Die Handschuhe
Gender-Mainstream inspiriertes Gedicht
© 1980 Dirk Schindelbeck
Wieviel Kummer macht nicht manche Hülle,
die - zu eng - den Körper drückt und quält.
Und dann hilft kein Dehnen mehr, kein Wille,
wenn die passgenaue Form zuvor verfehlt.
Über Nadeln, zwischen klammen Fingern
zog ich einen Faden auf und gab
sachte nach, die Spannung zu verringern -
und schon glitt er von den Nadeln ab.
Zog ihn wieder auf, begann von neuem
und befördert mit Gewalt mein Werk:
„Handschuh werde! Wirst es sonst bereuen!”
Wie geriet er! - Klein, ein Handschuhzwerg.
Aufgepasst jetzt, deiner nicht zwei rechte
herzustellen! - Fort im Eifer ging’s,
und nach durchgestandnem Strickgefechte
passten beide Handschuh kaum und links.
Kommt mein Mädchen, lacht. Mit leichten Händen
löst sie meine Zwerggestalten auf,
neue, schönste Hüllen zu vollenden,
kleine Daumen passt sie oben drauf.
Unten aber, nach den Handgelenken,
macht sie jeweils einen wulstigen Ring,
die ersehnten Handschuh mir zu schenken,
deren Fertigstellung ich nun sing.