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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Das Hexameter-Projekt

Das Hexameter-Projekt

© 2010 Dirk Schindelbeck

Wer in einer der Suchmasken im Internet „Hexameter” eingibt, wird, zumindest was moderne Beispiele betrifft, ziemlich enttäuscht sein. Die Ergebnisse pflegen sich auf klassische Texte zu konzentrieren; breit vertreten ist selbstverständlich die Antike (Homer, Vergil, Ovid, Theokrit, Juvenal usw.), evtl. werden einige Treffer aus der Zeit des lateinischen Mittelalters (Waltharius, Mosella u.a.) zutage gefördert, sodann Klopstock, Goethe, evtl. Hölderlin oder Mörike. Das war’s.

Seit Jahrzehnten findet keine moderne Hexameter-Praxis mehr statt: Es mag sein, dass inzwischen der Mut dazu gänzlich verloren gegangen ist, nachdem selbst Autoren von Weltgeltung wie Thomas Mann (Gesang vom Kindchen, 1916[1]) oder Bert Brecht (Lehrgedicht über die Natur des Menschen, Fragment, 1946[2]) auf diesem Terrain erschreckend  schwache Stücke abgeliefert haben, sodass die Gattung selbst auch von der Forschung inzwischen als historisch überlebt abgehakt wird. Die herrschende Lehrmeinung innerhalb der Germanistik jedenfalls teilt diese Auffassung gern, dass mit der Wahrnehmung hexametrischer Texte, die ihren Qualitätsvorstellungen genügen, bei Mörike, im günstigsten Fall um 1900 Schlussbilanz zu ziehen sei.

Dennoch ist es nicht einzusehen, dass alle Epik, alles erzählende Dichten im 20./21. Jahrhundert nur auf die Form des Prosaromans beschränkt bleiben soll.

Zu fragen ist also, was die lebendige Adaption dieses genialen Verskonzepts heute so behindert, ja blockiert? Ist er wirklich so antiquiert, wie es den Anschein hat oder wie einige den Anschein machen? Ich meine nein: Wie kein anderer Vers bietet der Hexameter ein ebenso ausgewogenes wie spannendes Mischungsverhältnis zwischen vielen Freiheiten, die er lässt und einigen, freilich unverzichtbaren, Regelmäßigkeiten, die er fordert - was ihn in der Handhabung außerordentlich bequem macht und eine hohe Festigkeit verleiht. Um ihn zu meistern, muss sich auch niemand in die Abgründe der deutschen oder gar lateinischen resp. altgriechischen Metrik einarbeiten. Internetseiten, die solches behaupten und sich folglich bloß auf diesen formalen Aspekt kaprizieren, haben den Sinn hexametrischen Dichtens nicht verstanden.

Wer den Hexameter als melodisches Grundkonzept begreift, dem erschließt er sich auf eine ganz andere Weise. Er rollt ab wie eine große, rhythmisch strukturierte Welle, die denjenigen, der auf ihr zu schwimmen übt, irgendwann auch zu tragen beginnt. Will sagen: Wer seine Melodik einmal begriffen und verinnerlicht hat, dem geht er automatisch von der Hand bzw. in Fleisch und Blut über. Dass er vermöge dieser musikalischen Qualitäten sogar messbare therapeutische Wirkungen entfaltet, ist übrigens schon längst mit Erfolg ausprobiert worden.

Gerade die deutsche Sprache ist besonders prädestiniert, dem Hexameter einen Lebensraum zu erhalten. Gegenüber dem Englischen oder Französischen jedenfalls, denen es aufgrund ihrer kurzen Wortstämme unendlich viel schwerer fällt, den Vers auch nur über kurze Strecken durchzuhalten, befindet sich das Deutsche in einer geradezu komfortablen Lage. Mit seinem Schatz an Flexionsendungen, Prä- und Suffixen kommt es den antiken wie keine andere der modernen Sprachen sehr nah - was die Realisierung hexametrischer Gedichte und Epen vergleichsweise einfach macht. Und dennoch geschieht dies nicht oder nur äußerst rudimentär: Warum?

Gründe für Enthaltsamkeit und Ignoranz

1.) Generell scheint der Sinn für den (regelmäßigen) Vers bei heutigen Autoren unterentwickelt (inzwischen macht sich das über mehrere Generationen aufgehäufte Defizit humanistischer Bildung massiv bemerkbar). Das war in der Antike anders, bedeutete keineswegs nur eine Formalität, als die sie heute gehandelt wird, sondern war die Zugangsvoraussetzung, um am öffentlichen Diskurs teilnehmen zu dürfen. Es war zudem ein Ausdruck vornehmen Wesens, seine Adressaten auch mit einem Mindestmaß an melodischer Durchformung seines Elaborates zu erfreuen. Dazu war „gebundene Rede” (also der Vers) unabdingbar. Erst Aristoteles (der Banause), selbst hexameter-unfähig, stellte die Eignung des Hexameters auch für philosophische Texte in Frage (was sollte er, der ja nur noch Prosa konnte, auch anderes tun?).

2.) Nicht metrische Hürden sind es, welche eine lebendige Hexameter-Praxis heute verhindern, sondern weit eher das, was der Vers an Gattungsforderungen offensichtlich immer gleich mit aufruft - Rücksichten auf  Traditionen wie das Heldenepos auf der einen Seite und die Idylle (Ekloge) auf der anderen. Da es in unserer Zeit einerseits keine „richtigen” (sozusagen noch von der Wolfsmutter gesäugten) Helden mehr gibt, andererseits auch - wegen der globalen Vernetzung - keine „richtige” (d.i. „glaubhafte”) Idylle mehr („Auch ich bin in Arkadien geboren” usw.), erscheint der Hexameter nicht mehr als ein abwegiges Apercu zu sein.

Zu diesen Rücksichten auf klassische Vorbilder gehört z.B. das „stehende Beiwort”, das Thomas Mann ausgiebig verwendete und welches den Text süßlich bis kitschig machte. Was bei Goethe (z.B. „die gute, verständige Hausfrau” in „Hermann und Dorothea”) und allenfalls noch bei Hebbel funktionierte, funktionierte bei Thomas Mann nicht mehr. Brecht wiederum meinte, den hohen Stil, wie er ihn bei Lukrez vorfand, imitieren zu müssen durch übermäßig viele Gerundiv-Konstruktionen. Auch das misslang.

3.) Ein klassisches Spielfeld des antiken Hexameters wird seit etlichen Jahrzehnten ebenfalls nicht mehr als zeitgemäß wahrgenommen und dementsprechend nicht mehr bedient: das philosophische bzw. naturwissenschaftliche Lehrgedicht, wie es seit Parmenides („Über das Sein”), Empedokles („Katharmoi”) oder Lukrez („De rerum natura”) einen nicht unerheblichen Teil hexametrischen Dichtens schlechthin ausmachte. In der Literaturwissenschaft gilt bis heute Goethes Metamorphose der Tiere als der letzte einsam gebliebene Vertreter seiner Art.

4.) Der wohl größte Widerstand gegen die kontinuierliche Weiterführung und Weiterentwicklung hexametrischen Dichtens ist der „hohe Ton”, den der Vers - nach Meinung vieler auch heute noch - augenscheinlich verlangt. Andererseits steht dieser „hohe Ton” uns Heutigen nicht mehr leicht zu Gebote (schon gar nicht, wenn er über Tausende von Versen hin, wie sie das große Epos fordert, durchgehalten werden soll). Einen Begriff davon, was der „hohe Ton” einst war, gibt z.B. Friedrich Gottlieb Klopstocks Messias, der beginnt:

„Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung,
Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet
Und durch die er Adams Geschlecht zu der Liebe der Gottheit
Mit dem Blute des heiligen Bundes von neuem geschenkt hat.
Also geschah des Ewigen Wille. Vergebens erhub sich
Satan wider den göttlichen Sohn; umsonst stand Judäa
Wider ihn auf; er thats, und vollbrachte die große Versöhnung.
Aber, o Werk, das nur Gott allgegenwärtig erkennet,
Darf sich die Dichtkunst auch wohl aus dunkler Ferne dir nähern?”

5.) Die Nicht-Wahrnehmung und -Weiterführung der bukolischen Tradition. Nehmen wir beispielsweise ein Gedicht wie Mörikes Elegie (Hexameter + Pentameter) „Häusliche Szene”, so fällt auf, dass diese aus dem Umgang mit Theokrit und anderen antiken Autoren erwachsene Kenntnis der idyllischer Tradition geradezu wie abgebrochen erscheint - eine weithin ungenutzte Ressource. Gerade heute, wo sich so viele Spezialwelten auftun, erscheint deren idyllische Behandlung und Darstellung durchaus möglich.

6.) Ebenso gründlich vergessen worden erscheint die Gattung des „komischen Epos”, zu der letztlich noch fast Werke von Wilhelm Busch gehören. Auch hier stehen große, weithin ungenutzte Vorbilder und Ressourcen zur Verfügung.

Möglichkeiten hexametrischen Dichtens heute

Aus den klassischen Betätigungsfeldern hexametrischen Dichtens wie

  • Helden- bzw. Nationalepos
  • Ekloge (Idylle)
  • Lehrgedicht
  • Satire

finden Sie im Folgenden einige Musterstücke aus meiner poetischen Praxis, vor allem Texte, die historisches Material verarbeiten und sozusagen Bausteine zu einem „komischen Nationalepos” sind, z. B.

1.) Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter. Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos (kontrastriert den fiktionalen Obertext der Schöpfungsgeschichte dessen, “wie wir wurden, was wir sind”, in einem großen Fußnotenapparat mit diversen historischen Sachinformation: docere et delectrare zugleich)

2.) “Niemand ist besser für Deutschland!” Lehrgedicht über Masse und Demokratie (gewissermaßen die Fortsetzung des Schöpfungsmythos, aber ein Versuch, durch Thema und Gegenthema gewissermaßen zweistimmig zu arbeiten)

3.) Pater Leppich und die Nylon-Dirnen (verarbeitet zwei große Spiegel-Artikel sowie eine Werbeschallplatte der Firma NSU von 1953)

4.) Der Dauerhamster - ein Pädagogen-Projekt (sowohl als Prosa-Text wie auch als milde Hexameter-Satire verfügbar)

5.) Im Fortgeschrittenen-Tanzkurs - ein Dialog (Ekloge in der Tradition der Syrakuserinnen am Adonisfest des Theokritos)

Viel Spaß beim Lesen,

Dirk Schindelbeck

Freiburg, Juli 2010


[1] Eine kleine Probe aus Thomas Manns hexametrischen Epos „Gesang vom Kindchen” (1916), dem wohl mit Abstand schwächsten Produkt des großen Romanciers, mag als Anschauungsbeispiel genügen. :
„ …. Kindchen; Nord im West und östlich tieferer Süden,
Nieder- und Morgenland. Von gelber Wüste erzählet
Mir das zierlich vorgebaute Untergesichtchen
Und das arabische Näschen. Lächelt mir freundlich dein Auge?
Blau zwar strahlt es wie nordisch Eis, doch zuweilen, kaum faßbar
Meinem prüfenden Sinn, aus seiner Tiefe erdunkelt’s
Irgendwie süß und exotisch, in fremder Schwermut, - indes doch
Blond die Braue dir steht, ganz wie den hansischen Vätern
(Lächeln muß ich fürwahr, so wohl erkenn’ ich das Merkmal),
Welche mit nüchternem Sinn und würdig schritten zum Rathaus
Und im Sitzungssaale die Dose boten dem Nachbarn, -
Kaufherrn zumal, rundbärtig, und Reeder fernreisender Schiffe …
Wisse, du bist im Osten gezeugt. Es zeugte im Märchen
Nordisches Seefahrerblut dich, nach Abenteuern begierig…”
[2] Ähnlich schwer mit dem Hexameter tut sich Bert Brecht in seinem von Lukrez „De Rerum natura” inspirierten „Lehrgedicht über die Natur des Menschen (Gesammelte Gedichte, Frankfurt 1986, Bd. 3, S. 895ff.)
„…Auch war die Art, die Industrie aufzubauen doch nicht
Einfach die falsche, sondern die wirkliche. Diese Maschinen
Wurden gebaut und betrieben so wie möglich gewesen…
Aber in Wirklichkeit waren die Herrn nicht so herrlich.
Als nun aber die immer fortschreitende Menschheit derartig
Wie es die Klassiker zeigen, in jenen Zustand geraten war
Wo jeder Fortschritt nunmehr und jede neue Erfindung
Ehern die Menschen in immer tiefre Entmenschung hineintrieb,
fing auch die Sprache an, rasch zu verkommen und jede Verständigung
wurde unmöglich…”

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Montag, 26. Juli 2010 15:19
Themengebiet: Balladen/Eklogen