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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Wenn die Sammlung explodiert…

Wenn die Sammlung explodiert…

Der Fall des Radiogerätesammlers B.

© 2010 Dirk Schindelbeck

Folgender Text basiert auf einem Interview mit Herrn B., das ich bereits Ende der neunziger Jahre bei der Recherche zu unserem Buch „Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns” machte, aber erst heute, da Herr B. schon etliche Jahre nicht mehr unter uns ist, publizieren möchte. Nicht von ungefähr betrieb B. bis kurz vor seinem Tod eine Firma „Super-Second-Hand-Haushaltsauflösungen” - eine Lebenskonstruktion, die in genuinem Zusammenhang mit seiner Sammelmanie zu verstehen war. B.s Fall zeigt geradezu musterhaft die Dynamik einer Sammelpsychose bis hin zur Katastrophe…

Radios sind voluminöses Sammelgut. Auf fast 400 qm Grundfläche hatte Herr B. am Ende seinen Schatz von etwa 6.000 Radioapparaten untergebracht - im Keller eines Kegelsportheims, das er selbst erbaut hatte. Eine solche Menge an Geräten entspricht etwa vier- bis fünfhundert Kubikmetern, sieben bis acht Solomöbelwagen bzw. vier bis fünf Hängerzügen. In der Hauptsache waren es Standgeräte, aber auch Herrn B.s Kollektion an Transistor- und Taschenradios, Detektoren, Kristallsuchern und verschiedenen Tonabspielsystemen war konkurrenzlos. Neben 300 Tonbandgeräten verfügte Herr B. über Hunderte kleinerer Abspielgeräte wie etwa das Kindergrammophon Märklin „mit einem Sammlerwert von allein 6 - 7000 Mark”, wie er nebenbei bemerkte.

Auch das in den fünfziger Jahren berühmte Tefifon

Anzeige für das Tefifon von 1955

Anzeige für das Tefifon von 1955

befand sich darunter, ein Radio mit Magnetaufzeichnungsgerät oder Hunderte von braun-Geräten verschiedener Herstellungsepochen. Die zeitlich letzten Stücke seiner Sammlung datierten aus den Jahren 1988/89. „Unter den 6.000 Stücken befinden sich höchstens 40 Doubletten” - hauptsächlich verschiedene Typen von Volksempfängern, die B. als strategisch vorausdenkender Sammler als Tauschware gebunkert hatte, um im Gegenzug dafür Raritäten an Land zu ziehen, die ihm noch gefehlt hatten: „Insgesamt hat meine Sammlung einen Wert von einer bis 1 ½ Mio DM.”

Sein Urerlebnis, das ihn auf Lebenszeit zum Radiosammler machen sollte, lag allerdings schon 50 Jahre zurück. Da war er 18: „Es begann mit unserem eigenen Gerät daheim, das wir nicht mehr haben sollten. Es war ein Philips-Super-Saturn, den mein Vater 1951 hier am Ort beim Elektromeister gekauft hatte. Solch ein Gerät war ja für viele Leute damals das absolut größte, fast ein Heiligtum, worum sie sich alle versammelten. Es gab Truhen, die waren viel teurer als ein VW, der damals 2.800, 2.900 DM kostete. Eine Musiktruhe mit einem der ersten eingebauten Fernseher kam leicht auf 3.200 bis 3.500 DM. Als dann mein Vater 1953 tödlich verunglückte und das Gerät aus dem Haus dem Haus sollte, sagte ich ‚Nein!’, setzte mich also gegen meine Mutter durch.”

Werbezettel für den Grundig Drucktastensuper von 1952

Werbezettel für den Grundig Drucktastensuper von 1952

Radios - und wohl damit ein Stück seiner Identität - zu bewahren und ihre Vermehrung gegen den Widerstand der Umwelt durchzusetzen war offenbar das fundamentale und prägende Ereignis des seinerzeit 18-Jährigen: „Ich hab das Gerät aufgehoben, und wenn es einmal Mucken hatte, hab ich’s reparieren lassen, denn das konnte ich damals noch nicht. Heute sind Reparaturen, von der Frequenzeinstellung einmal abgesehen, für mich natürlich kein Problem mehr. Es kamen andere Geräte hinzu. Dann war wieder ein halbes Jahr Pause, dann kamen wieder mal drei, dann fünf, dann zehn. Doch es war zu jener Zeit eigentlich noch kein so intensives Sammeln wie in den letzten 20 Jahren.” Die ungehemmte und kontinuierliche Ausweitung der Sammlung konnte allerdings erst ab 1977 erfolgen, nachdem er sein Kegelsportheim mit dem ausreichend großem Kellerraum von über 400 qm errichtet hatte.

Aus heutiger Sicht ist die Bedeutung des Radios nur zu verstehen, wenn man sich mit der Kulturgeschichte dieses Mediums bzw. des Radiohörens hineindenkt und diesen Ansatz mit der Lebensgeschichte des Herrn B. in Verbindung bringt. Er war 1953 18 Jahre alt, war also Jahrgang 1935. Die Offenbarungen der „Goebbels-Schnauze” (vulgo für den „Volksempfänger”) hatten seine Kindheit zwangsläufig mitgeprägt. Bis weit in die fünfziger Jahre hinein, ja bis an die Schwelle der sechziger war das Radio das Medium, über das sich die Welt dem normalen Bürger erschloss. Fernsehen war 1953 noch überhaupt kein Thema. Erst ab Weihnachten 1952 wurde überhaupt Programm ausgestrahlt (vgl. hierzu Fernsehstart_1952), Anfang 1954 gab es gerade einmal 11.000 Fernsehteilnehmer, die Fußball-WM in Bern sorgte dafür, dass es gegen Jahresende immerhin schon 84.000 wurden, am 1. Juli 1957 zählte man noch nicht einmal 1. Mio Teilnehmer. Selbst 1964 stand erst in jedem zweiten bundesdeutschen Haushalt ein Fernsehgerät (9,4 Mio). Mit anderen Worten: das Radio war das Medium der 50er Jahre, das Medium der Reportage, das Medium der Musik- und der Literaturvermittlung, wovon allein die Hörspielkultur der fünfziger Jahre mit Autoren wie Eich, Hildesheimer, Bachmann usw. beeindruckende Zeugnisse gibt. Natürlich brachte B. von Haus aus schon einen - allerdings eher diffusen - Hang zum Sammeln mit: „Sammeln tat ich schon früher, ich hab eine der größten Briefmarkensammlungen hier im Raum gehabt, doch verrückt gemacht hat es mich nicht. Technische Sammlungen interessierten mich mehr, ich hatte eine Sammlung von Uhren angelegt, aber später verkauft, um bei der Bank dafür ordentlich Geld zu holen. Auch mein Vater hatte immer schon viel zusammengetragen, Möbel, alte Autos, doch irgendwann konnten wir nicht mehr weitersammeln, weil der Platz nicht ausreichte. Ich bin dann bei etwa 35 bis 40 Geräten stehen geblieben. Zu jener Zeit verlagerten sich auch meine Interessen, ich trieb Sport. Am 1. Oktober 1977, als ich dann das Kegelsportheim hier eröffnete, hatte ich etwa 38 bis 43 Geräte.”

Diese Aussage ist ebenso interessant wie typisch. Herr B. war zu jenem Zeitpunkt 42 Jahre alt. Nun, in der Mitte des Lebens, fand er - wie viele andere Sammler auch - zurück zu seinem Urimpuls. Dieses Phänomen ist bei Sammlern immer wieder zu beobachten. Die Jugendprägung holt sie in diesem Lebensabschnitt nicht nur häufig wieder ein, nun wird, mit entsprechend größeren finanziellen Möglichkeiten als dies in der Jugendphase seinerzeit möglich war, „richtig zugeschlagen”. „38 bis 43 Geräte sind schon verhältnismäßig viel, denn es gibt sehr viele Kleinsammler, die sind bei 25 Geräten schon am Ende, weil der Platz nicht mehr ausreicht, die Frau jammert usw. Seit der Zeit hab ich aber intensiv angefangen zu sammeln, auch des öfteren annonciert, Häuser abgeklopft und mir die Geräte rausgeholt. Natürlich war das nicht immer umsonst, ich musste auch oft etwas löhnen.”

Auf die Frage, ob er seine Firma „Second-Hand-Haushaltsauflösungen” auch aus dem Grund betreibe, um besser an alte Geräte zu kommen, erfolgte zunächst ein entschiedenes ‚Nein’, das sich allerdings schon in den folgenden Sätzen deutlich relativierte: „Wenn ich dabei ein gutes Gerät sehe, schau ich schon, das ich das bekomme. Natürlich sind eine Menge Geräte durch Haushaltsauflösungen in die Sammlung gekommen.” Indem er weiter erzählte, nahm B. bereits eine sammlertypische Klassifikation vor: „Es gibt gute Haushaltsauflösungen und es gibt schlechte…” Und er begann sich hineinzusteigern: „Ich hab schon ganze Musiktürme abgezogen mit ganzen Kisten von Schallplatten, ebenso auch Radioröhren. Ich hab ja auch eine Riesenröhrensammlung mit 5- bis 6.000 Röhren. So was braucht man ja, wenn man solch eine Sammlung unterhält. Und wenn irgendwo eine Röhre fehlt, schau ich in mein Lager, und ich finde die mit fast 100-prozentiger Sicherheit.”

Zu dieser Zeit war Herrn B.s Lebensentwurf schon so sehr vom kontinuierlichen Ausbau seiner Radiogerätesammlung determiniert, dass er sein berufliches Tun ausschließlich seiner Sammelwut dienstbar machte. Einerseits vor die Notwendigkeit gestellt, Hunderte von Geräten zu beherbergen, wozu der Bau des Kegelsportheims mit großzügigem Keller in Angriff genommen worden war, entwickelte er parallel dazu immer radikalere Strategien, um an noch mehr Geräte zu kommen: „Von Beruf bin ich Maurer, hab das ganze Haus hier selber gebaut. Damals konnte man ja noch viel selber machen, nach Feierabend betonieren. Der Keller sollte ursprünglich mal eine Werkhalle werden. Zu der Zeit hatte ich schon auf reinen Baggerbetrieb umgestellt und die Maurerei aufgegeben. 24 Jahre hab ich den gehabt, mich auf Erdaushub und Hausabriss konzentriert…” was man durchaus als Optimierung seiner Beschaffungsstrategie bewerten kann: „Allein hier im Ort hab ich 60-70 Häuser abgerissen.”

Was dabei zum Vorschein kam, war natürlich klar: „Und wenn die Leute oft sagten: Da hinten findest Du nichts mehr, hab ich dann doch immer etwas gefunden, auch Radios, wenn auch nicht gleich palettenweise.” Es war dies die Zeit des größten Wachstums seiner Sammlung. Parallel zu den erfolgreichen Fischzügen mittels Bagger und Hausabriss vermehrte er seine Sammlung auch auf andere Weise: „Ich fing an, andere Sammlungen aufzukaufen, mal waren es 60 Geräte, mal 120 Geräte von anderen Sammlern…” - und nach einer Pause: “Sonst wären hier keine 6.000 Geräte zusammengekommen.”

Doch mit der radikalen und schnellen Ausbau seiner Sammlung einerseits und seinem fortschreitenden Alter andererseits geriet Herrn B. in eine immer ausweglosere Situation. Sein Sohn, der inzwischen das Kegelsportheim übernommen hatte, mochte dem Lebenswerk seines Vaters wenig abgewinnen und wollte in den Kellerräumen gern eine lukrative Diskothek einrichten. Der Konflikt spitzte sich zu. Wohin mit 6000 alten Radios?

Längst hatte Herr B. alle Konkurrenten auf seinem Gebiet hinter sich gelassen und war zum größten Radiosammler Deutschlands aufgestiegen: eine einzigartige Lebensleistung. Zu einzigartig, um sie jemals veräußern zu können. Nun entfaltete sie ihre tragische Dynamik. Je mehr sich B. dessen bewusst wurde, desto öfter und nachdrücklicher betonte er den Wert seiner Sammlung, wohl ahnend, dass dieser nur für ihn ein realer war, für alle anderen aber nur eine fiktive Größe.

Es muss diese Einsicht gewesen sein, die Herrn B. aus dem Gleichgewicht geraten ließ. Seine Eroberungslust war dahin. Von da an kaufte keine weiteren Sammlungen mehr auf. Sein Bestreben war fortan nur noch darauf gerichtet, die Sammlung als ein Vermächtnis zu erhalten, ihre Größe und Einzigartigkeit zu verteidigen und zu bewahren. Er fühlte, dass sie bedroht war und zerstört werden würde, wenn es ihm nicht gelänge,  rechtzeitig etwas dagegen zu unternehmen. Ob sie sich überhaupt noch jemals würde verkaufen lassen, interessierte ihn im Grunde nicht mehr. Fortan trieb ihn nur noch ein Plan um. Es müsste doch möglich sein, aus der Sammlung ein Museum zu machen.  B. wendete sich an seine Gemeinde und bot die Übernahme seines Schatzes an, selbstverständlich zum Nulltarif, wenn diese im Gegenzug dafür ein Radiomuseum einrichte. Verständnislose Verwaltungsbeamte winkten gelangweilt ab. Jetzt ging B. in die Offensive. Verbrachte Tage am Telefon. Journalisten aus dem ganzen Land besuchten das Kegelsportheims. Immer wieder erzählte er seine und die Geschichte seiner Sammlung. Fotos wurden gemacht: B. mit dem Heinzelmann-Gerät von 1946. B. mit dem Volksempfänger. B. in einen Meer alter Radioröhren. Artikel erschienen, landesweit: „Ich war in 140 Zeitungen!” Der Effekt hingegen: null. Keine Anfragen, keine Bereitschaft mit ihm in Kontakt zu treten. Ein verrückter Sammler, ein Pausenclown. Eine hübsche Geschichte für Journalisten. Das wars. Immer häufiger verkroch sich B. in seinem Keller, depremiert und wartete. Wie seine Sammlung entsorgt wurde, kann sich jeder vorstellen.

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Mittwoch, 25. März 2009 16:24
Themengebiet: Sammelfieber