immer kein stilerlebnis erkennen das
ausdruck deutschen denkens deutschen fühlens ist
ein problem bei dem letztlich
nur die massenpsychologie wirklich helfen kann
Frau Doktor N.N.: (kühl und sehr bestimmt)
massenpsychologie herr domizlaff
war in den zwanziger jahren en vogue
als sie selbst so weit ich informiert bin
noch zigarettenpackungen entwarfen
so historisch interessant die schriften jener autoren
le bon freud moede und wie sie alle hießen
auch heute noch erscheinen mögen
sie waren auf wertung und spekulation aufgebaut
das hilft uns heute nicht mehr
Domizlaff 3: massenpsychologie ist keine normale wissenschaft
man muss sie können und das kann nicht jeder
erbsen zählen können vorschulkinder schon
Frau Doktor N.N. (souverän) auf der grundlage empirischer erhebungen
liefern uns unsere repräsentativen stichproben
annähernd gesicherte erkenntnisse
über den stand und den zustand
der öffentlichen meinung im land
objektiv und sogar von schulkindern nachprüfbar
was sie dagegen empfehlen herr domizlaff
scheint mir eher so etwas
wie schlangenbeschwörerei
im übrigen herr domizlaff
in einer freien gesellschaft
sind massenbefragungen
das einzig legitime mittel
über das denken und fühlen der menschen
erkenntnisse in erfahrung zu bringen
massenpsychologie die ihre rolle
als massenbeeinflussungsinstrument missversteht
kann das nicht und ist dazu nicht autorisiert
Domizlaff 3: (mit künstlicher Überlegenheit)
meine liebe frau doktor n.n.
selbst in den von ihnen so gepriesenen staaten
hat es schon in den zwanziger jahren
bitter notwendige massenbeeinflussungsaktionen gegeben
auch wenn man das dort
verschleiernd stets nur public relation nannte
wenn ihnen der name edward bernays etwas sagt…
Staatssekretär: (äußerst ungeduldig)
ich muss sie doch beide herzlich bitten
ihren wissenschaftlichen disput
andernorts auszutragen
unsere zeit hier ist allzu knapp bemessen
Domizlaff 3: (pikiert) warum scheut man sich in diesem raum so sehr
die dinge beim namen zu nennen
die doch da draußen herr staatssekretär
vor ihrer eigenen haustür längst alltagsgeschäft sind
es ist doch nicht zu bestreiten dass sich auch bei uns
leider nur dezentral und wenig professionell
verschiedene beeinflussungszentren formiert haben
wie etwa der volksbund für frieden und freiheit
des herrn taubert oder
die kampfgruppe gegen unmenschlichkeit
des herrn hildebrandt und ich sehe sogar
einen herrn jahn im auftrag des bundeskanzlers
für die notwendigkeit einer neuen armee
die werbetrommel eifrig rühren
Staatssekretär: herr domizlaff wir wollen uns hier nicht verlieren
frau doktor n.n…
Domizlaff 3: (dazwischenfahrend) hat man uns hierher doch eingeladen
weil man sich konkrete hilfe erhofft
im hinblick auf die anstehende wahl
und zu viele kreuzchen an falscher stelle verhindern will –
selbst ohne das große massenpsychologische konzept
sind konkrete sofortmaßnahmen denkbar
noch ist zeit einen stimmungsumschwung einzuleiten
wenn man für genügende infiltration
und ausbreitung der erwünschten meinung
sorgt und noch heute anfängt
mit vollen geldbeuteln ausgestatte vertrauensleute
von redaktionsstube zu redaktionsstube zu schicken
durch mühsame aber wirkungsvolle mosaikarbeit…
(Domizlaff spürt das Entsetzen auf den Gesichtern des Staatssekretärs und der Frau Dr. N.N. Er bricht seinen Gedankengang ab, es folgen zähe Sekunden eisigen Schweigens)
Domizlaff 3: (nimmt sich zurück, versucht ganz sanft einen neuen anderen Anlauf) herr staatssekretär mir liegt eine frage am herzen
und ich muss sie aus liebe zu deutschland
um eine ehrliche antwort bitten
früher das heißt in den zwanziger jahren
gab es zum wohle des gesamtorganismus
- zwar nicht als offizielle berufsbezeichnung aber
doch als unverzichtbaren arbeitsauftrag -
spezialisten man nannte sie sozialingenieure
ich frage sie als angestellten der bundesregierung
ich frage sie hier auf ihre ehre und ihr gewissen
soll dieses wichtige arbeitsgebiet fortan
brach liegen bleiben und nicht mehr bearbeitet werden
Staatssekretär: (irritiert und ausweichend)
die demokratie verdiente ihren namen nicht
wenn sie solch fragwürdiger zuarbeiter bedürfte
die demokratie ist die staatsform
die sich selbst reguliert
herr domizlaff sie leben offenbar noch
in der vergangenheit doch die ist tot
wir leben in einer anderen zeit
Domizlaff 3: ich muss es ihnen noch einmal sagen
wo immer menschen auf erden zusammenleben
sind zeit und geschichte irrelevant gibt es
auf immer und ewig nur ein problem und zwar
wie vermittelt die elite der masse gegenüber
ihren herrschaftsanspruch
ohne gewaltanwendung und ausschließlich
über psychische beeinflussungsmittel
Staatssekretär (sprachlos; große Pause)
Domizlaff 3: (holt Luft, setzt alles auf eine Karte)
herr staatssekretär ich habe
in meinen langen berufsjahren immer wieder erfahren
dass der berater am besten auf augenhöhe
mit dem der ihn um seinen ratschlag bat
in enger gemeinschaft zusammenarbeitet
die ergebnisse die ich vorzuweisen habe
sprechen für sich ich habe
allein durch massenpsychologische mittel
marktführerschaften erreicht und verteidigt
ich halte ein vier-augen-gespräch
mit dem herrn bundeskanzler
zum wohl unseres vaterlandes
für absolut notwendig denn schließlich teilen wir beide
eine generationenerfahrung die sie
herr staatssekretär und sie
frau doktor n.n. zwangsläufig nicht haben können
der herr bundeskanzler und ich
wir haben beide die kaiserzeit
- die jahre vor 1914 also - noch bewusst erlebt
Staatssekretär: (abwiegelnd) herr domizlaff ich fürchte der terminkalender
des herrn bundeskanzlers lässt das nicht zu
die außenpolitik hat in diesen wochen und monaten
absolute priorität
(verzweifelt nach einem Ausweg aus der peinlichen Situation suchend, macht in seiner Not ein Alibi-Angebot) vielleicht liefern sie uns aber
bei gelegenheit
auf 10 bis 15 seiten stichwortartig
selbstverständlich gegen angemessenes honorar
ein exposé ihrer ideen
für den herrn bundeskanzler
zum privaten gebrauch
Domizlaff 3: (schüttelt sichtlich beleidigt den Kopf, erhebt sich zum Abgang)
alles herr staatssekretär
was ich zu sagen habe können sie
den 430 seiten entnehmen die seit fünf minuten
auf ihrem schreibtisch liegen
im übrigen
ich nehme keine honorare
ich nehme keine provisionen
ich vergebe lizenzen
lizenzen für lebendige masseninfektionen
(er dreht sich im Abgehen noch einmal um)
hier hingegen scheint mir
die unzureichende beherrschung der massen
das herausragende kennzeichen
ihrer regierungskunst zu sein
ich empfehle mich
(Domizlaff ab. Staatssekretär und Frau Dr. N.N. sehen sich nur kopfschüttelnd an)
Staatssekretär (nach einer längeren Pause, in welcher man spürt, ob er das Thema anschneiden soll):
was halten sie von diesem auftritt frau doktor n. n.
Frau Doktor N. N.: ich würde den herrn nicht allzu ernst nehmen
er hat seine große zeit gehabt - in den zwanziger jahren
Staatssekretär: unterschätzen sie ihn nicht
von mancherlei seite ist zu hören
dass er seine schriften ganz gezielt verschickt
an leute die politisch einfluss haben
das macht uns nicht wenig sorgen
Frau Doktor N.N.: ich habe auch mal hineingeschaut
ich glaube nicht dass das wirklich jemand liest
und selbst wenn er resonanz findet so doch nur
bei leuten seiner generation die selber aus der zeit sind
wie auch der ton seiner elaborate seltsam gestrig klingt
Staatssekretär: in seiner besserwisserischen art
ist er nicht zu kontrollieren
angst macht uns sein deutsch-nationales gedankengut
wenn das auf fruchtbaren boden fällt
und einen flächenbrand erzeugt
- genau das ist ja seine absicht -
dann gibt es außenpolitische probleme
von größter brisanz vor allem gegenüber der amerikanern
gerade jetzt wo wir erst am anfang
eines langen demokratisierungsprozesses stehen
und noch nicht mal ein souveränes land sind…
Frau Doktor N.N.: sehen sie möglichkeiten ihn einzubinden ich hörte
dass eine neue behörde eingerichtet werden soll
zur hebung der allgemeinen politischen bildung
bundeszentrale für heimatdienst soll sie wohl heißen
könnte er dort nicht einen posten haben
er wäre kontrolliert und nicht mehr schädlich
Staatssekretär: vielleicht ich denke darüber nach obwohl ich glaube
einer wie der wird sich nicht einbinden lassen
der wird niemals ruhe geben

weiter zu Szene 18

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 12. Februar 2009 16:05
Themengebiet: Bühnenwerke